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Der Israelit · 1932-02-18 · Heft 8 (18.2.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 8 (18.2.1932)
Date
1932-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 8 D er Israelit 18. Februar 1932 Zuckerkrank? Sr Nahrungsmittel! Jnteressantes Preisbuch frei! Frankfurter Hirsch-Apotheke, Zeil 111 Niederlagen: Reformhaus Boermel-Ernst,Schillerstr. 27 Denn sie alle, die sich durch Preisgabe der Schabbosheiligung halten zu müssen glaubten, haben feurige Kohlen aus ihr Haupt gesammelt. Haben den Angestellten den Platz gesperrt und diese zur Sabbatentweihung gedrängt. Wie der Talmud (Gittin 7a) als Heilmittel dem, dessen Brot knapp wird, empfiehlt, nun erst recht Zedokoh zu geben, so sollte der erst recht die Schabbosweihe verstärken und erhöhen, der meint, der Schabbos würde ihn erdrücken. Es geschähen auch uns noch Wunder ohne Zahl, wenn die Welt nicht feige wäre (Ibsen). Es gehört zur eigenen Schabbosheiligung, daß man ihn wirklich „heilige", daß man ihn ehre. Die Ehrung des Schabbos besteht aber sicher auch darin, auch die Tafel reich zu besetzen. Die Ausgaben dafür gehören zu denen, die G'tt ersetzt. Aber man muß auch den Schabbos der andern ehren und heiligen und den Tag, der uns heilig ist, nicht dem anderen zum Kummer und zur Quelle der Verbitterung machen. Wenn du, junge, strebende Welt, dereinst unter G'ttes Beistand einen Mitarbeiter nach dem anderen anstellst, dann erinnere dich noch, wie du um den Schabbos gekämpft hast. So rechne ihm, deinem jungen Freunde, nicht die Stunden vor, die er nicht arbeiten kann und darf und „vorenthalte ihm den Lohn nicht"! Mache ihn froh und heiter. Sei ihm ein treuer Freund und Förderer, dann wird er dir treu sein und wird für dich sein Bestes einfetzen. Nirgendwo steht geschrieben, wie groß dein Verdienst sein muß, und daß, weil du mit deinem Kapital ein Risiko eingehst, die Spanne zwischen dem, was du und dem, was dein Angestellter verdienen darf, so riesengroß sein muß, daß du in einer schönen Villa und er in einer kleinen Hütte wohnen muß. Der Talmud bringt den Gegensatz zwischen der Zeit der Entwicklung der Dinge und der Zeit der Erfüllung alles Sehnens der Menschheit aus eine kurze Formel. Er sagt: Jetzt lebt der Große von dem Kleinen, in der Zukunft wird der Kleine von dem Großen leben. Alle Nationalökonomie der Zukunft muß das zum Grundsatz haben. Der Kleine soll vom Großen leben können. Nicht Lohnsenkung, sondern Senkung der Dividenden muß den Lebensstandard ermöglichen können. Eine Angleichung aller Klassen wird jedem das Seine geben. Eine jüdische Interessengemeinschaft muß jeder jüdische Betrieb bilden. Dabei muß aber bas allgemein jüdische Interesse — und der Schabbos vor allem — der Genossenschaft die Richtung geben. Dieser jüdische Grundsatz muß auch den Ton in deinem Geschäft bilden. Nicht auf die Geschäststüchtigkeit allein bei der Auswahl deiner Mitarbeiter darfst du Wert legen. Auch ihre moralische Eignung für dein Haus muß sie ausweifen als geeignete Kräfte für dich. Wen du nicht als Freund in deinem Privathause, als Freund deiner Kinder sehen möchtest, wer dem reinen Empfinden deiner Gattin unausstehlich ist, den mache auch nicht zum Vertrauten in deinen Geschäftsräumen, den dulde auch nicht in deiner Arbeitsstätte. Dein Grundsatz laute nicht „Geschäft ist Geschäft". Vielmehr laute er: „Jüdisches Geschäft ist jüdisches Geschäft". Mit Beobachtung solcher Prinzipien baut man jüdische Kehillos auf. Und mit ihrer Verachtung legt man den Todeskeim ihrer Zerstörung und der der eigenen Familie. Beschäftige deine jungen! Mitarbeiter nicht so lange, daß sie mit dem Schlafe ringen und es ihnen nicht mehr möglich ist, das Gebot, das für sie so gut gilt wie für dich, erfüllen können: „Sinne in ihnen (den Worten der Tauroh) bei Tag und bei Nacht". Die Arbeit, die für zwei Schultern zu schwer ist, verteile man eben auf vier. Du, Jude, hast die Pflicht, dafür zu sorgen, daß der andere auch als Jude leben kann. Der