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Der Israelit · 1932-03-03 · Heft 10 (3.3.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 10 (3.3.1932)
Date
1932-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der 9i raeltt Nr. 10 Sette ö Aus öiesem wachgerufenen Bedürfnis» in Schönheit und Korrektheit zu beten» suchten auch andere» oft'mit recht unlauteren Mitteln» Kapital zu schlagen. Schon 1807 kamen die Nachdrucke von Anton Schmidt in Wien Ln den Handel. Der Schutzcherem der Rabbinen für Heidenheim mußte erneuert werden» auch gegen d L e Konkurrenz» die keine absolute Nachahmung war. Man wußte Ln den rabbinischeu Kreisen Heidenheim besonderen Dank für sein vortreffliches Handbuch für die T h o r a s ch r e i b e r iLivn pv' Fingerzeige» die auf alten Handschriften beruhend» den halachischen Anforderungen volle Rechnung trugen. Wenn heute in Großgemeinden Deutschlands gut und korrekt pnpnn 'pn s"jr „geleimt" wird, so ist es wiederum nicht zuletzt ein Verdienst Heidenheims» der in seinen v'ovvn 'vswv das Ohr für die alten Noten schärft» und in seinem rnip.n öem Vorleser das nötige Rüstzeug für sein heiliges Amt in die Hand gibt. Erst 1631» ein Jahr vor seinem Tode — es fehlte ihm damals der Rat und die leitende Hand von Rabb. pinchos und Hirsche! Hurwitz — entschließt sich Heidenheim wohl nach langem Drängen der Freunde zu seiner Linken» eine Tefilloübersetzung in deutschen Lettern ivpo) herauszugeben» was» gewiß nicht mit Unrecht, als eine Konzession an die Zeit» als ein kleiner Sieg der Neuerer» die lange genug vergebens um die Seele Heiöenheims rangen» angesehen wurde; um so mehr als diesem Gebetbuch eine Vorrede von Greizenach die Sanktion gibt. So hatte er noch kurz vor seinem Lebensende ein wenig mit der Orthodoxie verdorben. Neider und Konkurrenten schürten nach Kräften das Flämmchen» aber es wurde kein Brand daraus. Die gesetzestreue Nachwelt hat es nicht so schwer genommen und ihm dieses nicht nachgetragen. Cs ist in öiesem Zusammenhänge wichtig» zu betonen» daß die ihm von Feinden angehängte Schriftv'Vinvn 'wya gegen Rabbi Nathan Adler und dessen Kreis sich als ein Pamphlet erwies» mit dem Heidenheim nicht das mindeste zu tun hatte. Der kleine Schatten» der durch das bißchen Deutsch vorübergehend auf den religiösen Charakter Heidenheims fiel» trat vollends zurück» als zwanzig Jahre nach seinem Tode mit S. R. Hirsch in Frankfurt der große Kämpfer in die Arena trat» der den Gegnern die eigene Waffe und das Monopol auf Bildung aus der Hand riß» ja beinahe beschlagnahinte» der es zeigte» wie man einem neuen Geschlechts mit allen modernen Mitteln» u. i. mit dem der r e i n e n» ö e u tf ch e n Sprache die Kenntnis der Thora und die Liebe zum Judentum vermitteln kann und muß. Am 23. Februar (22. Adar 1.) setzte der Tod einem an Arbeit, Kämpfen» Enttäuschungen und persönlichem Ungemach überreichen Druckerleben in Rödelheim ein Ende. Sein Werk lebte und lebt weiter unter dem Namen „Lehrberger" und ,»Z. Kauffmann". Manch kleine Dankesschuld hätte die deutsche Juöenheit an Heiöenheim noch abzutragen: Sein Grab in Rödelheim ist in denkbar schlechtem Zustande» ein Großteil seiner Forschungen schlummert im Staube von Archiven und Bibliotheken» kostbare Schätze» die gehoben werden müßten. Wenn aber allmorgendlich und in gehobenen Feststunden die Gebete der Tausenden aus sauberen Gebetbüchern in reiner» korrekter Sprache zum Himmel aufstcigen, dann fällt ein höherer Strahl auch auf die Ccke im TW wo Wolf Heiöenheim seinen Ehrenplatz hat, der Mann» der uns beten lehrte. -tz. Korrespondenzen « Dacbricbten. tJnLsii'- Deutsches Reich. Das preußische Judengesetz im Staatsrat. Berlin,!. März. Der preußische Staatsrat nahm heute einen Bericht seines Verfassungsausschusses über den „Entwurf eines Gesetzes über die Synagogengemeinden" entgegen. Be- Die Woche. Berlin. Die in Halle an der Saale erscheinende Halbmonatsschrift „Geheime Politik" ist wegen eines Artikels, der die Ritualmordbeschuldigung gegen die Juden erhebt, vom Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verboten