Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1932)
- Date
- 1932-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18. Februar 1932 Frankfurt a. N!., den u. Abar Z692 fflfDer Israelif »1 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum | JJ Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. \ i Abonnement ab Juli 1829: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Auslano: Vrerkeljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten de; Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; Engeand 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga5. Holland 2fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Iuqo» flaoien 55 Din.; Litauen 7J50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 180 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 8 Fr; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Eoldvfennige. Der Israelit erscheint leven Donnerstag. Inserate 50 Golvpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur ±0 Pf. 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Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnem?nts oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a, M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat März Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Mene - tekel. Rachklang zum Aastkage des 7. Adar. Von B. W. Zeichen der Zeit sollen, nein, wollen gedeutet werden, wollen verstanden.sein. Das ist der Sinn der naiemzu der beide Verbände uns aufriefen, die von den gesetzestreuen Rabbinern Deutschlands gebildet werden. Das Prinzip, das die Welt beherrscht, ist «n» ,tt» “ms „Maß um Maß". Gleiches wird mit Gleichem vergolten. Es mag aber der Einzelne nicht, immer den rechten und ganzen Ueberblick über alle Ereignisse und Erlebnisse besitzen, so möge in Arbeitsteilung jeder ein anderes Gebiet auswählen, über das er sich ausredet, um uns auszusprechen vor dem Allrichter, dessen Hand in Strenge auf uns lastet, auf daß die gesprochenen Worte ein Echo in unserer Brust'finden und die Selbstprüfung eine Selbsterziehung einleite. Im Mittelpunkt des Leidens steht der Schabbos. Daß er der Mittelpunkt unseres jüdischen Lebens ist, erkennen wir daran, daß uns in vielen Variationen immer wieder gesagt wird, daß seine Hut die Erlösung verbürgt. Er ist mehr als unser Mittelpunkt. Ihm verdanken wir das jüdische Dasein und das jüdische Sein. Der Sabbat heiligt uns; wir nicht ihn. Er war vor uns da. Seinetwegen ist Israel geschaffen, um ihn der Welt zu erhalten. Damit.-unsere Generation, die um ihn kämpft und vin.gt' dann, wenn sie ihn sich gerettet und wiedererobert hat, ihn nicht aufs neue verliere, dazu bedarf es der Bloßlegung der Fehler der vorangegangenen Geschlechter. Auch die biblische. Berichterstattung zum Zweck der Belehrung ehrt die Vätergeschlechter, obwohl sie ihre Fehler nicht verschweigt. Die Nennung der Fehler Mosches und Davids wird sogar als eine Ehrenerklärung für sie angesehen, weil mit der Bekanntgabe ihrer Sünden gesagt ist, daß sie nur dieser wegen gestraft wurden, während sie in anderer Beziehung untadelig dastanden. So wollen auch wir in aller Ehrerbietung vor der mannigfaltigen Größe der Früheren doch deren Fehler auszeigen, die unser Leiden um den Schabbos verursachten, um zu lernen und besser zu machen, wenn wir unter gütig segnendem Beistand bald wieder ®eleg'enfyeit dazu haben mögen. Du, junges Geschlecht, so höre! Groß steht in Israel der Kaufmann da. Er tritt dem Stamm der Gelehrten zur Seite. Jssochor und Sebulun sind unzertrennlich. Warum wird in einem Volk, in dem ein jeder „unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum sitzen" soll, also in erster Linie einem