Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1932-02-11 · Heft 7 (11.2.1932) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 7 (11.2.1932)
Date
1932-02-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450704-2450711--78549-2536245
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Nr. 7 Der Israelit 11. Februar 1932 nien. Es ist ein ganz natürlicher Vorgang: Eine Gewalttat gegen Juden, zu kraß und zu blutig, um von der Welt übersehen zu werden, löst Proteste aus. Diese Protestdemonstrationen, oft genug ganz ohne unser Zutun spontan als Reaktion des öffentlichen Gewissens zustandegekommenen, schaffen eine neue feindliche Stimmung. Diese Juden! Wer ist schuld, daß unser Kredit, der moralische und finanzielle, in der Welt gesunken ist? Die Juden (die wir geschlagen, und die die Frechheit haben, sich zu wehren und zu protestieren.) An allem sind die Juden schuld!... In S o r o c a im rumänischen Beßarabien haben, wie bekannt, rumänische Grenzbeamte mit Hilfe von Schmugglern sechs Juden, darunter zwei junge Mädchen ,über die Grenze gelockt und dann niedergeknallt. Bestürzung in der rumänischen Judenheit, Bestürzung in der gesamten gesitteten Welt. Im rumänischen Parlamente wird Anklage erhoben — gegen einen j ü d i - schen und einen sozialdemokratischen Abgeordneten, die sich erdreisteten, die rumänischen Grenzsoldaten zu beschuldigen und damit das rumänische Heer in seiner Gesamtheit zu beleidigen. Jorga, der Ministerpräsident, warnt — nicht die Mörder, sondern d i e I u d e n und die liberalen Parteien, vor, A n g r i f f e n gegen d i e Armee. Landau, der jüdische Abgeordnete, muß seine Rede infolge der Sturmszenen, die seine Anklage auslöst, abbrechen. Professor Cuza fordert in einer antisemitischen Brandrede den Minister auf, die Grenzsoldaten für ihr „heroisches, beispielgebendes Benehmen" mit Verdienstorden auszuzeichnen. Dieser Ermutigung bedarf es noch kaum, denn schon wird ein ähnlicher Fall aus einer anderen Gegend berichtet. Ein junger Jude namens Abraham S i l b e r m a n n wurde in der Nähe von Tirhina, als er mit drei Kameraden, im Einvernehmen mit den Grenzsoldaten, über den Djnestr nach Rußland zu gelangen suchte, von den gleichen Grenzsoldaten e r s ch o s - s e n. Seine drei Kameraden, Nichtjuden, wurden .gefangengenommen. Was sagt die Welt, was sagen die Mächte, was sagt Genf, was sagt die große liberale Weltpresse dazu? Die Völker der Welt.haben zur Zeit andere Sorgen. Sie schicken Friedensboten nach Genf .zur Abrüstungskonferenz und K r i e g s s ch i f f e nach Shanghai. Den Völkerbund will Frankreich bewaffnen, nachdem die schönsten Reden, seine Mitglieder, wo .es gilt, nicht zur Raison bringen. Und die große Presse hat ihre Spalten voll mit all diesen Dingen. Was spielt da schon ein bißchen in irgend einer entlegenen Ecke Europas vergossenes Judenblut für eine Rolle? Wir beklagen die Entwürdigung unserer hei-! ligkeit, die nicht hoch genug eingeschätzt werden ligen Schriften vor den Gerichten! Im Midrasch kann, eine großzügige Abwehrtätigkeit nach außen wird folgendes Gleichnis erzählt: Einst kamen viele Männer mit Beilen und Aexten bewaffnet in den Wald, um Bäume zu fällen. Zittern und Beben ging durch die Reihen der Bäume und der ganze Wald war bald von dem Wehklagen der Bäume erfüllt. Da kam ein kluger Mann in den Wald und sprach zu den Bäumen: An eurem Unglück tragt ihr selbst die Schuld! Würdet ihr kein Holz zu den Schäften und Stielen der Aexte liefern, die Menschen könnten euch nichts anhaben. Ihr liefert ja selbst das Material zu den Griffen der Beile, die euch Tod und Verderben bringen. An dieses Gleichnis muß ich immer denken, wenn in unseren Reihen über eine Entwürdigung unserer heiligen Schriften seitens unserer nichtjüdischen Feinde geklagt wird. Sind es nicht Juden, die die Schäfte für die Aexte liefern, die bestimmt sind, unseren Lebensbaum zu fällen? Liefern nicht Juden Material für die Verunglimpfung unserer