Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1932)
- Date
- 1932-02-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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M'Febrüar 1932 D er Israe I it ' Nr! 1 Seite 3 - keik hätte die: Brüöerlichkett vergiftet und die Freunde - entzweit..? - -- / - Nein, das Brot, das wir am r>2V verdient, ist r!. kein Himmelsbrot gewesen. Maden und Würmer hal!i den sich Ln ihm echoben, es.ist in Fäulnis überge- " gangen und ward.,.übelriechend.n Wahrlich ix7'' sehet Mt euren sinnlichen Augen, daß G'tt es ist, der euch den rnw gegeben hat. Darum gibt er noch heute euch am sechsten Tage Brot für zwei Tage. •a’»!’ an*? ’nwn am aa^ pu Kin-p *?y (ii. 16, 29.);;! Ja, irr"»' seher es mit eigenen Augen, daß als die Kalcnderreförmer zu euch sprachen, warum müßZ ihr gerade diesen Tag als tinL» feiern^ und als sie mit der Macht ihrer wirtschäftsgcöße den riat? dem Goldgewinn zum Opfer bringen wollten, sie es nicht vermochten. Der 112^ ist so alt wie die Welt! 'jmtyn am a'p^x Va’v (1. 2, 2.) G'tt der Schöpfer hat den rintf eingesetzt, ihn gesegnet, ihn geheiligt, hat ihn zum rma mH Bundeszeichcn (II. 51, 17) erhoben zwischen sich und Israel. Lr hat den Platz des 7>2lp in der Welt behaupten lassen. An uns ist es, feine Größe in unserer weit ihm zu geben. Ls ist das wort der weisen bekannt, daß/wenn. Israel nur einen würdig begeht, der Erlöser kommt. (Midr. Rabb. rii»V 25» 16.) Heute am Tage tritt die Erlösung ein, wenn wir auf Seine Stimme hören lyawn i^>p2 arr am* (Ps. 95, 7.) Auf Tauroh undsteht das Judentum.- Taurohlernen und Sabbatheiligung sind seine beiden Stützen. An jedem Iomkippur, an dem noch jeder, in dessen Brust noch ein Funke Judentum glüht, seinem G'tt sich naht und in sein Inneres flüchtet, um, losgelöst von allen äußerlichen wünschen und Sorgen, lediglich mit der Innerlichkeit der menschlichen Anliegen sich zu befassen, lesen wir das Verheißungswort Jesajas. wann denn, wenn nicht am Jom Kippur, sind wir gestimmt, ein ernstes Wort für unsere kurze Lebenswallfahrt ernst auf uns wirken zu lasten? Und was der Iomkippur für jeden Juden und Israel in seiner Gesamtheit bedeutet, ist unserem Verein dieser unser versammlungstag einmal im Jahr. wir prüfen uns und unsere Leistung und die Wirkung unseres Strebens auf unsere Freunde. Nur wenn in Taurohwisscn und Schabbosheiligung unsere Arbeit Früchte gezeitigt, dann haben wir am webftuhl der Zeit mitgcwirktz an der G'ttheit lebendigem Kleid. Geloben wir uns,.Jesajas Mahnung in der Haftorah am Iomkippur zu folgen, dann wird seine Verheißung herrlich sich erfüllen. „wenn du am Sabbat deinen Fuß zurücklcnkst, deine Zwecke nicht zu vollführen am Tage deines Heiligtums und du den Schabbos Wonne nennst dem Heiligen, G'tt, geweiht, und ehrst Ihn, deine Wege nicht zu vollbringen, nicht deine Ziele zu erreichen und nicht davon zu reden, dann wirst du dich wonncn in G'tt und Ich werde dich besteigen lasten die Höhen der Erde und:, werde dich genießen lasten, das Erbe. Jakobs, deines vahers;.. denn, .der Mund, G'ttes hat also gesprochen. ,(Iesj'88. l'S-’-l^) Nunmehr, trat:.eine Kaffeepäusch.