Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1932)
- Date
- 1932-02-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450712--78576-2536273- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 2 Der Israelit Blätter 18. Februar 1932 Verkennung der Tatsache, wie lief die agudistische gänzlich verlieren. Wir leben in einer Zeit, in Jde in der Judenheit imö insbesondere bei der, der es gilt, wie El-ijohu auf dem Berge Karmel, orthodoxen Äugend Wurzel geschlagen hat. Der j der, auch allein geblieben keine Kompromisse schloß, sondern von jedem einzelnen ein offenes Bekenntnis verlangte: „Ad Mofai Paus'chim al Schetei Hafifim". dadurch erzeugte Kleinmut hat viel zur Untätigkeit der Agudas Iisroel beigetragen und falls dieser Zustand andauert, wird Llgudas Iisroel ihren ganzen Einfluß auf die nichtaktiven, frommen Juden verlieren Ich will nur ein ganz kleines Beispiel hierfür jnicht der Kampf, den unsere Brüder in Erez Jisanführen. Es ist allgemein bekannt, daß einest-vel für ihre Selbständigkeit und damit für die Hafkin-Stiftung für die Jeschiwoth existiert. Kei-^ Souveränität der Tauroh führen, ein Kampf, der der, der das Testainent liest, wird bezweifeln, daß j uns alle auch außerhalb Erez Jisroels angeht? Prof, Hafkin ein frommer Jude war. Weshalb j Sollen wir unseren Brüdern in Erez Iisroel mit hat er aber den Hilfsverein der deutschen Juden,! einem „nein" antworten, weil ihr Kampf ein der mit Jeschiwos bis dahin nichts zu tun hatte,! politischer ist und es „neutrale" fromme Jehudim zmn Verwalter seines großen Vermögens ge-'gibt, die sagen, Agudas Iisroel solle sich nicht Jugend. Jüdische Nationalisten und Kommunisten erstreben alle, in der Erkenntnis, daß unser Problem weniger das des Einzeljuden als vielmehr des jüdischen Volkes ist, eine Lösung dieses Problems auf Grund ihrer Weltanschauung: entweder durch Zerschlagen aller nationalen Bande, und macht? Man wird staunen, wenn ich behaupte, daß Prof. Hafkin Agudlst war und daß er seinerzeit zusammen mit Kommandant Lippmmm, Dr. Klein und anderen im Pariser Propaganda-Komitee der Agudas Iisroel saß. Daß Pros. Hafkin sich von der Agudo zurückzog, tag einzig und allein daran, daß die Führer der Agudo glaubten, im Namen einer jüdischen Partei austreten ZU müssen. Diese Stellungnahme der Führer der Agudo hat Prof. Hafkin sicher beeinflußt, sein Vermögen emem Verein in Verwahrung zu geben, dessen Ideologie nicht in ausgesprochenem Gegensatz zur Orthodoxie steht. Prof. Hafkin hat es stets abgelehnt, auch nur den kleinsten Betrag für zionistische Zwecke zu geben. Dies ist jedoch nur ein ganz kleines Beispiel von der Untätigkeit der Agudo und von dem Fehlen des Selbstvertrauens. Der Aktivistenverband will alle Agudisten vereinigen, die, sei es lokal oder für den Klall im allgemeinen, aktiv Mitarbeiten wollen, er will all diejenigen vereinen, die nicht damit zufrieden sind, daß die Agudas Iisroel nur existiert, sondern die erreichen wollen, daß Agudas Iisroel ihre Aufgabe als organisierter Klall Iisroel erfüllt. Sie wollen dadurch dio Kräfte der Agudoführer stärkest, auf daß diese wißen, daß das jüdische Volk hinter ihnen steht. Der Aktivistenverband will die Stoßkraft sein, um aus der Agudas Iisroel den organisierten Klall Iisroel zu machen. Nicht daß wir uns emredeten, man könne alle Jehudim einheitlich organisieren. Das wäre heute eine Utopie. Aber wir müssen die Strömung bekämpfen, die fortwährend neue Organisationen neben Agudas Iisroel schafft, nur um der Partei willen. Wer mit der Tätigkeit der Agudas Iisroel nicht einverstanden ist, soll seine Meinung innerhalb der Agudas Iisroel sagen, aber nur innerhalb der Agudas Iisroel. Wir Aktivisten sind keine engen Parteimenschen und es ist uns egal, ob der Name des organisierten Klall Iisroel „Agudas Iisroel" oder ein anderer ist, denn nicht der Name ist die Hauptsache, sondern die Ideologie. Wir brauchen