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Der Israelit · 1932-02-25 · Heft 9 (25.2.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 9 (25.2.1932)
Date
1932-02-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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25. Februar 1932 Der Israelit Nr. 9 Seite 5 diesem Gebiete. An öcn Jahren 1926 bis 1931 haben benötigen, sich an die Reichszentrale für Schächt- 26 Zöglinge öle Aeschiwah verlassen, die jetzt als|angelegenf) eiten, Berlin N. 24, Artilleriestr. 31, Tischlermeister oder als Gesellen tätig sind. An C l u j 13U wenden, mit der der Centralverein in engster Zusambertchtete der dortige Aeschiwcch-Leiter Oberrabb. Glanrenarbeit steht. ser, daß vor Jahren der Lzortkower Rabbi versucht haste, Stimmung für bitten Werkunterricht in den Aeschiwoth zu inachen. Cr stieß jedoch auf die Opposition des Rabbi von Beiz. An Debrecen hingegen sind Bestrebungen für handwerkliche Ausbildung Bezirksgemeindetag des Bezirksrabbinates Borken in Westfalen. Borken, 18. Febr. Am 7. Februar veranstaltete das Bezirksrabbinat der Lachurim vorhanden. Auch der Leiter der alten j Borken feinen Gemeindetag in Ahaus i. W. Diese Ta- Aeschtwcch in preFburg (Bratislava), Oberrabb.^ gung erhielt ihr besonderes Gepräge dadurch, daß zum Schreiber, ist im Prinzip nicht gegen die Cinführung des gewerblichen Unterrichts. An der Slowakei gibt es 20 Aefchiwoth, von denen die in Suran^ velki (Leiter Rabb. Frev) durch vielfache Sportbetütigung der Schüler bemerkenswert ist. Dr. wifchnitzer gab einen Abriß der Geschichte der Bewegung für Cinführung allgemeiner Bildungsfächer und gewerblichen Unterrichts in die Aefchiwoth und wies auf diesbezügliche Beschlüsse der Petersburger Rabbinerkonferenz 1887 hin. Die Leiter der klassischen Aefchiwoth in Litauen und Polen lehnen bis heute die Cinführung weltlicher Fächer ab, weil ein tiefschürfendes Talmud-Studium keine Zeit für profane Lehrgegenstänöe übrig läßt. Dr. wifchnitzer nahm selbst zu dieser Frage nicht grundsätzlich Stelluttg und erklärte, er habe mit seinen Ausführungen nur zeigen wollen, wie sehr auch in diesein Bezirk des jüdischen Lebens alles in Fluß, in der Cntwicklung ist ersten Male die Jugend aktiv beteiligt war. Nach einem recht schön vorgetragenen Prolog einer Schülerin begrüßte der Vorsteher der Synagogengemeinde Ahaus, Herr Moses de Jong, die Versammlung, den Bezirksrabbiner und den Redner der Tagung. Herr Be- Korrt$po«dei2ei « naeftriebten. Deutsches Reich. Die Schändung jüdischer Friedhöfe vor dem Strafgesetzausschuß des Reichstags. Berlin, 19. Febr. Der Strafgefetzausschuh des Reichstages setzte am Donnerstagvormittag die Beratung des neuen Strafgesetzentwurfes betreffend Bestimmungen über die Sachbeschädigung, Beschädigung von Gräbern, Denkmälern usw. fort. Bei dieser Gelegenheit wies Abg. Dr. Moses (Soz.) auf die Tatsache hin, daß sich in den letzten Jahren die Schändungen jüdischer Gräber in außerordentlicher Weise vermehrt haben. Aus einer dem Reichsinnenministerium überreichten Denkschrift habe sich ergeben, daß in der letzten Zeit allein auf 117 j ü d i s ch e n Friedhöfen Grabsteine in großer Zahl umgestoßen, beschädigt oder beschmutzt worden sind. 87 Fälle seien nicht aufgeklärt worden. In den Fällen, in denen man die Täter erwischt habe, sei festgestellt worden, daß es Jungen und Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren, und zwar hauptsächlich Schüler höherer Lehranstalten gewesen sind. Der Regierungsvertreter nannte dazu folgende Zahlen: In den Jahren 1928/29 sind 138 Anklagen erhoben worden, die zu 85 Verurteilungen geführt haben. Von den 85 Verurteilten sind nicht weniger als 45 Frauen und Mädchen! Neue Leitung des Aonfervativen Vereins. Berlin, 22. Febr. Vor einigen Tagen hat Rechtsanwalt Dr. Alfred Wiener sein Amt als Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums niedergelegt. Mit der vorläufigen Führung der Präsidialgeschäfte ist das Mitglied des Vorstandes Fritz Cohn beauftragt. Dr. Wiener gehört dem Vorstände auch künftig an. In ihrer letzten Sitzung hat ihn die Repräsentantenversammlung als Vertrauensmann der Konservativen innerhalb der Gemeinde in die Rabbinerwahlkommission berufen. Den Schächtverboten soll entgegcngewirkt werden. Berlin, 18. Febr. Die Nationalsozialisten bereiten gegenwärtig in großem Umfange Anträge vor, durch die in Stadtparlamenten möglichst vieler deutscher Städte kommunale Schäch tv er b o te . oder Betäubungszwangsverordnungen herbeigeführt, werden sollen. