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Der Israelit · 1932-03-03 · Heft 10 (3.3.1932) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 10 (3.3.1932)
Date
1932-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 10 Der Israelit 3. März 1932 tung" inachte. Dlit den paar Tagen Gefängnis war fallen. In einem Jahr würde Pesach ganz ordentlich, Eselchen schwer wurde, von einer so braven Familie das Glück/unter Freunden ohne tägliche Gefahr dem?^e es^^Ert, zwischen März und^Aprll fallen: fort, zu müssen^ Aber^ verkauft ist verkauft; der Esel Thocastudium obliegen zu können und auch materieller Sorgen enthoben zu sein, nicht zu teuer bezahlt. Lange aber, sehr lange dachten wir über jenen Tschckisten nach unö darüber, wie unergründlich doch eine jüdische Seele i st. Ainöerecke. Adar Rischon und Adar Scheut. <(Etu kleiner Auftakt von Purim.) Adar Rischon (ist damit beschäftigt, von einem gro- . ßen Kalender das Blatt: 30. Adar I abzutrennen.) Es wird bald Zeit, mich aufzumachen Sonst ist der Weadar zur Stelle Und ich Hab' dann nichts mehr zu lachen Das ist ein bösart'ger Geselle. Der hat mit seinen frechen Lügen Die meisten Menschen falsch belehrt — Als würde m i ch hinzu man fügen! Dabei ist's grade umgekehrt! Er denkt stets nur mir nachzuäffen Da mach' ich besser mich davon Ich will ihn lieber nicht mehr treffen- (Adar Scheni kommt.) Ach, sieh mal an, da ist er schon! Adar II (verbeugt sich): Freu' mich sehr, dich noch zu sehen Mein Name ist: Adar, der Zweite. — Es wird wohl Zeit für dich zu gehen, Erlaub', daß ich dich raus begleite! Adar l: Du hätt'st ja draußen mich schon gerne Jedoch es sind noch zehn Minuten Bis man erblicken kann drei Sterne Das ist doch 's Zeichen bei den Juden. Adar H : Daß du noch bleiben willst, ist klar, Du kommst doch nebbich auch nur selten So sieben Mal in neunzehn Jahr'- Adar 1 : Du, Schwindler, möchtest stets mehr gelten — I ch bin der richtige Adar, Das wissen selbst die jüngsten Bachurim Adar ll: Ach geh', wer glaubt dir das, du Narr, Im Adar Scheni ist doch Purim! Bei dir — was ists schon? Purim koton — Nur grab der Tachanun fällt aus! Adar I: Sei still, du Quälgeist, schlimmer Soton Du kommst mir nächstes Jahr nicht raus. (langsam): Ich, Adar Rischon komme In jeglichem normalen Jahr Und auch im Schaltjahr bleibt ein jeder Besondre Tag bei nur, das ist doch klar. Mosches Geburts- und Sterbetag Der Purim Frankfurt — Purim Binz — Natürlich im Adar Rischon lag Das leuchtet jedem ein — ich finds. (Adar II sucht ihn dauernd zu unterbrechen, es gelingt ihm aber nicht.) Nur Purim in deinen Monat fällt Und weißt du auch, warum man das macht? Weil's manche Dumme gibt in der Welt Die hätten dann vielleicht gedacht — Wär Purim im Adar Rischon gewesen Sie müßten dann vier Wochen nachher Bei Mazzos und Moror — Hagodo lesen! Daher nur kommst du zu der Ehr'. Und nur aus diesem einz'gen Grunde Denn der Schaltmonat, ja der bist du! So, und nun schlägt die siebente Stunde. Deine Herrschaft beginnt. Viel Vergnügen dazu! Vom Schaltjahr. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an das, was ich Euch letztes Jahr von dem Sonnen- und dem Mondjahr erzählt habe. Dann wißt Ihr auch noch, daß der Mond, nach welchem wir .uns doch richten, ungefähr 354 Tage braucht, bis er zwölfmal um die Erde herumgelaufen ist. Das heißt also, daß unser Mondjahr um 11 Tage kürzer ist, als das Jahr der Sonne und also wir mit unserm Jahre früher fertig sind als die Sonne z. B. braucht von einer Tekufas Nissan (Frühlings-Tag- und Nacht-Gleiche) bis zur kommenden. Würde man das einfach so anstehen lassen, so würden unsre Festtage im Vergleich zu den Sonnenmonaten immer etwas früher vier Jahre später müßten wir's aber im Februar feiern gehörte jetzt dem Fremden, und von dem Frühling, mit dem es zusammenfallen soll,! Vier Tage später, wäre noch lange nichts zu spüren. Das darf natürlich! Joseph ist eben vor seinem Hause beschäftigt mit nicht geschehen und es muß dafür gesorgt werden, daß allerlei Werk; Sarah ist in der Küche. Da sieht man der 15. Nissan immer nach der Frühlings-Tekufo fällt, auf einmal den Käufer des Esels mit dem Tier daher- Es bleibt nichts anderes übrig, als den Unterschied von kommen. 11 Tagen von Zeit zu Zeit auszugleichen, damit alles j „Hier habt ihr ihn wieder; mit dem Esel kann ich schön in Ordnung bleibt — also einen Monat einzunichts anfangen! Den kann ich nicht gebrauchen." schalten!! Joseph ist verwundert, weiß nicht, was er sagensoll. Ein derartiges verlängertes- Jahr wird sieben Mal . Schon kommt der Esel auf ihn zu, zutraulich wie immer, in 19 Jahren eingeschaltet, das ist seit langem ganz genau „Aber was fehlt denn? Das Tier hat unserm Vater doch ausgerechnet, und wurde schon vor ca. 1500 Jahren festso lange Zeit die treuesten Dienste getan und war so gesetzt. Aber in noch früheren Zeiten wurde es jedes j genügsam im Futter wie weit und breit kein Esel." Mal vom Sanhedrin bestimmt, ob ein -nyy msr, ein „Das mag sein; aber der bleibt ja bei jedem schlecht Schaltjahr eingesetzt werden sollte. Meist richtete man 1 gekleideten armen Menschen stehen und geht nicht von sich nach den Anzeichen in der Natur. Wenn der Stand der Stelle, bis ich ein Almosen gegeben habe. Da werde der Sonne darauf schließen ließ, daß bis zum 16. Nissan ich im ersten Monat schon selber arm." die Frühlingstekufo noch nicht eintreten konnte; wenn I Da lächelte Joseph; denn der Vater selig hatte den z. B. die Hirten, die doch am besten mit der Natur j Esel so gewöhnt, daß er von selbst bei Armen stehen vertraut sind, meinten, allen Anzeichen nach ließe der: blieb. Wer hätte aber gedacht, daß das brave Tier das Frühling noch auf sich warten — dann schaltete man auch beim fremden Besitzer tun würde? den Adar scheni ein. Wenn ein Zweifel bestand, ob man s So nahm er das Eselchen wieder. — „Den können einschalten solle oder nicht und man hatte gehört, daß wir nicht verkaufen, liebe Sarah," sagte Joseph. aus fernem Lande ’i’iy sich aufgemacht hätten, die nos in Jeruscholajim feiern wollten und sie konnten nicht gut pünktlich eintreffen, so stimmte man dafür, das Jahr zu verlängern. Dann konnten auch die Pilger noch rechtzeitig zu nass eintreffen. Wenn aber die Wanderer nur hinaufziehen wollten und hatten ihren Ort noch nicht verlassen, so nahm man diese Rücksicht nicht. — In einem Jahr der Mißernte fügte man keinen Monat hinzu. Die Vorräte waren dann knapp und von der neuen Ernte durfte man doch erst essen, wenn das Omer dargebracht war. Deshalb schob man in einem solchen Jahr Pesach nicht um einen Monat hinaus. War es vom Sanhedrin in Jerusalem bestimmt worden, daß ein ■vn-y nsp sein solle, so wurde es durch Briefe allen