reiche Prinzipal hat darin kein Privileg vor seinem Lehrling voraus. Dem Lernenden gebührt die Zeit noch mehr als dem Könnenden. Führst idu dereinst so ein Haus, als wahrer jüdischer Kaufherr, in dem der Sebulun der Tauroh, der sein Geschäft als Mittel für die Zwecke des Jissochor zum Aufbau von Taurohwissen und nicht als Selbstzweck betrachtet, dann wird der Allgütige sein Wohlgefallen dir zürnenden und dich segnen. Und wenn dann deine Kraft sich mehrt und du bedarfst der Vertretung deines Hauses in den Städten des In- und Auslandes oder du läsfest in die weite Welt deine Sendboten reisen, dann betäube dein Gewissen nicht und schließe deine Augen nicht vor der Wirklichkeit. Wähle keine anderen für den Außendienst wie du sie im Jnnenbetrieb benötigst. Lasse auch dein Haus daheim und auf der Reise nur durch solche vertreten, die dem Namen, den du dir erworben hast und dem Judentum, der Tauroh, in Lehre und Leben, Ehre machen. Baue mit deinem Vertrauen jüdische Häuser und jüdische Geschäfte, jüdische Familien und jüdische Kehillaus auf. Mehre Lehre und G'ttesfurcht in Die Priestergewänder. Von Rabbiner Dr. 7X1. Lewin in Hamburg. Dem Heiligtum der min» das Israel zu treuer Hut übergeben wurde, folgte der Bau des i3v», des sichtbaren Heiligtums, das das G'ttesvolk in der Wüste zu Ehren des Allheiligen errichtete. Zu dessen Hütern und Wächtern wurden die Priester für alle Zeiten bestellt. Ihre Ausgabe wurde es, Israels Bestimmung als „Priesterreich" und als „heiliges Volk" im heiligen Dienste der Menschheit zu immer neuem Bewußtsein zu bringen. Für die wma galt nun die Weisung, die G'tt dem Moses erteilte: nxs/iin 1133^ *pnx enp ’na ti’psi „Mache Kleider der Heiligung für Aharon deinen Bruder zu Würde und zu Zier." Den r-mva '-m, den Priestergewändern wird mit diesen Worten eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Sie sollen die besonders bevorzugte Stellung des Priesters immer von neuem bezeugen, dem Volks eins Mahnung sein, daß der ]na zum Dienste im Heiligtum vom Herrn berufen sei und diesem selbst Zier und Schmuck verleihen. Das Priesterkleid wird zum bedeutsamen Bestandteile des Priesterdienstes. Dieser wird ungesetzlich,^». wenn der Priester ihn ohne die I vorgeschriebenen Gewänder versehen hat. Jede Ab- , weichung von der Norm ist eine Sünde, ein Vergehen gegen den Geist des Priestertums. \ Für das Große und Bedeutsame ist auch die Form! nicht gieichgiltig. Die Schale soll für den Kern zeugen wie der Körper die Hülle für den Geist ist. Das Kleid ist dem Menschen eine Mahnung an seine höhere Bestimmung auf Erden. Die erste Sünde, die des Menschen Blöße enthüllte, brachte ihm das Kleid als Schutz gegen Abfall und Vergötterung seiner sinnlichen Triebe. Und dem jüdischen Menschen wurden nach der Sünde der Kundschafter die n>rs die „Gewandsprossen", die „Schaufäden" zur ewigen Erinnerung an die 613 Ge- und Verbote, die uns läutern und veredeln sollen, damit wir würdig bleiben des Priesterdiadems, mit dem G'ttes Liebe unser Volk geweiht und geadelt hat. Es ist das Zizisgewand gewissermaßen ein Priesterkleid, das jeder tragen soll, der sich bewußt als Jude, als ein Glied des g'ttgewählten Volkes fühlt. Im Midrasch heißt es: iV naa nnsi -p aiaa r»riv Es (das Priesterkleid) gereicht dir zur Ehre, und du sollst ihm eine Ehre sein. snnaan ’js»1’ ’np ’in pnv> '-n sn so hat R. Jochanan das Kleid das Ehrende des Mannes genannt — n 1N3 13 '3 r-'3ivi> l>rriv' i>3 '3'r?3 v-irrsni'1 und zur Zier in den Augen von ganz Israel, um kundzutun. daß ihn G'tt erwählt hat: Hier ist es klar gesagt. Das Priestergewand hebt den Priester als Beauftragten G'ttes, als Sachwalter des Volkes aus.der Gesamtheit heraus und mahnt ihn, seines „Ehrenkleides" sich würdig zu erweisen durch, ein vorbildliches Leben der Hingabe und der OpferwMgkeit. So wird die Amtstracht ihm zum wahren Schmucke. Gefürstet und geweiht, geadelt und geheiligt — steht dann der Priester, da, von G'tt erkoren, ein Segen der Gesamtheit, eine Zierde des Volkes. Wie