Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1932)
- Date
- 1932-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450712--78572-2536269- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10 Nr. 8 Der Israelit 18. Februar- 1932 die Milz ausgeschnitten wurde, von welcher Maßnahme man sich im Altertum allgemein erhöhte Leistungen der Läufer versprach. Die Schilderung von Wettlaufen, die nach einem Midrasch in der Rennbahn des Königs Salomo ausgetragen wurden, bildete den Schluß der recht interessanten Ausführungen. — Dem Redner dankte reicher Beifall der Zuhörer, unter denen man prominente Persönlicykeiten aus der jüdischen Wissenschaft sowie Bertreter der Sportbehörden erblickte. (1000jährige jüdische Synagoge in Wronke.) Die Synagoge in Wronke an der Warthe, Bezirk Posen, blickt nun auf ein lOOOjähriges Alter zurück. Nach der Ueberlieferung wurde die Synagoge durch portugiesische Juden im jüdischen Jahre 4693 (933 nach christl. Zeitrechnung) erbaut. Dieses Datum ist in einen Pfeiler der Synagoge eingraviert. Im Vorraum des Betsaales befindet sich eine in die Wand eingemauerte schwarze Steintafel, in der mit goldenen Buchstaben in hebräischer und deutscher Sprache ein Spruch eingraviert ist, in den; das Jahr 4693 als das Erbauungsjahr der Synagoge bezeichnet wird. Ein uralter Friedhof bei der Synagoge fiel erst vor fünf Jahren einer Straßenregulierung zum Opfer. Kurz vor der ersten Teilung Polens zählte die Gemeinde 483 jüdische Kopfsteuerzahler. Ende des 18. Jahrhunderts lebten dort 382, 1846 — 813, 1895 — 569, 1921 — 187 Juden. Heute leben in Wronke nur noch 15 jüdische Familien, von denen nur sechs Gemeindesteuern entrichten. Dieser kleinen Gemeinde fehlen die Mittel zur würdigen Begehung des 1000jährigen Jubiläums ihrer Synagoge. Da aber der Bestand der Synagoge Zeugnis dafür ablegt, daß in der Zeit vor der Bildung des Staates Polen auf polnischem Territorium Juden gewohnt haben, gibt Herr Moses Feinkind, Pietrkow, durch die ITA.-die Anregung, daß das polnische Judentum dieses Jubiläum begehen soll, wobei der Warschauer Gemeinde die Arrangierung der Feier obliegen müßte. Ainderecke. TO**’ Zur Sidro mxn. Das Heiligtum und feine Geräte waren durch G'ttes Auftrag bestimmt in ihren Formen und Maßen — nun mußte der Priester ausgewählt wenden, der in Reinheit den Dienst verri-chten sollte. Da sprach G'tt zu Mosche: „Ich weiß, daß du in deinem Herzen hoffest, daß ich dich zum Hohepriester erwähle. Aber nicht du, sondern dein Bruder Aharon soll als Priester dienen bei den Opfern meiner Kinder. Ich erkannte die Reinheit seines Willens und die lautere Absicht seines Planes, als er das Volk von der Sünde des Götzendienstes abyalten wollte, bis du vom Berge niederstiegst. Er soll mein Hohepriester sein!" Demütig und in reiner Freude über die verdiente Größe seines Bruders ließ Mosche aus der Mitte des Volkes Aharon und seine Söhne nähertreten und lehrte sie die Weise des Dienstes. Und nun sollten die kostbaren Gewänder für Aharon verfertigt werden. Zur Ehre und zur Auszeichnung sollte er prächtig bekleidet werden mit goldenem Zierrat und buntdurchwirkten Geweben; herrliche Edelsteine sollten leuchten an seiner Brust und mit goldenen Glocken sollte sein himmelblauer Mantel geziert werden. Heilige Gewänder sollten es sein, mit Weisheit des Herzens gefertigt, um Aharon mit ihnen zu heiligen, daß er G'tt zum Priester sei. Aharon aber zagte in seinem Herzen und dachte: Mein Bruder Mosche steht neben mir in bescheidenen Kleidern — wird nicht ein Funken Neid in seiner Seele entbrennen, wenn er die herrliche Pracht sieht, mit der ich geschmückt werden soll? Hat nicht schon einmal ein bunter Rock- Unheil gestiftet zwischen Brüdern? Angstvoll sah Aharon in Mosches Antlitz, ob er nicht die Spuren des Neides in feinen Zügen entdecke. Aber Mosche erriet die Gedanken des Bruders und sagte: „Hast du mich beneidet, Aharon, als ich von Midjan kam und der Erscheinung G'ttes gewürdigt worden war? Du gingst mir entgegen, mein Bruder und freutest dich über meine Größe. Und mit dieser neidlosen Freude deines Herzens machtest du dich würdig, den Brustschild mit den Urim und Tumim auf deinem