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Der Israelit · 1932-02-04 · Heft 6 (4.2.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 6 (4.2.1932)
Date
1932-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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4. Februar 1932 Der Israelit Nr. 6 Seite 5 mit jüdischen Männern getränt hat. (S. 122). Als .der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde in den Sitzungen vom 22. Januar und 5. Februar 1871 den Beschluß faßte, die Erwähnung der Opfer und der Rückkehr nach Zion unter allen Umständen aus dem Gebete auszuschalten, wurde Jellinek nicht müde, den Vorstand zur Verwirklichung dieses Beschlusses anzueifern. (S. 128.) Nach diesem Charakterbilde schien Jellinek allerdigns dem Wunsche entsprechen zu wollen, den ihm der Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, der Direktor L. A. Frankel, in seinem Gratulationsgedichte zugerufen hat, als I. im Jahre 1868 sich nach Leipzig begab, um dort sein .25jähriges Predigerjubiläum zu feiern: „Auch in I . s°) Haus gibts dunkle Kulten! Sie dreschen allzulang schon leere Halme, Viel Staub beengt der Gläubigen Brust und Blick. So zeige dich als Kämpfer auch, zermalme Den knochig starken Eseln das Genick!" (S. 121.) (Schluß folgt.) Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Ein Taanis Zibbur in Deutschland am 7. Adar r. F r a n k f u r t a. M., 3. Febr. Die Vorstände des T r a d i t i o n e l l - g e s e bestreuen und des Orthodoxen Rabbinerverbandes bringen folgende Kundgebung zur öffentlichen Kenntnis: - Im Hinblick auf den Ernst der Feit wird allen jüdischen Gemeinden Deutschlands empfohlen, am Sonntag den 7. A d a r 1 eine öffentliche T s ch u w o - V e r a n st al t u n g anzuordnen. Es sollen alle, die dazu imstande sind, mit Ausnahme von Schwachen, Kranken und Alten, womöglich den Tag fastend begehen. Beim Minchag'ttesdienst soll eine Mussaransprache erfolgen, die Alle zum Verantwortungsbewußtsein, zur Rückkehr zu Thauro und Mizwaus aufruft. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Charlotten bürg, 1. Febr. Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände (muß heißen: „jüdischer Landesverbände") des Deutschen Reiches trat am 31. Januar in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Sie beschloß, zur Vertretung der jüdischen allgemeinen Interessen bei den öffentlichen Stellen im Reiche eine Reichsvertretung zu schaffen. In diese soll der Preußische Landesverband 6, die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft 4 und die übrigen Landesverbände 3 Mitglieder abordnen, auch sollen ihr 2 Rabbiner angehören. Diese Reichsvertretung soll in geeigneten Fällen mit anderen sich über das Reich erstreckenden jüdischen Organisationen, insbesondere mit dem Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Zusammenwirken. Ein großer Teil der Beratungen war der wirtschaftlichen Not der jüdischen Bevölkerung gewidmet. Der Berichterstatter Dipl.-Jng. Bruno Woyda knüpfte an die früher über die Tätigkeit des Preußischen Landesverbandes in dieser Beziehung erstatteten-Mitteilungen und besonders an die Beratungen an, welche am Abend zuvor in der neugebildeten Arbeitsgemeinschaft für jüdische Wirtschaftsfragen stattgefunden hatten. Hervorzuheben sind die von verschiedenen Seiten gemachten Ausführungen über die Notwendigkeit der Schaffung von Bezirksdarlehnskassen und der nebenberuflichen Städterandsiedlung von Erwerbslosen. Daneben stand eine Reihe von Angelegenheiten auf der Tagesordnung, welche nicht die einzelnen Landesverbände betreffen, sondern über diese hinaus für das ganze Reich von Wichtigkeit sind. Insbesondere handelte es sich dabei um die Aufbringung der Mittel für Organisationen, die sich auf das Reichsgebiet erstrecken, ins- 5) Im Buche selber wird der Name buchstäblich wiedergegeben. besondere solche der Wohlfahrt und der Ausbildung, ferner der Mittel für die Gewährung von Unterstützungen an solche Beamte im Ruhestande, deren Tätigkeit sich auf mehrere Länder verteilte, und an Rabbiner, die früher im abgetretenen Gebiet amtiert haben. Dabei wurde auf Grund von eingehenden Mitteilungen über die Wirksamkeit des an der Universität Gießen tätigen Lektors Die Woche. 