Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1932)
- Date
- 1932-02-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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18. Februar 1932 D e r Israelit Blätter Nr. 2 Seite 3 4. Beschaffung finanzieller Mittel für den zur Besiedlung des Heiligen Landes und für das dortige Schulwerk errichteten Fonds der A. I. An wertvollen Ideen für Erez Jisroel-Arbeit fehlt es also nicht, der Fehler ist. daß es beim Gedanken geblieben ist. Nicht nur, daß — gelinde ausgedrückt — sehr wenig getan wurde, um mit den vorgeschlagenen Mitteln die Agudisten geistig mit Palästina zu verbinden, diese geistige Uninteressiertheit hatte eine völlige Gleichgültigkeit für den praktischen Aufbau zur Folge. Äst es nicht eine beschämende Tatsache, daß die Aguda keine einzige Kolonie besitzt, die einzige, die vorhanden war, Machneh-Jsroel, hat aufgegeben werden müssen? Gewiß, die übliche Entschuldigung, daß unsere Organisation nicht aus Millionären besteht, soll nicht zurückgewiesen werden, ist aber die zionistische Organisation in ihrem Wesen jemals eins solche gewesen? Es mangelt den Agudisten mehr noch als Geld der Wille und die Opferbereitschaft für unsere nationalen Belange. Es soll nicht verkannt werden, daß die Verschiedenheit der Stellung zu Palästina bei Agudisten und Zionisten aus den jüdisch-weltanschaulichen Differenzen zwischen ihnen entspringt. Psychologisch verständlich ist es, daß für den Zionisten, dem ein Land erste Voraussetzung für das Volksdasein bedeutet, dieses Land Endziel seines Strebens ist und als solches ihm den gewaltigen Schwung für die Erreichung feines Zieles verleiht, daß der Zionismus als Bewegung kraft seiner Anschauung, daß es sich in der Frage um Palästina um Sein ober 91 ich t s ei n des jüdischen Volkes handelt, aus unsichtbaren Tiefen hervorstürzt, unaufhaltsam, mit elementarer Gewalt und vermischt mit einer starken Dosis aufgepeitschter Gefühlsausbrüche, sich auch gegen Hindernisse schwerer Natur durchsetzt. Beim Agudisten freilich, als dem Vertreter des thoratreuen, geschichtlichen' Judentums herscht die Auffassung vor, daß unsere Erlösung nicht in unsere Hände gegeben ist, daß sie vielmehr nur durch den erfolgen wird, von dem das geschichtliche Judentum sie zweitausend Jahre lang erhofft. Er hat das Bewußtsein, daß das Problem des Galut nicht mit dem des geographischen Galut identisch ist daß es weit darüber hinausgeht, er füblt sich im heiligen Lande genau so im Galut wie in der Diaspora, betet dort genau so 'wvi nünK» ii'bi ii'rwN' wie in den übrigen Ländern. Warum also die jüdische Energie, die an sich so schwach ist, daß sie, nur an wenigen Punkten konzentriert, leistungsfähig ist, so unökonomisch ausnutzen, sie zur Lösung eines Problems verwenden, von dem man sagen kann: Und wären wir schon im zionistischen Sinne erlöst, wären wir dann auch wahrhaft erlöst? Aber eine derartige Stellungnahme zu Palästina, so erklärlich sie auch vom psychologischen Standpunkte sein mag, verrät doch allzusehr eine Kühlbeit der Beziehung, eine Distanz zum gesamten Fragenkomplex, wie wir sie bei unseren Großen der Vergangenheit und Gegenwart, auf die wir uns sonst berufen, vermissen. Unser Verhältnis zu Erez Israel zeigt wenig von der Liebe, die etwa ein Iehuda H a l e v i zu ihm empfunden hat. Für ihn war Palästina mehr als ein Gegenstand zur Ausübung einer Mizwah, diese Mizwah war chm mehr als eine der übrigen. In ihm