Herzen zu tragen. Wie sollte ich nun mich nicht d e i n e r Größe freuen?" Aber noch war Aharon nicht beruhigt. „Ich weiß es wohl," sagte er, „daß du mir die Ehre gönnst und die Auszeichnung, obwohl du doch der Führer und der Lehrer des ganzen Volkes bist. Wenn du mich aber zum Hohepriester falben sollst mit dem heiligen Oele —wirst du auch dann frei von jeglichem Neide bleiben und dich nur mit mir freuen?" „Auch dann, mein Bruder," erwiderte Mosche. „Wie, wenn das gute Oel herabträufelte auf meinen eigenen Bart, so werde ich mich freuen, wenn das Oel den Bart Aharons, meines Bruders, benetzt!" Nun erst empfand Aharon, dem der Friede über alles teuer war, die rechte Beglückung über die neue Weihe. Er nahm voll inniger Begeisterung die heilige Würdle auf sich, wußte er doch nun, daß sein Bruder in aufrichtiger Liebe seine Freude teilte. Aus den Geschichten um Alexander den Großen. Es geschah in den Tagen, als das Reich der Perser besiegt wurde und Alexander der Große die Welt eroberte. Er war ein mächtiger Held und eiserne Kraft hatte er, Länder und Provinzen niederzuzwingen: er unterwarf alle Stämme der Völker, niemand vermochte es, gegen ihn sich zu erheben und seinem siegreichen Zuge entgegen zu treten. Nur das kleine Volk in Palästina wagte es, aus Dankbarkeit gegen Persien noch immer an dessen Herrschaft festzuhalten und wollte nicht an einen Untergang des ihm so freundlich gesinnten Königsgeschlechtes glauben. Durch die Verleumdungen der Samaritaner erfuhr Alexander von dem frechen Auflehnen des jüdischen Volkes. So kam er wutentbrannt nach dem Lande Jehuda mit seinem Kriegsvolke und er sprach: „Zerstören will ich es!" Da fiel Angst auf alle Bewohner des Landes und es war große Trauer bei den Juden und Fasten und Weinen in Jerusalem. Und damals war Priester -auf dem Berge G'ttes Schimon Ha-Zaddik, der Hohepriester und würdige Fürst. Und Schimon ha-Zaddik schmückte sich und bekleidete sich mit den herrlichen Priestergewändern und tat den glänzenden Schmuck des Priesters an und sammelte um sich die Edelsten Jerusalems und sie nahmen brennende Fackeln in ihre Hände und gingen Alexander dem Großen entgegen, die ganze Nacht hindurch. Als die Morgenröte aufstieg, da näherte sich das Heer Alexanders, ihm voran der mächtige Herrscher auf seinem Pferde. Als nun Alexander den Hohepriester erblickte, da sprang er vom Pferde, eilte auf ihn zu — und sprach Worte des Friedens zu ihm. Voll Verwunderung standen Alexanders Heerführer und sprachen: „Solches haben wir nicht gesehen, seit wir mit dir ziehen. Was hat dies zu bedeuten, daß du deinen Feinden so gnädig entgegenkommst?" Da sprach Alexander: „„Ihr könnt es nicht begreifen, warum ich diesen Priester so auszeichne und ihm den Friedensgruß biete? Ich habe einen Engel, der mich begleitet in jeder Schlacht, der bei mir ist in meinen Träumen und dies ist sein Antlitz und dies ist seine Erscheinung wie die Gestalt des herrlichen Priesters vor Euch! Nie werde ich ihm Böses zufügen!" Voll Dankbarkeit über diese wunderbare Rettung baten Schimon ha-Zaddik und die Äeltesten, die mit ihm waren, Alexander möge doch nun in Frieden die heilige Stadt besuchen und sich ansehen die Stätte, an der sie ihrem G'tte dienen. Alexander willigte ein und zog hinauf nach Jerusalem und betrachtete den heiligen Tempel und spendete Silber und Gold für die Schäden des Hauses. Und er schloß einen Bund mit Schimon ha-Zaddik, daß er sie schützen wolle vor jedem Feind. Und jeder Knabe, der in diesem Jahre in Jerusalem geboren ward, wurde Alexander genannt, zum Andenken an die Gnade, die der mächtige Herrscher dem Volke Israel hatte zuteil werden lassen. (Für die Größeren.) Mit dem heutigen nav schließt die Reihe der r-ivno. die unter der Bezeichnung maa^ zusammengefaßt wurden, das sind mxn ,nnian ,0'vsva .iarp *n*>»a ,sa -narri >nV3V Vielleicht habt Ihr schon mal davon gehört und habt geagt bekommen, daß diese Zeit viele Krankheitsgefahren in sich birgt und man deshalb in diesen 8 Wochen in vielen Gemeinden an jedem Donnerstag zu fasten pflegt. Doch warum hat man nur inr Schaltjahr diese Einrichtung getroffen, jede Woche während n"v a'aaisa einen rpasrn zu bestimmen? Erinnert