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Der Israelit · 1932-03-10 · Heft 11 (10.3.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 11 (10.3.1932)
Date
1932-03-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10. März 1932 Der Israettt »Die. Lage ist in diesem Jahre insofern wesentlich besser als früher, als die sowjetrussische Regierung Wege geschaffen hat, auf denen Lebensmittelpakete unversehrt und mit viel kürzerer Laufzeit als bisher an die Empfänger gelangen. Die Sendungen können entweder durch die von der Regierung autorisierte A u s l a n d s Handelsgesellschaft Sovtorgflot über Riga gehen, wobei die Pakete auch mit rituell vollkommen einwandfreiem Pesachmehl versehen werden können, oder aber durch die Inlands Handelsgesellschaft T o r g s i n, die in Nutzland selbst in größeren Zentren Konsumgesellschaften errichtet hat. Letztere Methode kommt insbesondere für solche Lebensmittel, die man für Pefach überall nehmen kann, in Betracht. Jedenfalls ist die Wahl des richtigen Weges und vor allen Dingen auch die Vermeidung jeder politischen Unannehmlichkeiten für die Empfänger von der größten Wichtigkeit. Es empfiehlt sich deshalb, Gelder für Rußlandhilfe dem aufs genaueste informierten, in Wien gebildeten Komitee Rußlandhilfe, Wien II, Leopoldsgasse 26 zuzuführen, wobei die Zahlungen entweder soweit möglich direkt nach Oesterreich (Zentraleuropäische Länderbank in Wien I Expositur Franz Josefs-Kai für Rußlandhilfe oder Postscheckkonto Wien Nr. A 107 297) geleistet werden können, oder innerhalb Deutschlands nach Berlin an die Deutsche Bank und Discontogefellschaft Stadtzentrale für das Komitee für R u ß l a n d h i l f e. Wir geben im folgenden noch ein Preisverzeichnis für die Lebensmittelpreise von Torgsin nnd von Sovtorgflot in Riga wieder: Lebensmittelpreise „Torgsin kg Mehl weiß kg Reis kg Zucker kg Oel 1 kg Butter 1 kg Pfl. Butter 1 kg Tee 1 kg Kaffee 1 kg Seife Kopeken 0.45 — 0.23 Doll. „ 0.50 — 0.25 Doll. 0.45 — 0.23 Doll. Rubel 1.00 — 0.53 Doll. 2.40 — 1.22 Doll. 1.00 — 0.48 Doll. 8.00 — 4.10 Doll. 4.00 — 2.05 Doll. „ 1.20 — 0.62 Doll. Llebensmittelpreife „Sovtorgflot" Riga 1 kg 1 kg 1 kg 1 kg 1 kg 1 kg 1 kg 1 kg 1 ka Mehl weiß Reis Zucker Oel Butter Pfl. Butter Tee Kaffee Seife Lats 2.86 -r- 0.56 Doll. „ 3.15 — 0.63 Doll. 2.59 — 0.51 Doll. 9.35 — 1.89 Doll. 8.85 — 1.74 Doll. 7.85 — 1.52 Doll. .. 33.00 — 6.37 Doll. „ 16.35 — 3.14 Doll. 5.35 — 1.04 Doll. Jüdische Gemeinden werden zur Modernisierung ihre- Statuts amtlich aufgefordert. Berlin, 6. März. Der Regierungspräsident zu Arnsberg (Westfalen) hat von allen jüdischen Gemeinden seines Bezirks die Satzungen eingefordert und den Gemeinden sodann eine Frist gesetzt, in der sie die modernen und demokratischen Verhältnissen nicht mehr entsprechenden Bestimmungen ändern sollen. Ich ersuche, heißt es in dem Erlaß weiter, alsbald mit den Synagogengemeinde-Vertetungen zwecks Neuauflegung der fraglichen Satzungen in Verbindung zu treten. Bei dieser Gelegenheit verweise ich auf das in Nr. 6 des Verwaltungsblattes des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden vom 10. August 1931 abgedruckte Normalstatut hin. Zum 1. Oktober d. I. ersuche ich, mir über den Erfolg Ihrer Bemühungen zu berichten. Harry Epstein, der in der „Jüdischen Rundschau" auf diesen Erlaß aufmerksam macht, bemerkt, daß das Vorgehen des Regierungspräsidenten zu Arnsberg nicht ver einzelt dasteht. Wiederholt haben Regierungen aus eigenem Antrieb jüdische Gemeinden in Preußen aufgefordert, das Dreiklassenwahlrecht, die Entrechtung der Ausländer, das Mehrheitswahlrecht, die Karenzzeit, den Zensus abzuschaffen und' das Frauenwahlrecht einzuführen. Epstein folgt dem Regierungspräsidenten zu Arnsberg insoweit nicht, als er „das vielfach anfechtbare Normalstatut des Preußischen Landesverbandes zur Benutzung empfiehlt."