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Der Israelit · 1932-01-07 · Heft 2 (7.1.1932) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 2 (7.1.1932)
Date
1932-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 2 Der Israelit 7. Januar 1932 Betrübt stiegen die Engel wieder auf die Erde hinab, um die Kinder Israel zu trösten in ihrer schlimmen Not. Aber schon kamen andere Engel zu G'tt und riefen: „Jetzt ist die Zeit der Befreiung gekommen! Wir haben den Mann Mosche auf seiner Flucht begleitet; arm und abgehetzt irrte er durch die Wüste und konnte sich kaum noch aufrecht erhalten vor Müdigkeit. Aber als er sah, wie die Töchter Jithros von den gewalttätigen Hirten vertrieben wurden, da glühte wieder die Liebe zu den Bedrängten in ihm auf. Er vergaß ganz an feine Müdigkeit und half den Mädchen gegen die Hirten unb er tränkte noch ihre Schafe. Das war doch eine besonders große Liebe, Herr, die Mosche zeigte — nun ist er wohl würdig. Dein Volk zu erlösen!" „Nein," sprach der Herr, „noch intmer nicht! Gut war die Tat von Mosche und gerecht ist sein Tun. Aber die ganz große Liebe, die allen Geschöpfen gilt, die steht noch höher als alles, was bis jetzt er vollbracht." Traurig gingen auch diese Engel weg von G'ttes Thron. Sie verzweifelten ganz daran, daß sie noch die große Liebestat bei Mosche sehen würden. Wem könnte Mosche denn nun so besondere Liebe erweisen? Einsam weilt er in der Wüste bei den Schafen, dachten sie, wem sollte er da die große Liebe erzeigen? Und sie ließen davon ab, ihn zu bobachten. Aber G'tt, der Herr selbst achtete auf Mosches Tun. Da sah er eines Tages, daß Mosche sich trennte von seiner Herde. In die Felsen der Wüste kletterte er, um einem Lämmchen nachzueilen, das sich von der Herde wegverirrt hatte. Kreuz und quer und unermüdlich suchte Mosche das kleine Schaf. Endlich fand er es an einer einsamen, schwer zugänglichen Stelle, da stand es und,trank von einem Wasserstrahl, der aus dem Felsen kam. „Des Durstes wegen bist du mir entflohen, armes Tierchen," sagte Mosche „wie magst du dich abgemüht haben, bis du das bißchen Wasser fandst" — und mitleidig und liebevoll nahm Mosche das Schaf in seine Arme und trug es zur Herde zurück. Da rief G'tt die Engel zu sich und sprach: „Haft ihr gesehen, was Mosche tat? Wie er das Lämmchen so voll Liebe an sich drückte, ein Tier, das keinen Verstand hat und ihm nie danken wird! Das Schaf, das ihm so'viel Mühe und Arbeit machte, dem er Nacheilen mußte in die glühende Wüste, in die wilden Felsen! Seht, das ist die große Liebe, die der Führer Israels beweisen mußte. Nun ist die Stunde der Erlösung nahe!" Und es erschien G'tt dem Mosche am Berge G'ttes, am Chorev. Eine Skorchhngeschichte. Es mar schon spät abends und es wollte wieder einmal gar keine Ruhe geben im Storchennest. Immer wieder klapperte eines der Jungen mit dem Schnabel und keines der Storchenkinder wollte einschlasen. „Mutter, erzähle uns noch eine Geschichte", quälten die Jungen „'danach schlafen wir dann bestiimnt gleich ein!" Was blieb der Frau Störchin schließlich anderes übrig? Sie fing an, eine Geschichte zu erzählen. „Ihr wißt doch, daß wir alle Jahre im Herbst nach dem Süden reisen und die ineisten von uns fliegen nach Afrika. Da gibt es ein wunderschönes Land, das heißt Aegypten und mitten durch dies Land fließt ein breiter Strom, das ist der Nil. Dieser Fluß hat ganz merkwürdige Eigenschaften. Jedes Jahr bei Beginn des