jüdischen Gemeinden mitgeteilt. Im Laufe der Zeit wurde es aber immer wichtiger, daß ein fester Kalender eingesetzt wurde. Es wurde auch immer schwieriger mit der Bekanntgabe des Neumonds, da z. B. zur Zeit von Rabbi Jehuda Hanasfi die Samaritaner falsche Feuerzeichen gaben, um die Juden irrezuführen. Auch die schriftlichen Meldungen waren in unruhigen Zeiten sehr erschwert. So kam man immer mehr dazu, durch astronomische Berechnungen die Monate und die Feste zu bestimmen. Der babylonische Amoro Schemuel z. B., von dem es heißt, daß er sich in den Bahnen des Himmels so gut auskannte wie in den Straßen seiner Heimatstadt Nehardea, war ein großer Astronom und arbeitete einen Kalender für sechzig Jahre aus. Doch machte man noch keinen Gebrauch davon und setzte das Schaltjahr noch immer nach den jeweiligen Bestimmungen ein. Als aber die Bedrückungen in Jerusalem stärker wurden und es unsicher war, ob das Sanhedrin zusammentreten konnte, führte Hillel II. einen festen Kalender ein, bei dem er wohl auch die Berechnungen Schemuels benützte. Nach diesem Kalender von Hillel II. (um 350) richten wir uns seither. Von da an ist also die Einsetzung des Schaltjahrs fest bestimmt gewesen, so daß wir z. B. auch heute schon sagen können, ob in 100 Jahren ein Schaltjahr sein wird oder nicht. (Wenn nicht Moschiach inzwischen kommt.) Also — ist in 100 Jahren ein Schaltjahr? Und warum brauchen wir wohl keines mehr, wenn Moschiach gekommen sein wird? „Weißt du, was du tust?" sagte Sarah. „Verschenke ihn an den Tempel zum Holztragen für die Opferfeuer." „Du hast recht! Das will ich tun." Und Joseph zog nach dem Sabbat hinauf zum Tempel. Und dort hat das fromme Eselchen noch lange Jahre heilige Dienste getan.' P. Augustin. Simeons Eselchen. Jahrelang sah man den alten Simeon nicht anders als auf seinem Esel reitend; denn das Alter hatte ihm das Gehen so beschwerlich gemacht. Seine braven Söhne hatten ihm diese Erleichterung verschafft, um es dem Vater möglich zu machen, die Schönheit der Fluren zu genießen und auswärtige Kinder zu besuchen. Nun war der fromme Mann gestorben. Der gute Ort hatte ihn ausgenommen; den Esel aber hatte sein Sohn Joseph geerbt. Da sagte eines Tages der Sohn Joseph zu seiner Frau, es war um die Mitte der Woche: „Liebe Sarah, wir brauchen den Esel nicht mehr; ich bin rüstig und kann meine Geschäfte noch zu Fuß besorgen; das Tier ist übrig." „So verkaufe ihn, Joseph," sagte Sarah nach ihrer anften Art. Drei Tage drauf kam ein Fremder des Weges, gerade als Joseph den Esel zur Tränke führte. Das Tier gefiel dem Fremden und ohne weiteres redete er Simeon an, ob er ihm den Esel nicht überlassen wollte. Da blickte Joseph den Mann genauer an und sah, daß er keine Zizit am Kleide hatte. Und was er da dachte, sagte er auch dem Fremden: „Heute, am heiligen Sabbat, ist kein Tag zum Kaufen, Fremdling; nicht einmal berühren würde ich dein Geld, geschweige denn annehmen." „Wenn ich aber morgen komme, wirst du mir das Tier überlassen?" „So komme morgen früh, ehe ich zur Arbeit gehe. Ich bin mit jedem Angebot zufrieden." Das sagte Joseph, um jedes Feilschen und Handeln zu vermeiden. Das konnte er schon von jung an nicht leiden. Kein Wunder, daß der Fremde den Esel ganz billig bekam, nachdem er einen Proberitt damit gemacht hatte. Als er das treue Tier mitnahm, sah man, daß es