-ein, nach der zw nächst noch die Herren Rabb. Dr. we^l, Düsseldorf Herr Rabb. Dr. D. Larlebach, Köln und Herr Dr. Stein (im Namen der Iawne) zündende Worte an die Versammlung richteten. Dann .erhielt Herr .Rabb... Dr,- A n s b a ch e r - Wiesbaden, das Wort zu seinem vorsrag: „Optimismus im Judentum". Hochansehnliche Versammlung! Eines der ersten Worte, die wir unsere Kinder lehren, in der heiligen Sprache zu sprechen, um ihnen im zartesten Alter einzuprägen,- daß her jüdische Mensch von der wiege bis zum Grabe, vom Erwachen bis zum.Schlafe, auch während der nächtlichen Ruhe, von der g'ttlichen Vorsehung überwacht sei, lautet: irr*', .... Irchyri „den. Fischen gleich sollen sie sich vermehren". -Warum wird Isröel mit den Fischen verglichen? Line alte Antwort lautet: Die Fische leben ihr ganzes Dasein im Clement des Wassers, sie sterben^ wenn sie es verlassen, und doch, wenn Regen herabträufelt, so schnappen und Haschen sie nach jedem Tropfen, als wären sie Kinder der trockenen wüste, die dem verschmachten nahe nach jedem Tropfen Naß lechzen. So Isroel. Auch Sie haben, meine verehrten, jahrein jahraus Gelegenheit, aus dem Mekor majim chajinst dem reichlichen Borne jüdischen Wissens Ihresverehrten Vereinsrabbiners zu schöpfen und doch haben Sie mich beehrt, hier vor Ihnen das wort zu ergreifen. Ich soll vor Ihnen sprechen über den Optimismus in der jüdischen Weltanschauung. Cs gibt vielleicht kaum einen größeren Gegensatz zu der Stimmung^ die unsere Zeit beherrscht, der Atmosphäre, in der wir atmen, als die Idee des Optimismus, die auch in düstersten Zeiten die Hoffnung nicht verliert. Fast setzt man sich' der Gefahr aus, als Utopist, mit einer Binde vor' den Augen durch die Welt gehend, verschrieen zu werden. Und doch wir wagen cs. Der Jude ist gewohnt, als sein Schicksal nicht das zu betrachten, was nach natürlichem Lauf der Dinge zu erwarten sei, sondern sehr oft gerade das Gegenteil. Ein kurzer Ausflug in die Anfangsgeschichte des jüdischen Volkes dürfte dies bestätigen. *7^ *7*?. Abraham sollte seine Heimat verfassen,-sich loslösen von-all dem, was die natürliche Voraussetzung darstellte, der Vater eines Volkes zu werden, da erst .war die Bedingung gegeben! 72^x1 zu einem großen Volke zu werden. Die natürlichen Vorbedingungen der Entfaltung sind für den g'ttlichen Weltenplan k e i n e v 0 r a u s s e tz u ng e n , sondern im Gegenteil oft Hindernisse, weil sie sein Walten verschleiern könnten. Und wie wurde das'erste jüdische Kind geboren? Ein Mann von hundert Jahren war der Vater, eine Frau von neunzig Jahren die Mutter. „Ma titen li" was gibst Du mir, da ich doch kinderlos dahingehe, spricht selbst der von höchstem Glaubensmut erfüllte Awrohom. Und G'tt führt ihn hinaus in den besternten Himmel und spricht zu ihm 7S?7T -rprp So werden Deine Nachkommen sein. Gerade in dem Augenblick, als jede natürliche Voraussetzung zum Fortbestände seiner Ideen fehlte, war er reif, der Stammvater des Wundervolkes zu werden. Und,.ein pnrr'' der gleichsam unter dem „Gelächter seiner Umgebung" „wer es hören wird, wird lachen" das Licht der Welt erblickte, war dieses Kind, wie oft spielte Israel