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Der Israelit · 1932-02-11 · Heft 7 (11.2.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 7 (11.2.1932)
Date
1932-02-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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11. Februar 1932 Der Israelit Nr. 7 Seite 5 Korrespondenzen « Nachrichten Deutsches Reich. Zum Taanis in Deutschland am 7. Adar i. Frankfurt a. M., 9. Febr. Anläßlich des Taanis am 7. Adar I haben die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und die „Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M." ein gemeinsames Rundschreiben, im Interesse der Kostenersparnis nur an die Herren Rabbinen der Unterzeichneten Rabbinerverbände erlassen, in welchem empfohlen wird, allgemeine Geldsammlungen im Sinne des Nn’wjvi nijs am 7. Adar I zu veranstalten. Das Ergebnis der Sammlung soll zu einem Drittel für die Bedürftigen innerhalb der Gemeinden, zu einem Drittel für die Mazz o t h - B e s ch a f f u n g für Unbemittelte durch die Freie Vereinigung und zu einem Drittel für das Erez Jisroel-Schülwerk der Agudas Jisroel verwendet werden. Die Beträge werden mit Zweckangaben auf das Postscheckkonto der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., Nr. 9822 oder der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M. Nr. 53 900 erbeten. Ausweis der Spenden erfolgt in den „Blättern" der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel. Versorgung der russischen Juden mit Mazzos. Frankfurt a. M., 4. Febr. Die Versorgung der russischen Judenheit mit Mazzos scheint in diesem Jahre glücklicherweise auf etwas geringere Schwierigkeiten zu stoßen, als in den vergangenen Jahren. Während im vorigen Jahre kein anderer Weg blieb, als die komplizierte langwierige und nicht einmal sichere Sendung von Einzelpaketen durch die Post, besteht jetzt die Möglichkeit, durch die offizielle Torgsin- Gesellschaft wenigstens Mehl neben anderen Lebensmitteln in Rußland selbst aus den Depots an die Interessenten liefern zu lassen. Wie wir erfahren, sind in diesem Jahre drei verschiedene Stellen auf diesem Gebiete tätig. Das von der „Agudas Jisroel" angeregte und unterstützte Wiener Hilfskomitee wird auch diesmal seine Sammlungen in den verschiedenen Ländern aufnehmen und die Versorgung über Riga vornehmen. Das in London domizilierende sogenannte Ukrainische Hilfskomitee hat Sonderabmachungen mit den zuständigen Sowjetbehörden getroffen und beabsichtigt, Mehl im Werte vom Lst. 2000.— sowie andere Lebensmittel in den Torgsin-Magazinen anzuschaffen und von Juden in England und anderen Ländern Bestellungen auf solche Pakete an ihre Verwandten in Rußland entgegenzunehmen. In Amerika, das natürlich in erster Reihe für die Durchführung einer geordneten Versorgung in Betracht kommt, hat die Leitung der Hias mit der Sowjetregierung ein Abkommen getroffen, demgemäß amerikanische Verwandte von russischen Juden nach. Rußland Mazzos auf Pesach und Lebensmittelpakete ebenfalls über Riga nach Rußland senden können. Ursprünglich hatte die sowjetrussische Handelsvertretung mit der großen amerikanischen Mazzosfabrik Manaschewitz u. Co. Verhandlungen wegen der Einführung eines Minimums von 2 Millionen Pfund Mazzos geführt. Jedoch sind diese Verhandlungen leider gescheitert. „Hias" gibt nun bekannt, daß der Zoll auf Mazzos so hoch sei, daß man für Doll. 10.— nur 11 Pfund Mazzos schicken kann. Dagegen läßt sich ein 11.Pfund-Paket Mehl zum Backen von Mazzos für Doll. 3.30 versenden. Der geheimnisvolle Gaonbrief. Frankfurt a. M., 7. Febr. Aus dem Warschauer Togblatt haben wir vor einigen .Wochen eine Notiz über einen voneinem Herrn Rabbiner Sarkien aus Wilna angeblich aufgefundenen Brief des Wilnaer Gaon über die Erlösung wiedergegeben, den der Finder ausschließlich in Erez Jisroel veröffentlichen will. Wie uns von mehreren Seiten a u f Grund von Rückfragen beim Wilnaer Rabbinat mitgeteilt wird, handelt es sich um einen seit Jahrzehnten bekannten und