Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1932)
- Date
- 1932-03-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3. März 1932 D « r 3 s t « c I i t Blätter Nr. 3 Seite 3 . S. Preis: eine' Bsömimbüchse, in Erez Jisroel hergestellt, von Olivenholz, ' 7. Preis: ebenfalls eine Bsömimbüchse, in Erez Jis-- roel hergestellt, von Olivenholz, S. Preis: ein.Exemplar: Choreb von S. N. Hirsch, 9. Preis: ein Exemplar: Tehillim von S. R. Hirsch. 10. Preis: zwei Bände: Rabbi Jofelmannpon Rosheim von Dr. M. Lehmann: mindestens 2Nk. 50.—: 11. bis 20. Preis inkl.: Wertvolle Bücher bekannter Autoren. mindestens Mk. 25.—: 21. bis 30. Preis inkl.: Kultgegenstände in Erez Jisroel hergestellt. Bei dem Preisausschreiben vom Adar Rischon hat die Agudas Jisroel-Jugendgruppe in Frankfurt a. M., welche mit zwei Punkten beteiligt war, den Preis der Reise nach Erez Jisroel gewonnen. Das Erez Jisroel-Amt der Jugendgruppe hat dem Führerschaftsleiter Manfred Neuberger das Billet Überträgen. Erez-Iisroel-Reife 5692. Die im Rahmen der Adar-Aktion durch die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel veranstaltete Reise nach Crez Jisroel beginnt am l. Adar H 6692/9. Wärz 1952 auf dem Schiffe „Carnaro", welches Wittwoch mittag, 1 Uhr in Triest abgeht. Der Ruf der Palästina-Zentrale hat starken Widerhall gefunden. Ts beteiligen sich an dieser Reise aus der Ezechoflowakei: die Herren Oberrabbiner Dufchinsky Ehust und drei Begleiter, Herr Schwarz, Bratislava. Danzig: Herr Julius Lippmann. Deutschland: die Herren Nabb. Dr. Bohrer, Gailingen, David Becker, Frankfurt a. M., Dr. med. Heilbronn, Gailingen, Dr. med. Rotschild, Konstanz, Rechtsanwalt Willy Rothschild, Konstanz, Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt a. M., Benno Ehrlich, Frankfurt a. M., Robert Felsenstein, Fürth, Mayer Gersten, Berlin, Adolf Kohn, Nürnberg, Manfred Neuberger, Frankfurt a. M.: die Damen: Frau David Becker, Frankfurt a. M., Frau Mayer Gersten, Berlin, Frl. Rosa Heilbrunn. Lohr a. M., Frl. Kela Bamberger, Bad Kissingen. Belgien: die Herren S. G. Aronovitch, Isaak Araten, H. Kranz, H. Krengel, S. Pomex, W. Rosenberg und Frau, sämtlich aus Antwerpen. Polen: Herr David Kurzmann und Frl. Schmelkes, Krakau. Schweiz: die Herren Rabb. M. B. Kraus und Hermann Kraus-Bollag, Baden, Frl. Gitta Erlanger, Luzern, L. Hausner, Schaffhausen. Ungarn: Herr Alexander, Mjhely. Die wünsche und Hoffnungen der Aguda begleiten diese Sendboten der Gola. wir sind überzeugt, daß durch diese Reise neue, starke Impulse für unsere zukünftige Tätigkeit ausgelöst werden. Heimweh nach Erez Jisroel... Erinnerungen und Stimmungen. - „Wie fährt man, Vater, nach Erez Jisroel, auf der rechten oder der linken Seite?" Rechts, — dahin fuhr Ruwke, der Fuhrmann mit feinem Wagen nach Preußen, links fuhr der Dampfer den Njemen hinauf nach Kowno, nach Rußland. Andere Wege kannten wir nicht, als rechts nach Preußen und links nach Rußland. Der Vater, wohlbewandert in allen Teilen des Schrifttums, weniger aber bekannt in den Himmelsrichtungen und in den rätselhaften Punkten und Strichen der Landkarte, kam einen Augenblick in Verlegenheit, richtete dann die Augen nach dem Osten und wies auf das graue Misrachbild an der Wand. „Hier geht der Weg nach Erez Jisroel!" Es war der Weg, auf dem er dreimal täglich im Geiste nach dem heiligen Lande und nach Jerusalem, der heiligen Stadt, gefahren war.