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Der Israelit · 1932-01-07 · Heft 2 (7.1.1932) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 2 (7.1.1932)
Date
1932-01-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 2 Der Israelit 7. Januar 1932 zeichneten sein Wesen. Aber die Strenge war gemildert durch non. eine Liebe, die schöpferisch war im Opfern. Hart wie Granit, ohne Wanken und Weichen, war sein Herz in der Treue zu G'tt, zu seiner Kehillo, zu den Geboten der Thora, aber weich und warm. wie. das eines Kindes schlug das gleiche Herz, wenn es galt, zu helfen, Not zu lindern, Tränen zu trocknen. Und all das in jener stillen, diskreten, vornehmen und selbstverständlichen Weise, die die Wohltat erst zur Wohltat macht. Das Beshamidrasch Ostendstraße, die Schneidersche Jeschiwa und viele andere Institutionen verlieren in Tobias Schapiro einen stillen, aber nie versagenden Freund und Wohltäter. Aus einer thorareichen Kindheit früh ins tätige Leben gekommen, vergast er in den Jahren des Aufstieges der alten heiligen Klänge nicht. Sie lebten in ihm auf, wenn er am Sonntag morgen, in der ersten Stunde der Woche, mit seinem Lehrer bei dem geöffneten Folianten fast. Und mit Hilfe der gleichgearteten Gattin aus angesehenem Hause, erzog er die Kinder im gleichen Geiste. Er zog auch die Söhne zum Lehrnen heran, daß sie aus der gleichen Quelle schöpften. Sein in einem Leben der Arbeit erprobtes und befestigtes G'ttvertrauen konnte ihm die Kraft geben, auch Schicksalsschlägen, wie beim Verluste des geliebten Gatten der einzigen Tochter, mit ungebrochenem Mute zu trotzen. Der Name Tobias Schapiro wird seinen Klang und Glanz, in einem Leben der Arbeit, des Erfolges und der Wohltat erworben, behalten, sein Geist wird im Hause weiter walten und sich in den Kindern weiter zum Segen auswirken. Am Freitag vormittag war die Halle auf dem Friedhose der Israel. Rcligionsgefellschaft zu klein, um die aus allen Schichten der hiesigen jüdischen Bevölkerung sich zusammensctzcnde gewaltige Trauecgemeinde zu fassen. Unser Gemeinderabbiner, Herr Rabbiner Jos. H o r o - v i tz, zeichnete das Wesen des Heimgegangenen und schilderte, was die Familie und die Kehilla an diesem mustergültigem rvan bvi verlieren. Darauf ergriff Herr Redakteur S. Schachnowitz das Wort, um sich den tiefen Schmerz um den Verlust des mit ihm seit vielen Jahren in der Thora verbundenen Freundes vom Herzen zu reden. Die sterblichen Reste Tobias Schapiros wurden zu Grabe getragen, und ein kurzer Nachmittag leitete zum Sabbat über. Einer unserer Besten zog ein in einen -cn'vi'iNn nrmöi nat? iViaw or Julius Goldschmidl V't- Am Dienstag verstarb nach kurzer Krankheit Julius Goldschmidt im Alter von 73 Jahren. Goldschmidt, der Seniorchef der Weltfirma I. u. S. Goldschmidt, war ein hochgeachteter und allbekannter Führer im Frankfurter Kunst-, Kultur- und sozialen Leben, nicht zuletzt aber innerhalb der Jüdischen Gemeinde, dessen Vorstand er angehörte und in der er außerdem eine große Reihe von hohen Ehrenämtern bekleidete. Ein Sohn von Jacob Goldschmidt, der mit seinem Bruder Selig Goldschmidt V'st die bekannte Frankfurter Antiquitätenfirma gründete, setzte er, von der konservativen Gesinnung der Ahnen geleitet, die philantropischen Traditionen seines Vaters und Onkels in idealster Weise fort. Als Vertrauensmann der in- und ausländischen Freiherrlich von Rothschild'schen Familien, war er bei allen Stiftungen der Rothschildshäuser als Berater hinzugezogen. An sich ein Wohltäter im Großen und Kleinen, diente er auch den seiner Fürsorge unterstellten Institutionen mit ganzem Herzen. Ungemein viel verliert in ihm das Gumpertz'sche Siechenhaus, dem er nicht nur Vorsitzender, sondern auch warmer Freund, Gönner und Förderer war, ebenso die „M i n k a von Goldschmidt - Rothschild's che Stiftung". Julius Goldschmidt war auch Vorstandsmitglied des Verbandes des Antiquitätenhandels von Deutschland und Präsident des Frankfurter M u - seums für jüdische Altertümer, für dessen Umbau er die Gelder herbeischaffte. Eine starke, markante Persönlichkeit