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Der Israelit · 1932-01-21 · Heft 4 (21.1.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 4 (21.1.1932)
Date
1932-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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21. Januar 1932 Der Israelit Nr. 4 Seite 6 Lin Führer durch das gesehestceue Zudenkum. Non Direktor Dr. Elias in Frankfurt a. 2N. VI. Eine eigenartige Arbeit legt Leo Dentschländer in seinen „Biblisch-talmudischen Sentenzen und Motiven" in der Weltliteratur vor. Der Gedanke, Die Beeinflussung der Menschheit durch den altjüdischen Geist auszuweisen, hat Deutschländer schon mehrfach beschäftigt und in seinen Büchern und Schriften Ausdruck gefunden. Er plant einen zusammenfassenden Nachweis des biblischen Einflusses auf die Literaturen der Welt. Vorliegende Sammlung, die sich von ähnlichen dadurch unterscheidet, daß sie nicht wie jene von der Welt, sondern von der biblisch-talmudischen Literatur ausgeht, und nach entsprechenden Gedanken und Formulierungen in der nichtjüdischen Literatur sucht, will als vorbereitendes Material zu jenem großen Plan angesehen werden. Sie will zunächst auf die vielen Entlehnungen aus der jüdischen Literatur Hinweisen, und deren Ueberlegenheit zeigen. Sie will weiter für Kreise, die gegen die nichtjüdische Literatur als Bildungselement eingenommen sind, Nachweisen, wie viel jüdisches Gut in ihr aufbewahrt sein kann. Und sie will endlich pädagogischen Zwecken dienen und für den Deutschunterricht an jüdischen Schulen wertvolle Fingerzeige geben. Man mag über die Frage, ob der Plan Deutschländers die darauf verwendete Mühe lohnt, verschieden denken. Aber so viel ist sicher, daß er durch die Art, wie er die Sammlung vorgenommen hat, und durch die überlegte und geschickte Auswertung jedem Literaturfreund und Pädagogen eine Fülle wertvoller Anregungen zu geben hat. Ich gestatte mir, zur Beleuchtung dieser Art ein beliebiges Problem herauszugreifen und seine Behandlung bet Deutschländer wörtlich folgen zu lassen: Wie das Leid muh aber affenbar auch alles andere anscheinend Schlechte als letzten Endes gut angesehen werden, nicht nur die böse Tat, sondern selbst der alles Leid in die Welt bringende böse Trieb im Menschen. Das Böse selbst. Denn T^in rri>i ni?8 sm rrbi wa tm rua snn '^8 Wäre der böse Trieb nicht, so würde der Mensch kein Haus bauen, nicht heiraten und keine Kinder zeugen. Ber. Rabba 9. Diese tiefe Erkenntnis findet sich in anderer Form auch bei Leonardo da Vinci, dessen umfassende Naturstudien ihn immer wieder zu religiösen Einsichten leiten: Wollust ist der Grund aller Zeugung. Eßgier ist Erhaltung des Lebens. Angst oder Furchtsamkeit ist Verlängerung des Lebens. Denn der böse Trieb ist gegen seinen Willen im Sinne von Goethes „Faust" (I) doch nur Ein Teil von jener Kraft, Die stets das , Böse will und stets das Gute schafft. Es gibt also nichts von vornherein Böses in der von G'tt geschaffenen Welt. Darum sagt auch der Balschem: Das Böse, das in der Welt ist, ist die unterste Stufe des vollständig Guten. Wenn der Mensch Gutes tut, wandelt sich Böses in vollständig Gutes. Sündigt er, so wird das Böse zu ganz und gar Bösem. Aus dieser Eigenschaft des Bösen, nichts Absolutes, sondern eigentlich auch nur eine Seite des Guten zu fein, ergibt sich überhaupt erst die Möglichkeit des Bereuens und der Vergebung der Sünden. Reue und Buße aber sind die wichtigsten Werkzeuge G'ttes im Weltplan: diese Wichtigkeit bezeugt ein Wort bei Ezechiel (33/11): •rrm lärm ysn aic?a »3 renn psn» dk Will ich den Tod des Frevlers? spricht der Ewige. Nein! Daß er zurückkehre von seinen Wegen und lebe! Die Bedeutung einer solchen Rückkehr betont Goethe: Denn die höchste Empfindung, die der Mensch haben kann, ist die, wenn er sich von einem Hauptfehler, ja von einem Verbrechen, durch eigene Kraft erhebt stnd losmacht. Der gute Mensch, der ohne auffallende Abweichung vom rechten Pfade vor sich hinwandelt, gleicht einrem ruhigen, lobenswürdigen Bürger, da hingegen jener als ein Held und Ueberwinoer Bewunderung und Preis verdient; und in die- . sem Sinne scheint das paradoxe Wort gesagt zu sein, daß die G'ttheit an einem zurückkehrenden Sünder wehr Freude habe als an neununöneunzig Gerechten. Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. In prägM^ter Kürz» lehrt der Talmud an zahlreichen Stellen: .airava marw mwi nima Groß ist die Reue, denn sie macht Verbrechen zu Irrtümern. Joma 86b. -3133N 823 “73? N31VV Groß ist die Reue, denn sie berührt den g'ttlichen Thron. Joma 86a. piviv a'-nm v'p'irr p8 jnirr runwi ’Vyae? oipaa An dem Ort, wo reuige Sünder stehen, können vollkommene Gerechte nicht verweilen. Berachoth 34b. In den „Generationen" hak sich Der Referent -die Aufgabe gestellt, die Abfolge der Geschlechter unter dreifachem Gesichtspunkt zu beleuchten. Zunächst vom Standpunkt der Familie, soweit das Verhältnis der Eltern zu den Kindern in seiner pädagogischen, psychologischen und soziologischen Problematik in Frage kommt. Sodann vom Standpunkt des Erziehers, soweit die Generation als Jugendreihe in Betracht kommt und der älteden Generation in Schule und öffentlichem Leben gegenübersteht. Schließlich ist das Thema im dritten Abschnitt vom Standpunkte des Geschichtsphilosophen aus behandelt, für den die Frage nach dem Fortschritt der Geschlechter zur Frage nach dem Sinn der Geschichte und des Lebens wird. Von der Theorie führt uns der vor kurzem aus der Leitung der Frankfurter Israelitischen Volksschule ausgeschiedene Rektor Baruch Stern in die unerquickliche Praxis Der preußischen Schulpolitik, wie sie gegenüber den jüdischen Volksschulen gehandhabt wurde. Auf jedes Ornament verzichtend, aber eben durch diesen Verzicht die demütigende, nur vom christlichen Standpunkt und nicht von staatlicher Fürsorge diktierte rücksichtslose, ja gewalttätige Gleichgültigkeit für alle berechtigten Forderungen jüdischer Eltern nur deutlicher hervortreten lassend, schildert Stern die Schulpolitik, des preußischen Staates von 1847—1870. Nur schade, daß im Rahmen der Festschrift nur dieses Stück und nicht die ganze Schrift veröffentlicht werden konnte, welche „die Stellung der Juden im öffentlichen Volksschulwesen in Preußen und ihre Entwicklung vom Beginn der Emanzipation bis heute" behandelt hätte. Sehr wertvolles Material für die Bearbeitung jüdischer Schulfragen, vor allem, soweit es die jüdische Volksschule betrifft, wird uns dadurch vorenthalten. Hoffentlich läßt sich nach Ueberwin» düng der finanziellen Schwierigkeiten eine Veröffentlichung noch ermöglichen. Ueber die Psychologie der hebräischen Personalsymbole spricht der Nervenarzt A. Merzbach, Frankfurt. Mit feinem Blick für die Hintergründe der menschlichen Sprache und das in der Sprache vielmehr als in der Kunst zum Ausdruck kommende Unterbewußtsein begabt, hat Merzbach schon mehrfach in Wort und Schrift (so zuletzt in dem Heft des Bundes jüdischer Akademiker: Unser Weg) die scheinbar so trockene Materie der hebräischen Grammatik durch hochinteressante Beobachtungen beleuchtet und an Erscheinungen angeknüpft, die wir kaum beachten. Daß wir z. B. dem ^rr entsprechend UK sagen, dem rin» entsprechend qn»' dem Hin entsprechend QH' daß ich also in der Mehrzahl nur eine Mehrheit von Jchs sehe und dasselbe von der Gemeinschaft erwarte, gibt ihm Anlaß zu tieferen Erkenntnissen, als wir sie aus den bewußten Selbstdarstellungen jüdischer Menschen schöpfen. So behandelt Merzbach die Symbole des Seins, des Habens und die Personalsymbole, in der Hoffnung, daß vielleicht einmal die grammatischen Regeln einer Sprache als eine erste Stufe von Weltanschauung ihrer Gemeinschaft sich darstellen, die von der obersten „bewußten" Stufe der öffentlichen Meinung nur graduell verschieden ist. Noch immer aktuell ist der Aufsatz von S. Halberstadt