Ihr Euch noch daran, was ich Euch von den Fasttagen a"na erzählt hakE? Damals sprachen wir davon, daß diese Tage im Marcheschwan zur Einkehr und. zur Buße eingesetzt wurden. In dem nia-s nav, im Schaltjahre, ist nun der Winter sehr lang und damit auch die Zeit zwischen dem ^".12 des Cheschwan und dem des Jjar, da wollte man auch während dieser Zeit nochmal Einkehr halten und naivn tun, um die Gefahren und das Unheil durch schlimme Krankheiten abzuwenden. So wurden diese acht Donnerstage als D'/v>ayn bestimmt, an denen auch gesagt werden (in einer ganz großen Tefillo könnt Ihr sie finden): die letzte nwi-o für die Woche von naian ist von Rabbenu Gerschom versaßt. — Und warum hat man wohl die acht Anfangsbuchstaben (naan ’wxa) gerade in dieser Art zusammen gefaßt und vokalisiert? Es sollte das kennzeichnende Wort in seinem ersten Teil wohl anklingen an die Mahnung des Propheten Jirmejahu: ca'aaitf D’aa ->aw, kehrt zurück, ihr abtrünnigen Söhne! Und die zweite Hälfte, dasrrn» sollte wohl den Weg dann weisen, wie die Rückkehr und Besserung möglich ist: durch rrtsa und durch naatwi — manche sagen auch durch: naui iiaim denn auch dies ist ein guter Weg -mi-a rwa ni'nni>- Ein Freitagabend im Winter. Ich finde es auch ganz richtig, daß man am Freitagabend kein „Mensch ärgere dich nicht" spielt. Nun will ich auch unseren Freitagabend schildern: Ich freue mich schon die ganze Woche auf den Schabbos. Eine Stunde vor nav ziehen wir uns an. Dann gehen wir nach Schul. Wenn wir nach Haufe kommen, singen wir aa^ und der Papa macht viip. Beim Essen singen wir jvtpbt und ich halte eine Droscho über das, was wir in der Schule über die naiv erzählt bekommen haben. Nach dem Benschen lesen meine Geschwister die Kinderecke vom „Israelit". Und ich lerne mit dem Papa snaa. Dann gehn wir ins Bett. Gottschalk Schlesinger, Wien (10 Jahre). Ein Freitagabend im Winter. Bon E. Hofmann. Um 2 Uhr komme ich aus der Schule. —Zu Hause angelangt lege ich schnell meinen Ranzen weg, dann setze ich mich an den Tisch und esse. Nach dem Essen ziehe ich meine nav-Kleider an. Ist es dann Zeit zum „Schulengehen", hole ich meinen Freund ab und wir gehen zusammen in Schul, Nach Schul gehen wir nach Hause. — Zu Hause ist der naav-Tisch fein gedeckt. Die ranw- Lichter flackern bell aust Wenn mein Vater in das Zimmer kommt, fangen wir an, das schöne oa^s bi^e> Lied zu singen, dabei gehen wir durch die zwei ineinandergehenden Zimmer. Damit der nav, in alle Zimmer getragen wird. Mein Vater sagt jetzt noch einiges aus worauf er macht. Danach wird gegessen. Wir singen sämtliche wa'ar, Auch nehmen wir die naao durch. Liebe Kinder! Hiermit schließen wir die Reihe der Freitagabendschilderungen. Wir danken den lieben Einsendern herzlichst, auch all denen, deren Aufsätzchen wir nicht mehr abdrucken konnten. Ich kann mir gut vorstellen, wie wunderschön es bei Euch allen am Freitagabend ist und ich freute mich auch sehr, daß fast überall so fein die n-no besprochen wird und daß die Jungens vava. und rraaa lernen. Aber gespielt soll doch natürlich auch werden, besonders bei den Jüngeren unter Euch! Nachdem Ihr aber solche Spiele wie „Mensch, ärgere dich nicht" alle abgelehnt habt, müßt Ihr auch andere, jüdische Spiele dafür vorschlagen. Manche unter Euch besitzen vielleicht ein jüdisches Lotto oder Quartett und wer es nicht hat und sich einmal etwas wünschen darf, soll sich am besten ein solch jüdisches Spiel schenken lassen. Aber auch ohne derartige gekaufte Spiele kann man lustig und schön zusammen spielen. Ich weiß z. B. eine Reihe von jüdischen Spielen und verrate sie Euch gerne; aber erst möchte ich mal hören, welche Ihr wißt und Vorschlägen könnt. Ich bin schon sehr neugierig auf Eure Zuschriften! ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT A. M. JETZT OSTENDSTR.83 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton «.Sch achnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. Schach» nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer 3. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). - Berlao des Israelit und tzerrnon G. m. b.- H., Frankfurt a. M- — Druck' Sermon-Druckerei, Frankfurt a. M.