! (Die Regierungen haben nicht das Recht, den Gemeinden irgendwelche Satzungen aufzudrängen. Red.). Sächsischer israelitischer Gemeindeverband. Leipzig, 4. März. Der Ausschuß des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes wählte zum ersten Vorsitzenden Karl Goldschmidt -Leipzig, zum stello. Vorsitzenden Max L e s - s e r - Dresden, zum Beisitzer Dr. John L e v y -Dresden. Sitz der Verwaltung bleibt Dresden. Der Vorsitzende teilt mit, daß auf eine Eingabe des Verbandes auch das Wirtschaftsminisierium Bestimmungen über Befreiung vom Schulunterricht am Sabbattage in den ihm unterstellten Handels- und Gewerbeschulen getroffen habe. Wegen Gleichstellung der Juden hinsichtlich des Religionsunterrichtes mit den anderen Konfessionen ist eine Eingabe an den Landtag beabsichtigt. Ferner wurde beschlossen, das einschlägige Material der katholischen Geistlichkeit zugängig zu machen. Weiter beschäftigte man sich mit der Schaffung einer Geschäftsordnung und mit Steuerfragen. Im Ministerium ist ein Gesetzentwurf betreffend Religionssteuer in Ausarbeitung begriffen, wobei es wichtig ist, die Gesichtspunkte, die für die jüdischen Gemeinden in Betracht kommen, zur Geltung zu bringen. Als Vertreter des Verbandes in dem Ausschuß des Reichsverbandes der Landesverbände wurde R.-A. Dr. G o l d b e r g - Plauen gewählt. In den Haushaltsplan 1932 wurde im Hinblick auf die kleinen Gemeinden ein Posten für Tuberkulosefürsorge, der früher gestrichen war, in mäßiger Höhe wieder eingesetzt. Als Beitrag für den Verband durch die Gemeinden werden 2°/oo des Reichseinkommensteuersolls für 1930 festgesetzt. Ein Versuch, die Chemnitzer Wahlrechtsfrage (Entrechtung der Ausländer) zur Debatte zu stellen, wurde von der Mehrheit unterbunden. Oesterreich. Dapäpftlidjc Dekret gegen den Antisemitismus. Wien, 1. März. Nachdem in der letzten Zeit über den Inhalt des Dekrets des Papstes Pius XI. vom 25. März 1928 verschiedene Versionen kursieren, wird nun von offiziöser Seite der folgende authentische Text des Dekrets verbreitet: „Die katholische Kirche hat von je für das jüdische Volk gebetet. Von solcher Liebe bewegt, hat der Apostolische Stuhl dieses jüdische Volk gegen ungerechte Verfolgungen in Schutz genommen. So wie er jeden Haß und jede Feindschaft zwischen den Völkern zurückweist, ebenso verurteilt er aufs schärfste den Haß gegen das Volk, das als das von G'tt auserwählte verzeichnet worden ist; damit ist jener Haß gemeint, den man heute mit dem Namen Antisemitismus bezeichnet." — Der bekannte österreichische Jesuitenpater Georg Bichlmayer stellt in der Wiener Presse fest, daß er in seiner Radio-Weihnachtsrede an das katholische Volk, die von der Hakenkreuzler-Presse so scharf angegriffen worden war, sich dieses offiziellen Textes bedient hat. Generalversammlung des „Schomre Schabbos". HB i c n, 2. März Sonntag, fand im großen Saale des Hotels „Bayerischer Hof" unter Vorsitz des Herrn Moritz Felsenburg die Generalversammlung des Verbandes der Sabbathfreunde „Schomre Schabbos" statt. Mehr als 1000 Per- Nr. 11 Seite 5 sonen waren anwesend, als der Vorsitzende die Versammlung eröfsnete und Herrn Generalsekretär David Türk! das Wort zur Erstattung des Tätigkeitsberichtes erteilte. Die Stellenvermittlung, Gewerbeförderung, Rabattaltion, Jnterveniionen, Ncchtsberatung, Winterhilfsaktion, wurden