den Kampf für die Selbständigkeit der Orthodoxie und ihre Vereinigung, um alle Fragen und Probleme, die das Judentum betreffen, im Geiste der Tauroh und ihrer Mizwos lösen zu können. Wir sind der Ueberzeugung, daß es keinen orthodoxen Jehudi gibt, der nicht mit diesem Programme einverstanden ist. Darum sagen wir uns: es darf niemand in der Agudas Iisroel geben, der uns nicht helfen will, diese heilige Aufgabe zu lösen. Wir wollen jedoch keine Zersplitterung durch Gründung sogenannter neutraler Organisationen, die sich die Erfüllung der einen oder der anderen Mizwostz'üm Ziele setzen. Wir wollen keine „Tarjag-Organisationen", die nur zur Schwächung und Zersplitterung der Kräfte führen. Eben so wenig ist uns der von einigen unserer Führer vertretene Standpunkt verständlich, daß man die Jugend „neutralisieren" sott. Neutralisieren ist identisch mit dem Schlagwort „unpolitisch" sein. Diese Führer vergessen, daß wir in einer Zeit leben, in der jede Organisation versucht, die Jugend an sich hercm- -uziehen und daß daher eine sogenannte neutralgesetzestreue Jugendbewegung den taurohfeindlichen Organisationen die Möglichkeit gewährt, die Jugend in ihrem zersetzenden Geiste für ihre Wenn wir verlangen, daß alle Fragen im somit des nationalen Haffes, des Grundübels jü- , ©eifte der^ Tauroh beantwortet werben, j ft bann difchen Leidens oder nach Art der Verteidigung .. schwacher Tiere gegen den starken Feind ein Enganeinanderschließen zum Zwecke der wirksameren Abwehr, starke nationale Betonung innerhalb der nationalen Gebilde, in denen man sich befindet. Die Intensität des Slrebens nach nationaler Erlösung erwächst aus dem Gefühl des Lebens im Galut als eines Lebens im luftleeren Raum. Der Wille zum Volksfern ist der Strohhalm, au den man sich klammert, um sich vor Untergang und Auflösung zu schützen. Bei uns Agudisten besteht nicht die Notwendigkeit für die Ueberbetonung des formalen nationalen Elementes. politisch betätigen. Dieselben neutralen frommen Jehudim werden, wenn es sich um ihre Privatinteressen handelt, zweifellos immer bereit sein, auch politische Mittel zu ergreifen. Mit diesen Ausreden muß endlich aufgehört werden. Wir müssen unsere Brüder in Erez Iisroel sowohl materiell als auch politisch in ihrem Kampfe für die Tauroh unterstützen und mit allen Kräften uns in den Dienst dieses Kampfes stellen. Neutral sein heißt in unserer Zeit weder mn “no noch mvv zu erfüllen. Neutral sein bedeutet Unterstützung der Taurohgegner bei ihrem Eroberungsfeldzug. Nicht nur in Erez Iisroel, sondern auch im Golus, steht das orthodoxe Judentum im Kampfe für die Erhaltung des Taurohgeistes und der Taurohinstitutionen. Die Jeschiwos kämpfen mit ihren letzten Kräften, um ihre Existenz. Die Rosche Hajeschiwaus sind leider schon selbst Meschulochim geworden und es ist daher nicht verwunderlich, wie es mit der Kowaud Hathauro aussieht. Sollen die Jeschiwos vom Untergänge gerettet werden, so muß eine Jeschiwosteuer. getragen von Klall Iisroel, eingerichtet werden. Diese Steuer wäre durch jede einzelne Kshillo in der ganzen Welt zu bezahlen. Deswegen 'müssen wir danach trachten, daß die Kehillos in unserem Sinne verwaltet werden, damit jeder Jehudi, mag er auch noch so wenig leisten können, für die Zwecke der Chasokas limud Hathauro beisteuert. Es muß in Klall Iisroel ein Begriff davon geweckt werden, daß durch Geldspenden an Tarbus-Schulen und au alle ähnlichen Anstalten, die nicht im Geiste der Tauroh geleitet werden, der Tauroh selbst und den im Geiste der Tauroh lebenden Klall Iisroel ein magrer Dolchstoß versetzt wird. Der Zusammenschluß der orthodoxen Journalisten und Publizisten ist nicht nur ein Arbeitsweg, sondern ein Selbstzweck von großer Bedeutung.