Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1932)
- Date
- 1932-01-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 2 Seite 3 7. Januar 1932 „Listen in der Bibel zufammengestoppelt." Der jüdische Sabbat ist ein Markttag, bei dem die Feldarbeit ruht. Damit das Passah notwendig ein Frühlingsfest und Mne historische Begründung hat, werden die „Mazzen" aus Gerste gebacken. Die Chronik greift „neben anderen absurden Namen auch mal den des Herrn X auf", Gideon vollzieht mit feinem Kampf „die Blutrache", und Jakob läuft „als der Gewandtere und vor keinem Trug Zurückscheuende Esau den Rang ab." Die Geschichte des Vernichtungskrieges an Benjamin hat „an Abgeschmacktheit kaum ihresgleichen." Ganz besonders, wenn Meyer über die jüdische G'ttesvorstellung redet, erhebt er sich zu geistiger Höhe. Daß G'tt das Heer des Jonathan von 32 000 auf 300 Mann reduziert hat, darn zeigt sich „die entsetzliche Manier des späteren Judentums". Die Formen des Kultus sind den Kananäischen natürlich völlig gleich. G'tt wird rein körperlich gedacht, „er marschiert auf dem Marsche mit der Lade, beim Lagern setzt er sich („so zu lesen statt schuwo") zu den Myriaden und Tausenden Israels." Nur deshalb machen die Inden kein Bild, weil die G'ttheit dauernd in eigener Person anwesend ist, ihr Kultus kein eigenes Bild gebraucht. Wie schön klingt z. B. folgender Abschnitt: „in einem Liede über die Stämme Israels etwa aus dem Ende des 9. Jahrhunderts ist Moses der Repräsentant der Priesterschaft, die, obwohl tatsächlich aus freier Berufswahl h-ervorgegangen, nach dem Postulat der genealogischen Auffassung aller Verbände als ein den weltlichen gleichstehender Stamm unter dem Namen Lewi betrachtet wird. Ihre Kunst, durch die Losorakel der Urim und Tummim die g'ttliche Entscheidung einzuholen, hat Moses dem ©’ttes) „an den Wassern von Meriba" im Kampf abgewonnen: das ist der „Prozeßquell", an dem die Priester der Oase Qades, in der Wüste südlich von Palästina, Recht sprechen. Nach der Erzählung des Exodus hat Moses diesen Quell aus dem Felsen geschlagen; und hier wird auch das Erdfeuer am Dornbusch gelegen haben, in dem sich, wie er berichtet, G'tt dem Mose offenbart hat. Auch die Beschneidung wird auf ihn zurückgeführt: sie hat sein Weib Sippora als Zaubermittel benutzt, um G'ttes Blutdurst zu beschwichtigen, als dieser bei- Nacht den Moses in der Wüste überfiel und töten wollte." Man weiß nicht, was bei Meyer mehr zu bewundern ist, die Anmaßlichkeit des Tones oder die Plumpheit der Auffassung, die etwa die Vorschrift: „so du einen Altar baust, schwinge kein Eisen über ihn, sonst würdest du ihn entweihen" dadurch erklärt, daß „das Eisen erst jetzt in Aufnahme kam." Die 3). Hier steht im Tert jedesmal der jüdische G'ttejsnarne, das I der Pentateuchkritik. geschichtlichen Bücher der Bibel haben für Meyer von Haus aus überhaupt mit Religion nichts .zu tun. „Hier zeigt sich in, geradezu grotesker Weife die in der Weltgeschichte waltende Ironie, daß diese durch und durch profanen Texte dem Judentum und Christentum als heilige Schriften gelten und daher in jedem Worte umgedeutet werden müssen, um deren Grundanschauungen wenigstens notdürftig angepaßt zu werden." Man sieht, welchen großen Dank die beiden Glaubensbekenntnisse Meyer schulden, daß er ihnen die dreitausendjährige Last der Umdeutung endlich abgenommen hat. Selbstverständlich entdeckt Meyer auch die Quelle des jüdischen Reichtums. Es gewann „die in der vorderasiatischen Welt seit alters bestehende Geldwirtschaft rasch auch über Israel die volle Herrschaft, der Heißhunger nach Geld wird die dominierende Macht im gesamten Leben." Na also, daher kommt es ja, daß alle Juden Rothschilds sind. Und dann kommt der Fanatismus des Judentums! „Das grause Bild des religiösen Fanatismus, das kein andres Ziel kennt als die rücksichtslose Vernichtung aller (!) Andersdenkenden, ist hier (bei Elija) in der Weltgeschichte