Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1932)
- Date
- 1932-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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7. Januar 1932 Der Israelit Nr. 2 Seite 5 Zigarren dQ Wolf Zeil Tel. Hansa 27930 nicht nur durchgereist ist, sondern seelisch dort rvurzelt, wo Israel Salanter seine Mussarbewegung begründet und durch sie die Brücke geschlagen hat, die vom scharfen Denken Äes Litauers zu dem heißen Lebensgefühl des Südländers führte, zu einem Ziele sie beide verbindend: sn ^nnn nx fjatte der Aufklärer gesagt. Von ihm zum Ideal: minn nx sn führte Mm Weg. Aber von der Forderung: „Erkenne die Thora!" über den Ruf: „Erkenne dich selbst!" führte die Mussar- Lewegung zum Ziel: „Erkenne deinen G'tt!" Literaturgeschichtliche Aufsätze bringen Weinberg und Hildesheimer. Ersterer bildet den vielversprechenden Anfang einer größeren Arbeit zur Geschichte der Targumim, die demnächst erscheinen soll und zum Teil schon veröffentlicht ist. Das Verhältnis des ältesten Targum zur Bibel ist klar. Es war eine aramäische Uebertragung. Allmählich drangen midraschische und agadische Erklärungen in Menge in sie ein, bis von seiten der Gelehrten dagegen protestiert wubde. Daher zunächst die Freude an der Septuaginta (vor ihrer Entstellung). Den weiteren Weg der Targumim, die im Kampf der mündlichen Lehre gegen die Sadduzäer und Fremden eine wichtige Rolle spielten, bis ein Schüler R. Akibas seinem Targum zum Siege verhalf, schildert Weinberg sehr anschaulich an der Paraphrasierung des Streites Kains mit Abel. Er beginnt mit der schlichten Erzählung, diese wird ergänzt, indem neue Momente, die im biblischen Bilde fehlen, hinzugetragen webden, und gelangt endlich zu dichterischer Berserklärung, die nicht nur für die Generation, in der sie entstanden ist> sondern auch für die Individualität der Erklärer bezeichnend ist. Zeigte Weinberg so den Weg von der einfachen Worterklärung aus der Zeit Esras bis zur Agada R. Hunas, so beleuchtet Hildesheimer ick einer interessanten Abhandlung die Stellung der beiden letzten Gaonim zu den im 10. Jahrhundert auffälligen agadischen und mystischen Erklärungen. Im Laufe der Zeit scheint doch, besonders unter dem Einfluß der Karäer und der aristotelischen Philosophie die Kritik gegen Anthropomorphismen (menschliche Aussagen für g'ttliche Dinge) und Wundererzählungen und von Chaldäern übernommene Vorstellungen stark geworden zu sein. Die beiden, am Ausgang der Gaonimzeit stehenden Gelehrten, R. Scherira und sein Sohn Hai, haben verschiedentlich darauf bezügliche Anfragen erhalten und beantwortet. Ihnen ist was in Tauroh und Talmud steht, heilig und unumstößlich. Nichtsdestoweniger stehen sie allem, was an ähnlichen Dingen von ihrer Zeit berichtet wird, und wenn es den berühmtesten Zeitgenossen passiert sein sollte, mit äußerster Skepsis gegenüber. An Engel glauben sie und alte darauf bezügliche Sitten wollen sie beibehalten wissen, aber den wunderbaren Erscheinungen ihrer Zeit stehen sie kritisch gegenüber. Dieser Haltung entspricht es, wenn sie der nichtjüdischen Wissenschaft und den allegorischen Auffassungen von Talmud- und Bibelstellen, nichtjüdischer Philosophie und nichtjüdischen Erkenntnisquellen, soweit sie nicht überkommenen Anschauungen ausgesprochenermaßen zuwiderlaufen, Verständnis und Sympathie entgegenbringen. Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Die Bezirkskagung der Freien Vereinigung. Frankfurt a. M., 5. Jan. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß diesen Sonntag die Bezirkstagung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Schlüchtern stattfindet. Hauptreferate halten Herr Provinzialrabbiner Dr. Grade n w i tz, Hanau über „Deutung und Bedeutung eines vielfach mißverstandenen Ehegesetzes (Chaliza)", Herr Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M. über „Die Tätigkeit der Freien Vereinigung", Herr Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt a. M. über das Thema „Ein Thorazentrum in Hanau zu Anfang des >19. Jahrhunderts (Rabbi Mosche Tuwje aus Sondheim)". Zwischen und nach den Referaten findet freie Aussprache statt. Rezitationen und Kindervorstellungen füllen den gemütlichen Teil aus. Den Frankfurter Teilnehmern sei mitgeteilt, daß sich für die Fahrt nach Schlüchtern am besten der Zug am Sonntag früh 11.22 Uhr eignet. Von einer gemeinsamen Autobusfahrt mußte aus bestimmten Gründen abgesehen werden. Die osijüdifche Konferenz in Berlin. Berlin. 