es mit dem Priester inmitten von Israel steht, so kann auch das Priestervolk nur dann als von G'tt berufen Anerkennung und Würdigung finden, wenn es erster Reihe unifr ömiw dem Geschäft. Dann! wird G'tt Me Seinen nicht verlassen. Lasse die Devise deines Hauses sein: „Mein Licht ruht in deiner Hand) und dein Licht wird durch meine Hand entzündet." Doch noch ein anderes: Die Wirtschaftszusammenhänge waren und sind der größte Feind des Zinsverbots. Und dieses Verbot ist ein unerbittlich strenges. Das Geld, das durch Zinsen verdient wird, sagt der Talmud-, wandert in nichtjüdische Kreise. Seine Warnung hat sich traurig bewährt. Sowieso überdauern die großen Vermögen im jüdischen Kreise im Golus kaum drei Generationen. Was mit Zinsen verdient wurde, wird mit Zins und Zinseszins verloren. Nehmt es dereinst nicht leicht mit mm’ in eurem Geschäft. Hört auf, den irpn zu suchen. Beginnet, das Geschäft am fn zu prüfen. Der Schulchan Oruch stellt den ruhenden Pol in der Generationen Flucht dar. Ihr könnt ihn nicht auf das Prokrustes-Bett spannen, wohl aber eure Unternehmungen nach ihm beschränken. Manchem wäre heute wohl, wenn er sich als Meister in der Beschränkung erwiesen hätte. Unter der Hand feiner großmännischen Ausdehnungssucht ist ihm alles zerflossen. Die Millionen Israels sind gewogen worden. Sie wurden zu leicht befunden. Es fehlte in der Legierung das Material, das dem Metall die Wertbeständigkeit verleiht. Prägt andere Scheidemünzen. Du, Jugend, stehst am Anfang eines neuen Lebens. Spare dir, die Erfahrung unserer Tage wiederholen zu müssen. Lerne aus der Geschichte, Hämmere sie dir ein. Befreie dich und halte dich fern vom Atavismus ber Engherzigkeit. Sei und bleibe Jude, nicht nur in Tallis und Tefillin, mit dem Lütow und dem Ethrog, mit Mm Fasten und Genießen, sei und bleibe bewußter und verantwortungsvoller Jude draußen in der Arena des Lebenskampfes, auf dem Markt und an der Börse, in der Fabrik und im Büro. Auch über soziale Pflichten gibt es Dinim-, auch darüber, wie man Hausangestellte und Geschäftsangestellte behandelt, wie man sich gegen d>en Arbeiter und den Handwerker zu benehmen hat. Jugend nimm dir vor, aus den Ruinen neues Leben erblühen zu lassen. Wenn du willst, dann.ist Golus Jizchok bald überwunden, und im Golus Awrohom wird jeder jüdische Kaufmann in Güte und- Edelsinn Segnungen verbreiten und die Welt wird huldigend zu ihm sprechen: Ein G'ttesfürst. bis du in unserer Mitte. sich in die Gewänder der Heiligkeit und Reinheit hüllt und die leuchtenden Spuren wandelt, die der Allgütige in seiner hl. Lehre uns vorgezeichnet hat. Daß man uns zu schmähen und herabzuwürdigen sucht, mag gewiß in vielem ohne Grund und Veranlassung von unserer Seite sein. Sollten wir da aber nicht gleichwohl uns selber prüfen, ob wir rein erhalten haben den Schmuck und lauter den Schild, mit dem uns die Himmlischen versahen. als Israel Treue und Gehorsam seinem G'tte gelobt? Das wird der sicherste Weg sein, auf dem wir unsere Feinde zu entwaffnen vermögen, wenn wir uns in Selbstbesinnung mit reinem Herzen und festem Sinn um das Banner G'ttes scharen, eingedenk des Wortes: *]ina vuaipi „Ich schlage meinen Thron inmitten der Kinder Israel auf, 'pty DnVw’ni fo ich ihnen G'tt bin." Aleines Feuilleton. Ein ostjüdischer Gentleman.') Ich sah mit Judäus in seinem traulichen Studierzimmer über der Stelle von Kidduschin Jeruschalmi, welche die Pflichten benennt, die der Vater seinem Sohne gegenüber zu erfüllen hat. Von da gelangten wir schließlich zu einer Aussprache Wer das Schulwerk, das S. N. Hirsch in Frankfurt begründete. Wie er in genialer Weise das Problem löste, die jüdische Jugend mit dem Lerngut neuzeitlicher weltlicher Bildung vertraut zu machen unter gleichzeitiger Wahrung des religiösen Gutes des überlieferten Judentums! Er hatte für seine Person die Synthese gefunden; sie sollte auch seinen Bekenntnisgenossen werden. Es galt das hohe Ziel: *) Der Autor ist Nichtjude.

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