heiligen Quellenschriften? Oder ist es keine Entwürdigung unserer heiligen Thora, entfalten, die gerade in letzter Zeit gegen die Beleidigung des Talmuds Front machten, es den geistlichen Führern ihrer Gemeinden nicht zu Gemüte führen, daß sie die Hauptschuld an dieser Entwürdigung unserer heiligen Schriften trifft. Aus ihrer reichen Abwehrpraxis müssen sie diese Erfahrung doch schon längst geschöpft haben. Doch das ist ihre Sache, aber was uns betrifft, so möchte ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß unsere thoratreuen Kollegen die einzig mögliche Konsequenz aus ihrer Erklärung ziehen werden und der Riß in unseren Reihen wird kleiner, bis er ganz geheilt ist . Ich glaube, daß dies keine Illusion ist, denn die Logik der Tatsachen muß diese Entwicklung herbeiführen kh'w •fy nvnn rwnvmir? ^ayav Wollen wir ernstlich uns und dem, was Schaft und Stamm unseres Seins ist, die Seele unserer Seele, unserer nun die Achtung der Außenwelt erhalten, so müssen wir in erster Reihe dafür sorgen, daß im Innern es niemand wage, diese der Thora gebührende Achtung zu verletzen. Wer die wenn die liberalen Rabbiner eine Institution der! Würde der nun verletzt und zwar bewußt und heiligen Schrift als dem Empfinden des moderabsichtlich, muß moralisch geächtet werden. Das nen Kulturmenschen widerstrebend vor der ganzen Kulturwelt denunzieren, ohne sich die Mühe zu nehmen, in den Geist dieser Institution eindringen zu wollen? Gibt es eine größere Herabwürdigung unserer heiligsten Schriften als die Tatsache, daß liberale Rabbiner sich über fundamentale Grundgesetze der Bibel hinwegsetzen, ohne daß ein Schrei der Entrüstung durch das ganze Judentum geht, der diese Beleidiger unserer Thora aus ihren Aemtern jagt. Es werden von dieser Seite Attentate gegen die Bibel, Attentate gegen die Reinheit der jüdischen Familie verübt und wir entschließen uns nach langem langem Zögern zu einer Erklärung, „daß wir die Vollziehung solcher Akte (wie Ehescheidung und Proselytenaufnahmen usw.) durch diese Rabbiner nicht anerkennen." Es liegt mir fern, den Wert der gemeinsamen Erklärung der beiden thoratreuen Rabbinerverbände betreffs der Ehescheidungen der liberalen Rabbiner irgendwie herabzumindrn, aber soll das wirklich alles sein, was wir auf diese Attentate zu antworten haben? Herr Rabbiner Dr. Merzbach hat in diesen Blättern ist eine Forderung der Selbstachtung und des Selbsterhaltungstriebes, das. ist eine Forderung der mm! Im Midrasch wird es als Hauptverdienst der Töchter des nnsbsr angesehen, daß sie gerade zu einer Zeit, da das ganze Volk rief: nnwn DX-> nrns „wir wollen nach Aegypten zurück", für sich ihr Erbe in dem Lande der Verheißung sichern wollten. Und der Midrasch fügt hinzu: ffTrm nsn - qmm nan nb nwyb ns? •nb nuys?^ ns? owa Die Umkehrung dieses Satzes an dieser Stelle scheint unverständlich zu sein-und doch wird erst durch die Umkehrung des Satzes die ganze Bedeutung der Tat der großen Frauen verständlich. Wie heute, so mögen auch zu jener Zeit ganz fromme Gründe für die unfromme Tat ins Treffen geführt worden sein. Wie heute, so mögen auch damals Viele argumentiert haben, man dürfe Teile des g'ttlichen Gebotes preisgeben, um das Ganze zu retten. Und dann ist es wirklich höchste Zeit, für G'tt und seine Wahrheit einzutreten. *]n*nn. nan Hb nwyh ns?* Es ist Zeit, für Gedanken zur Tfchuwa-Veranskalkung. Von Rabbiner Dr. Hermann klein in Berlin. Am 7. Adar sollen nach einer gemeinsamen Anregung der beiden thoratreuen Rabbinerverbände Tschuwaveranstaltungen in den gesetzestreuen Gemeinden veranstaltet werden, in denen das Verantwortungsbewußtsein der jüdischen Massen geweckt werden soll. Auch auf die traurigen politischen Ereignisse wie Antischächtbewegung und Entwürdigung unserer heiligen Schriften vor den Gerichten soll hingewiesen werden. Wir haben auf eine derartige Anregung schon lange gewartet und dieser Erwartung schon längst in diesen Blättern Ausdruck verliehen, nun da sie erfolgt ist, soll es uns gestattet sein, im Hinblick mit flammenden Worten aus der ehrlichen Ent- G'tt zu wirken, wenn man G'ttes Thora zerstört, rüstung seiner warmjüdisch empfindenden Seele j'V? mtps?