abgedruckten angeblichen Brief des Wilnaer Gaons, an dessen Echtheit starke Zweifel bestehen. Die ganze Angelegenheit ist nicht ernst zu nehmen. Die Woche. Berlin. Der Oberregierungssekretär Buchholz wurde wegen Beleidigung des Gerichtsassessors ' Dr. Bork vom' Berliner Amtsgerichtsrat Citron zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Buchholz legte gegen dieses' Urteil Berufung ein und führte in der Schrift aus. er wende sich gegen das von dem Amtsgerichtsrat Citron mit „echt jüdischer Frechheit und Schamlosigkeit" herausgebrachte Urteil. Wegen dieser Beleidigung des Amtsgerichtsrats Citron wurde jetzt Buchholz zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Bremen. In der Nacht vom 23. zum 24. Januar ds. Js. wurden auf dem jüdischen Friedhof in B a r n st o r f (Bezirk Bremen) zwei Grabmmer geschändet. In Barnstorf leben drei jüdische Familien im besten Einvernehmen mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern. In der Nacht der Tat fand in Barnstorf ein Ball der NSADP. statt. Brüssel. Die Stadtverwaltung der Brüsseler Vorstadt Anderlecht, die eine zahlreiche jüdische Bevölkerung besitzt, beschloß, bei dem in diesem Stadtteil befindlichen belgischen Museum für Archäologie und Folklore eine hebräisch-jiddische Abteilung zu schaffen. Prag. Staatsrat I. L. T e i t e l, der Vorsitzende des Verbandes russischer Juden in Deutschland, wurde vom Präsidenten Thomas G. Masaryk empfangen. Masaryk ließ sich ausführlich über die Tätigkeit der russisch-jüdischen Flüchtlingsfürsorge in Berlin und über die Lage der russischen Flüchtlinge in Deutschland und in den anderen Ländern informieren. Warschau. Das Ministerium für Arbeit und sozialen Schutz hat eine Liste der in Polen lebenden Kriegsverletzten aufgestellt: unter diesen gibt es 4139 jüdische Kriegsverletzte, von denen 556 an den letzten polnischen Kriegen teilgenommen, 6 in den polnischen Legionen, 867 in der einstigen zaristischen Armee, 33 im einstigen deutschen Heere und 2677 in der ehemaligen österreichischen Armee gedient und an den Fronten gekämpft haben. "Moskau. Von der Zentrale für Bekämpfung des Analphabetentums in der Sowjetunion wird mitgeteilt, daß die Städte Minsk, Homel und Witebsk in Weißrußland, die eine überwiegend jüdische Bevölkerung haben, die höchsten Leistungen in der Ueberwindung des Analphabetentums zu verzeichnen haben. An der Spitze marschiert Homel, wo durch Ausbildung von 3500 bisherigen Analphabeten das Analphabetentum 100 prozentig überwunden wurde. Homel erhielt die Ehrenfahne der Zentrale, Minsk und Witebsk erhielten Ehrendiplome. Wilna. Nachdem, wie mitgeteilt, gleich zu Anfang mehrere Juden wegen Beteiligung an den Universitätskravallen verurteilt worden waren, hat nunmehr der Senat der Universität zwei christliche Studenten aus der Universität dauernd verwiesen und einen dritten für zwei Semester ausgeschlossen. Andere, u. i. ein Jude, erhielten einen Tadel. Jerusalem. Am Sonntag, den 7. Februar, erlebte Jerusalem eine Ueberraschunq. Die Stadt war über Nacht in Weiß gehüllt. Der Schnee lag auch noch in den folgenden Tagen zwei Zoll hoch. Seit fünf Jahren hatte Jerusalem keinen Schnee mehr gesehen. Die Wasserversorgung hat sich durch die Niederschläge wesentlich gebessert. ' Die Palästina-Neise der p. Z. der Agudas Jisroel. Frankfurt a. M., 10. Febr. Die Reise wird, nachdem bereits eine genügende Anzahl von Anmeldungen da 'sind, programmäßig durchgeführt. Die Reisegesellschaft trifft sich Dienstag abends, den 8. März, in Triest und schifft sich Mittwoch mittag ein, um Montag vor Tagesanbruch n''jn in Jaffa zu landen. Der weitere Plan der Reife ist so festgelegt, daß neben dem alten Jischüw auch alle wichtigsten Teile des neuen Jischuw genau besichtigt werden. Für ^Jerusalem sind mehrere Tage vorgesehen.'Das Purims e st wird die Gesellschaft in T el-Aw iw verleben. Die Liste der Anmeldungen muß am 21. Februar abgeschlossen werden. Da täglich noch neue Meldungen einlaufen, so werden diejenigen, die