4. Jan. Die von der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel und der deutschen Keren Hathora-Zentrale einberufene Konferenz zur Beratung über die religiöse Zukunft des o st jüdischen Nachwuchses in Deutschland trat, von zahlreichen Delegierten beschickt, Sonntag Nachmittag in der Aula des Realgymnasiums im Siegmunüshof zusammen. Der Vorsitzende, Oberrabbiner Dr. Spitzer- Hamburg, begrüßte die Vertreter der verschiedenen Organisationen und kennzeichnete in prägnanten Worten den Zweck der Konferenz. Die religiöse Entwicklung der Ostjuden in Deutschland sei eine Lebensfrage für das ganze gesetzestreue deutsche Judentum. Nachdem die Herren Jacob Rosenheim - Frankfurt (M) und Dr. Leo Deutschländer dem Vorsitzenden anläßlich seines sechszigften Geburtstages namens der Zentralleitungen der Agudas Jisroel und des Keren Hathora gehuldigt und Dr. Deutschländer die Errichtung einer Oberrabbiner Dr. Spitzer-Jubiläums-Stiftung mitgeteilt hatte, begannen die Referate. Es sprachen die Herren Rabbiner Findling- Elberfeld über die g e i st i g e Lage der o st jüdischen Jugend in Rheinland- Westfalen und die Ergebnisse der Essener Vorkonferenz, Lehrer Ostersetzer - Duisburg über den Lehrbetrieb in den Talmud-Thora-Schulen und Verthold Strauß-Frankfurt (M) über Wirtschaftsfragen und soziale. Probleme der Ostjuden heit in Deutschland. Nach kurzer Diskussion wurden drei Arbeitskommissionen eingesetzt, eine für die organisatorischen, eine zweite für die pädagogischen, eine dritte für die wirtschaftlichen Fragen. Die Kommissionen traten sofort zusammen und arbeiteten bis in die Nachtbezw. die frühen Morgenstunden, so daß das Plenum der Konferenz, als es Montag um 11 Uhr wieder tagte, ausführliche Berichte und formulierte Anträge vorfand. Die Anträge wurden von den Berichterstattern, den Herren Rosenheim, Rabb. Dr. Frankl- Halberstadt und H. Freirich-Berlin begründet, in der Diskussion vielfach ergänzt und alsdann angenommen. Wir geben einstweilen die von der Konferenz genehmigten Beschlüsse der Organisations-Kommission wieder. Sie lauten: 1. Die Konferenz begrüßt die in Essen beschlossene Gründung einer Agudas-horabbonim in Rheinland- Westfalen als gegeignete Maßregel zur Erhaltung und Verbesserung der Institutionen des Kaschruth, der Taharas hamischpocho und des Chinuch in den ostjüdischen Kreisen und erwartet, daß hierbei eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit den gesetzestreuen deutschen Rabbonim stattfindet. Sie ersucht den Vorstand der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel, in diesem Sinne bei den beteiligten -gesetzestreuen Rabbinerverbänden vorstellig zu werden. 2. Zur Gewinnung der ostjüdischen Schuljugend sowie der schulentlassenen Jugend für die Ideale des gesetzestreuen Judentums, sollen in Rheinland- Westfalen a) Keren Hathora-Schülergruppen, b) Keren Hathora-Jugendgruppen, c) Bes Jakob-Schülerinnengruppen, d) Bes Jakob-Mädchengruppen V ins Leben gerufen werden. Die Wahl dieser Namen soll einerseits die religiösweltanschauliche Grundlage dieser Organisationen zu eindeutigem Ausdruck bringen, andererseits ihren durchaus unpolitischen Charakter dokumentieren. Die Gruppen unterstehen der organisatorischen Leitung der deutschen Keren Hathora-Zentrale unter Mitwirkung der Agudas-horabbonim. Die Gruppen zu b und d sollen auch soziale Arbeit leisten. 3. Die Konferenz richtet an die dem Kereth-Hathora nahestehenden chassidischen Führer des Ostens den Appell, ihre Anhänger in Rheinland-Westfalen zur tatkräftigen Förderung der Keren-Hathora und Ves-Jakob-Schüler und Jugendgruppen zu ermuntern. 4. Die Gründung eines jiddischen Presseorgans wäre erwünscht, wird jedoch zur Zeit nicht als möglich erachtet. (Weiterer Bericht folgt.) Wahlen in der Adaß Jisroel. Berlin, 4. Jan. Die gestern stattgehabten Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Vorsteher: Martin Bondi, Dr. Falk Schlesinger. Stellvertreter: Dr. M. Auerbach, Ludw. Bier, Dr. E. Hirsch, Dr. V. G r a d e n w i tz. Repräsentanten: Dr. E. B i b e r s e l d, Jos. Weichselbaum, H. Offenberg, Dreyfuß. Stellvertreter: Eh. Glatt, M. M. Hirsch, Alb. I a c o b s o h n. Veränderung der jüdischen Gesellschaft durch die Wirlschaftskrife. Berlin, 4. Jan. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände veranstaltete zusammen mit der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise, unter Forderung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und des Wohlfahrtsausschusses des Preußischen Landesverbandes, in der Zeit vom 25. bis 27. Dezember in Lehnitz bei Berlin eine Arbeitstagung, die von etwa 60 beruflichen und ehrenamtlichen Sozialarbeitern und Vertretern von Jugendbünden aus Berlin und aus allen Teilen des Reiches besucht wurde. Die Tagung stand unter dem Zeichen der Veränderung der jüdischen Gesellschaft durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise. Das einleitende Referat über die Lage der jüdischen Jugend in Deutschland hielt Dr. Georg L u b i n s k i. Es wurde die jüdische Argumentation gegenüber dem Kommunismus sowohl vom Standpunkt einer religiösen Konzeption des Judentums als auch einer nationalen durchgeprüft, es wurden die Gegeneinm TÜjefeldt