mit Rücksicht auf den vorliegenden gedruckten Tätigkeitsbericht nur kurz gestreift. Der Referent richtet einen dringenden Appell an die - jüdische Bevölkerung, die Arbeiten des „Schomre Schabbos", die lediglich den Wirtschaftsi nieressen der strenggläubigen Judenschaft dienen auf das kräftigste zu unterstützten und die Stellenvermittlung des Schomre Schabbos" in jedem Badarfsfalle in Anspruch zu nehmen. In geistreicher Weise verstand es Oberrabbiner Dr. H. Carlebach, den Zuhörern einen Begriff über die heilige Schabbosidee zu vermitteln. Der Halacha, der praktischen Seite der Arbeit für den Schabbos folgte die Agada, die Aufklärung über Sinn und Größe des Schabbos. Der Schabbos als Keren des strenggläubigen Judentums, der Schabbos als Mittelpunkt, um den sich das jüdische Familienleben konzentriert, der Schabbos, als der von G'tt gegebene und gesegnete Ruhetag muß heute, mehr denn je, mit aller Kraft verteidigt und mit aller Macht der nächsten Generation erhalten bleiben. Wie jener Fahrgast, der dem Fuhrmann zuliebe seinen Rucksack auf den Schultern behalten wollte, uv; den Zugpferd die Arbeit zu erleichtern, machen'es jene, die nicht stets der Allmacht des (En tgelt sich bewußt sind und nicht wissen, daß der Allmächtige durch den Sabbath, für den Sabbath und wegen des Sabbath, dem Menschen mit seinem unfaßlichen G'ttesscgen Brccho und Parnoßo ins Haus bringt. Mit starken! Beifall dankten die Zuhörer für die ausgezeichneten Ausführungen. Die Versammlung hat nachstehende Resolution angenommen: Die am 1. März 1932 im großen Festsaale des Hotel „Bayerischer Hof" versammelten strenggläubigen Juden Wiens haben beschlossen, den Vorstand des Verbandes der Sabbathfreunde „Schomre Schabbos" zu beauftragen, mit aller Energie für eine Lockerung der bestehenden Bestimmungen über die Sonntagsruhe einzu treten. Die Idee und die Wohltat eines allwöchentlichen Ruhetages hat zum ersten Male die jüdische Religionslehre der Menschheit geschenkt. Niemals kann die Vorschrift der Sonntagsruhe anders betrachtet werden, denn als eine soziale Wohltat für alle Menschen, die in schwerer Arbeit ihr tägliches Brot verdienen müssen. Niemals aber darf diese soziale Errungenschaft zur Unterdrückung jener Kreise dienen, die ohnedies einen 25 stündigen vollen Ruhetag in jeder Woche einhaltcn müssen. Die Versammlung verweist aus die gesetzlichen Bestimmungen in vielen Kulturstaaten, wo jenen jüdischen Geschäftsleuten, die ihre Läden am Samstag geschlossen halten, das Oeffnen derselben an Sonntagen erlaubt ist. Die Versammlung richtet daher an die hohe Bundesregierung nud den Nationalrat die dringende Bitte, in Berücksichtigung der hier angesührteu Tatsachen und in Anlehnung an die Gesetze anderer Länder, auch in. Oesterreich, jenen jüdischen Händlern, die an Samstagen ihre Geschäfte geschlossen halten, das Oeffnen derselben an Sonntagen zu erlauben, wobei dar Personal nicht mitbeschäftigt werden soll. Polen. Eine akademische Feier im Stadtrat. Warschau, 22. Febr. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der P o a l e A g u d a s I i s r o e l fand im großen Sitzungssaale des Stadtrates Samstag abend eine Akademische Feier statt, die gewaltige Beteiligung fand. Herr I. L. O r l e a n hielt die Festrede. Es sprachen ferner Rabbiner K a - Neu mitgenommen HDS Neu aufgenommen f Alleinvertrieb durch dieFirina a Sin ton Stlexandcr, Scvfin (HO. 18, Cands6evgcrs(raßc 91 Niederlage für Frankfurt a. M.: Fa. A. Metzger, Lan gestrafte 7 B

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