Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1932)
- Date
- 1932-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 6 Der Israelit 4. Februar 1932 Ainderecke. Ehre Vater und Mutter! Ihr habt alle wohl letzte Woche gehört, wie aus der Thauro das Gebot ra« aaa ■jok nsi i’aK vorgelesen wurde und habt Euch sicher dabei vorgenommen, noch mehr aus dieses Gebot zu achten. So wollen wir Euch heute zeigen, was unsere großen Lehrer unter am arr aiaa verstanden und wie sie die ms» übten. Man fragte einmal den Rabbi Eleasar: „Wie weit eigentlich geht die Pflicht von bki as aiaa?" Da sagte er: „Wie, mich fragt ihr? Wendet euch an Domoh ben Nesinah aus Askalon!" Ueber ihn erzählt die sana: Einst besuchten ihn die Weisen. Ein Edelstein aus dem aisx war verloren gegangen und sie wollten bei Domoh b. Nesinah den Ersatzstein kaufen. Domoh begibt sich zum Vater, findet ihn jedoch schlafend — den Schlüssel zum Perlkästchen unterm Kopfkissen. Was tun? Den Vater im Schlafe stören? Niemals. Er geht zu den Weisen. „Ich kann euch den Stein nicht geben." Sie glauben, die angebotene Summe sei zu niedrig, bieten das doppelte, drei-, vier-, ja, das zehnfache. „Vergebens!" sagt er, „ich kann nicht." Da treten die Weisen den Heimweg an. Kaum war aber der Vater erwacht, nimmt der Sohn den Stein und bringt ihn den Gelehrten. Und sie wollen den von ihnen zuletzt gebotenen Preis erlegen. Entrüstet wehrt Domoh ab: „Wie, ich sollte die Verehrung meines Vaters für Geld verkaufen? Ich will keinen Gewinn für die Ausübung dieses Gebotes haben." G'tt aber belohnte ihn. Noch in derselben Nacht brachte eine Kuh in seinem Stalle ein Kälbchen zur Welt, das später als n»as vis, als „rote Kuh" Verwendung finden sollte. Das jüdische Volk gab ihm soviel Gold für das Tier als sein Gewicht betrug. Das nahm Domoh dankbar an. Nach anderer Ueberliefcrung habe er gesagt: ich weiß wohl, daß ihr mir aus mein Verlangen alles Gold der Welt für die Kuh geben würdet, aber ich will nur das von euch haben, was ich einbüßte, weil ich den Vater nicht wecken wollte. — Das alles erzählt der Talmud von Domoh ben Nesinah — einem Heiden aus Askalon! Als die Weisen von der Sache hörten, sagten sie: wenn schon einer, der nicht von der min zu asi arr aiaa verpflichtet ist, solchen Lohn von G'tt empfängt, wieviel mehr muß dann der erhalten, der durch das Gesetz an die nix» gebunden ijl? Noch einmal wird Domoh lobend erwähnt und von den Weisen als Beispiel vorgeführt. Saß er da einst mit herrlichen, goldbestickten Gewändern angetan, im Kreise der Vornehmen Roms. Plötzlich erscheint seine Mutter, reißt ihm im Zorne, der Sinne nicht mehr mächtig, das Gewand vom Leibe, schlägt ihn auf den Kopf, speit ihm ins Gesicht und er — schweigt, beschämt sie nicht. Da fällt ihr ein Schuh vom Fuße. Stillschweigend bückt er sich, reicht ihr den Schuh, als sei nichts vorgefallen. — Wie weit aber unsere Weisen selbst es in der Ausübung der wichtigen nix» brachten, sollen folgende Berichte zeigen. Die Mutter Rabbi Tarfauns ging einst im Hofe spazieren. Es war nai?