die Rolle des Iizchok-Volkes, des verlachten Stammes, der abseits von der großen, Macht und Ansehen zustrebendew Heeressträßc. seinen Weg wanderte, .seine..bescheidene Hütte baute, während andere Nationen im Gog-Magog-Wahne zum Himmel stürmende Städte aufbauten, und doch — die Spötter ünd^Lacher. sind- ..vom-Schauplatz der ' Geschichte verschwunden und das verlachte Iizchok-Völkchen hat sic alle überlebt. Und der Enkel Jakob; der eigene Bruder hatte das Todesurteil über ihn gesprochen. Mit leeren Händen mußte er auf hartem Steine sein Lager. aufschlagcn. Konnte je ein Mensch verlassener, in seiner Zukunft schwankender, sein, als er? Gerade in diesem Augenblicke erging an ihn die' Zusicherung: 7'm»En 7*?N7D«^>22'Ich werde dich behüten, wohin du gehst. ist. eine der umwälzendsten Gedanken, neuzeitlicher Forstung, vielleicht kein Zufall/ daß der bNtschicdeDd' Vertreter, derselben :;ein Sdhir/unseres Stämmep„,jsienn auch nicht ein Und'Änsü^ Weltanschauung ist, Prof. Freud, den" bräunt als den Ausfluß der Gedanken zu betrachten, die unter der Schwelle des Bewußtseins auchtagsüber schlummern, nur nicht zum Empfinden kommen können infolge der Ablenkung des wachenden Lebens. ,stk.nsfr,, Stammvater Jakob! dürfte hierfür schon e;n BÄspicl geben, wovon hätte ein anderer Mensch in dieser Lebenslage geträumt? von wilden Tieren, die sein Leben umlauern, vom verfolgenden Dolchstoß des Bruders, von den durch ihn bestellten Henker und Häscher. Jakob,. durchdrungen pom. G'ttvertrauen, träumt, von der zum Hinnnel ragenden Leiter, an deren' Spitze G'tt selbst stehend ihm glückliche Rückkehr zustchert. Und-Mauscheh. Als ein dem!Tode geweihtes Kind wurde der Erlöser Isrocls geboren. Seine Erhaltung war schon von Beginn an..ein..Wunder, .wer sollte also eher berufen sein» das Volk aus den hochschlagenden Wellen des Verderbens als Bote Haschcms zu befreien als Moses, der selbst aus den Fluten Errettete. „Und sie sah, daß das Kind gut fei". Bei seiner Geburt, bemerken unsere.weisen,, füllte sich das ganze Haus mit ' Licht, wir pflegen zu sagen, daß ein k i n H!öas Licht der Welt erblickt. In Umstellung einer gewohnten Ordnung hat' schon hier die Welt bei seiner Geburt das Li ch t erblickt. Sollte das jüdische Volk nach alledem sich einschüchtern lassen vonr öüstern Ausblick seiner Umgebung? vielleicht ist das der tiefer Sinn des -N2i .72-p'i' nicht nur daß Moses schaute, ob kein Augenzeuge da sei, er wurde ja doch verraten, vielmehr er schaute nach einem,72- 73m ip,T .72- Unter Durchbrechung aller natürlichen Gesetze war das jüdische Volk geboren. Wäre es denkbar, wäre es nicht des Widersinns höchste Blüte, daß G'tt einem hundertjährigen Manne, einer neunzigjährigen Frau einen Sohn gab, um dessen Nachkommen in elender Sklaverei umkommen zu lassen? Und er schaute hin zu einem anderen,72: .72 n^nnixna 717»*«'^ gerade in Mitternachtsstunde wo alles m e n s ch 1 i ch e Werk ruhte, wo keine Hand eines Sterblichen im Spiele sein koirnte, X7'i - V'rr pK '2 — die Befreiung kommen müsse. Das ist auch wohl der Sinil der Einweisung „keiner von Euch solb die Türe seines Hauses verlassen bis zum Morgen", nicht