worden. — In der Augsburgerstraße I wurden in der Nacht zum 25. Februar jüdische und jüdischaussehende Passanten von Natio- . nalsozialisten angerempelt, bedroht und be-; lästigt. Die Polizei sistierte 5 Nationalsozialisten und machte dabei vom Gummiknüppel Gebrauch. Ein sechster schlug eine Fensterscheibe des Polizeireviers ein, flüchtete und gab auf die ihn verfolgenden Polizeibeamten drei Schüsse ab, die ihr Ziel verfehlten. Er wurde verhaftet. Essen. In der vergangenen Nacht wurde die Essener Synagoge geschändet. In riesigen Lettern wurde über dem Portal die Inschrift „Juda verrecke!" angebracht. Die Untat hat in weiten Kreisen der Bevölkerung Empörung hervorgerufen. Man ist den Tätern, die in nationalsozialistischen Kreisen zu suchen sind, auf der Spur. Amsterdam. Hier wurde ein Jüdisches historisches Museum eröffnet. Die Behörden, wie alle jüdischen Instanzen waren vertreten. Die Eröffnungsrede hielt das jüdische Mitglied des Amsterdamer Stadtrates, E. Boeckmann. London. Feldmarschall Lord P l u m e r, der Vorgänger des jetzigen Hochkommissar in Palästina, ist e r n st l i ch erkrankt. Der Zustand des 75jährigen Mannes ist besorgniserregend. Barcelona. Die jüdische Gemeinde in Barcelona, die über eine eigene Synagoge und einen eigenen Friedhof verfügt, ist von dem Präsidenten der spanischen Provinz Katalonien offiziell anerkannt worden. Lemberg. An dem Institut für orientalische Sprachen an der Lemberger Universität wurde ein Lehrstuhl für hebräisch eingerichtet, so daß von nun ab 'Magisterprüfungen für hebräisch abgelegt werden können und für hebräische Arbeiten der Doktortitel verliehen werden kann. Am Institut werden nunmehr Lehrkräfte für das hebräische Schulwesen ausgebildet werden. Mlna. Das Gericht in Wilna verurteilte den jungen Juden Salman Rubin wegen Mißhandlung eines nichtjlldischen Studenten am 9. November 1931, dem Tage des Wilnaer Pogroms, zu drei Jahren schweren Kerkers. Rubin führte zu seiner Verteidigung an, er habe gesehen, wie der Student auf eine jüdische Frau einschlug und habe sich dieser Frau angenommen. Das Urteil gegen Rubin ist das schwerste in der Reihe der Prozehurteile im Zusammenhang mit dem Wilnaer Pogrom. Jerusalem. Im Zusammenhang mit den vom hebräisch-jiddischen Publizisten Benzion Katz gemachten Mitteilungen über Massenverhaftungen von Juden in Rußland und Valuta- I Erpressungen an den Verhafteten bezw. deren Angehörigen in Rußland wie im Ausland durch die sowjetrussische Geheimpolizei (OGPU) ' richtet Ehaim Nachman Bialik ein offenes ^Schreiben an die jüdische Presse in der ganzen Welt, in welchem er sie auffordert, an sicht- I barer Stelle die „gegen die Juden in Rußland geübte neue Inquisition, die noch grausamer ist als seinerzeit die Inquisition in Spanien", zu brandmarken. — Von den fünf Beduinen, die unter der Schuld der Teilnehmerschaft an der Ermordung der jungen Ehaluzim Jochanan Stahl und Frl. Zohar-Goldstein seinerzeit verhaftet worden sind, wurden drei vom Untersuchungsrichter wegen mangelnder Beweise freigelassen, während zwei, nämlich Rashid Abusulman und der. 70jährige Khani Abusulman, sich vor Gericht wegen unvorsätzlichen Doppelmordes zu verantworten haben werden. Kapstadl. Nach den letzten statistischen Feststellungen wohnen in der südafrikanischen Union rund 80.000 jüdische Seelen, d. f. 4,3 Proz. der all- ' gemeinen Bevölkerung. 90 Proz. der Juden wohnen in den Städten, 70 Proz. sind im Handel und 16 Proz. in der Industrie beschäftigt. Die jetzige wirtschaftliche Krisis in Südafrika hat die Juden sehr in Mitleidenschaft gezogen. Washington. Das S m i t h s o n i a n I I n st i t u t e in Washington kündigt an, daß es auf dem 12 Meilen von dem Berge Sinai entfernten Gipfel des Mount St. Catherine ein Observatorium zur Beobachtung der Sonne errichten wird. Der Chefagronom des Instituts, Dr. Alfred F. Moore, ist der Meinung, daß diese höchste und trockenste der zugänglichen Gipfel in diesem Gebiete sich für ein Sonnenobservatorium am besten eignet. richterstatter