ackerbautreibenden'Volk, dem Kaufmann eine so hohe Bedeutung zugewiesen? Wohl daruni, weil er als Kaufherr mit der Welt in Berührung kommt, mit ihr in Beziehung tritt und da die hohe Aufgabe, aber auch die schwere Verantwortung trägt, als jüdischer Kaufmann zu erscheinen. Ehrbar, gewiß. Aber mehr als dies. „Völker lädt er zum Berg". Durch sein Gebühren muß er auffallen, aufsallen im besten Sinne. Nicht auffällig, sondern auffallend muß er wirken, so daß seine Persönlichkeit und durch sie sein Judentum Beobachtung und Verehrung in weiten Kreisen der Handelswelt findet. Sein Wort muß nicht nur ein Wort sein. Es muß auch in Uebereinftimmung mit seinen Taten gefunden werden. Und seine Taten müssen zu seinem Wort stehen. Er muß — jeder Zoll an ihm — Mensch und Jude sein. Jude sein ist immer schwer; schwerer jüdischer Kaufmann sein, schwerer, als jüdischer Kaufmann Mensch sein und bleiben. Aber wenn er so tapfer blieb als Kaufmann, Jude und Mensch, dann gibt es keinen leuchtenderen Strahlenglanz, als den, der sich um seinen Namen legt. Dafür haben die Weisen das schöne Wort geprägt: Tauroh und Größe sind vereint. Ackerbauer sind wir nicht im Golus. Ackerbauer werden wir so leicht nicht. Dafür fehlt dem, der es werden möchte, nicht der Wille zur Umstellung, sondern ganz einfach das Kapital. Und auch das Handwerk ist aus unserer deutschen Mittelstandsschicht nicht einfach zu erziehen. Es haben Jahrhunderte der theoretischen Beschäftigung jede praktische Betätigung verkümmern lassen. So bleibt trotz aller theoretischen Ueberlegung ja doch nichts anderes übrig als der Kaufmannsstand. So denkt ihr Heranwachsenden jüdischen Kaufleute daran, daß ihr den verlorenen Schabbos retten müßt, ihn erhöhen und ihm geben, was ihm gebührt — die absolute Herrschaft. Schon das erste Gelöbnis wird euch Segen schaffen. Dann aber, wenn Geld und Ehre, und Gattin in euer Leben eintreten, laßt euch von allen drei nicht die Welt wieder rauben, die ihr euch erkämpft habt. So manchen hat ninrmi mupn Tiasm aus seiner Bahn geworfen. Bleibt euch selbst treu und euren Vorsätzen. Heiratet g'ttesfürchtige Frauen, jüdische Persönlichkeiten. Heiraten sei kein Geschäft. „Seht auf Familie und nicht auf Aeuheres". Das ist der Jom Kippur- Ruf, den die Töchter Israels seinen Söhnen sandten. Eure Ehe sei eure Sühne. Dann herrscht Glück in eurem Hause. Dann habt ihr unverlierbare Mitgift euch gesichert. Dann schafft ihr in euren Kindern lebend Kapital. „Und sie werden erobern das Tor eurer Feinde." Denn sie mehren sich als „Pfeile in dem Köcher eines Helden". Das geschäftliche Unternehmen ist viel mehr auf Arbeitskapital gegründet, als auf solches, das, wenn es für uns in fremder Hand arbeiten soll, uns zu Sklaven, macht. Bisher war das Geschäft der Herr und der Chef war nur der Vorarbeiter seiner Angestellten, war erster Sklave im Staate des Unternehmens. Bleibt Herrep im Geschäft! Dehnt es nicht allzusehr aus. Behaltet den Ueberblick. Gönnt dem Nachbar auch etwas. Die Konkurrenzklausel ist ja gefallen. Auch euer Mitarbeiter sehnt den Tag herbei, an dem er auch „für sein eigenes Haus schaffen" möchte. Bleibt selbst frei, dann könnt ihr als Freie auch neben euch den Freien dulden. Als Freie braucht ihr auch die Ausdehnung des Geschäfts nicht zu pflegen und zu erzwingen. Ihr werdet den Schulchan Oruch nicht gegen den Schulchan Oruch mißbrauchen wollen, um mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln den Schabbos zu umgehen. Keinem Geschäft hat es gefrommt, durch '->23 narrw sich, die Welt und G'tt zu narren. Sie existieren alle nicht mehr, und wenn sie noch sind, dann ist es nur eine Frage kurzer Zeit, wie lange sie noch dauern.