- Im Eheder erzählten wir uns oft in der Dämmerstunde, wenn der Rebbe zum Minchagebete gegangen war, bei den roten Flammen des Ofens von der Zeit/ da wir alle, Mofchiach mit der Posaune voraus, nach dem Lande der Väter wallen werden. Es wird einen großen schweren Krieg geben. Sie, die Völker, werden auf eisernen Brücken gehen: die Brücken bersten und stürzen. Wir wandern über papierne Brücken und schla- Smit den Schausäden die Feinde rechts und links zu en . . . Selten ging die schöne Geschichte zu Ende, bevor der Rebbe wieder ins Haus kam und all den Träumen ein Ende machte.-— . Im schwarzüberzogenen Holzkästchen, das die kostbaren Heiligtümer des Vaters barg, und an das wir Kinder niemals heran dursten, lag ein kleines Säckchen. Wir sahen es nur einmal im Jahr, wenn am Abend vor Pefsach auch dieses Schatzkästlein dem Schüttelprozeß unterzogen wurde. Voller Ehrfurcht, mit verträumten Augen, standen wir vor diesem Säckchen, das zu berühren, kemer gewagt hätte. Erez Jisroel-Erde war darin. W:e konnten sie nie sehen, aber wenn Stäubchen hinaussteleN, sahen sie ganz fein, trocken und gelb, fast golden aus. Dieses Säckchen hatte sich der Vater für die letzte Fahrt aufgehoben.- An der Ostwand in der besseren Stube hing ein altvergilbtes Bild in seinem braunen wurmstichigen Rahmen. Oben in großer Schrift, von zwei phantastischen Löwen mit weit herausgestreckten Zungen festgehalten, das Wort „Misrach". Darunter ein Bau mit einer Kuppel, an deren Seite eine Zinne in den Himmel ragte. Daneben eine niedere Mauer mit abbröckelnden Steinen, und davor ein paar betende Menschen, die die flache Hand vor die Augen hielten. Darunter las man die Worte: „Kotel Hamavori". Es ist mir in Erinnerung geblieben, daß ich einmal in der Nacht zum 9. Aw — ich dürfte damals etwa neun Jahre alt gewesen sein — nach einer Vorlesung des Rebben aus den Geschichten der Zerstörung im Midrasch, ganz allein vor dem Bild stand, die abbröckelnden Steine auf dem Bilde küßte und dabei bitterlich weinte. Als zu Anfang der achtziger Jahre die neue Palästmabewegung nach den Maipogromen einsetzte und unter dem Namen „Vilui" Studenten aus allen Enden Rußlands, zum Teil zu Fuß, den Weg nach Palästina antraten, um dort die Erde zu bebauen und mit Hilfe von Magnaten und neugegründeten Organisationen die ersten Kolonien zu gründen, waren wir Kinder von dem Fieber so besessen, daß wir — die Zehnsind Elfjährigen — einen geheimen Bund gründeten und in allem Ernste beschlossen, heimlich und zu Fuß in corpore nach Palästina zu marschieren. Ausgerüstet mit Holzsäbel und was sonst noch zu so einem Marsch gehörte, machten wir uns an einem chederfreien Sommernachmittag, kriegerisch gestimmt, auf den Weg. Wir kamen nicht sehr weit. Hinter dem Friedhof stießen wir auf eine Gruppe von Bauernburschen, die dort Schafe und Schweine hüteten. Sofort machten sie sich über uns her. Wir nahmen Reißaus und sie warfen uns Steine nach. Der Feldzug war mißlungen. An der Grenze waren wir von Philistern aufgehalten worden, die uns nicht in das Land