noch mit wollen» im Interesse einer besseren Ullterbringung und zweckmäßigen Kabinenverteilung gebeten, ihre Anmeldung sofort erfolgen zu lassen. Anmeldungen nimmt die Palästina-Zentrale Frankfurt a .M., Schwanenstraße 12, entgegen, wo auch jede Auskunft erteilt wird. Jteue antisemitische Skandale an der Berliner Universität. Berlin, 8. Febr. Der Senat der Berliner Universität hat sich am Mittwoch, den 3. Februar, abends mit den Unruhen am 21. und 22. Januar anläßlich der Afta-Wahlen befaßt und die Verweisung von vier Studenten, von denen zwei dem Nationalsozialistischen Studentenbund und die beiden anderen der Sozialistischen Studentenschaft angehören, beschlossen. Als dieses Urteil am Donnerstag, den 4. Februar, morgens, unter der Studentenschaft der Universität bekannt wurde, brachen die nationalsozialistischen Studenten in die Rufe aus „Heil Hitler", „Juden raus", „Juda verrecke". Dies war das Zeichen zum tätlichen Angriff auf jüdische und jüdisch aussehende Angehörige der Universität. Die jüdischen und andersgesinnten Studenten wurden geschlagen und zum Teil durch die Gänge gehetzt. Einem Teil der angegriffenen und verfolgten jüdischen Studenien blieb nichts anderes übrig, als durch die Fenster zu springen, um ins Freie zu gelangen. Durch den Lärm in den Korridoren mußten die Vorlesungen in den meisten Lehrsälen abgebrochen werden. Etwa 30 angegriffene Studenten flüchteten in den Vorlesungssaal von Prof. Wolfs, der die Angreifer durch strenge Ermahnung von seinem Lehrsaal fernhielt. Viele jüdische Studenten wurden von den Nationalsozialisten aus den Hörsälen ohne Mantel auf die Straße gedrängt. Bei allen diesen Angriffen stießen die Nazistudenten antisemitische Hetzrufe aus und sangen antisemitische Lieder. In fortschrittlichen Studentenkreisen glaubt man, daß auch dieser Angriff planmäßig vorbereitet war, es wurde festgestellt, daß die mützentragenden rechtsgerichteten Verbindungen heute zum überwiegenden Teil ohne Mützen erschienen sind. Die Naziüberfälle und Prügeleien an der Universität dauerten nur kurze Zeit, denn die Polizei, die sehr schnell zur Stelle war, ging energisch gegen die Ruhestörer vor und räumte schnell Wandelhalle und Vorraum der Universität. Dabei wurden 10 Studenten, unter ihnen sechs Nationalsozialisten, verhaftet. Als sich die Schlägereien im Vorhof fortsetzten, ließ der Rektor, zunächst für den heutigen Tag. die Universität schließen. Das Präsidium des Cenlral-Vereins beim Reichsmnenminister Groener. Berlin, 7. Febr. Der Herr Reichsminister Dr. Groener empfing im Innenministerium die Vorsitzenden des Cnetral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Justizrat Dr. Julius B r o d n i tz, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil und Syndikus Dr. Alfred Wiener, in Gemeinschaft mit dem Vorsitzenden der Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände, Kammergerichtsrat Leo Wolfs, des Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Leo Löwenstein, und dem Staatssekretär Prof. Dr. Julius Hirsch, zu einer mehr als eine Stunde währenden Untererdung. Die Herren trugen dem Minister Proben der maßlosen nationalsozialistischen Agitation gegen den jüdischen Teil der deutschen Bevölkerung vor; sie wiesen auf die in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen hierdurch erzeugte Unruhe hin und machten besonders auf die durch die Duldung einer zügellosen Agitation gegen eine religiöse Minderheit entstehenden Folgen für Ruhe und Sicherheit im Innern und das deutsche Ansehen nach außen aufmerksam. Die Erschienenen gewannen aus den ausführlichen Darlegungen des Ministers die Ueberzeugung, daß die Reichsregierung die Angriffe gegen die jüdische Religionsgemeinschaft und ihre Bekenner scharf mißbilligt und daß die Negierung fest entschlossen ist, die verfassungsmäßigen Rechte aller deutschen Staatsbürger mit äußerster Entschiedenheit und mit Einsetzung aller Machtmittel zu schützen.

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