zieht mit Julius Goldschmidt aus dem jüdischen Kreise unserer Stadt in die Ewigkeit, just an dem Tage, da die Familie die Jahrzeit seines — in der Israelitischen Religionsgesellschaft unvergeßlichen — Onkels Selig Goldschmidts und auch die der Frau Jakob Goldschmidt, der Mutter des nun Heimgegangenen, begeht. Seine Werke der Liebe werden seinen Namen in ewigem Angedenken erhalten. Jellchen Halbersiadk rj"y. Eine Matrone, geehrt und gewürdigt von allen Seiten, nicht allein ihres hohen Alters wegen, sondern auch wegen ihrer Charaktereigenschaften, ihrer tiefen Frömmigkeit und Liebenswürdigkeit, ging mit Frau Jettchen Halberstadt, 81 Jahre alt, von dannen. Ein Menschenalter hatte sie ihrem vor einem Jahrzehnt ihr in den Tod vorausgegangenen Gatten Leopold Halberstadt S"t in allen Wechselfällen des Lebens tapfer beigeftanden, und zuletzt einen angenehmen Lebensabend in Liebe und Verehrung im Hause der im Geiste der Eltern erzogenen und wirkenden Kinder genossen. Zwei Söhne hatte sie dem Vaterlande hergegeben, sie zogen blühend ins Feld und kamen nicht wieder. Das Mutterherz brach nicht, — es suchte und fand Kraft und Stütze im Vertrauen zu G'tt, dessen unerforschlichem Ratschlüsse sie sich willig fügte. Noch am letzten Jomkippur stand die Greisin vom frühen Morgen bis zum Festausgange fastend in der Synagoge. Seit einigen Monaten fühlte sie ihr Ende nahen, und sie rüstete sich für den letzten Gang nach alter frommer Mütterart siinrr m'iprioni- Auf dem Friedhofe der Israelitischen Gemeinde entwarf Herr Gemeinderabbiner Dr. H o f f m a n n ein Bild der Entschlafenen. Wir werden ihr ein liebendes Gedenken bewahren. Sabine Zimmer ny. Eine der nvsp-js mvi, von denen wir bei den laufenden Thoraabschnitten als von den Mitarbeiterinnen an der Erlösung sprechen, war Frau Zimmer, geb. Marks, die nach längerem Leiden, kaum 60 Jahre alt, aus dem Leben geschieden ist. Aus frommem Elternhaus, wo Thora, Awoda und Ehssedtat eine Heimstätte hatten, kam sie an die Seite ihres Gatten, Abraham Zimmer, dem sie in einer Zeit, da man noch nicht soviel von der Berufstätigkeit der Frau sprach wie heute na« mp, Beistand idealster Art auch im Erwerbsleben wurde. „Es vertraute auf sie das Herz ihres Mannes und der Gewinn blieb nicht aus." Von tiefer Frömmigkeit beseelt, von einem unerschütterlichen G'ttvertrauen gestärkt und gehoben, konnte sie auch des Lebens Schwere tragen, ohne zu murren, und auch Beschwerden längerer Krankheit hinnehmen mit Dank gegen G'tt für das, was er ihr gegeben und b e f ch i e d e n hatte. Sie durfte noch die Freude erleben, daß der Sohn eine Gattin heimführte und sein junges Glück mit dem der Eltern im gleichen Hause teilte. Mit diesem Glücke und dieser Freude im Herzen schlummerte sie sanft hinüber. Sie wird eine nvi'v^vden Ihren und uns allen sein. Generalversammlung des Vereins Mekor Chajim. Die diesjährige ■ Generalversammlung des Vereins Mekor Chajim fand am Sonntag, dem^3. Januar 1932, nachm. 4.30 Uhr im Vereinslokal statt.''-Der Präsident, Herr Fritz Stern eröffnete die Sitzung und erteilte zunächst das Wort Herrn I. Rosenthal zur Verlesung des Jahresberichtes. Der Bericht zeigt, daß trotz der schwierigen finanziellen Verhältnisse die Leistungen des Vereins eine erfreuliche weitere Aufwärtsbewegung aufweiftn,' im einzelnen wird der Tätigkeitsbericht an dieser Stelle noch veröffentlicht werden. Aus dem verlesenen Kassenbericht ergibt sich, daß infolge mangelhaften Einganges von Spenden und zurückgegangener Leistungsfähigkeit der Mitglieder ein größeres Defizit entstanden ist. Der Vorsitzende richtete daher an die Versammlung einen warmen Appell, bei besonderen Anlässen des Vereins durch Spenden zu gedenken, damit die Leistungen des Vereins aus materiellen Gründen keinerlei Einschränkungen erfahren. In der anschließenden Wahl wurden die turnusgemäß ausgcschiedenen Herren S. H. Katzenstein, B. Heidingsfeld und I. Rosenthal per Akklamation wiedergewählt. Die Neubesetzung der frei gewordenen Aemter der Jugenddelegierten wurden auf Antrag des Vorstandes nicht vorgenommen und dem Vorstand