ließen. G'tt wollte nicht. — — — Wasser mit dem meuchlings vergossenen Blute des Dichters färbte?! ... . „ Koffer werden gepackt, Vorbereitungen getroffen. Die Fahrt steht im Fahrplan und kann auf der Karte über blaue Seen, an grünen Inseln vorbei verfolgt werden. Ein Traum wird Wirklichkeit. O daß die Wirklichkeit den Traum nicht zerstört! Meine Jungen, die bei mir täglich nach Arbeitsschlutz Talmud lernen, teilen meine Stimmung mit der ganzen frischen Empfänglichkeit ihrer jugendlichen Seele. Wir sprechen vor und nach der Stunde nur noch, von Erez Jisroel. Und klingt das Wort aus der verzweigten Auseinandersetzung in der Gemoro auf, huscht ein Leuchten über ihre Gesichter und sie schauen zu mir auf. Gruß aus der Heimat! ... „Was soll ich Euch, Jungen, mitbringen? Ein kleiner, rotwangiger, frischer Junge, der lebhafteste in der Schar, reicht mir mit lachendem Auge ein leeres Säckchen hin. Etwas Erde und Steinchen möchte ich ihm mitbringen. Aus der heiligen Erde vor der Westmauer. ' . . , ,/Wie kommst du. Lieber, bei deiner Jugend, mit deinem lachenden Leben, aus Erez Jisroel-Erde?" -„Sv! Möchte die heilige Erde sehen, sie haben". Unwillkürlich muß ich an das geheimnisvolle Säckchen in Vaters Schatzkästlein denken. Ist das nicht dis alte, ewig neue Sehnsucht, mit der wir vielleicht in die ersten Träume gesungen wurden? Ob fünfzig Jahre früher oder später, ob in Litauen oder im Süden Deutschlands! „Denn es betreuen deine Diener seine Steine, Und seine Erde liebkosen sie . . ." Ein neues Geschlecht, liebe Jungen, ist entstanden. Es will nicht allein auf heiliger Erde zur letzten Ruh» gebettet fein. Es will auf Erez Jisroel-Erde leben. Der Heiligkeitscharakter der Erez Jisroel-Erde ist umgedeutet — und ist doch heilig geblieben. Ich will Erez Jisroel-Erde mitbringen, recht viel Erez Jisroel-Erde, Erez Jisroel-Erde für die Jungen, Erez Jisroel-Erde für das Leben! . . . —ß- Schlachmonaus-Ablöfung zu Purim. Irgendwo in meinem Gedächtnis lebt Leibze, der Schochet, der auf seinen alten Tagen nach Palästina auswanderte. Fuhr ein Jude nach Amerika, so war das nichts Neues im Städtchen. Amerika war mit dem Städtchen mit tausend Fäden verbunden. Es gingen Bettelbriefe vom Städtchen nach Amerika, es kamen Dollars und Schiffskarten von Amerika nach dem Städtchen: verlassene Frauen saßen im Städtchen und trauerten um ihre verschollenen Männer in Amerika, Männer „machten in Amerika ein Leben" und vergaßen Weib und Kind im Städtchen. Das war so etwas wie Lauf der Welt. Aber Erez Jisroel! Es war das Land der Bibel, das Land des Gebetbuches — und Leibze. der Schochet, fuhr nach Erez Jisroel, das hieß soviel: er fuhr in die Bibel, ins Gebetbuch hinein . . . Ich sehe noch, wie er am Morgen vor der Abfahrt, eine große Begleitmannschaft hinter.ihm her, von Haus zu Haus ging, um sich zu verabschieden. Wer es irgendwie konnte, ließ sich von ihm an diesem Morgen noch ein Huhn schächten. Er sollte vor seiner Abfahrt ins heilige Land im Hause noch eine Brocho machen. Jeder steckte ihm noch etwas in die Hand, und Wünsche nahm er ganze Bündel mit. Der eine hatte Nahtungssorgen, die andere einen kranken Mann oder ein krankes Kind im Haus. Rabbi Leibze sollte all ihre Gebete, alle ihre Sorgen und Tränen geradeswegs zur heiligen Mauer oder zum Grab von Mutter Rahel oder zu der D o p p e l h ö h l e, darin die drei Erzväter und Erzmütter schlummerten, tragen.