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Der Israelit · 1932-02-11 · Heft 7 (11.2.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 7 (11.2.1932)
Date
1932-02-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11. Februar 1932 Nr. 7 Seite 11 Der Israelit gelegenheiten Selbstbestimmungsrecht haben und auch die Zahlungen, die sie an die Zwangsgemeinde leisten, sollen ihnen zurückerstattet werden. Oberrabbiner Schreiber in Gorizia, der berufene Vertreter des Selbständigkeitsgedankens, hat nach persönlicher Rücksprache mit dem Generalkommissar, Dr. Ravenna, seine Zustimmung zu dem in Aussicht genommenen Ausgleich erteilt, da im Falle der Ablehnung zweifellos eine viel stärkere Schädigung der orthodoxen Interessen eintreten würde. Amerika. Lin unerhörter Skandal im Newyorker Judenviertel, Newyork, 9. Febr. Große Erregung herrscht unter der jüdischen Bevölkerung wegen eines ganz unglaublichen Falles. In einer Gegend des Judenviertels, die am dichtesten von Juden bewohnt ist, wurde an einer Synagoge der Mögen Dowidstern an der Kuppel abgebrochen und an dessen Stelle ein goldenes Kreuz aufgestellt. Die Synagoge gehörte einem Vereine, der sich aufgelöst hatte, der Bau wurde verkauft und kam so in die Hand von Kreisen, die ihn in eine russische Kirche umwandelten. Ein am Bau mitbeschästigter Klempner, der einzige Jude, berichtet, daß im Innern der Schul sich noch eine Menge heiliger Bücher befinden, die ihrem Schicksal überlassen sind. Einem Journalisten, der sich die Sache ansah, sagte der russische Bauleiter: „Ich habe wohl gleich begriffen, daß es heilige Bücher seien, aber wenn die Juden selbst keinen Wert mehr auf sie legen, warum sollte ich es tun?" Die für diese neue Kirche zuständige Geistlichkeit weigert sich die heiligen Gegenstände herauszugeben, mit der Angabe, sie habe sie mit dem Bau erworben. Endlich gellang es doch einem zu diesem Zwecke gebildeten Komitee, die Seforim herauszubekommen. Man schiebt die ganze Schuld dem Vorstand einer Talmud Thora-Schule zu, unter dessen Schutz die Synagoge stand. Die Herren hatten nur die Thorarollen herausgerettet, alles andere samt dem Bau seinem Schicksal überlassen. Der amerikanische orthodoxe Rabbinerverband und die Paläsiina-Jeschiwoth. N e w y o r k, 7. Febr. Rabbi Schimeon Winograd aus Stamford im Staate Connecticut hat sich nach Palästina begeben, um die Leitung der von seinem Vater vor 50 Jahren in Jerusalem begründeten „JeschiwathThora ezchajim" zu übernehmen. Der orthodoxe amerikanische Rabbineroerband (Agudath Harabbanim) beschloß, diese Institution kräftig zu stutzen. (ITA.). Das „American Palesiine Committee" gegründet. Washington, 7. Febr. Am Sonntag, den 17. Januar, abends, versammelten sich in Washington zahlreiche führende Persönlichkeiten der drei amerikanischen politischen Parteien, der Republikanischen, der Demokratischen und der Fortschrittlichen Partei, um zur Gründung des American Palestine Committee zu schreiten. Die Gründungsversammlung fand im Rahmen eines Dinners im Mayflower Hotel statt. Den Vorsitz führte Senator King. Die Versammlung war einberufen von einem Gründungsausschuß, dessen Vorsitz der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Charles C u r t i s, innehatte und dem der Vorsitzende des Komitees für auswärtige Angelegenheiten beim amerikanischen! Senat, Senator Borah, die Senatoren Swanson, Robert Lass llette, William King, Wagner, ferner die Mitglieder des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten Henry Rainey, der Führer der Majorität des Kongresses, und I. Linthicum, Vorsitzender des Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Repräsentantenhaus, als Mitglieder angehörten. Die Kundgebung nahm einen sehr imposanten Verlauf. Die Gründung des amerikanischen Palästina-Komitees wurde von den anwesenden Politikern als ein historisch denkwürdiger Schritt vorwärts auf dem Wege der Gewinnung der amerikanischen öffentlichen Meinung und der Sicherung der Unterstützung Amerikas für den Aufbau des Jüdischen. Nationalheims in Palästina bezeichnet. Palästina. Me arabische Exekutive beim High Commissioner. Jerusalem, 8. Febr. Der Präsident der arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha und die Sekretäre der Exekutive Jamal Husseini und Auni Bay Abdul Hadi besuchten am 27. Januar den High Commissioner General Sir Arthur Wauchope und unterbreiteten ihm die Forderungen der arabischen Exekutive hinsichtlich der zukünftigen Verfassung Palästinas und des Landentwicklungsplans. Auni Bey Abdul Hadi trat in der Besprechung leidenschaftlich für die Schaffung eines Parlaments in Palästina ein. Wie die ITA, erfährt,, war die Antwort des High Commissioner auf diese Forderung vollkommen unverbindlich. Bevor der High Commissioner die arabischen Repräsentanten empfing, lud er den Leiter der Zionistischen Exekutive Palästinas, Dr. Chaim Arlosoroff, zu sich ein und hatte mit ihm eine Unterredung, die etwa V/, Stunden dauerte. vermischtes Subotica, 8. Febr. Die Suboticaer „Schaß-Chewra" hielt am vbvi p"pm ihre ordentliche Generalversammlung und Neuwahl ihrer Leitung ab. An der Spitze des Vereins wurden die Herren Rabbiner Samuel Deutsch und Samuel E h r m a n n wiedergewählt. Hierauf folgte der aus Traktat Sabbat. Herr Oberrabbiner Moses Deutsch hielt einen tiefüurchdachten Hadran, verbunden mit einem geistvollen agadischen Vortrag. Es folgte eine Droscho und eine formvollendete Programmrede des Herrn Rabbiner Samuel Deutsch. Treffend sprachen noch die Herren Samuel Ehrmann, Michael Adler und Hermann Biedermann. Zur Hebung der Stimmung leisteten noch die Herren L. Fischer und Oberkantor I. Brandsdorfer ihr Bestes. Möge es der Chewra gegönnt sein, noch viele solche freudige Zusammenkünfte zu veranstalten und zu niin.i iip beizutragen. Sprechsaal. Nochmals: Die Wahlen zum Synagogenverband. Hamburg, 11. Jan. Meine Ausführungen in diesem Blatte zu obigem Thema haben den scharfen Widerspruch des Vorsitzenden des Synagogenverbandes hervorgerufen. Ich unterdrücke die gerechtfertigte Kritik an dem Tone dieser Ausführungen, der für eine offizielle Kundgebung recht ungeeignet war und beschränke mich auf das Sachliche. 1. Es ist eine völlige Verkennung des sogenannten Hamburger Systems, die für einen Nichthamburger allerdings verzeihlich ist, wenn der Vorsitzende glaubt, der Synagogenverband sei für alle diejenigen da, die „nicht direkt dem liberalen Judentum" angehören. Die Konstituierungsurkunde besagt das Gegenteil. Nach ihr sind bei der Gründung des Verbandes nur diejenigen Mitglieder geworden, die sich den Fundamentalbestimmungen des Verbandes, d. h. der Geltung des Schulchan Aruch unterwerfen, die keinem anderen Kultusverbande beitraten und welche ausdrücklich ihren Beitritt erklärt haben. Nach dieser Konstituierungsurkunde kann auch künftig Verbandsmitglied nur der sein, der sich dem Schulchan Aruch nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch unterwirft. Dabei gab es damals nur einen Synagogenverband und Tempelverband. Heute aber besteht seit einer Reihe von Jahren als dritter Kultusverband derjenige der neuen Dammtorsynagoge, der gerade für diejenigen Kreise bestimmt ist, die zwar nicht orthodox sind, aber auch nicht direkt dem Liberalismus