^ ns? Dwa “jnTin nsn und e r st recht heraus die Forderung erhoben nw mmar daß chann, wenn man G'ttes Thora zerstört unter mit diesen Attentätern im Geiste der Thora verdem Vorwände, daß es für G'tt geschieht, daß fahren werde, und ich frage nun alle Kollegen, die es eine Zeit gibt, wo man für G'tt Alles, auch in den beiden thoratreuen Rabbinerverbänden' sein Gebet, opfern muß. Eine solche Zeit haben vereinigt sind, von denen ich überzeugt bin, daß wir erlebt. Unter dem Vorwände, daß es für sie alle n-nnn liabs? tiefer und schwerer empfinden, G'tt geschieht, will man G'ttes Thora opfern. Daß als eine persönliche Verunglimpfung, ob sie die.es unwahr ist, erkennen wir daran, daß diese Erklärung als eine genügende Satisfaktion für-Kreise nicht nur G'ttes Thora, sondern G'tt selbst die der Thora angetanen Schmach empfinden? j zu opfern bereit sind, und zwar einer Kultur zu- Jch weiß es mit voller Bestimmtheit, daß viele liebe, die solche Blüten zeitigt wie diejenigen, die unserer Kollegen, die noch Mitglieder des Allgesich in Feindschaft und Gehässigkeit gegen Andersmeinen Rabbinerverbandes find, sich nun die denkende austobt und die eine Kultur schändet, Frage vorlegen, ob sie ein ferneres Zusammenbleiben mit Männern, die bewußt die Ehre und Würde unserer Thora und der durch sie geheiligten Institutionen in den Staub zerren, in einem die seit Jahrtausenden der Welt Licht und Erleuchtung brachte. In ernster Zeit rufen uns unsere Führer zur Einkehr auf. Wenn jüdische Führer zur Tschuwoh Verband vor ihrem religiösen Gewissen noch achfodern so gilt diese Aufforderung in erster rechtfertigen können. Ich will dem Resultat dieser Reihe für sie selbst. Die wahren Führer des jü- Einkehr und Selbstprüfung nicht vorgreifen, ich Volkes überheben sich nicht und der Geweiß, daß hier viele seelische Imponderabilien banh an Unfehlbarkeit liegt ihnen sehr fern. Wir mitsprechen, an die man nicht mit roher Hand rühren darf, aber dazu halte ich mich dennoch für verpflichtet zu erklären, daß die thoratreuen Massen es sicher nicht begreifen können, was wirkliche epkt> noch von einer Zusammenarbeit mit Männern, die unsere heiligsten Güter zu zerstören sich unterfangen, für das Interesse der jüdischen Gewünschen und hoffen, daß dieser Tag der Einkehr eine neue Periode der thoratreuen Judenheit Deutschlands einleite, daß wir Alle erkennen, daß wir nur mit vereinter Kraft die Anschläge gegen die Ehre und Würde unserer heiligsten Güter vereiteln können, daß wir sie aber nur dann erfolgreich abwehren können, wenn wir die Anschläge, auf den Ernst der Zeit einige Gedanken zum Aussamtheit erhoffen können. Ihre religiösen Handöie aus jachen Kreisen kommen, mit der gleidruck zu bringen, die für die Veranstaltung Bedeutung sein dürften und die, wenn sie fruchtbaren Boden fallen, diese Veranstaltung weit über das Niveau einer einmaligen zufälligen vonjlungen werden als ungültig erklärt, also welche!^ Entschiedenheit und mit noch größerer Er auf Interessen verknüpfen sie noch mit ihnen? Etwa Witterung zurückweisen als die aus nichtjüdischen die Wahrung der Wurde des jüdischen ©eifte<5? ^rei^en denn diese jüdischen Kreise schmieden die und dessen Niederschlag in unseren Codices? Wir Veranstaltung emporheben können. Der Tschuwo-! haben ja gesehen, wie gut diese Würde und Ehre tag des 7. Adar 5632 könnte der Beginn einer der jüdischen Schriften in diesen Händen geborneuen Epoche in der Geschichte des.. deutschen gen ist. Ich wundere mich oft, wie die Männer thoratreuen Judenheit werden! aus liberalen Kreisen, die mit seltener Opferwil- Waffen, die in Feindeshand uns verderblich werden können. anz?a *jnYin man - *]mm man *nb niws?^ ny! r\b nwi> ny

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.