- Es ging ins Leben hinaus. Manche Brücke, die eisern schien, stürzte, die papierne nach Erez Jisroel blieb. Harte Realitäten zerrannen wie Träume. Der Erez Jisroeltraum war und blieb etwas Lebendiges, etwas Wesenhaftes, durch keinen Sturm des Lebens abschütteln. Koffer sind geöffnet und werden gepackt. Ein Traum des Lebens sieht seiner Erfüllung entgegen. Ueber fünfzig Jahre trägt man sich mit einer stillen leisen Hoffnung herum und wagt nicht, ernstlich an ihre Erfüllung zu glauben. Und eines Tages steht sie da, diese Hoffnung, bekommt Haut und Knochen und feste Gestalt und sagt: „Komm, wir gehen, dahin ich dich seit fünfzig Jahren trug, wir gehen wirklich! ..." Eine papierne Brücke führt dahin. Die eisernen sind gebrochen. Beziehungen zu Papier, zu Geist, zu Ideen, zu gesprochenen Worten und geschriebenen Buchstaben, die sich zu Sätzen formten, bahnen den Weq ins Traumland. Der Traum war allezeit Leben und Wirklichkeit. Ob nicht die Wirklichkeit den Traum verrinnen und verrauschen läßt?! Ist das die leise Angst, die sich wie kleiner Schatten über das größte Glück legt? „Ich im Westen und mein Herz im Osten!", so singt Jehuda Halevy. Rauscht nicht vielleicht der Jordan lauter und reiner Lurch seine Lieder, die in Toledo auf den Pyrenäen entstanden sind, als dort, wo er wirklich fließt und sich sein Im Auftrag von Herrn / Frau. wird auf den Namen von Herrn / Frau. ein Wonat ein Kind in Crez Jisroel unterrichtet, gespeist und gekleidet. Mit herzlichem Purimgruß Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. wir verweisen aus die in den letzten Jahren bereits vielfach beliebt gewordenen Schlachmonaus-Ablösungen zu Gunsten der Schulkinder in Crez Jisroel. Selbstverständlich ist es zunächst religiöse Pflicht, Sch la ch mo n au s zu persenden, wie esden r e l i g i ö s e n v o rs ch r i f t e n entspricht. Darüber hinaus ist es äber eine schöne jüdische Gepflogenheit, seinen weiteren Bekanntenkreis ctm Purim zu erfreuen. Welche Freude wäre aber nützlicher und nachhaltiger, als jemanden das Bewußtsein zu verschaffen, daß auf seinen Namen ein Kind in Crez. Jisroel materiell und ideell verpflegt wird. Die Kosten hierfür betragen für eine Woche Wk. 3.—, für zwei Wochen Wk. 6.—, für einen Wonat Alk. 10.—. Nach obenstehendem Wüster wird von der Palästina-Zentrale an alle ihr bis zum Wontag, den 21. Wärz / 15* Adar II aufgegebenen Adressen eine Witteilung so cingesandt, daß sie an puriin in die Hände der Adressaten gelangt. Auch können Karten direkt von uns bezogen werden. Wir ersuchen, von dieser Clnrichtung recht viel Gebrauch zu machen. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Schwanenstr. 12. Die Adar-Aktion zur Zeit des Tempelheiliglums. (Nach Waimonides Wifchne Thora, Vorschriften über Schckolim, Kap. 1, 1, 9.) „Cs ist ein Gebot der Thora, daß jeder jüdischer Wann den halben Schekel alljährlich gebe, sogar der Arme, der sich durch Almosen ernährt, ist dazu verpflichtet. Cr möge sich von anderen das Geld auslelhen oder sein Kleid verkaufen und einen halben