- Unglücklicherweise platzte der Riemen ihres Schuhes und sie hätte nun barfuß gehen müssen. Da bückt sich Rabbi Tarfaun, legt seine Hände unter ihre Fußsohlen, und auf diese unbequeme, gewiß schmerzhafte Weise läßt er seine Mutter in die Wohnung gelangen. Er bietet seine Hände der Mutter als Teppich, damit nur sie nicht den Fuß verletze. Bald danach war sie krank. Die Weisen besuchen sie. „Betet für meinen Sohn," spricht sie zu ihnen, „er ist es wert; denn er übt ok*) a* aiaa in übermäßiger Weise." „Was tat er?" fragen sie. Und sie erzählt. Da aber meinen sie: „Selbst wenn er das viele tausende Male täte, er hätte noch nicht die Hälfte dessen erreicht, was die nun mit dieser einen nix» von ihm verlangt." Wieder einmal hebt die »ra»r die Mutterverehrung Rabb. Tarfauns, hervor. So oft seine Mutter sich ins Bett begeben wollte, legte er sich nieder, damit sie sich leichter in das etwas hohe Bett begeben konnte; sie sollte ihn gleichsam als Schemel benützen. Genau so verhielt er sich beim Aussteigen. Als er das einmal im Lehrhaus erzählte, sagte man ihm auch hier, daß er noch nicht bis zur Hälfte dessen gelangt sei, was uns die nun mit ok*) a« aiaa auferlegt. „Ja," sagen sie, „würde sie ein Schatzkästlein, das dein Eigentum ist, und dir lieb ist, vor deinen Augen ins Meer werfen und du könntest schweigen, würdest sie nicht beschämen, dann hättest du gezeigt, daß du Vater und Mutter zu ehren verstehst." Mit einer Beschwerde begab sich einst die Mutter Rabbi Jischmoels ins Lehrhaus. „Weist meinen Sohn zurecht!" spricht sie, „er vergißt seine Pflicht der Mutter gegenüber." Da staunen die Weisen. „Jst's möglich? Rabbi Jischmoel? Er sollte nicht wissen, was er der Mutter schulde? Was tat er?" Da berichtet sie: „So oft er vom Lehrhaus heimkehrt, will ich ihm die Füße waschen und das wehrt er mir." Da urteilen sie: „Ihr Wille ist ihre Ehre. Tue, was sie von dir verlangt, dann ehrst du sie." Liebe junge Freunde! Das sind Beispiele genug, wie man sich in der Ausübung der nix» vervollkommnen kann. Erreicht auch nicht jeder die höchste Stufe, versuchen muß man es. Eine Grenze aber hat die min selbst gezogen um am arr aiaa und daraus will ich Euch zum Schluß aufmerksam machen: „Ihr Wille ist ihre Ehre." Widersprecht den Eltern nicht — solange sie nichts gegen den Willen G'ttes verlangen! ai>ia aaaa nain aini>n! Das Thorastudium ist so wichtig wie alle nix» der nain zusammen. Und rri'rr aiaa» i>iaa nain ai»^n! Thoralernen darf zurückgestellt werden, wenn man am Wohnorte des Vaters lernen kann, nachdem man seiner Pflicht den Eltern gegenüber nachgekommen. Will das Kind aber auswärts lernen, dann ist nain ai»i>n größer als am arr aiaa- Das habt Ihr schon im wain gelernt: jeder, Vater und Mutter, sollt ihr ehrfürchten, aber meine Sabbate hüten! Vater und Mutter ehren und folgen, solange man nicht gegen G'ttes Willen verstößt. Sonst aber: hütet Euch, Vater und Mutter zu kränken. G'tt könnte sonst sprechen: „Gut tue ich, nicht bei ihnen, den Menschen, zu wohnen: wohnte ich bei ihnen, sie würden auch mich kränken." Kinder, helft mit, daß G'ttes Majestät bei uns weilt. Ludwig Freimark, Mainz. Elijahu als Knecht. Es war einmal ein frommer Rabbi, der lernte Tag und Nacht und all seine Gedanken beschäftigten sich nur mit der heiligen Lehre. Seine brave Frau mühte und plagte sich ab, um die Familie zu ernähren, aber oftmals reichte es kaum zum Nötigsten für sie und ihre fünf hungrigen Kinder. Eines Tages nun geschah es, daß auch nicht die kleinste Münze mehr im Hause war, um Brot zu kaufen, die Kinder weinten und die arme Frau war in großer Not. Da lief sie zu ihrem Mann und rief: „Nun mußt du einmal