Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1932)
- Date
- 1932-02-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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gE -O II O—O II ors> 3üdiscftcr 6: ^öll o—o ||~ö=-o|||=« Dof fitsfrcund Verlese $utn Organ desDevcins für die jjüdifchen 3nf er effen (Rheinlands e.'D. ©«. rvsiy in Lsin ritz. -o>Iö^ -o II o- -o!! v- -o II o- E°jLiE"! Frankfurt a. M., 25. Februar 1932 / 18. 3tbar 5691 26. Jahrgang Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands. Köln, den 24. Januar 1952. Mit Sorge sahen wir darum dem Festtag des Rheinland-Vereins entgegen, weil wir fürchteten, das: viele die Kosten der Reise nach Köln scheuen könnten. Aber zur Chre unserer Mitglieder und zum Stolz unseres Vereins sei es gesagt: „Wir halten fest und treu zusammen". Und so durften wir die gewohnte Heeresschau abhalten und vermißten nur wenige, von diesen Wenigen waren die meisten durch eine gleichzeitige Tagung einer wirtschaftlichen Vereinigung am Erscheinen verhindert. In Vertretung des nicht ganz disponierten Vorsitzenden, Herrn Uathan Kahn, eröffnete Herr Direktor Dr. Rothschild -Dinslaken die Tagung mit folgender Ansprache: Ls ist zur Tradition, ich darf sagen, fast zur geheiligten Tradition geworden, daß in der Zeit vom 15. Schwat, die Getreuen des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands sich zur Mitgliederversammlung in Köln einfinden. Allen denen, die auch heute wieder zu uns gekommen sind, entbiete ich ein herzliches Scholaum Alechem, und rufe ihnen zu cnm vnx- Daß wir gerade um die Zeit vom 15. Schwat Zusammenkommen, darf ich symbolisch werten. So wie an diesem Tage die Crde beginnt, ihren Sprößlingen wieder neuen Saft und neue Kraft zu geben, so will unser Verein an seinem Versammlungstage seinen weitzerstreuten Mitgliedern die Kräfte vermitteln, die jeder einzelne von uns braucht, um nicht entwurzelt zu werden. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mehr als je ist das heute nötig. Richt etwa, weil die Rot der Zeit ein Maß angenommen hätte, wie sie Israel selten gekannt hat, nein, das nicht, sondern weil die Menschen und vor allem die Juden das Augenmaß zu verlieren drohen für das, was wahres Leben ist. Zwei Feinde hat die Cmuno immer gehabt. Armut und Reichtum. Richt umsonst betet der weise König: (Spr. Salom. 50, 8) „Gib mir nicht Armut und Reichtum, gib mir mein auskömmliches Brot. Aber wenn auch die Armut Ideale töten kann, „aus Armm ging Israel ins Golus" (Ccha 1, 5), mehr hat der Reichtum zerstört. „So oft Israel fett wurde, schlug ,s" (V. 32, 15). 5o furchtbar es auch ist, daß Hunderte jüdische rnzen vernichtet werden, daß ale Institutionen nn Bestand gefährdet sind, Tauroh, Awauöoh - 'milluth Thassoöim, die drei Grundlagen des ums, brauchten nicht Rot zu leiden, sie könnten i zenteil gestärkt werden, wir muffen uns nur zusammenschließen, wir müssen erkennen, wie r das neulich ausdrückte, daß das deutsche Juli den Anstürmen der Zeit nur widerstehen kann, ' es geläutert und opferbereit sich ganz wieder auf m eigenen Besitz besinnt, wenn es sich abkehrt von -'.Vergötterung der Tagesinteressen, des Wohllebens ides persönlichen Geltungstriebes und zurückkehrt . :cn Lehren und den Lebensgrundsätzen, die ihm stenölich schwereren und böseren Zeiten die innere jt gegeben haben, über die Röte der Gegenwart oeg, heiteren zuversichtlichen Antlitzes nach, oben im die Zukunft zu sehen. In der gestrigen Sidröh wurde uns erzählt, daß G'tt die Kinder Israel in der wüste mit Manna speiste. Der Midrasch bemerkt dazu: Die Völker hätten gesprochen: Wir wolleir sehen, ob G'tt ihnen auch in der wüste den Tisch decken kann. Da zeigte G'tt den Völkern Israel auf den Fittichen seiner Wolkensäule essend und trinkend. Sie waren nicht auf irdischen Trank und Speise angewiesen, die man ihnen nicht angedeihen ließ, will uns dazu nicht unser Verein führen? Hat er nicht seit Jahren kein anderes Ziel, als in jedem rheinischen Orte die Tauroh zur Richtschnur des gemeindlichen und des Cinzellebens zu machen? Sind unsere hochverehrten Herren Rabbiner nicht unermüdlich tätig, sind, sie nicht glücklich, wenn man sie nur begehrt, daß sie lehrend und aufklärend in den Gemeinden sich betätigen, haben wir nicht von jeher Männer zu unseren Tagungen berufen, die mit beredtem Munde uns Israels heilge Sendung verkündeten, Männer, deren Worte uns einen neuen Antrieb geben sollen, zu einem Leben in Taurob, Awaudob, G'milluth Thassodim? Zu unserer heutigen Tagung ist Herr Rabbiner Dc. Ansbacher in Wiesbaden unserem Ruse gefolgt. Ich danke ihm herzlich dafür und begrüße ihn ganz besonders. Wc sind überzeugt, daß wir aus seinem Munde manch schönes Taurohwort hören werden. Richt ohne Absicht habe ich die Worte von Hans Goslar angeführt. Cr war einer von den g'ttbegeisterten Männern, die uns