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Der Israelit · 1932-02-25 · Heft 9 (25.2.1932) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 9 (25.2.1932)
Date
1932-02-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 1 D e r Israelit /, 25. Febkuar 1932 - /Nunmehr erhält Herr Rabbiner Dr. Wolf das Wort zu seiner Ansprache. weine Damen und Herren! Als wir uns vor 50 Jahren am 19.-Januar; d. i. am I I. Schwat 1902, in Euskirchen zur Begründung unseres Vereins versammelt hatten, da' sagte ich Ln meiner Eröffnungsansprache: „Wohl uns, wenn die Mahnung zur Umkehr aus unserer Witte ertönt, bevor mit Härte die Waffe der Feindschaft gegen uns geschwungen wird." Soll unser heutiges Erleben gegen uns zeugen, das; 50 Jahre vertan sind und der Ruf zur Rückkehr zur Tauroh ungehört verhallte? Ls ist uns, als vernähmen wir eine Stimme, die da ruft: 222V2! „wieder Ln die Völkerwüste hinein!" (Ies. 40, 5). „Ich werde dort mit euch rechten, von Angesicht zu Angesicht!" (Iech. 20, 55). wie ein Albdruck legt sich die Sorge um das nackte Leben auf unsere Brust; wie damals, als unsere Väter von den Fleischtöpfen Aegyptens weg in die wüste zogen, erhebt sich ein Jammergeschrei aus Furcht vor dem Hunger. Doch wie damals ertönt die Antwort zu allen Zeiten vom Himmel: Siebe, Ich lasse euch Brot vom Himmel regnen! 'trav.2 70 anV dd^ t»djdö ’jin (II. 16, 4). Brot i'<om Himmel! wem will man beute damit kommen?! — Das eben ist's! Die Verständnislosigkeit für die Wahrheit und den Ernst „in einem Hause, das bis dahin Hochzeit feierte." Als wenn gewisse Auswüchse unserer Zeit gegeißelt werden sollen, so lesen wir (Kobeleth 10, 19): D"n pi on^ pinp1? na nw 102,21 „Zum Scherze niachen sie das Brot und wein läßt froh v"N-Ruf erschallen und das Geld gewährt alles." „Lassen Sie mich zur Erklärung dieses Verses die Worte des wannes anfübren, der vor zwei Jahren von dieser Stelle zv uns sprach und mit der wacht seines Wortes und der 'edlen Schönheit seines Gedankens unsere Seelen in der' Tiefe erschütterte. Lassen wir in dankbarem Andenken äN'diesen allzufrüh vollendeten Herrscher im Reiche der Ideell und weister der Sprache aus dem Grabe seine eigenen Worte sprechen: Er sagt in seinem Kommentar zu KohMh folgendes zu diesem Verse: Den Herren dieser Welt, die ihre Tage und Nächte verjubeln, können für die sozialen Nöte des Volkes naturgemäß kein Verständnis haben. Die ganze trübselige Gestaltung des in jidxs? in Entsagung zu fristenden Lebens spricht sich in dem Wörtchen aus, das mit nan1?»' Kampf, verwandt, ist. örfr heißt die Nahrung, indem sie zugleich den sozialen Kampf aller gegen alle zu bestehen hat. Für die soziale Tragik, die in den: Wörtchen an*? enthalten ist, haben schwelgende Herren keinen Sinn. Ihnen ist cm*? nur ein Gegenstand des Scherzens, ihnen, sind Tafelfreuden nicht ein in hartem Brotkampf Errungenes, sondern die selbstverständlichen Begleiter ihres täglichen Amüsements. Daß in einem solchen Hause Sinnesrausch Lebensfreude heißt und der.Wein im wittelpunkt aller Lebensinteressen steht, daß in einem solchen> Lebensmilieu mit Geld alles erreicht werden kann, inöein zu viehischem Genuß schamlose Korruption sich gesellt, das alles ist nur eine natürliche Folge des Leichtsinnes, mit welchem DN^ in pintp' mit welchem der Ernst des Lebens in ein unaufhörliches, flatterhaftes Scherzspiel verwandelt wird. (Breuer, Kobeleth,- S. 124f.). Soweit Raphael Breuer y'xr-:' > .. ' ' - Unser Brot, das voM Himmel fallen soll, will anders bewertet sein. Seine Verwendung ist eine andere und darum dürfen wir vertrauen, es zu finden. Wachen wir nur den versuch! D’an ’ia ''VNXHH 222 '2 „Lasse Dein Brot auf das Wasser hinausgehen — wenn Du es während vieler Tage finden willst." (Kobel. 