Sommers steigt er weit über sein Flußbett hinaus, steigt Wochen hindurch, 16 Ellen hoch, bis er das weite Land überschwemmt hat. Er macht das ganze Erdreich feucht und fruchtbar und wenn er das erledigt hat, dann fällt er allmählich wieder und wird immer kleiner und niedriger. Am Ende des Winters füllt er wieder nur sein gewöhnliches Flußbett. Da kommen die Aegypter und säen auf das gut bewässerte Land. Alles sprießt und gedeiht und bald können sie ernten in Hülle und Fülle. Da könnt Ihr Euch denken, daß diese Leute dem Nil sehr dankbar sind für die Bewässerung ihres Bodens, denn Regen füllt bei ihnen nicht und ohne die Ueberschwemmung des Nils wäre ihr Land eine trockene Wüste, in der gar nichts wächst. Der Nil aber, der schenkt ihnen alljährlich fruchtbaren Boden und sie brauchen fast nichts zu arbeiten auf ihren Aeckern; der Nil bewässert sie und düngt sie mit dem fruchtbaren Schlamm, den er mit sich bringt. Natürlich ists um so schlimmer für die Aegypter, wenn die große lleberschwemmung des Nils mal ausbleibt, das heißt, wenn er nicht so hoch steigt wie sonst. In früheren Zeiten betete man dann zum Nil; den verehrte man nämlich wie einen G'tt. Meistens aber stieg der Nil im gewohnten Maße. Und weil die Aegypter durch die Hilfe des Nils so glücklich leben konnten und alle umliegenden Länder mit Korn versorgen konnten, waren sie furchtbar eingebildete Leute, die meinten, ihnen könne niemand etwas anhaben. Einmal aber, vor vielen, vielen Jahren, da lebte ein Volk bei ihnen in Aegypten, das hieß Volk Israel und das betete zu einem mächtigen G'tt. Dieses Volk bedrückten und quälten die Aegypter sehr und ließen es nicht aus dem Lande ziehen, als es fort wollte. Da erging es den Aegyptern aber sehr schlecht. Der große G'tt des Volkes Israel zeigte ihnen, wie schwach und hilflos der G'tt des Niles ist. Er verwandelte den ganzen Nil in lauter Blut. Den Schrecken in Aegypten könnt ihr Euch denken! Aber noch nicht genug damit. Als der Nil wieder sein richtiges Wasser zurückbekommen hatte, kamen lauter Frösche aus ihm heraus. Tausende von Fröschen stiegen aus den Wasserfluten und wimmelten über das ganze Land. Da beteten in ihrer Not die Aegypter zu unfern Ahnen, zu den Störchen, sie sollten doch die Frösche verzehren. Ilnd das wäre doch auch ein feines Fressen für sie gewesen. Aber unser oberster Storchenfürst versammelte sein ganzes Volk und befahl, daß niemand einen Frosch, anrühren dürfe. Die vielen Frösche sind eine Strafe von dem großen G'tt für die bösen Aegypter. sagte er, da dürfen wir Störche ihnen nicht beistehen. Und es gehorchten ihm' alle Störche, die in Aegypten waren und niemand fing einen der vielen fetten Frösche. Als dies das Volk Israel, sah, da dankte es den Störchen und segnete sie und nannte ihren Namen nvron, das heißt die Frommen. Und so heißen die Störche bei ihnen „die Frommen" bis auf den heutigen Tag. „Das war aber eine schöne Geschichte", sagten die Storchenjungen und dann schliefen sie alle ein. Der reichste Mann. Von Heinrich Einstädler. Bernhard Reich nannte sich gern im Scherz den reichsten Mann in Findlingen. „Ich bin reich und bleibe reich", pflegte er zu sagen. Dabei spielte er wohl auf seinen Namen an. Er dachte aber auch gleichzeitrg an den schönen Spruch unserer Väter: „Wer ist reich? Wer mit seinem Teil zufrieden ist." Und Reich war in der Tat jederzeit zufrieden. Von Beruf Handelsmann, ließ er selten einen Werktag vergehen, ohne