dem Briefkasten. E. Levy, Berlin. Lieber Erich, das ist natürlich sehr fein, wenn Du am Freitagabend nrw» und p.?in mit Raschi lernen kannst: aber weißt Du, manche Kinder spielen auch mit den jüngeren Geschwistern oder vielleicht mal am Schabbos nachmittag und dafür wollen wir gerne jüdische Spiele wissen und vor allem solche, zu denen man kein gekauftes Spiel benötigt. W. Levy, Orlelsburg. Lieber Wolfgang! Ich glaube, Du bist ein bißchen zu „strenge", wenn Du meinst, daß man alle Spiele wie Lotto oder Quartett am Schabbos nicht spielen dürfe. Grundsätzlich verboten sind freilich alle Spiele, die man am Werktag um Geld zu spielen pflegt, z. B. die Karten der Erwachsenen. Aber Lotto¬ oder Quartett dürft Ihr ruhig spielen, eine ist das doch wirklich auch nicht, wie Du es meinst. Aber Dein Brief hat mich trotzdem sehr gefreut, er war übrigens auch wunderschön geschrieben! Eli Goodman, London. Leider kann ich Deine schöne Freitagabendschilderung nicht mehr abdrucken, aber sie hat mir sehr gut gefallen. Schreibe nur wieder mal! Liebe Kinöcrl Ich habe mit großer Freude Eure schönen Beschreibungen gelesen, wie Ihr den Freitag abend zu Hause verbringt. Sehr schön und richtig fand ich von Euch, daß Ihr das Spiel: „Mensch ärgere sich nicht" für den Schabbos abgelehnt habt. Weil ich Euch nun schon lange sehr gerne habe, und weiß, was Ihr für Spiele liebt, habe ich für Euch einige jüdische Spiele erfunden, die sich besonders gut für Freitag abend zum Spielen eignen. Für die Kleineren von Euch ist das hebräische Lotto „Schabbos und die Feiertage" sehr lustig und unterhaltend, da seht Ihr unter anderem gleich alle Dinge abgebildet, die man den Schabbos über braucht und lernt sie auch in hebräischer Sprache benennen. Die Großen werden viel Freude haben an: „Die lustige Reise durchs jüdische Jahr". Es ist ein Wettrennen durch die Monate des jüdischen Jahres, in welchem alle Tage, die eine Bedeutung im jüdischen Kalender haben, eine Rolle spielen, und sowohl im Bilde als auch im Spielplan zu erkennen sind. Im Mittelpunkt des Jahres steht der Schabbos, wer zuerst den Monat Elul durchlaufen hat, gelängt in den Schabbos und hat das Nennen gewonnen. Ich kann Euch noch eine große Anzahl jüdische Spiele nennen, doch ich will erst mal sehen, welche Ihr schon kennt, die anderen verrate ich Euch dann. Nur zu Purim, will ich Euch noch sagen, gibt es dieses Jahr etwas Neues für Euch, nämlich ein Purimtheater mit richtigen Figuren von der Königin Esther, Mordechai usw. und schöne Verse dazu. Wer von den Frankfurter Kindern die Spiele sehen möchte, den lade ich zu mir herzlich ein, ich zeige sie Euch gerne. Kommt zur Tante Westheim, Eckenheimerlandstraße 3, pt. Auflösung des Rätsels in Nr. 6. -cni'nn p-ms) nn|X (Krug) rrn’DX (Kuchen! Richtige Lösungen sandten: Leo und Marianne Sichel, Nürnberg: Gottfried Levy, Berlin; Hermann Tayer, Frankfurt a. M.; Mirjam Goldschmidt, Frankfurt a.M.; Leo Katz, Nürnberg: Joseph Wechsler, Nürnberg: Herbert Rosemann, Berlin; Judith Ansbacher, Köln; David Wilder, Dresden;. Leo Süßholz, Trier; Mirjam Viktor, Hindenburg; Baruch Eisenberg, Leipzig: A. Davidsohn, Rastenburg: Gottschalk Schlesinger, Wien; Berthold Schenk, Wien; Juda L. Liebermann, Wien; Julius Jacobsohn, Trondhjem (Norwegen); Fr. Jenny Lewin, Tilsit.

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