angehören. Um so weniger besteht Veranlassung und Recht, den Synagogenverband, entgegen seiner Verfassung, zum Sammelbecken dieser mittelparteilichen Elemente zu machen. Wenn man aber nicht einmal abwartet, ob solche Elemente ays freier Erkenntnis etwa beitreten, sondern wenn man sie im Wege der Wahlprovaganda unter Bezahlung von Mk. 3.60 pro Kops zur Mitgliedschaft, zur Wahlurne, herbeischleppt, ohne daß bei ihnen irgend welches innere Interesse besteht, so ist es wohl eine sehr milde Kritik, wenn man diese Elemente als „verbandsfremd" bezeichnet. Von dieser Kritik kann ich nichts zurücknehmen. Die verbandsfremde, künstlich geschaffene Mehrheit hat die Wahlen von 1927 und auch die letzte Wahl gemacht. Die Geschichte wird darüber das letzte Wort sprechen. 2. Die unsachlichen Ausführungen des Vorsitzenden können nichts daran ändern, daß diejenige Organisation, die in Hamburg den Namen „Gemeinde" führt, seit 1863 eine Gemeinde >im Nechtssinne nicht mehr ist. Es gibt in Deutschland nur Religionsgemeinden. Es ist aber keine Religionsgemeinde im Rechtssinn denkbar, die weder mit G'ttesdienst noch mit Seelsorge, noch mit sonstigen Kultusinstitutionen zu tun hat. Nennt sich eine solche Körperschaft Gemeinde, so ist das lediglich historisch, nicht aber rechtlich zu verstehen. Diese Feststellung ist nicht gleichgültig, weil aus der widerrechtlichen Bezeichnung Gemeinde in den Köpfen der Jugend, auch eines Teiles der orthodoxen Jugend, dem so bezeichneten Gebilde die Würde eines jüdischen Zibbur zugemessen wird, die ihm nicht zukommt. Damit ist gegen die segensreiche soziale Wirksamkeit des Wohlfahrtsverbandes, der sich in Hamburg „Gemeinde" nennt, nicht das Geringste gesagt und hätte nicht dieser Verband eine Reihe von unberechtigten, ja gegen den Schulchan Aruch verstoßenden. Maßnahmen geschaffen, so würde kein Hamburger etwas gegen ihn einzuwenden haben. Die gehässige Kampfesweise, die man hier gegen die unabhängige Orthodoxie beliebt, ist tief bedauerlich. Mögen die Verantwortlichen endlich bedenken, daß auch die von ihnen bekämpften Orthodoxen jüdische Brüder sind, die nichts weiter wollen, als Gewissensfreiheit und unverkürzte Durchführung des G'tteswillens im Gemeindeleben. Rechtsanwalt Dr. I. Jacobson. Vorsicht beim Brotankaufi Frau R. hat leider mit der Notiz nur zu sehr recht. Selbst in großen Fabriken wird Brot mit Milch gebacken, auch werden die Bretter und Formen gern mit Pflanzenfett ausgeschmiert. Von einer Fabrik erhielt ich auf meine Anfrage die. Antwort: „Meine Brote (Feinbrote) werden mit reiner 1a. Buttermilch hergestellt, die dazu verwendeten Backschüüeln werden mit Kartoffelmehl eingepudert. Kastenbrotformen (Blech) werden mit la. Pflanzenfett eingefettet." Eine andere Fabrik schrieb: „Die als Rundstücke verkauften Brötchen werden unter Zusatz von Schmalz, Milch und Zucker hergestellt." Und eine dritte Fabrik schreibt: „Das Feinbrot wird in der heißen Jahreszeit mit Milch hergestellt." Vorsicht ist also unbedingt geboten! Personalien. Breslau, 8. Febr. Prof. Dr. Michael Guttmann. Dozent für Talmudlehre am Breslauer Seminar, feiert seinen sechzigsten Geburtstag. Prof. Guttmann hat sich in der talmudisch wissenschaftlichen Welt einen großen Ruf erworben. Er stellt sein immenses Wissen sowohl seinen Schülern zur Verfügung, wie auch in den Dienst der Apologetik. Sein letzthin erschienenes Buch zur Abwehr der schlimmsten antisemitischen Angriffe auf Talmud und Schulchan Aruch (Herausgegeben vom Zentralverein) hat berechtigtes Aufsehen erregt. Ebenso grundlegend ist Guttmanns Werk „Das Judentum und seine Umwelt" (Philo-Verlag). Guttmann, der aus einer ungarischen Jeschiwa hervorgegangen ist, wurde 1921 von Budapest nach Breslau berufen. Seit 1906 arbeitet er an seinem Hauptwerke „Realenzyklopädie der talmudischen Literatur", von dem schon mehrere Teile erschienen sind. Wir haben alles Interesse, zu wünschen, daß uns Guttmanns Arbeitskraft, besonders auch zur Verteidigung unserer Lehre und Ehre, noch recht lange erhalten bleibt. München. 