mit seinem Rucksack sein „Gebiet" zu durchwandern. Er hatte ein Recht zu dieser Bezeichinung. Es war damals üblich, daß die Handelsleute eines Ortes nicht die Dörfer besuchten, die nach dem Herkommen zu dem Geschäftsbezirk eines Anderen gehörten, und diese Gebiete vererbten sich, auch vom Vater auf die Kinder. Vor dem Vorwurf, in „das Gebiet seines Nächsten eingebrochen" zu sein, hütete sich jeder peinlichst. Reich klagte nie über die Mühseligkeiten, die mit der Ausübung seines Berufes verknüpft waren. Schien die Sonne, so sang er mit den Vögeln um die Wette. Waren die Wege grundlos, so hatte er „so recht seine Freude" an den langen Röhrenstiefeln, die er zuweilen bei trockner Witterung zu ihrer Schonung über den Schultern zu tragen pflegte, und war das Unwettter derart, daß man keinen Hund hinausjagen mochte, so sprach er behaglich: „So, heute treffe ich meine Kunden zu Hause an." Sein Geschäft ging immer gut. Zum Kaufen „nötigen," das gab es nicht. Er bot manchmal seine Ware gar nicht an, sondern wartete, bis man sie von ihm verlangte. Einst kam er nach Rinheim zu seinem alten Freunde, dem Bauern Huber. Es war kurz vor dem „Weißen Sonntag", und Reich hoffte, im Dorfe eine Anzahl schwarzer Knabenanzüge und Feiertagsstiesel zu verkaufen. Aber er hatte sich getäuscht. Ein Reisender aus der Stadt war ihm zuvorgekommen und hatte es verstanden, eine größere Menge Ware für die Kominunikanten abzufetzen. „Weißt Du, Bernhard", sagte Huber, „die Stoffe waren gar nicht teuer und die Stiefel auch nicht, und eine Auswahl hat der Stadtkaufmann gehabt, großartig! Ich sag' Dir offen, ich hätt' für meinen Kaspar auch gekauft, wenn ich Geld gehabt hüll'. Aber es ist mir doch eine Kuh ein'gangen, und Schulden um' ich net. So muß halt der Kaspar in seinem alten Zeug zur Kommunion geh'n." „''Aber wenigstens Rock und Weste hättest Du ihm kaufen können", bruminte die Frau, der es leid tat, daß ihr Sohn gegen die übrigen Dorfkinder zuriickstehen sollte. „Ach, das würde zu der verwehten Hose und den abgetragenen Stiefeln schlecht nussehn", erwiderte Huber. Reich ließ sich die Sachen zeigen und untersuchte sie eingehend. „Nein, das geht nicht!" entschied er, „aber Kaspar muß trotzdem sein Zeug haben, wie es sich gehört." Kurzer Hand maß er den Stoff ab. „Diq Stiefel bringe ich nächste Woche mit.— Huber war zuerst ganz verblüfft. „Ich will doch keine Schulden machen", rief er dann erschrocken aus. „Sollst Du auch nicht! Brauchst nur wie für Rock und Weste zahlen." Und so geschah es. Als Huber den Stoff zum Dorfschneider brachte, befühlte ihn dieser sachverständig. „Das ist eine andere War' wie der Dreck, den die Bauern beini Stadtreisenden gekauft haben. Wo hast Du denn das her?" „Vom Bernhard", entgegnete der Bauer, und er erzählte dem Schneider den Hergang. „Da sieht man's wieder", rief der Schneider aus, „Die eigenen Leut', wo es immer gut mit einem gemeint haben, werden zurückgesetzt, und die Fremden können das Geld forttragen." Die Geschichte ging bald im ganzen Dorfe um, und jetzt tat es vielen leid, daß sie sich von den Reisenden hatten überreden lassen. Im nächsten Jahre wurde Reich mit offenen Armen empfangen, und er konnte mit seinem Geschäft zufrieden sein. Ein anderes Mal wollte er an einem Abend in ein Dorf, weil die Bauern am Tage wegen der Heuernte nicht zu Hause waren. Es drohte ein Gewitter, und die Leute beeilten sich, mit den letzten Heufuhren noch rechtzeitig in die