Helsen, ich weiß mir keinen Rat mehr. Die Kinder haben Hunger und kein Stückchen Brot ist im Hause und kein Geld, um welches zu kaufen! Geh du mal auf den Markt, vielleicht hilft dir G'tt und du kannst etwas verdienen, damit wir Speise kaufen können für unsre armen Kinder!" Da klappte der fromme Rabbi all seine Bücher zu und machte sich auf den Weg zum Markt. Aber wie sollte er Geld verdienen? Ware hatte er nicht, um sie feil zu halten und seine Schultern waren zu schwach, um Lasten zu tragen. Trübselig ging er dem Markte zu. Da begegnete ihm ein großer, starker Mann, der sprach zu ihm: „Ich bin der Prophet Elijahu; ich kenne deine Not und will dir helfen, noch heute so viel Geld zu verdienen, daß du von allen Sorgen befreit bist. Sieh, ich bin groß und kräftig, verkaufe mich als Sklaven und von dem Erlös wirst du viele Tage leben können!" Der Rabbi zögerte, auf diesen Vorschlag einzugehen, aber Elijahu redete ihm so lange zu, bis er einwilligte. Als die beiden auf dem Markte anlangten und der Rabbi seinen Knecht verkaufen wollte, glaubte ihm niemand, daß der ärmliche Mann der Herr des schönen, starken Sklaven sei. „Ein Knecht will seinen Herrn verkaufen!" spotteten die Umstehenden. „Schweigt still!".schrie sie da Elijahu an er ist mein Herr und ich bin sein Sklave!" Da verstummten die Leute und wagten nicht mehr daran zu zweifeln. In diesem Augenblick kam gerade der Ausrufer des Sultans auf den Markt und verkündete: „Ein tüchtiger Sklave wird gesucht, der Paläste zu bauen versteht!" „Verkaufe mich dem Sultan," flüsterte Elia dem Rabbi zu. Sofort bot der Rabbi seinen Knecht dem Sultan zum Kaufe an. „Er ist tüchtig und klug," sprach er, „er wird dir einen herrlichen Palast bauen, wie du ihn dir wünschest." „Und wieviel verlangst du für den Sklaven?", fragte der Sultan. „Nenne eine recht hohe Summe," flüsterte Elijahu seinem Herrn zu. Und dieser sprach: „Ich verkaufe dir meinen Sklaven um achttausend Goldstücke, für weniger ist er mir nicht feil." „Es ist eine hohe Summe, die du forderst," sagte der Sultan: aber der Sklave gefällt mir und ich will ihn nehmen!" Sogleich wurden dem frommen Rabbi die achttausend Goldstücke ausgezahlt. So viel Geld hatte er noch nie beisammen gesehen! Glückstrahlend ging er nach Hause, wo seine Frau schon mit Sorgen auf ihn wartete. Nun hatte aller Kummer ein Ende und sie brauchten nie mehr Not zu leiden. Inzwischen war Elijahu von dem Sultan an den Platz geführt worden, wo der große Palast errichtet werden sollte. „Schaffe mir nur alles Baumaterial herbei," sagte der neue Sklave, „dann werde ich dir den schönsten Palast bauen, den du dir denken kannst." „Gut," sagte'der Sultan, „du sollst Werkzeug und Material haben, soviel du benötigst. Baust du mir den Palast zu meiner Zufriedenheit, so sollst du frei sein und brauchst mir nicht mehr zu dienen. Und nun eile dich, Knecht, und mache dich flink an die Arbeit — je schneller du den Palast vollendest, desto früher wird dir die Freiheit geschenkt!" Sofort fing Elijahu an, mit den andern Sklaven zusammen die Grundmauern zu errichten. Als es Abend wurde, sandte er die andern Sklaven fort und blieb allein auf der Baustätte zurück. Und Elijahu betete zu G'tt und sprach: „Ein Knecht bin ich geworden: aber nicht mir zu Ehren tat ich dies, sondern um in Deinem Namen dem armen Manne zu helfen. Nun hilf doch