lebte das nationale Prinzip, das im Judentum immer lebendig war, und das bei Jehuda Halevi sich auch in der im Kusari geäußerten Ansicht dokumentiert, daß das jüdische Volk das Herz der Gesamtmenschheit sei. Die Mizwah zur Besiedelung Palästinas muß wieder eine besondere Zaubermacht werden, denn sie offenbart neben der Mizwah noch den Geme'mfchaftsgedanken. Mehr Palästina-Streben und mehr nationaler Wille sollte also unsere Parole sein. ' Es ist dies eine Forderung, die man bei der Selbstverständlichkeit des Erez Israel-Verlangens früherer Generationen bei religiösen Juden heute zu betonen für nicht notwendig erachten sollte. Wenn dies aber notwendig geworden ist, so deshalb, weil wir zum Zwecke der Abgrenzung der Linie auf Teile unseres Besitzes unseren Gegnern! gegenüber freiwillig verzichtet haben. Nichts!a b e r ist s o v e r k e hrt und z ur Vermischung unseres ideologischen I n -! h altes geeigneter als sich oo n den Gegnern d i e L e b e n s l i n i e o o r s ch r eiben z u l a s s e n. Es ist der Aguda noch nichts damit gedient, wenn überall Nein gesagt wird, LandesorganfsaEios? der Agudas; JSsrcei In Deuflschianei Soeben erschienen.* Agudistische Schriften von Jacob Rosenheim Inhaltsverzeichnis: Zur Organisation der gesetzes treuen Judenheit. Was will Agudas Jisroel?(Kattowitzer Referat.) Die agudistische Forderung und die Verfassung der Agudas Jisroel. Die Aufgabe der Stunde. Agudas Jisroel als Weltorganisation (Züricher Referat). Eine Sehnsucht und ihre Erfüllung. Valuta-Elend und jüdische Gesamtheitsarbeit* Grundzüge einer Erez Jisroel-Politik der Agudas Jisroel. Agudas Jisroel als Aufgabe und Verwirklichung. (Referat I. K- G.). Die Satzung der Agudas Jisroel und die ideellen Gegensätze in der deutschen Orthodoxie. Bajs Jakow und das Thorastudium der Frauen.. Agudas Jisroel und die slowakische Orthodoxie. Im Dienste der Verheißung. Freuet euch in Beben. Vorfragen und Grundprobleme der agudistischen Politik. Organisation oder Zweckyerband? Der agudistische Einheitsgedanke. _ Anhang: 1. Verfassungder Weltorganisation Agudas Jisroel- §§ 2- Kurze Übersicht über die Arbeits^ gebiete und die Tätigkeit der Agudas Jisroel bis Ende 5691. Preise: Bei Abnahme von mindestens IO Stück 1.- Mk. pro Stück Bei Abnahme von mindestens 2 5 Stück 0.85 Mk. pro Stück Bei Abnahme von mindestens 5 0 Stück' 0.75 Mk. pro Stück Die agudistischen Orts- und Jugendgruppen werden gebeten uns ihre Bestellungen unter Überweisung d. Betrages auf unserPostscheckk. Hamburg Nr. 50204 umgehend^zu übermitteln. Sprache keinerlei religiöse Bedenken. Im Gegen-; teil, ein Sifre zu apy nana stellt Hebräisch sprechen •als gütliches Gebot und Unterlassen desselben als - Versündigung hin. Hebräisch ist dazu noch die! Sprache, Die wir beim Volkswerden erhallen ha-! ben. Unsere gesamte Literatur von Bedeutung, ' soweit sie religiösen und talmudischen Inhaltes ist — und das ist doch schließlich unsere nationale Literatur — ist in keiner anderen Sprache ge- , schrieben als in der heiligen. Es spricht also alles! dafür und nicht gegen die Benutzung des Hebräi- ’ scheu als Umgangssprache. Und dennoch ist von einer Propagierung dieser Sprache innerhalb der Aguda nichts zu merken. All dies, trotz Anerkennung seiner Vorteile nur aus Trotz? Nur, weil diese heilige Sprache nicht allzu selten durch Zionisten nicht nur profantfiert, sondern entheiligt iDirb? Ohne Zweifel tut es jedem religiösen Juden weh, wenn er am Schabbos