über die geplante Kalenderreform und das orthodoxe Judentum", der uns die große Bedeutung, die der Kampf gegen den Blankotag für uns hat, die Argumente dafür, und einen diese Argumente würdigenden Gegenvorschlag einer Blankowoche in klarer, anschaulicher Diktion vorlrägt, und' dabei auch die Groteske nicht unterdrückt, daß der Urheber des ganzen Kalenderreformprojektes sich (ähnlich wie f. Z. Innozenz lll. für sein JudeMbzeichen) auf di» Bibel beruft. Nach einigen schönen Frankfurter Variationen und einer kleinen Komposition des Oberkantors Peifsachowitsch schließt der deutsche Teil der Festschrift. Anfang und Ende sind eingerahmt von zwei Blättern, deren eines das Bild des Jubilars, deren anderes die Urkunde über die anläßlich der 2. Kenesfio gedaulo ihm verliehene Maurenu-Würde enthält. Alles in allem ist das Werk, wie ich gezeigt zu haben glaube, ungemein aufschlußreich, und für seine Vorbereitung, Fertigstellung und Ausstattung dem Herausgeber und Verlag nur herzlich zu danken. Korrespondenzen « llacbricfcten. Deutsches Reich. Erholungs- und Altersheim für jüdische Lehrer und Kantoren. Frankfurt a. M., 14. Jan. Der Verwaltungsausschuß des Heimes hat beschlossen, den Kreis der Aufzunehmenden dahin zu erweitern, daß auch Gemeindebeamte aller Kategorien und Sozialbeamte nebst Ehefrauen, sowie deren Witwen als Mitglieder und als Insassen ausgenommen werden. Der Verpflegungssatz wird für Dauerinsassen auf monatlich Mk. 120.—, für Ehepaare bei Inanspruchnahme eines Zimmers auf Mk. 230.— ermäßigt. Der Tagespreis für das Erholungsheim soll in diesem Jahre Mk. 4.30, für die Peßach-Tage Mk. 5.50 betragen. Doch gelten diese Preise nur für Mitglieder. In den Sommerferien haben Lehrer den Vorzug. Anmeldungen und Anfragen richte man an Herrn I. B. L e v y, Frankfurt a. M., Navensteinstraße 5. Es wird dringend um Einsendung der Mitgliederbeiträge für 1932 im Mindestbetrage von Mk. 5.—, sowie weiterer Spenden an das Postscheck-Konto des Erholungs¬ und Altersheims für jüdische Lehrer und Kantoren e. V., Frankfurt a. M. 5680, gebeten. Entscheidungen. ,r B e r l i n, 18. Jan. In drei großen Versammlungen des Zentralvere i n s unter der Losung: „Ein Jahr der Entscheidungen" wurden folgende Entschließungen angenommen: „Die Mitglieder des Zentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, zu drei Groß-Berliner Kundgebungen versammelt, erklären einmütig, daß sie fest entschlossen sind, ihre ganze Kraft gegen jeden Angriff auf ihre staatsbürgerlichen Rechte einzusetzen. Die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ist die Grundlage aller modernen Verfassungen. Ihre Durchbrechung wäre Rückfall in Barbarei. Das Maß der Beschimpfungen, dem die deutschen Juden gegenwärtig ausgesetzt sind, überschreitet das selbst in dqn politisch erregtesten Zeiten erlaubte Maß in außergewöhnlicher Weise. Die deutschen Juden richten darum an die gerecht Denkenden aller Glaubensbekenntnisse, an die für die politischen Geschehnisse im deutschen Vaterlande Verantwortlichen, an die Führer der Nation die Aufforderung, sie in diesem Kampfe ums Recht, der gleichzeitig ein Kampf für das deutsche Ansehen in der Welt ist, zu unterstützen." Die Lage der Juden in Deutschland und die jüdische Gemeinde Berlin. Berlin, 12. Jan. Am vergangenen Donnerstag hielt die Neprästntantenverfammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin eine geheime Beratung ab, die um 7 Uhr begann und bis 12 Uhr andauerte. Gegenstand der Erörterungen war ein Antrag von Mitgliedern der Jüdischen Volkspartei, in welchem eine Aussprache über die politische Lage der deutschen Juden, sowie über etwa zu ergreifende Maßnahmen verlangt wurde. Nachdem sich die Fraktionen mehrfach zu internen Beratungen zurückgezogen hatten, gelangte schließlich der folgende Antrag zur Abstimmung: 1. Wir beantragen, daß ene gemischte Deputation für

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