etwa um unliebsame Zusammenstöße zu vermeiden, sondern daß niemalB in späterer Generation sich das Volk unterfange zu behaupten, es selbst hätte für seine Befreiung gekämpft. Und wie Isroel bei seiner Entstehung entgegen allen natürlichen Berechnungen sich entfaltete, so hat es auch in der Zukunft, auch in düstersten Zeiten an feiner Aufgabe nie zu zweifeln Grund. Aus der Zeit, da Sanherib seinen Arm über Jerusalem schwingen wollte, und G'ttes Hand ihn abwehrte, stammen die herrlichsten Worte eines Iesaia voit der Verbrüderung der Menschen, wo der Wolf beim Schafe wohnt und der Löwe mit dem Lamme weidet. Secharja, der die heilige Stadt in Trümmern gesehen, läßt sich in seinem G'ttvertrauen nicht beirren von der Ueberzeugung: „Nock werden Greise und Greisinnen, Jünglinge und Jungfrauen an den Toren Jerusalems sitzen." .... Könnte man sich begeistertere Optimisten denken als unsere Ncwiim? Und wie unserer .Geschichte uns nur zum T i u mismns binweist, soAruch unser pflichtenlebcn. Schon die erste Mizwo, die unsere Tauro hfordert, die Fa milieugrüudung, erzieht uns zum Optimismus. Vielleicht zu keiner Zeit entschloß inan sich zu diesenl Schritt so schwer wie heute. Man ist nicht genügend erfüllt von der Wahrheit '117» 2\t "n 2',7'7 „der das Leben gibt, gibt auch das Lrot." wir sollen das „Licht der Pölker" sein, und. wir tüüssen uns gestehen, die minderen beschämen uns manchmal in ihrem vertrauen, sie entschließen sich rascher zu diesem Schritt, die verlangen nicht Sicherungen auf Jahre und Generationen, wie es in unseren Kreisen oft bewußt oder unbewußt geschieht, wir entschließen uns zu schwer, liebgewordenc Behaglichkeiten des Lebens abzulegen. Unsere weisen erzählen von einem Priester, der aus Nahrungssorgen das Heilige Land verlassen wollte und gelegentlich seine Frau in die Gesetze der Aussatzbehandlung einführte, über die er als Kettchen zu wachen hatte. Und er erklärte ihr py» 11? ipmytp $2 „jedes Haar hat, seine Kraftquelle", und wenn diese Onelle versiegt,cherkenni.man dies an dem Gesichtsausdruck des Menschen. Und die Frau erwiderte' „Wenn schon G'tt jedem Häkchen am menschlichen Körper seine' Kraftquelle gegeben, er sollte dem Menschen nickt seine Nahrung gewähren?" Liegt nicht in diesen schlichten Worten dieser Priestergattin ittehr Wahrheit!als in dickleibigen Bänden philosophischer Pessimisten? - — Oder wie sagt jener. Rabbi: „Noch nie sah ich einen Löwen trotz seiner Kraft als packträger, einen Hirsch trotz seiner Schnelligkeit als Jäger, einen Fuchs trotz seiner vielberühmten Klugheit als Kaufmann, und doch ernähren sic sich ohne Sorge, und ich, die Krone der Schöpfung, der Mensch, bin von Nahrungssorgcn gequält? 'nsrinw 'BW» nx durch Ueberspannung meiner Ansprüche, Ueberschätzung des Genusses, Zurückdrängung'meiner idealen Aufgabe habe ich mir den Lebenskampf so erschwert. Unsere Zeit stolziert ob ihrer ungeahnten Erfolge auf allen Gebieten. Riesenstrecken werden in Blitzesschnelle zurückgelegt, die Tiefe der Meere, das Reich der Lüfte ist dem Menschen erschlossen, Millionen Menschen lauschen Stimmen, die durch wunderbare Wellen über den Erdball getragen werden.