zum ersten Male in typischer Gestalt gezeichnet. Auf dem Weg über das Judentum ist es, als heilige Ueberlieferung, vorbildlich geworden für alle (!) von diesem abhängigen Religionen; in den Ketzerverfolgungen m# Religionskriegen des 16. und 17. Jahrhunderts haben die Gestalten, die dritthalb Jahrtausende zuvor in Palästina geschaffen wurden, noch einmal die gesamte Kulturwelt des Abendlandes ergriffen und verwüstet." Wer weiß, ob Meyer nicht Nachweisen kann, daß die Torquemada oder die Veranstalter der Bartholemänenacht vorher eine religiöse Anfrage bei einem Rabbiner gemacht und der ihnen in Vorahnung Eduard- Meyer'scher Forschung entsprechende Instruktionen erteilt hat. So schreibt Ed. Meyer weiland, ord. öff. Professor an der Universität Berlin, die Geschichte Israels, des Volkes, dem die Welt Religion und Sittlichkeit verdankt, dessen Bibel wohl jedem normalen Menschen als ein erhabenes, literarisch einzigartiges und ehrwürdiges Werk gilt. J e d e r anständige und gerecht denkende Mensch wird sich daher von solcher aus Ressentiment und H a ß p h a n t a - s i e n zusammengebrauter sog. Historie a b w e nde n. Und wenn die ethisch-religiöse Kultur der Gegenwart in Israel seine Mutter hat, so gilt für solche Schmähung und Herabsetzung das Wort der Sprüche: Ein Auge, das die Mutter verachtet, das sollen die Raben des Tals aushacken. Frankfurts größtes Spez „Beste Qualität zu billigsten Freisen“. Uhren aller Art Gold . Silber alhaus bietet Juwelen Bestecke Trau ringe 17 fi letzfdi uriD soHn Nur Zeil 95 u. Töngesg. 25-27 Wochenrundschau. Rundfunkreden der Rachk. In der Nacht zum bürgerlichen Jahresanfang ließen einige Reden die Welt aushorchen. Reichspräsident Hindenburg, der Greis an der Spitze der deutschen Republik, der ein bewegtes Stück deutscher Geschichte führend miterlebt hat, hat das Recht Deutschlands auf Leben und Zukunft zart, aber bestimmt angc^eutet. Wer aber in Deutschland selbst Ohr und 'Sinn für feinere Untertöne hat, hörte deutlich genug aus der tiefen Stimme des Herrn Reichspräsidenten die Sorge um den innere n Frieden heraus, der wohl erste Voraussetzung für die Befriedung der Welt ist. Er erinnerte an T a n n e n b e r g. Damals aber, vor Tannenberg, war das stolze Wort von der Aushebung aller Parteischranken gesprochen worden. Die feindliche Kugel kannte wirklich keine. Zwölftausend jüdische Soldatengräber in Ost und West bezeugen es. Aber dieser relativ so hohe jüdische Blutzoll hat uns die Liebe und Gerechtigkeit nicht erkauft, auf die jeder Mensch erstes Anrecht hat. Wie soll aber das Ausland den durch sein Oberhaupt erhobenen Anspruch auf gleichmäßige Behandlung im Chore der Mächte hören und verstehen, wenn eine Hitlerei im Lande einen Nebel von Giftgasen verbreitet, der die Augen blendet und die Sinne betört? Es mutet schon fast symbolisch an, daß just bei der Stelle von Tannenberg eine Störung im Aether die Rede unterbrach. Der Geist von Tannenberg hat eine schwere Störung in den folgenden Jahren erlitten, die zuerst behoben werden muß, wenn der Grundfür den neuen Ausbau bei uns und in der Welt reingefegt sein soll. In Wie n hat in der Neujahrsnacht der in der katholischen Welt hochangesehene Pater B i ch l m a i r im Oesterreichischen Rundfunk zu geben. In ihrem Lebensgang, in ihrem Wesen und Willen von großen Vorbildern bestimmt, gab es keine jüdische Beziehung, die nicht eine Saite in ihrer Seele mitschwingen ließ. Vom Ernst des Lebens nicht verschont, von Schicksalsschlägen schwer getroffen, war sie sich immer gleich geblieben in ihrem unerschütterlichen G'ttesvertrauen. In min mna? und ca’ion rvfc’aa begnügte sie sich damit nicht, selbst das Gebotene zu üben. Sie betrachtete es als eine selbstverständliche Pflicht, mann V8 nai» zu sein, in ihrem Wirkungskreise andere für alles Gute zu begeistern. Und das gelang ihr bei vielen, weil alle die Reinheit und Selbstlosigkeit ihrer Gesinnung anerkannten und