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bittet aus diesem An- Die Woche. Berlin. Der Gauleiter der Thüringischen Nationalsozialisten S a u ck e l hat. wie das C. V.-Presfe-Archiv mitteilt, ein Rundschreiben an sämtliche Mitglieder der Ortsgruppe Weimar gerichtet, in dem er als Skandal bezeichnet, daß in der Goethewoche die Hauptvorträge Thomas Mann, Gerhard Hauptmann, Walter von Molo, sowie noch andere Pazifisten, ja sogar ein Jude aus Paris und einer aus der Tschechoslowakei halten. — Die Christlichen Gewerkschaften erließen einen Aufruf, in welchem sie sich u. a. gegen die rossen- und kla sse n h etz e rische Politik der Nationalsozialisten wenden und insbesondere den von den Nationalsozialisten gepredigten Rassenhaß als unchristlich verurteilen. — Der „Stürmer" stellte seinerzeit die Preisfrage, wieviele ' jüdische Erwerbslose es in Deutschland wohl gäbe? Der Zentralverein löste diese Frage und stellte auf Grund von statistischen Erhebungen fest, daß es in Deutschland zur Zeit ca. 50000 jüdische Erwerbslose gibt. Der jüdische Anteil am wirtschaftlichen Elend ist somit über das Verhältnis groß. Genf. 60 jüdische Kaufleute und Ladenbesitzer in Gen' wandten.sich an die Genfer Regierung mit einer Beschwerde gegen das Justiz- und Polizeidepartement des Kantons Genf, welches Flugblätter, in denen zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgefordert wurde, nicht verboten hat und gegen die Verbreiter der Flugblätter nicht eingeschritten ist. Madrid. Die spanische Regierung ernannte den jüdischen Historiker Prof. Jpnacio Bauer zum Inspektor des jüdischen Schulwesens i n S p a n i f ch-M a r o k k o. Die Schaffung eines Jnspektoramtes für das ' jüdische Schulwesen in Marokko durch die spanische Regierung hat neben der erzieherischen auch eine politische Bedeutung; sie ist ein weiterer Versuch der spanischen Republik, spanische Kultur in Marokko zu verwurzeln und das marokkanische Judentum seiner einstigen Heimat Spanien näher zu bringen. laß seine Freunde, die Ratschläge für die Gegenarbeit unsere Jugend den Weg nach mlfwärts erklimmt. zirksrabbiner Dr. K ö h l e r, Borken hielt darauf ein ausführliches Referat über das Thema: „Rückschau und Au? schau", das von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen wurde. Er zeigte die Schwierigkeiten des Rabbiners in Not- und Krisenzeiten, wo anstelle der Idealismus ein zu starker Individualismus und ein krasser Materialismus getreten sei. Er zeigte, daß trotz der Wirtschaftsnot viel Ersprießliches geleistet wurde und daß sich dem Rabbinat einige Gemeinden neu angeschlossen hatten. Ein Kantorenkurs hat den Kleingemeinden neue Kräfte zugeführt. Gemeindeabende mit Vorträgen und geselligen Veranstaltungen haben belebend auf die Anteilnahme der Gemeindemitglieder gewirkt. Schechitoh und Unterricht waren sehr zufriedenstellend. Der gesamte religiöse Aufbau der Gemeinden sei aber nur möglich gewesen durch die tatkräftige Unterstützung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Berlin. Der Redner überbrachte die Grüße des Landesverbandes. Er verteilte fünf Bücher an Schüler und Schülerinnen des Bezirkes als Prämien. Herr Lehrer Locker aus Borken trat in entschiedener Form für ein einmütiges Zusammenhalten und Zusammenwirken von Jugend und Alter in den Gemeinden ein und begrüßte in diesem Gemeinschaftsgeist die Tagung. Er gab sodann eine Erläuterung für die folgende Aufführung der jüdischen Schule Borken, die nicht als Theater, sondern als eine praktische Leistung der Schule ge-! wertet werden soll. Wer die Begeisterung sah, mit der Unterhaltes zur Verfügung haben. Die gleiche Bestimmung der Darstellung der Kinder begleitet war, erkannte