11, 1). Das dürfte sagen: Segen liegt nur In einem Segen, wie er Abraham zuerteilt ist, n’,2 N222werde Segen; werde .-2222 ein Segcnsftrom, ein Segensquell für andere; dann wirft auch Du beim Segen nicht vergessen.' Weil Abraham einst 'iin gesprochen, als G'tt ihn zu schwerer Pflichterfüllung berief; weil er schwere Pflichten auf sich nahm, darum erbten seine Kinder den Segen , 2^> 2'Daa 'ii«2 ll'vV.-i ja- Ich lasse Euch Brot v-m Himmel regnen. Segen will erarbeitet sein, sonst ist's kein Segen, „wenn in Vollkommenheit ein Gerechter wandelt, heil dann seinen Söhnen nach ihm"' (Spr. Sal. 20, -7). —Pintr-Pia./ntfs p'2X iam "]5nna- Unerschütterlich fest - steht das Prinzip der Vergeltung. Auf ihm süßt die g'ttliche Gerechtigkeit und es offenbart dieselbe. Der Lebensführung Israels. entsprechen seine Lebensbcdingungeü /: ,on.or 2ipv^ '!? vm (wischle 8,: 54). „Heil dem wenschen, sder wir zuhört, an weinen.Toren zu-wachen Tag>-für Tag." Israel ist das Volk des G'ttesbuches. wir sind stolz, darauf, der Welt die Bibel mitgeteilt zu haben.Das soll aber nicht beißen, daß wir sie. Weitergaben, ohne sie zu behalten. Unsere erste bürgerliche Pflicht als Glied unserer Nation bildet die Beschäftigung mit der g'ttlichen Lehre. Uns hat G'tt geschworen, daß wir iai'2 Di' 222'Tag für Tag das. Wanna sammeln können, wit heiterer Gewißheit dürfen' wir hinuas- Ziehen, nicht Brot zu suchen, nein, mit Sicherheit zu finden, zu sammeln, wenn wir es finden, wenn wir es sammeln, dann ist die Probe bestanden "jV\2 iriiiN2' „ob wir in G'ttes Lehre wandelten" (H. 16, 4). Die Zeit, in der wir leben, lehrt uns Zufriedenheit, wenn wir Brot für den Tag erlangt haben; lehrt uns Bescheidenheit mit dem waße, das hinreicht, uns zu sättigen; lehrt uns den wert des Brotes schätzen; lehrt uns vertrauen auf den Spender dieses Brotes, lehrt uns, um vertrauen zu dürfen, einzugehcn in Seinen willen. „Segensreich ist der Herr, der uns täglich die Kraft gibt, die Last des Lebenskampfes zu tragen." (Pf. 68, 20.) oas?-1 Dl’ Dl' '328 *]122- Unsere Zeit lehrt uns noch ein anderes. Die Widraschweifen fragen: Es' heißt 11. 46, 29. '2 182 K2W.2 DdV jm '2' Sehet — nicht 1V2 daß G'tt euch den r»2tf gegeben hat. warum 182 und nicht isn? Uird sie meinen: wenn die Völker kommen und uns fragen: warum feiert ihr euren Ruhetag, an dem Tag, den wir mw nennen, dann saget ihnen, sehet: Das Wanna fällt ja nicht an diesem Tage. Wahrlich auch wir sehen — und, mancher begreift es vielleicht endlich, daß es kein Wanna, daß es kein Himmelsbrot gewesen ist, das am rat? so manchem zufiel, wäre es Himmelsbrot gewesen, dann hätte es nicht aufgehört, zu fallen; wäre es Himmelsbrot gewesen, dann hätte es uns gestärkt, in unserer Lehre zu gehen; wäre es Himmelsbrot gewesen, dann hätte es uns zufrieden gemacht, dann wären wir reich gewesen in der Freude mit unserem Teil, dann hätte ein jeder ein waß für jeden Kopf gehabt, keiner mehr und keiner weniger. Kein Stolz hätte das Herz verhärtet, kein Uerderblick hätte das Antlitz entstellt, keine Lieblosig- Trotz Wirtschaftskrise bitten wir um Wir benötigen solche dringend!Nvr> nrr min px bx-,rnlri" nx ntsp ux dx - v " '1 T *.V. T , I ** - V Der Vorstand des Vereins für die ftidisclien Interessen Rheinlands Postscheckkonto Köln Nr. 50648

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