zu würdigen wußten. Das Rechte und Gute haben ewige Keimkraft. So wirkt ihr großes Beispiel fort, wenn sie, auch nicht mehr hienieden, in der Ewigkeit weilt. Ihr Name und ihr Andenken, sie werden zu einem dauernden Segen. rumänischen Sephardim sind in einem 12 Gemeinden umfassenden Gemeindeverband organisiert, dessen Präsident Joseph M. Pincas ist. Als Großrabbiner für den scphardischen Kultus in Rumänien fungiert Rabbiner Sabbataj l. Ijaen. (Verloren geglaubtes Originalmanuskript wirdergefundrn.) Wie aus Newyork der I. T. A. berichtet wird, hat Frau Nathan Miller das verloren geglaubte Originalmanuskript des 3. Teiles des von Maimonides in arabischer Sprache geschriebenneu „Moreh nerv o ch i m" wiederentdcckt und der Bibliothek des Iewish Theological Seminary af America zugcwendet. Gleichzeitig hat Frau Miller zwei wertvolle Originalmanuskripte religiöser Gedichte, die im XVI. Jahrhundert in Spanien entstanden sind, aufgefunden und dem Seminar geschenkt. sophen, Ethiker und Soziologen Masarykvon je beschäftigt hat und daß sich dies aus seinen Schriften und Kundgebungen seit dem Jahre 1881 feststellen läßt. Jir dem Band sind die folgenden Arbeiten vereint: Jindrich Köhn: Masaryks Schule der Weisheit und das Judentum; Friedrich Thiebiger: Masaryks Credo und die jüdische Religion; Felir Weltsch: Masaryk und der Zionismus; Josef Penizek: Masaryk und die jüdischen Tschechen; Oskar Donath: Juden auf Masaryks Lebensweg; Ernst Rychnovsky: Im Kamps gegen den Ritualmord-Aberglauben; Jan Herbeil: T. G. Masaryk über Juden und Äntisemitismus; Iaroslav Tokycana: Freunde in der Not; I. N. Polak: Mendl Bejlis; Iaroslav Eisar: Masaryk und die amerikanischen Juden; Hugo Bergmann: Masaryk in Palästina; Edvard Lederer: Erinnerungen an Masaryk; Ein Brief Masaryks; Mar Brod: Eine Unterredung mit Professor Masaryk. » V (200 Jahre srphardisch-Jüdjschr Gemeinde Bukarest.) Die f e p X) a r b i \ * i ü b t i d) e © c m <fi ix b e o o n ‘23 u - karest beging am 20. Dezember die Feier ihres 200 jährigen B e st e h e n s. Aus diesem Aniaß fand im sephardischen Tempel ein Festg'ttesdienst unter Assistenz aller sephardischen Rabbiner Rumäniens statt. Sephardische Jrrden haben sich bald nach der Vertreibung aus Spanien an verschiedenen Punkten des heutigen Rumänien, wie iir Bukarest, Craiova und anderen Orten in größerer Zahl angesiedelt. Zur formellen Gründung einer Gemeinde aber ist es in Bukarest, wie aus verschiedenen Dokumenten hervorgeht, erst im Jahre 1730 gekommen. Heute zählt die Bukarester sephardische Gemeinde rund 10.000 Seelen und erhält zahlreiche kulturelle und Wohlfahrtsinstitutionen. Sie besitzt zwei autonome Elementarschulen und eine Volksuniversität. Eine Bibliothek und ein -Museum sollen demnächst eröffnet werden. Die (Masaryk und das Judentum.) Soeben Ist (Marsverlagsgesellschaft in. b. H. Prag) das «ainmelwerk „Masaryk und das Judentum" erschienen, herausgegcben von Dr. Ernst Rychnovsky unter Mitwirkung von Pros. Dr. Oskar Donath und Prof. Dr. Friedrich Thieberger. Der vornehm ausgestattete mit 19 Illustrationen und zwei Schriftproben versehene Eroßguartband trägt als Motto den folgenden Ausspruch von T. G. Masaryk: Ich bin überzeugt, wer den Stifter zu seinem Führer in der Religion hat, kann kein Antisemit sein. Das ist mir \o klar, nicht, weil I. selbst ein Jude war, weil die Apostel Juden waren und weil das alte Christentum, speziell der Katholizismus, sehr viel Jüdisches an sich hat, nein; aber wenn ich Christ bin, kann ich nicht Antisemit sein. Eines oder das Andere. Christ oder Antisemit!" In seinem Vorwort weist der Herausgeber darauf hin, daß ^das Iudenproblem den Menschen, Lehrer Philo- Wochenkalender. om 9. - 16. Van. 1932 ' 10m 1. - 8. Schebat 6692 1 'NI' tp! Q’nos Samstag! 9 1 v' Pin P81 8181 Sonntag! 10 2 2 Montag Jan. 11 vav 3 83! Dienstag 12 4 aa Mittwoch 13 i5 33 Donnerstag 14 6 13 Freitag 15 7 N3 Samstag 16 8 13 8ä .■! n t