- Wir müssen uns endlich vom Golns bei Juden befreien und frei werben von den jüdischen Vertretern im „siebten Reich". Die Presse besitzt heute nach innen wie nach außen eine große Macht. Die jüdische Presse liegt aber zum weitaus größten Teil in solchen Händen, die mit dem Taurohjudentum nichts zu tun haben oder Gegner des Taurohjudentums sind. Deshalb wollen wir versuchen, die große Anzahl orthodoxer Journalisten und Publizisten zu vereinigen, denn die Welt hört nicht auf einzelne Stimmen. Der Aktivistenverband hofft, daß alle Agudiften, die ein Interesse an der Entwicklung der Agudas Jisroel-Weltorganifation haben, sich ihm anschließen werden. Er will kein Staat im Staate bilden, sondern will die Armee der vereinten aktiven Kräfte sein, durch die mit G'ttes Hilfe Agudas Iisroel ihre heiligen Aufgaben erfüllen kann. Mehr nationaler Wille! Don Aron Keller kn Berlin. In einer Zeit, in der wir in Duetschland lebenden Juden neben dem traurigen Los, das wir mit dem deutschen Volke zu teilen haben, noch dazu einem von außen kommenden Druck ausgefetzt sind, ist es nur allzu natürlich, daß auch m den Reihen unserer Jugend sich derselbe Prozeß _ _,__ - , - , der Radikalisierung abspielt, und zwar auch in Zwecke" zp politisieren" wodurch wir die Jugend ähnlichem Verhältnis wie bei der nichtjüdischen Agudisten, als organisierte Thoratreue, haben eigentlich niemals das Empfinden gehabt, im luftleeren Raum zu leben, wir haben es heute nicht, genau so wenig wie unsere Ahnen es während der zwei Jahrtausende langen Wanderschaft gehabt haben. Weil die Thora immer unsere Luft, das volkerhaltende Element gewesen ist, die Stätte der Thora unser nationales Heim, sie selbst sowohl religiöses Gut als auch nationales Symbol, gilt uns das Entwurzeltsein von unserem heiligen Land nur als ein Zeichen für unser sittliches Ünreiffem. Das heilige Land ist das Ziel unserer nationalen Sehnsucht, national im Sinne Isaak Breuers, um „dem Gstte der Menschheit auf Erden wieder eine nationale Stätte zu bereiten," weil man wahrhaft jüdisch sich nur auf jüdischem Boden ausleben kann. Gibt man aber auch zu, daß wir eine Nation besonderen Schlages bilden, eine „messianifche Nation", so will das doch nur sagen, daß die Aufgaben, die wir zu erfüllen haben, mannigfaltiger und schwieriger sind als die anderer Völker, daß unser Volksganzes durch Hervorheben und Betonen der Zugehörigkeit zu G'tt in Wort und Tat eine eigene Prägung erhält. Deswegen aber sind die vitalen Voraussetzungen unseres Daseins für uns nicht weniger wichtig als für die übrigen Menschen. Wenn auch das, was den Zionisten Lebensunterhalt gbt, bei den Thoratreuen nur die Rolle einer lebenswichtigen Form spielt, so scheint durch die Nichtberücksichtigung eben der Form eine Verkennung der volkmäßigen Wirklichkeitsgrundlage des Judentums varzuliegen. Nicht als ob im Programm der Agudas Jisroel die Palästinaarbeit fehlen würde. Im Gegenteil, Jacob Rasenheim beschäftigt sich in einem der im Ohole-Jakob gesammelten Aufsätze eingehend mit dieser Frage. Um die Palästinaarbeit nach allen Richtungen hin zu intensivieren, schlägt er für die rabbinischen Führer die Durcharbeitung und Lösung der halachischen Probleme vor, soweit sie mit Erez Iisroel im Zusammenhang stehen, ferner die Fühlungnahme der Rabbiner der Diaspora mit den rabbinischen Führern Palästinas. Dabei spielt neben der Weckung des Interesses für unser heiliges Land noch ein Kerngedanks der Aguda eine wesentliche Rolle: die Fühlungnahme der in der Welt lebenden Juden zum Zwecke der Verbrüderung. Für die Orts- und Jugend gruppen stellt er ein Programm auf, das fast wörtlich noch besonders von der Berliner Jugendgruppe in einem Entwurf des Jahres 1918 erwähnt wird. Darin heißt es: Unter allen Mizwaus werde besonderes Verständnis für die p"N8 ms». geweckt und ihre Erfüllung herbeigeführt durch: 1. Einrichtung von Schiurim in allen einschlägigen Vorschriften. 2. Vorträge über Land und Leute in Erez Israel durch landeskundige Gesinnungsgenossen, 3. landwirtschaftliche Vorbereitung für Erez Israel,