daß! gilt mich für Hörer von Jefchiwos und sonstigen Thora Die Religionsschulen aus Ahaus, Epe, Stadtlohn und Vreden boten hierauf Psalm 150 im Sprechchor uttö Gesang unter der Leitung des Herrn Lehrer Saffra aus Gemen. Auch diese Darstellung gereichte Lehrer und Schülern zum Lobe. Nunmehr erhielt Herr Rabbiner Dr. N e u h a u s aus Mülheim-Ruhr das Wort zu seinem Vortrag „Warum sind wir Juden?" Anknüpfend an die falsche jüdische Einstellung unserer heutigen Generation, verstand es Herr Rabbiner Dr. Neuhaus, die Mängel zu zeigen, die in der jüdischen Gemeinschaft vorhanden sind. Wir sind Juden, so führte er aus, nicht nur von Geburt; wir find Juden besonders wegen unserer jüdischen Erziehung durch Unterricht und Bildung. Wir sind Juden, weil Judentum und Tauroh unser Stolz und unsere Zierde ist, weil wir unsere Bibel und unsere heiligen Schriften gelernt haben und nach diesen Idealen unser sittliches und religiöses Leben gestalten. In der Geschichte der Menschheit gibt es Wellenberge und Wellentäler, die miteinander abwechseln. Auch die jüdische Geschichte hat Aufstieg und Abstieg Unter dem Beifall der gesamten Zuhörerschaft dankte der Vorsitzende Herrn Rabbiner Dr. Neuhaus für seinen herrlichen begeisterten Vortrag. Nach einer Pause, in der das Minchogebet verrichtet wurde, begrüßte Herr Lehrer Saffra aus Gemen die Tagung mit schönen Thoraworten. Er betonte, daß das letzte Jahr einen Fortschritt in jüdischer Erziehung und jüdischem Leben gegeben habe. Er gab sodann eine Einleitung zu der hebräischen Aufführung der Religionsschule Stadtlohn. Auch bei diesem Stücke „Abraham und die Götzenbilder" zeigten Schüler und Schülerinnen, daß der Religionsunterricht reiche Früchte getragen hat. Die Versammlung war auch hier dem Regisseur und den Darstellern durch Befall dankbar. In der nun folgenden Aussprache verlieh der Vorsteher der Synagogengemeinde Borken, Herr Jonas Haas, seiner Freude über die fortschreitende Arbeit des . Bezrksrabbinates Ausdruck. In ähnlichem Sinne sprach auch der Vorsteher der Synagogengemeinde Vreden, Herr Alex R o s e n t h a l, Frl. Regina G u m p e r t aus Ahaus begrüßte namens des jüdischen Jugendbundes Ahaus, der auch für jüdische Arbeit sich gern zur Verfügung stelle. In den Schlußworten betonten die Herren Rabbiner Dr. Neuhaus und Dr. Köhler die große Arbeit des Preußischen Landesverbandes und ermahnen die Gemeindendiese helle Begeisterung mit in den Alltag zu nehmen. Mit dem Maariwgebet wurde die Tagung geschlossen. Tschechoslowakei. Aitgst vor dem Ritualblut-Urteil? Prag, 17. Febr. Gestern fand in Velka Berezna die Verhandlung im Prozeß gegen die beiden jüdischen Hausierer S t e i n b e rg e r und Lieberinann statt, die unter Anklage standen, den Kindern Kostja Vasil und Helene Bogdan Blut zu rituellen Zwecken abgezapft zu haben. Die Staatsanwaltschaft, die diese Behauptung noch bis vor kurzem verfochten und sich dabei auf das Gutachten eines unzuständigen Kreisarztes gestützt hatte, war bekanntlich gezwungen gewesen, schließlich von ihrer Anklage zurückzutreten. Dagegen wurde die Privatklage wegen leichter Körperverletzung aufrecht erhalten. Der Richter wollte die Verhandlung in letzter Stunde neuerlich verschieben und hatte die Privatklägec nicht oorgeladen. Die Verteidigung erzwang jedoch die Einvernahme des Sachverständigen, des Uzhoroder Arztes Dr. Tom, der in seinem Gutachten das ärztliche Zeugnis des im Vorjahrp befragten ukrainischen Arztes vollkommen widerlegte und so die Hauptgrundlage erschütterte, auf der seinerzeit die Anklage erhoben worden war. Die Urteilsfällung in diesem Prozeß, der sich seit mehr als einem Jahre hin sieh, wurde für den 15. Marz verschoben. England. Einwanderung van Studenten nach paiäftin.,. London, 21. Febr. Hiesige Blätter melden, daß in Zukunft jüdische Studenten, die an der Jerusalemer Universität zu studieren wünschen, Einwanderungserlaubnifse erhalten, sobald eine Garantie dafür vorliegt, daß sie für die Dauer eines Jahres Lst. 4.— monatlich zur Bestreitung ihres Lebenslehranstalten.

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