auch Du mir, daß ich bald wieder aus der Knechtschaft befreit werde." Da sandte G'tt seine Engel vom Himmel herab, die fügten die Steine und schmückten die Mauern und setzten die Fenster ein und bauten die Türme auf und noch ehe der Morgen her-ankam, war der wunderbare Palast errichtet. Zufrieden betrachtete Elijahu das vollendete Werk. Er hatte feine Arbeit ausgeführt, wie er es versprochen hatte — nun durfte er mit gutem Recht auch den Sklavendienst wieder verlassen — und er verschwand. Als am nächsten Tage der Sultan sich umsehen wollte, wie weit der Bau schon gediehen war, erblickte er voll Staunen den fertigen Palast. Der war so schön, wie er sichs nie hätte träumen lassen. Suchend schaute sich der Sultan nach dem kunstfertigen Sklaven um, doch der war und blieb verschwunden. Aber der herrliche Palast hat viele Jahrhunderte überdauert — denn was die Engel gebaut haben, das hält freilich länger als Menschenwerk! Freitagabend. In der letzten- Nummer Ihrer Kmderecke gefiel mir sonst der Artikel „Freitagabenid>" ganz gut, nur das Spiel „Mensch -ärgere dich Nicht" gehört gar nicht zu naw» denn am mw ärgert sich so w,ie so kein Mensch. Da möchte ich gerne von unserem raip erzählen. D2i? ms; helfe ich mit den Tisch decken. Ziehe mein r>2^-Kleid an und gehe mit Papi in Schul. Papi bringt immer crmx mit nach Hause, und wir singen und tanzen; wir werden gebenscht. Papi macht izn*pp und wir sagen pH' wer nicht so laut ]»x sagt, bekommt weniger En*7p=2Beirt als die Anderen. Dann waschen wir uns. Papi macht K’Sian. Die Jungens bekommen auch extra am niedlichsten ist, wenn unser Kleiner von 2 Jahren macht. Dann gibt Mutti Essen. Dazwischen singen wir nr™ und Papi sagt min ,bm, dann werden wir verhört, was wir in der Woche gelernt haben. Ich lese meinen Geschwistern die Kinderecke des „Israelit" vor. Mutti gibt -uns unser nav-Obst. Wir benschen und leinen nu'npyaw und gehen ins Bett. Rachel Merkin, 8% Jahre. Auflösung des RSkfels aus Nr. 2. Die neu entstandenen Wörter lauteten '19^ (7*12) 127 Aus den hinzugefügten Buchstaben » -a ,a ergab ich also das Wort: •srnsx Es wimmelt' von Fröschen bei unsrer- Post — aus Nord und Süd und West und Ost — doch glaubt Ihr mir wohl, wenn ich sage — es war eineFreude und keine „Plage" — daß diesmal so viel Lösungen kamen — und dies sind der richtigen Löser Namen: Georg Klaffe, Berlin; Herbert Rosemann, Berlin; Maier Front, Berlin; Bernhard und Sami Adler, Leipzig; Judith Ansbacher, Köln; David Munk, Berlin; Julius Jacobsohn, Trondheim (Norwegen); Selma Feist, Eaubonne b. Paris; Juda Leib Liebermann, Wien; A. Davidsohn, Rastenburg (Ostpreußen): Adolf Birnbaum, Nürnberg; E. Hofsmann, Frankfurt a. M.; Louis Feist, Frankfurt a. M.; Oskar Lewin, Frankfurt a. M.; Meir Nissan Tscherniak, Mainz; Max Strahfeld, Wittmund (Ostfriesland): Hanna Jaffs, Tilsit; Rachel Merkin, Leipzig; Kurt Eisemann, Nürnberg. Dieses Mal kommt wieder ein schwereres Rätsel für die Größeren unter Euch: »N 7 ' N T nünpj nriös 7rp_ ok n'Z nrivn ntovi ♦n?T nsbi nMo bpb ni?nn ]no bw' orn rnpttrn trpirn irmmr ♦rrtprioo b*oxb o'onlKy ozi Heinrich Stern, Bratislava. Versteht Ihr das Rätsel? Es ist ein Wort zu suchen, das aus vier Konsonanten besteht. Zuerst sind drei davon mit nna zu punktieren; wenn man aber dann zwei davon mit p'aw punktiert, ergibt sich eine andere Bedeutung. Nun ratet mal!