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Der Israelit · 1932-01-07 · Heft 2 (7.1.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 2 (7.1.1932)
Date
1932-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 2 Der Israelit 7. Januar 1932 AI und Revisions-Gesellschaft hiah. Frankfurt a. M., Bleichstraße 55, Telefon 25239 Aufsichtsratvorsitzender: Leopold Merzbach Geschäftsführer: Carl Weil, beeidigter Bücherrevisor Oeffentlich bestellt von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M. - Hanau Revisionen, Steuer- und Wirtschaftsberatung Aufbau und Organisation von Buchhaltungen. Aufstellung von Steuer- und Handelsbilanzen. J wände hervorgehoben, denen eine solche Augumentation ausgesetzt ist, und es wurden endlich die Maßnahmen insbesondere erzieherischer Art erörtert, die dem Einzel nen einen solchen Fundus jüdischer Substanz vermitteln sollen, daß der Abfall vom Judentum erschwert oder unmöglich wird. Es soll einer besonderen Tagung vor behalten sein, die Wege zu einer solchen intensiven jü dischen Erziehung aufzuzeigen. „Tiad) Dem Kampf um die Kalenderreform". i., B e r l i n, 1. Jan.. Am Sonntag, den 27. Dezember, fand in den Räumen der Musiker-Festsäle Kaiser Wilhelmstraße eine Kundgebung des Weltverbandes für Sabbal schütz unter der Devise: „Nach dem Kampf um die Kalenderreform" statt, die von Hunderten aller Schichten besucht war. Der Vizevorsitzende des Verbandes, Herr R.-A. Dr. Sulzberger, leitete die Kurldgebung. Der Präsident des Weltverbandes, Dr. Grünberg, der Hauptreferent des Abends, wies darauf hin, daß in wenigen Tagen sich zum dritten Male der Tag jähren wird, an dem im ehemaligen Preußischen Herrenhaus die Gründungsversammlung des Weltverbandes Schomre Schabbos stattgefunden hat. Er erinnerte an den im August 1931 in Berlin stattgefundenen ersten Sabbat- Weltkongreß, der der Bewegung neue Impulse gegeben hat.' Er widmete einige Bemerkungen der Bedeutung des Weltverbandes an sich und seinen Auswirkungen nach verschiedener Richtung hin. Dies hat sich auch in der Arbeit mit dem Jüdischen Komitee betreffend die Kalenderreform deutlich gezeigt. Auf dem Sabbat-Weltkongreß wurden verschiedene Resolutionen betreffend praktische Arbeit angenommen. Infolge der gleich darauf einsetzenden katastrophalen Wirtschaftskrise wurden alle Pläne illusorisch. Die Realisierung aller wichtigen Projekte praktischer Hilfsmaßnahmen mußten aufgeschoben werden. Die allgemeine Depression wirkte auch lähmend auf alle sonstigen Arbeiten der jungen Organisation. Nichtsdestoweniger sind wichtige und erfolgreiche Aktionen in Angriff genommen worden. Redner schilderte ausführlich den Gang des Kampfes gegen die geplante Kalenderreform und würdigte mit besonderen Anerkennungsworten die Leistungen des früheren Jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform. Zum Schlüsse richtete der Redner einen warmen Appell an die jüdischen Arbeitgeber, angesichts der großen Not der Zeit und der Ausschaltungsbestrebungen von anderen Seiten dem jüdischen Arbeitnehmer, besonders dem Schomer Schabbos, die Existenz zu ermöglichen. Rabbiner Dr. Hermann Klein bemerkt, daß die Juden ihren Gegnern die Waffen gegen sich selbst liefern. Er erzählte zur Illustration dessen eine Episode aus der Schlußsitzung des Kalenderreform-Kongresses des Völkerbundes. Die amerikanischen Befürworter des Projektes einer Kalenderreform wiesen darauf hin, daß unter den Juden die weitaus größere Majorität den Sabbat schon preisgegeben habe, es sei nur eine winzige Minorität unter den Juden, die noch den Sabbat heilige. Ein englischer Delegierter entgegnete hierauf: „G'tt ist niemals in der Minorität". Kaufmann Alfred Marcus führt aus, daß der Weltverband der Schomre Schabbos die ideelle Voraussetzung für die praktische Arbeit der Schomre Schabbos- Stellenvermittlungsvereine schaffe. Wir kämpfen für die Milderung der Sonntagsruhegesetze in verschiedenen Ländern, wir sorgen für Verlebendigung der Sabbatidee in Schulen, Synagogen und Familie. Redner weist ganz besonders auf die durch die Deutsche Landeszentrale des Weltverbandes Schomre Schabbos begründete Handwerkergenossenschaft „Arewuth" hin. Er richtet den dringenden Appell an alle jüdischen Arbeitgeber, diese Genossen- * schaft zu fördern. Dritte Elternversammlung der Adatz Jisroel- Schulen. Berlin, 1. Jan. Auf Wunsch der Eltern, die zur zweiten Versammlung im Tiergartenhof nicht erscheinen konnten, wurde am Montag, den 28. Dezember, im Lehrervereinshaus ein Ausspracheabend über die Erhaltung der Schulen veranstaltet. Nach Begrüßung der Eltern durch das Ko- 3>te Woche. Brrlm. Wegen Mißhandlung jüdischer junger Leute, wurden vom Schöffengericht Berlin- Schönberg zwei S. A.