aufgegeben, geeignete Herren hierfür zu kooptieren. Zum Präses wurde Herr Fritz Stern wieder gewählt, der mit Dankesworten an die Erschienenen die Generalversammlung schloß. Ein Daf-2omi-Lijum. Am Montag, den 12. Tebeth, abends 8 Uhr, fand in den Aguda-Räumen, Schwanenftraße 12, unter starker Beteiligung der Sijum auf rrrnv» statt. Nach einem geistvollen Hadran des Schiurleiters, Herrn H. Halpern, setzte mckn sich zur mxa rnipo, die mit min nai gewürzt war. Außer Herrn H. Halpern sprachen noch die Herren Leopold Löwenthal, für den Vorstand der Aguda-Ortsgruppe, Julius Lewin, Oberkantor Baruch, N. Saffra, Kaufmann und Krienfüß. Erst in später Nachtstunde trennte man sich von diesem kleinen, aber schönen Thorafeste. V. Ein Achtzigjähriger. Herr David Herrmann feiert in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 0. Geburtst a g. Der Jubilar ist auch jetzt noch trotz seines Alters allmorgendlich einer der ersten Besucher des G'tteshauses. Tiefe schlichte Frömmigkeit und unerschütterliches G'ttvertrauen gaben ihm die Kraft, auch mannigfache Schicksalsschläge mit Würde zu tragen. Bei seiner umfangreichen geschäftlichen Tätigkeit fand Herr Herrmann immer Zeit für die Pflegs des Thora-Studiums. Anläßlich seines 75. Geburtstages wurde er von Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann mit der Verleihung des Chower-Titels geehrt. Wir wünschen dem ehrwürdigen Jubilar weiter Jahre der Arbeit, Gesundheit und ungetrübten Lebensfreude -v"pi»p Personalien. Seinen siebenzigsten Geburtstag begeht in voller Rüstigkeit am 10. Januar Herr S. Deutsch, Frankfurt a. M., Luisenplatz 28. Jüdischer Turnerbund. Mitte Februar d. I. findet ein Kinderschauturnen statt. Es soll darin Zeugnis abgelegt werden, von den Leistungen, die besonders in den Kinderkursen erzielt worden sind. Frauen in Not. Die internationale Ausstellung „Frauen in No t", die in Berlin große Aufsehen erregte und von der Presse aller Richtungen gewürdigt worden ist, ist seit dem 12. Dezember in Frankfurt a. M., Neue Mainzerstraße 77. Eintritt 50 Pfg. Erwerbslose 10 Pfg. Führungen finden statt. Die Ausstellung ist täglich durchgehend geöffnet von 10 bis 20 Uhr. Für Mitglieder von Organisationen beträgt der Eintrittspreis 30 Pfg. Palästinareise. Zu der am 1. Adar — 9. März stattfindenden Gesellschaftsreise nach Erez Jisroel durch die Palästina-Eentrale d. A. I. haben sich bisher Teilnehmer aus Belgien, Deutschland, Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und Schweiz gemeldet. Aus verschiedene Anfragen sei noch mitgeteilt, daß sich Ehepaare und auch einzelne Damen an der Reise beteiligen. Briefkasten. A. I3. Wird hier nicht gegessen. Lehrer S. Kungen. Das Datum entpspricht dem 5. Siwan- Was Iran. Mk. 1.50 für Spende eingegangen. K. K. in HP. Beide Fragen sind zu verneinen. Aamiliennachrichken. Geburten: Ein Sohn, Kaufmann Wormser und Frau Lydia geb. Kaufmann, Frankfurt am Main. Verlobte: Irma Oppenheim Bebra, Verthold Katz, Lehrer, Burghaun Kr. Hünfeld. Silberne Hochzeit: am 2. Januar 1932, Jsak Glaßner und Frau Sara geb. Geller, Ostendstr. 22. Goldene Hochzeit. Julius Kaufmann und Frau Thekla geb. Lindauer, am 10. Januar 1932 in Ladenburg. Herr Carl Weil wurde als Bücherrevisor beeidigt und von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau öffentlich bestellt. '«»X PftLLENBERGl Deutschlands größter Komiker in seinem ersten Tonfilm DER BRRVE SÜRDER Regie Fritz Kortner GLORIA Kaisersfr. 28 Ruf 24272 q ABRAHAM und HELENE H AS GALL-S ONDHEIMER zeigen die glückliche Geburt ihres Sohnes an Diessenhof en/Schweiz z. Zt. Krankenhaus 5. Januar Mü 13 Gailingen/Baden Hocherfreut zeigen wir auf diesem Wege unseren Freunden und Bekannten unsere Verlobung an MARY SEBBA JACQUES BENJAMIN FREUDMANN 66 Queen Elizafaeth’s Walk 110 av. de Belgique London N 16 Anvers 4 Zimmer Bad u- Zubehör für Jl 100per 1.4.1932 zu vermieten. Stern, Hanauerlandstr.12,1 Telefon 46984. Aus Privat-Besttz suche sämtl. Werke, Bücher ron Sams. R. Hirsch w auch einz. Broschüren Off. unt. W. 40 an die Erp. 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