hebräischsprechenden Juden begegnet, die Zigaretten rauchen, oder wen er sie Fußballspielen sieht. Aber das ist doch kein Grund, vor dieser Sprache den Rückzug anzutreten. Die Methode unseres Kampfes ist eine falsche. Anstatt gegen das Rauchen und den Fußballmatch am Schabbos zu kämpfen, wenden wir uns vou der Sprache ab,.der sich die betreffenden Personen bedienen, und wir lassen so den Anschein zu, als sei unsere heilige Sprache das alleinige Monopol unserer Gegner. Zudem würde gerade die Aguda, als deren Hochziel es gilt „alle Glieder, die dem Ewigen dienen wollen, zu einem Körper* Zusammenzufassen", die Aufgabe zustehen, zur Bildung des Volkskörpers all die Mittel anzuwenden, deren es bedarf. Das wirksamste Mittel aber zur Wiedergewinnung der verlorenen Einheit ist die Sprache. Jiddisch sollte als Ideal unserer Volkssprache allein deswegen nicht in Frage kommen, weil es die sprachliche Reminiszenz an die traurigste Zeit unseres Goluslebens ist. Hinzu kommt, daß es nicht die Sprache ist, in der G'tt und die Propheten zu unseren Vätern gesprochen haben. Wenn wir Agudisten für die Idee der Einigung' und Einheit Israels streben, daun sollte Hebräischlernen und -können unerläßliches Postulat sein. Land und Sprache, dessen sind wir uns bewußt, bilden nicht den Inhalt des Volks strebens, wir lehnen jeden formalen Nationalismus ab und wollen ihn durch wese ritz aftes Volkstum ersetzen. Aber wenn auch nicht Inhalt, so bilden Heimat und Sprache doch Symptome gesunden Volkstums. Sie sind die Wirklichkeitsgrundlage eines Volkes, die die Aguda anerkennen muß. Eine Betonung des nationalen Momentes ist aber noch mehr als im Osten, wo die Juden auch unbewußt sich in einer eigenen nationalen Sphäre befinden, hier in Deutschland, gerade in den agudistischen und den der Aguda zugänglichen Kreisen notwendig. Das Bewußtsein der volkhaften Existenz der Juden soll verhindern, daß beim inbrünstig gebeteten Rausch- Chaudesch-Benschen die Worte Chaverim-Kol-Jsroel einem im Halse stecken bleiben. Genau so entschieden, wie wir eine Ueberbetonung des nationalen Prinzips als krankhaft- und schädlich ablehnen, fordern wir ein Mindestmaß an nationalem Willen. Landesorganisafion der Agudas Jisroel in Deutschland Oberrabbiner D r. Spitzer wo jene ein Ja aussprechen. Dieses Prinzip des „davko verkehrt" macht sich besonders unangenehm bemerkbar in der praktischen Stellungnahme der Agudisten zur hebräischen Sprache als Umgangssprache. Während es bei der Mizwah der Besiedelung Palästinas immerhin eine, wenn auch umstrittene Ansicht eines R'Chaim in Tosefoth Kessuboth gibt, der sich gegen die Besiedelung des Landes wendet, weil bei der Fülle der durch das Land bedingten Pflichten Vergehungen leicht möglich sind, so gibt es gegen den Gebrauch der hebräischen Agudas Jisroel im Müramyroscher Gebiet. Dank der unermüdlichen Arbeit des Herrn Oberrabbiner Mendel Hager in Viseut de sus (Oberwischo) macht die Agudoarbeit im Marmaroscher Gebiet außerordentlich erfreuliche Fortschritte. Neben der Gründung von Zeirim und Poale Agudas Jisroel-Gruppen in den verschiedenen Städten ist die Gründung von Venath Agudas Jisroel-Gruppen in letzter Zeit erfreulicherweise festzustellen*, diese Bewegung wird durch Errichtung einer Beth Jakob-Schule in Oberwischo, die für die nächste Zeit bevorsteht, ihre kräftigste Förderung erhalten. Diese Verbundenheit an Agudas Jisroel und die Bereitschaft, ihr auch in dieser für die Ortho-