-Leute zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt. — Der vor kurzem ausgeführte Nazi-Sturm auf das Cafee Erbau in der Friedrichsstraße fand nun vor dem Schöffengericht Berlin Mitte seine Sühne damit, daß die Haupträdelsführer zu zehn bis zwei Mopaten Gefängnis verurteilt wurden. Hamburg. Noch kurz vor Ablauf des alten bürgerlichen Jahres mußte die Zahl der Synagogenschändungen rasch vermehrt werden. In der großen Synagoge am Bornplatz wurden die sechs Scheiben der zur Straßenfront gehenden Fenster der Wochentagssynagoge zertrümmert. Eine Anzahl Pflastersteine, mit denen das Zerstörungswerk ausgeführt wurde, lag im Jnnenraum der Synagoge. Heidelberg. Auf dem jüdischen Friedhof in Schwetzingen wurden 9 Grabsteine umgeworsen. Für die Ergreifung der Täter wurde eine Belohnung von Mk. 200.— ausgesetzt. London. Ernst H. Schiff, eine bekannte Persönlichkeit im jüdischen öffentlichen Leben Englands, ist im Alter von 50 Jahren verstorben. Schiff, ein naher Verwandter von Jacob H. Schiff und aus dem Frankfurter Hause Schiff hervorgegangen, bekleidete eine Reihe hoher Aemter in der Londoner jüdischen Gemeinde. — Zwei jüdische Parlamentarer, Percy Harris und Arthur Michael Samuel (letzterer konservativ), erhielten den Baron titel. — Die Exekutive der zionistischen Weltorganisation gibt eine Erklärung ab, daß sie jede Verantwortung für Jabotinskys Aeßerungen und revizionistischer Beschlüsse in Warschau und anderswo ablehnen müsse. Paris. Auf einer Gedenkfeier zum hundertjährigen Geburtstag von Baron Hirsch, einberufen vom „Verband jüdischer Gesellschaften in Paris", sprachen u. a. Baron de Ginzberg, Schloßberg, Kreinin und Motzkin. Bukarest. In Urhieh stand ein jüdischer Landwirt namens Jizchak Tutmann vor dem Schwurgericht. Durch einen unglücklichen Zufall hatte er bei der letzten Ernte mit der Aufladegabel einen Bauernknaben tödlich verletzt, woraus die Antisemiten einen Ritualmord machten. Der Fall wurde vom Gericht vollkommen aufgeklärt und Tutmann wurde freigesprochen. Immerhin hatten 6 Geschworene die Schuldfrage bejaht. — Das jüdische Tageblatt „Unsere Zeit" kann mit Dokumenten beweisen, daß ein fester Pakt zwischen der Hitlerpartei in Deutschland und der Cuzapartei in Rumänien besteht. Antwerpen. Aus Anlaß des Jahreswechsels hat die belgische Regierung mehrere jüdische Bürger mit dem Orden „Ritter der Krone" ausgezeichnet, u. i. den Vicepräsident der jüdischen Gemeinde, Ermond R o o s und die Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins, Madame D. Bauer. Jerusalem. Im letzten Monat des alten bürgerlichen Jahres kamen 494 Juden in Palästina, neben 154 Andersgläubigen an. 30 Personen verließen in dieser Zeit das Land. Tel Awiw. Beim Besuche von Lord Read in g in Tel Awiw wurde er von der Stadtverwaltung zum Ehrenbürger von Tel Awiw ernannt. Newyork. Die neuste Zählung ergibt eine Zunahme der jüdischen Arbeitslosenzahl in Amerika um 42,6 Prozent. Von den jüdischen Gesellschaften wurden in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Jahres 586 282 Dollar für Unterstützung von jüdischen Arbeitslosen ausgegeben. miteemitglied Herrn Dr. P e l t e s o h n hielt Herr Emil David wieder das einleitende Referat. Er orientierte in fesselndem Vortrag die Elternschaft über alle bezüglichen Probleme und stärkte in allen Herzen die Willenskräfte, die Existenz des Schulwesens in dem bisherigen Ausmaß durch Leistung außerordentlicher Beiträge für das kommende Schuljahr unbedingt zu ermöglichen. In der sehr lebhaften Diskussion, an der sich die Herren