8 Berlin. Dem unter dem Vorsitz des Ober- I bürgermeisters von Berlin, Dr. Heinrich Sahm, I gebildeten Ausschuß zur Vorbereitung der 8 Wiederwahl Hindenburgs zum 8 Reichspräsidenten gehören auch Ju- 8 den an: der Präsident der Akademie der Künste, 8 Dr. Max Liebermann, der Vorsitzende 8 des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Ber- 8 lin, Dr. Wilhelm K l e e m a n n und Heinrich 8 G r ü n f e l d als Vorsitzender der Hauptge- 8 meinschaft des deutschen Einzelhandels. — Bei | der am Dienstag begonnenen Flugpläne-Konferenz zur Festlegung der internationalen Flugpläne für den Sommer ist u. a. die Einrichtung einer neuen Exprehstrecke Berlin—Athen vorgesehen. Zweimal in der Woche wird ein Flugzeug von Berlin um 4 Uhr morgens abgehen und um 6 Uhr abends desselben Tages' in Athen eintreffen, wo der Anschluß an die I äustverbindungen nach Indien bewerkstelligt werden soll. Da die direkte Linie London-Indien jetzt über Athen und von dort im Wasserflugzeug nach dem Tiberiassee geht, wird es auf diese Weise möglich sein, die Strecke Berlin — Jerusalem nunmehr in zwei Tagen zurückzulegen. — Im Preußischen Landtag haben die nationalsoziaistischen Abgeordneten Steinhoff und Borck eine Kleine Anfrage eingebracht, in der das Staatsministerium ersucht wird, anzugeben, wieviel ostjüdische Personen in den Jahren 1928—1930 eingebürgert wurden? — Der Gemeindevorstand beschloß, zu den vier in Berlin bereits bestehenden jüdischen Altersheimen ein fünftes Altersheim einzurichten. — Der verantwortliche Redakteur des „Angriff", Gien, hatte sich wegen öffentlicher Beleidigung der Mitglieder des Vorstandes der Produktenbörse vor dem Schnellschösfengericht in Moabit zu verantworten: da er zum ersten (Termin nicht erschienen war, wurde er verhaftet und vorgesührt. Er hatte einen Artikel „Landwirtschaft und Produktenbörse" veröffentlicht, in welchem die Mitglieder des Börsenvorstandes nach ihren Konfessionen namentlich aufgeführt waren. Der Artikel schloß mit dem Satz: „Der Börsenjude klaut, was der Bauer baut". Das Gericht verurteilte also den Angeklagten wegen öffentlicher Beleidigung zu 400 I Mark Geldstrafe. Bromberg. Das Gericht in Bydgofztsz (Bromberg) hat den angesehenen jüdischen Bürger Baruch B e r l i n e r zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Hergang war folgender: Er hatte am 24. August v. Js. gesehen, wie zwei aus Kongreßpolen eingetroffene Juden in chassidischer Kleidung durch Huligans durch die Straßen um den Friedrichplatz herum gehetzt wurden. Berliner versuchte durch Zureden die Huligans zu veranlassen, von ihren Opfern abzulassen. Diese aber begannen mit Stöcken auf ihn loszuschlagen. Berliner flüchtete schwer blutend in ein Haustor, und als die Huligans ihm folgten, gab es aus seinem Revolver einen Schreckschuß ab, durch den gegen seinen Willen drei 8 seiner Verfolger ganz leicht verletzt wurden. der rabbinischen Wissenschaften und seiner Vorgänger die weitere Aufrechterhaltung der durch ihn bekleideten Stelle als im höchsten Grade wünschenswert bezeichnet. (Es ist selbstverständlich, daß die hier geschaffene „Reichsvertretung" nicht den Anspruch erheben kann, die Gesamtheit der deutschen Juden der Reichsregierung gegenüber zu vertreten, insbesondere nicht soweit irgend welche religiöse Interessen in Frage kommen. Vielmehr besitzt die selbständige orthodoxe Judenheit in dem Halberstädter „Reichsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden" ihr eigenes Vertretungsorgan. Red.). Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands. Köln, 1. Febr. Am 24. Januar fand die alljährliche Mitgliederversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands statt, der fast auf den Tag sein 30. Wiegenfest beging. Die Tagung wurde von Herrn Dr. Rothschild-Dinslaken in vorbildlicher Weise geleitet. Seiner formvollendeten Eröffnungsansprache folgten geschäftliche Verhandlungen, während deren als Zusammenfassung der Diskussion folgende Resolution beschlossen wurde: „Die heute zu mehreren Hunderten versammelten Mitglieder des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands beklagen es aufs tiefste, daß die Unterbringung von jüdischen Angestellten, insbesondere von Lehrlingen und Lehrmädchen in Geschäften und Betrieben des Handwerks, in denen sie am Sabbat und jüdischen Feiertagen frei haben, fast ganz unmöglich ist. Die Versammlung richtet einen flammenden Appell an alle jüdischen Geschäftsinhaber und Handwerker im Hinblick auf die seelischen und materiellen Nöte der sabbattreuen Jugend Stellen für diese frei zu halten und solche zu schaffen." Der Kassenbericht, den Herr Grüns seid erteilte, war ein Spiegelbild der trostlosen Zeit und als solcher eine Aufforderung an alte und neue Freunde des Vereins, ihm die Zeitennöte überstehen zu helfen. Nach einer Ansprache des Rabbiners, sowie de: Her ren Rabbiner Dr. Weyl, Dr. Carleb ach uni, Dr. Stein (Jawne) hielt Herr Rabbiner Dr. A n s b a ch e r, Wiesbaden einen großzügig angelegten und sowohl inhaltlich als rhetorisch vollendeten Vortrag über das Thema „Optimismus im Judentum", der allgemeinen stürmischen Beifall fand und allen Herzen neuen Mut und Hoffnung gab, so daß man erleichtert und erhoben wieder der Heimat zustreben konnte. Schweiz. Der Poniveszer Raw in Montreux. Montreux, 1. Febr. Der in den letzten Wochen' in der Schweiz Poniveßer Raw besuchte die Jeschiwoh „Ez-Chajim' Montreux am 24. Dezember, wo er mit der größten Herzlichkeit und Begeisterung ausgenommen wurde. Dieser große Lehrer in Jisrael, der eine Führerpersönlichkeit von besonderem Ausmaße ist, konnte nicht umhin, die auch in Litauen hochgeschätzte Schweizer Jeschiwoh aufzusuchen, deren Rosch-Jeschiwoh ja ein vertrauter Studiengenosse seiner Jugend ist. Mit großer Genugtuung sprach sich der Poniveßer Raw über die rasche Entwicklung der Jeschiwoh aus, und er gab seiner innigen Freude in den Worten Ausdruck, daß all das, was die Zeitungen über die Montreuxer Jeschiwoh schreiben, keine orientalischen Märchen seien, sondern, wie er sich persönlich davon überzeugen könne, vollkommen den Tatsachen entspreche, ja sogar die Erwartungen übersteige. Nach einer überaus herzlichen Ansprache des Leiters der Jeschiwoh. Rabbi Elijahu B o t s ch k o , hielt der Poniveßer Raw einen scharfsinnigen Pilpul über die Begriffe von u’a und mn.lv nen “iokp non anhand des gerade in der Jeschiwoh gelernten Traktat Gittin, die alle seine Zuhörer ungemein fesselte. Sodann hielt er eine agadische Abhandlung und schloß mit folgenden Worten: Alle Jeschiwaus sahen mit Befremden und Skepsis auf diese neue Stätte der Thora hin, weil sie erstens auf fremden Boden gebaut wurde, ob sie, zweitens, denselben Erfolg wie die anderen Jeschiwaus hätte, ob sie drittens auch für die Zukunft Bestand und Gelingen haben wird. — Jetzt, nach fünf Jahren, so führte der große Raw aus, kann man feststellen, daß alle Befürchtungen umsonst waren und daß die Jeschiwoh „Ez Chajim" trotz ihrer westlichen Anpassung eine hundertprozentige Jeschiwoh ist. Man erwartet gerade von dieser Heimstätte der Thora, die eine Burg, für dieselbe im Westen darstellt, großartige, echt jüdische Leistungen. Sicher wird diese Jeschiwoh als Musteranstalt für die ganze jüdische Welt dienen können, trotzdem sie im fremden Milieu erbaut wurde. Die Grundlage ihrer Schüler ist bis zum Eintritt in die Jeschiwoh Prosanwissenschaft, und ist es die enorme Aufgabe dieser jüdischer Hochschule, ihren Hörern den Weg zur Tauroh zu weisen. — So möge nun wieder im Westen die Jakobs-Stimme erschallen, die seit Jahrhunderten von dort verbannt war. Mit Dankesworten an seinen Jugendfreund und Kollegen, den Leiter der Jeschiwoh, und mit Wünschen einer segensreichen Arbeit, verließ der Poniveszer Raw — allzufrüh — die Stätte, die er versprochen hat, bald wieder zu besuchen.

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