hier belehrten und entflammten. Aber einer von ihnen, dessen Worte besonders zündeten, dessen Rame in Israel zu den klangvollsten gehörte, wird nie mehr zu uns sprechen, Dr. Raphael Breuer ^"XT- (Die Versammlung erhebt sich.) Ganz unerwartet wurde er uns am Rausch Thaudesch Schwat entrissen. Cs ist nicht die Zeit und der Ort, diesen Großen in Israel eingehend zu würdigen. Rur in Kürze sei seiner gedacht, mit dem, womit er uns damals begeisterte. Cr sprach über „Schlagworte und Schlaglichter". Cin Schlagwort spricht von der letzten Chre, die man einem verstorbenen erweist. Cs wäre aber schlimm um uns bestellt/wäre das Geleite zum Grabe, wären ein paar ehrende Worte die letzte Chre, die wir einem verstorbenen angedeihen ließen. Raphael Breuers Chre wird ebenso wie die Chre aller Zadikim und Zadkoniaus, wie die Chre unserer Lehrer und frommen Frauen für alle Zeiten dauern, sie wird dauern, indem wir im Sinne des Verstorbenen seinen Idealen huldigen, daß wir nur den einen Wunsch kennen: Rie soll die Tauroh weichen aus unserem Mund, dem Mund unserer Kinder und Kinöeskinöer. In diesem Sinn und mit diesem Wunsche eröffne ich unsere Tagung. Rach diesen mit Wärme vorgetragenen innigen Worten des beliebten Redners erhebt sich der Rendant des Vereins, Herr G r ü n s f e l d , zum Kassenbericht. Meine Damen und Herren! Daß die allgemeine Wirtschaftskrise nicht spurlos an unserer Vereinskasse vorüber gehen würde, konnten wir alle yoraussehen. Daß sich jedoch das abgelaufene Jahr so verhängnisvoll auswirken würde, wagte keiner von uns vorauszusehen. Wenn ich vorausschicke, daß die Cinnahmen um rund 4000 RM. zurückgegangen sind, so werden Sie es ermessen, mit welchen Sorgen wir zu kämpfen hatten, und wie wenig beneidenswert die Aufgabe unseres Vorstandes in wirtschaftlicher Beziehung ist. Nr. 1! Im Jahre 1950 erhielten wir Dank der Beimühungcn unseres verehrten Herrn Rabbiners eine Sonderspende von RM. 2500. Trotz aller Mühe konnten wir, weder für das abgclaufene noch das laufende Jahr, eine weitere, derartige Sonderspende bereinholen. Wenn ich besonders hervorhebe, daß die Aushilfsquelle, bei der wir in Rotfällen Darlehen aufnehmen konnten, inzwischen versiegt ist, rpenigstcns für so lange, bis wir unsere bisherigen Schulden nicht bezahlt haben, so werden Sie es verstehen, daß wir Sie doppelt und dringend bitten müssen, jeden nur halbwegs entbehrlichen Pfennig unserer Vereinskasse zuführen zu wollen. Denken Sie daran, daß unsere Aufgabe darin besteht, Iüdischkeit in der Rheinprovinz zu erhalten und zu begründen. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfen Sie uns nicht verlassen; erst recht nicht in dieser furchtbar schweren Zeit. Zu diesem „S'chuß" möge uns und ganz Iocoel der Allgütige seine große Hisse schickendamit die verzagte Menschheit wieder baldigst freier aufatmcn rönne. An diesen Bericht knüpft sich eine lebhafte Aussprache an, aus der der Beschluß hervorging, den Mitgliedsbeitrag in Höhe von RM. 16 p. a. bestehen zu lassen, aber auch geringere Zuweisungen als Mitglwdsbeitrag anzunehmcn. Sodann legte Herr Grünsfeld den Haushaltsplan vor. der mit einem Defizit von RM. 4000, die also herbeizuschaffen sind, abschließt. Auch hieran knüpft sich eine allgemeine Aussprache, die weniger die Vereinskasse als die Rotlage der Jugend betrifft. Als Riedcrschlag derselben wird folgende Resolution gefaßt: Die heute zu vielen Hunderten versammelten Mitglieder des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands beklagen aufs tiefste, daß die Unterbringung von jüdischen eingestellten, insbesondere auch von Lehrlingen und Lehrmädchen in Geschäften und Handwerksbetrieben, in denen sie am Schabbos frei haben, fast ganz unmöglich ist. Die Versammlung richtet daher einen flammenden Appell an alle jüdischen Inhaber von Firmen und Handwerksbetrieben, im Hinblick auf die seelischen Röte der sabbathaltenöen Eingestellten, Stellen für die sabbathaltende Jugend frei zu halten und solche zu schaffen. Inzwischen war auf Antrag des im'Ramen der Bücherrevisoren sprechenden Herrn Ansbacher dem Rendanten Entlastung erteilt worden. Im Anschluß an die Worte des Herrn Ansbacher widmet der Vorsitzende dem Andenken unseres langjährigen Bücherrevisors und. treuen Freundes des Vereins, Herrn Meno Auerbach b"i' Worte ehrenden Gedenkens, die von der Versammlung stehend angehört werden. Ferner erwähnt der Vorsitzende, daß der Verein eine Religionsschule in Düren errichtet hat, um den Kindern der umliegenden Gemeinden Gelegenheit zu einem Religionsunterricht im Sinne des überlieferten Judentums zu geben. Herr David Me^er und Frau haben ihre Häuslichkeit in selbstloser und liebevoller weise für diesen Unterricht zur Verfügung gestellt. Der Unterricht wird von Herrn Lehrer Selig Wolf geleitet. Damit war der geschäftliche Teil der Verhandlungen erledigt.