Scheunen zu kommen, bevor der Regen losbrach. Bernhards Weg führte an einer Wiese vorbei, die einem seiner Geschäftsfreunde gehörte. Sofort erkannte er, daß es diesem an Hilfkräften fehlte. Er grüßte kurz, fragte nicht viel, warf Rucksack und Rock unter einem Baum und ergriff eine Heugabel, um beim Ausladen zu helfen. Wortlos ging die Arbeit. Indes sich der Himmel mit Wolken bezog, leerte sich die Wiese und wuchsen die Fuhren, und als der erste Blitzstrahl den Gewitterregen einleitete, rollte der letzte Heuwagen in die Scheunej. Es war schon dunkel geworden, als Reich mit den anderen in die Bauernstube trat. „Heut' werdet Ihr keine Geschäfte mehr machen können", sagte die Bäuerin, indem sie ihm die Hand reichte. „Aber wir haben ein Stück Vieh zu verkaufen. Vielleicht wißt Ihr dafür einen Abnehmer." Und Bernhard wußte einen. Schon am nächsten Tage brachte er ihn mit, und Käufer und Verkäufer entschädigten ihn gern für seine Bemühung als Vernrittler. „Da sagen manche, die Juden möchten nicht arbeiten!" hieß es am Sonntag im Wirtshaus. „Habt Ihr gesehen, wie der Bernhard beini Heumachen geschafft hat?" „Ja, der Bernhard, der kann's!" mußte jeder anerkennen, und so wuchs seine Beliebtheit von Woche zu Woche. Oesters kam es vor, daß er bei Bauern übernachten mußte. Er legte dann ohne Scheu Thephillin, setzte seine Wurst oder Kartoffeln in einem mitgebrachten Gefäß selbst auf den Herd, ging mit zum Melken in den Stall, kurz, er durfte sich überall als ein gern gesehener East zu Hause fühlen, als ein Mann mit ehrlichen Grundsätzen, dem man seitens der älteren Leute mit Freundschaft und von Seiten der jüngeren mit Verehrung be? gegnete. Spott hatte er nie zu erdulden. Seine offene, gerade Art, und seine strenge Rechtschaffenheit im Handel trug viel dazu bei, daß der Judenhaß in jener Gegend eine ganz unbekannte Gesinnung war. (Schluß folgt.) Freitag Abend im Winker. Von Mirjam Cohen. (8 I.) Die Geschichte im Israelit hat mir so gut gefallen, daß ich nun von unserem Freitag' Abend erzählen will. Um 3 komme ich aus der Schule. Dann werde ich fein angezogen und geh' mit Papi nach Schul. Ich stehe schon alleine in der Frauenreihe. Wenn keine Jungens da sind, kriege ich den Kidduschwein. Zuhause werde ich gebenscht. Beim Essen singen wir alle nwat- Dann kommen die Kinder zum Lernen. Ich lerne die Sidro mit. Dann spielen wir' „Mensch ärgere dich nicht". Danach muß ich ins Bett gehen. Lösung der «schweren Rechenaufgabe". Au dem Trendelspiel waren acht Kinder beteiligt. Erst waren acht Nüsse in der Kasse, dann kam die Hälfte weg — Rest vier; zweimal eine Nuß dazu ist sechs; die Hälfte ist drei, noch einmal eine Nuß dazu sind vier Nüsse. Die Mutter verdoppelt diese Zahl, folglich erhält jedes Kind eine Nuß. Richtige Lösungen sandten ein: Theodor Reiter, Ger-» olzhofen; Herbert Rosemann. Berlin; Kurt Eiseinann, Nürnberg; Arthur Schwarzschild, Frankfurt a. M.; Louis und Richard Feist, Frankfurt a. M.; Walter Mayer, Frankfurt a. M.; Miriam Weichselbaum, Frankfurt a. M.; Gottschalk Schlesinger, Wien; Juda Liebermann, Wien. Noch eine verspätete Lösung der letzten Rätselaufgabe ging ein von Jakob Eisemann, Frankfurt a. M. 03 ZA 'D37 Zu jedem dieser Hauptworte sollst Du einen Buchstaben hinzufügen, so daß ein neues Hauptwort entsteht. Die neuen Buchstaben aneinandergereiht ergeben den Namen eines Tieres, das heute öfters genannt wird.

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