Stern, Geis, Scharf, Ossenberg, Weil, Hutterer u. a. beteiligten, wurden die in der letzten Versammlung gemachten, an dieser Stelle bereits veröffentlichten Vorschläge erneut besprochen und die Erhaltung des Schulwerks als heilig st e Pflicht der Eltern gekennzeichnet. Jeder Vater, jede Mutter müsse ihr Opfer i-r' ihrem Vermögen entsprechend dem heiligen Werk darbringen. Herr Gartenberg hält die Sicherung der Schulen nicht nur für Aufgabe der Eltern, sondern für heilige Pflicht jedes gesetzestreuen Juden Berlins. Der nächste Redner, Herr Walter Saling er, der auch nur als Unbeteiligter zur Veranstaltung erschienen ist, erklärt, daß er als liberaler Jude die Weiterexistenz eines solchen Schulwerks für dringendste Aufgabe der gesamten Berliner Judenheit betrachte, ungeachtet der politischen und religiösen Einstellung. Das Komitee müsse es sich zur Aufgabe machen, die Kenntnis über die geleistete Kulturtat auch in liberalen Kreisen zu verbreiten, und es dürfe nicht schwer fallen, das geringe Defizit von 50.000 zu decken. In seinem Schlußwort unterstreicht Herr David die Ausführungen seines Vorredners. Er selbst habe sich als Nichtmitglied der Adaß Jisroel in den Dienst dieser heiligen Sache gestellt, getrieben von seinem jüdisch fühlenden Herzen, und er appellierte an das jüdische Herz, die notwendigen Opfer zu bringen. Herr Dr. Peltesohn schließt die Versammlung mit Dankesworten an den Referenten wie auch an die Diskussionsredner und mit dem Versprechen, daß die Anregungen ausgeführt und eifrige Propaganda für die Erhaltung des Schulwerks betrieben werden wird. Mib Wort und Tat möge jeder einzelne das Komitee zur Erreichung des gemeinsamen Zieles unterstützen. Die Auldaer Tagung des Bundes Jüdischer Akademiker CB. 3. AZ Fuld a, 4. Jan. Vom 24. bis zum 27. Dezember 1931 fand in Fuldcr der 9. Bundestag der im B. I. A. vereinigten thoratreuen Akademiker statt. Trotz der wirtschaftlichen Notlage hatte sich ein ansehnlicher Kreis (es waren nahezu 100 Bundesbrüder) zusammengefunden, um in gemeinsamer Arbeit die Gesamtsituation der gesetzestreuen Akademikerschaft zu klären und neue Wege für die zukünftige Gestaltung der Arbeit zu finden. Unter Teilnahme zahlreicher Gäste wurde der Bundestag durch eine offizielle Eröffnungsfeier eingeleitet. Der Bundespräsident, Dr. Joseph Stern, Berlin, führte in seiner Begrüßungsansprache aus: Die Zeit sei nicht zu großen demonstrativen Veranstaltungen geeignet. Aber gerade in Zeiten wirtschaftlicher Not müßten geistige Güter mit doppelter Sorgfalt gehütet werden. Ohne den Geist könne die Welt nicht gesunden, und wenn wir uns so völlig der Verzweiflungsstimmung des Tages hingeben würden, daß die geistige Spannkraft erlahmte und alles Ringen um höhere geistige Probleme zum Stillstand käme, so hätte auch das Streben nach wirtschaftlichem Aufschwung seinen Sinn verloren. Der Bund habe gerade heute eine vitale Aufgabe zu erfüllen. Es folgten Begrüßungsreden des Alterspräsidenten der Versammlung, Herrn Rabb. Dr. Weinberg, Regensburg, sowie des Herrn Provinzialrabbiner Dr. C a h n, Fulda und des Herrn Dr. Herz als Vertreter der Fuldaer Jüdischen Gemeinde. Die beiden letzteren wiesen darauf hin, wie gerade Fulda als Trägerin altjüdischer Tradition der geeignete Boden für die Tagung Äi. Als Vertreter der thoratreuen Studentenschaft der Baltischen Länder überbrachte sodann Herr Golowtch i n e r aus Riga die Grüße der Gesinnungsfreunde im Osten. Anschließend an die Eröffnungsfeier referierte Herr Rabb. Dr. Alexander A l t m a n n, Berlin über das im Mittelpunkt der religiösen Problematik stehende Thema: „Das Sinnproblem der religiösen Handlung". Unter Zugrundelegung der phänomenologischen Methode entwickelte der Redner als Fundament seiner Ausführungen zunächst die für eine neue Betrachtungsweise des Problems wesentliche Unterscheidung der beiden Begriffe „Sinn" und „Bedeutung". Er zeigte die Stellung der bisherigen jüdischen Religionsphilosophie zum Problem der Mizwoth als eine um das „Bedeutungsproblem" konzentrierte, setzte sich mit den Hauptoertretern dieser For-

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