war Herr Dr. Wesenfeld. Der Entwurf wurde vom" Plenum des Staatsrates in der Form der Regierungsvorlage gebilligt und lediglich in § 2 Abs. S eine Aenderung dahin vorgenommen, daß die Frist, innerhalb deren ein von auswärts nach einem Bezirke mit mehreren Synagogengemeinden zuziehender Jude seinen Beitritt zu einer dieser Gemeinden erklären kann, von einem Monat auf drei Monate verlängert wird. (Wir werden in der nächsten Nummer den Gesetzentwurf nunmehr in der Form, in der er dem Landtag zugeht, im Wortlaute veröffentlichen. Siehe im übrigen den Leitartikel dieser Nummer. Red.). Aufruf zu pessach.Hilfe für die russischen Juden. Berlin, 26. Febr. Der Chofez Chajim in Radin, Rabbi I. Schneerson, („Lubawitscher Rebbe") und Rabbi Chajim Oser Grodziensky in Wilna, veröffentlichen den folgenden Aufruf: „Die äußerst schwere Lage der Juden in Rußland und der große Mangel an Lebensmitteln, der dort herrscht, ist allen bekannt. Jetzt besteht für die Juden in Rußland noch die Gefahr, daß sie zu Pessach ohne Mazzoth bleiben, wenn ihre Brüder in den anderen Ländern ihnen nicht zu Hilfe kommen und sie nicht mit Pessachmehl versorgen. Obwohl uns die überall herrschende schwere ökonomische Lage bekannt ist, fühlen wir, daß wir dennoch nicht das Recht haben, uns von der heiligen Pflicht gegenüber unseren Brüdern in Rußland, welche sowohl geistige als auch materielle Not leiden, loszusagen. Daher wenden wir uns an alle unsere Brüder in Europa mit der Bitte, Pakete mit Lebensmitteln, insbesondere mit Pessachmehl, an die Verwandten und Freunde in Rußland zu senden. Wir wenden uns auch an die Rabbiner, Gemeinden und im gesellschaftlichen Leben stehenden Personen in allen Ländern Europas mit der Bitte, schnellstens eine Geldsammlung zur Beschaffung von Pessachmehlpaketen für Juden in Rußland zu organisieren. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß unsere Brüder in allen Ländern auf diese Bitte hören werden und daß jeder für den guten Zweck einen Beitrag geben wird. Die zu dem oben genannten Zweck ausgebrachten Gelder bitten wir an das in Berlin gegründete Hilfskomitee einzuschicken, und zwar an die folgenden Adressen: Komitee für Rußland-Hilfe, Deutsche Bank und Discontogesellschaft, Stadtzentrale (Berlin, Mauerstr. 26) oder an Herrn Rabbiner Dr. M. Hildesheimer, Berlin N. 24. Linienstraße 3." Zentralverband ostjüdischer Organisationen Berlins. Berlin, 25. Febr. Der Zentralverband o st jüdisch er Organisationen Berlins hat seine Tätigkeit Anfang dieses Monats in der Rosenthalerstr. 55 ausgenommen. Der Zentralverband ist als Dachorganisation einer größeren Anzahl von ostjüdischen Vereinen Berlins gegründet worden und bemüht sich, den Mitgliedern der einzelnen Vereine durch Beratung in juristischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen behilflich zu sein. Er steht allen Juden Berlins zur unentgeltlichen Beratung täglich von 9—1 Uhr außer Sonnabend zur Verfügung. Zur Behebung der dringenden Not auf dem Gebiet der juristischen Beratung hat der Zentralverband in seinen Büroräumen eine kostenlose Sprechstunde eingerichtet, und in der ein Anwalt Auskunft in allen juristischen Fragen erteilt. Wir bitten, von dieser wichtigen Einrichtung, soweit es notwendig ist, Gebrauch zu machen. Cs ist beschlossen worden, eine einheitliche größere Darlehenskasse, die auf kooperativer Grundlage aufgebaut werden soll, zu schaffen, um Familienvätern die Möglichkeit zu geben, durch Hergabe von Darlehen, die in kleinen wöchentlichen oder monatlichen Raten zurückzuzahlen sind, sich eine Existenz zu gründen. Außerdem sind die Vorbereitungen getroffen worden, um Kinder minderbemittelter Eltern durch Verschickungen in Ferienkolonien körperlich zu stärken. Gründung eines ostjüdischen „Agudas Harabonim". Duisburg, 23. Febr. Auf der vom Keren Hathora einberufenen Essener Konferenz der ostjlldifchen Gemeinden und Talmud Thoralehranstalten im Rheinland-Westfalen wurde einstimmig der Beschluß angenommen, daß die in diesem

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