1. Febr. Am ersten Tag Rasch Chodesch Adar kehrt zum ersten Male der Todestag der Frau Rosa Adler wieder und dies fei uns Anlaß, dieser seltenen Frau zu gedenken, die wie kaum eine zweite in der Gegenwart jüdisches Wissen und ganz besonders vollkommene Beherrschung des Tnach mit eiserner Energie und eisernem Willen vereinigte, die Lehre ins Leben umzusetzen, die darum nicht nur ihrem großen Familienkreise, sondern auch der weitesten Öffentlichkeit.Muster und Beispiel war. Möge ihr Andenken weiterwirken und sich so erfüllen. Würzburg, 8. Febr. Ein imposantes Trauergefolge bewegte sich jüngst von hier aus nach dem altjüdifchen Friedhof des nahegelegenen Höchbergs. Galt es doch die irdischen Ueberreste des allbeliebten Lehrers Jakob S o n n zur letzten Ruhe zu bestatten. Der Verblichene erreichte ein Alter von 92 Jahren, und dürfte somit der Nestor aller bayerischen und wohl auch deutschen Lehrer gewesen sein. Ein wahrer Zaddik ist mit ihm zur Ruhe gegangen. Geboren war derselbe in dem kleinen unterfränkischen Dorfe Schweinsyaupten, als Sohn des weitbekannten Rabbi Mosche Sonn Letzterer, seines Zeichens ein Oekonom, war vor mehr als 100 Jahren zu Fuß nach Frankfurt gewandert — Bahnen gab es damals noch nicht — um dort die Jefchiwo zu besuchen. Von bedeutenden Rabbinen Unterfrankens mit dem Morenu-Titel ausgezeichnet, wurde dieser Oekonom später sogar Vertreter des Rabbinatsbezirkes Burapreppach. 4 Söhne führte er dem Lehrberufe bezw. Kultusamte zu, und auch die einzige Tochter heiratete einen Lehrer. In solchem Milieu wuchs der Verblichene heran, absolvierte 1867 das Israelitische Lehrerseminar des unvergeßlichen großen S. B. Bamberger w in Würzburg, lernte auch in Zell a. M. bei Reb Elijo Refoel und Reb Jone Rosenbaum W Von Rabb. Seeligmann Baer Bamberger bekam er schon in jungen Jahren den Chower- Titel verliehen. Er wirkte segensreich bis 1883 in Mainstockheim. und dann bis 1905 in Teilheim. Ein schweres Augenleiden zwang ihn leider, seinen Dienst aufzugeben, und schon in Teilheim nahm er seinen Sohn Abraham Sonn, z .Zt. Lehrer in Fulda, als Assistent zu sich. Sein Wirken als Lehrer, Chason und Schochet ist in den Gemeinden bis heute noch nicht vergessen. Seinem sinnvollen Vortrag der Gebete lauschte man voll Ergriffenheit und Andacht, zumal ihn eine klangvolle Stimme dabei unterstützte. Seit 1905 lebte er in Würzburg bei seinem Schwiegersohn Jakob Kohn, der im Vereine mit seiner Frau, der Tochter des Hinterbliebenen, in wirklich aufopfernder Weife ihm den Lebensabend so angenehm als nur möglich gestaltete. So ertrug er das schwere Schicksal des Verlustes seines Augenlichtes in jüdisch-heroischer Art. Er lebte in der lichten Welt der Thora und der Mizwaus, lernte mit Kindern und Enkeln täglich und stündlich, ließ sich bis in die letzten Jahre noch täglich zur Synagoge führen, sich Thillim vorsagen, und gab gerne aus dem Schatze seines großen Wissens anderen, die ihn besuchten. Sein freundliches Wesen zog stets einen großen Kreis von Bekannten in feine Nähe. So ist es nicht zu verwundern, daß die Beerdigung sich zu einer ungewöhnlichen Trauerkundgebung gestaltete. Im Sterbe-

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