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Der Israelit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 1 Der Israelit 1. Januar 1932 seinem Berichte mit Ausnahme eines einzigen Punktes,, Indem wir-solche Anstalten schufen, haben wir Pionierder die nehmen Kosten der Kolonisation betrifft, nichts zurückzu-: Arbeit geleistet. Durch den Geist, den wir erweckt haben, Palästina könne in späterer Zeit bei vernünf- > sind die jüdischen Massen heute fähig, ihr Interesse wahrtigem Vorgehen eine weit größere Zahl von Menschen ernähren, aber man gefährdet dieses Zieh wbNN MUN nicht die berechtigten Ansprüche der Araber auf Land besitz berücksichtigt. Tagung des Jewifh Board of Deputier London, 21. Dez. Der Board of Deputies der englischen Juden hat in seiner am 20. Dezember abends abgehaltenen Sitzung die folgende Nesolution angenommen: Der Board verurteilt scharf die jüngst vorgekomme nen Angriffe von Studenten an polnischen Universitäten gegen ihre jüdischen Kollegen, vermerkt aber mit Genug tuung, daß diese Angriffe von der großen Mehrheit der Landesbevölkerung mißbilligt wurden und daß die Re gierung bestrebt war, sie zuunterdrücken. Der Board gibt ferner seiner Meinung dahin Aus druck, daß der angedrohte Boykott der Juden unserem bar sei mit den geschichtlichen und kulturellen Tradi tionen des polnischen Volkes; der Board vertraut darauf daß die polnische Regierung energisch gegen eine Be wegung einschreiten wird, die nicht allein die Sicherheit eines großen Bevölkerungsteils, sondern auch das Wohl des Gesamtstaates gefährdet. Leonard G. Montefiore, der die Resolution unter breitete, ging sodann zur Besprechung der Lage der Iu den in Mitteleuropa, besonders in Deutschland, über. Ich erinnere mich nicht, sagte er, eine ernstere Zeit als die jetzige erlebt zu haben. Wir in England haben die Auf gäbe, der zivilisierten öffentlichen Meinung ein eindring liches Bild der Lage zu geben. Wir müssen eine nüch terne und ungeschminkte Darstellung dessen, was Mitteleuropa geschieht, geben, müssen erklären, welch eine Bedrohung unserer Zivilisation eine Rückkehr zu mittelalterlicher Barbarei bedeuten würde. Es wurde sodann ein Bericht des Joint Foreign Com mittee verlesen, in welchem gegen die Fortführung des Vlutritualprozesses in der Tschechoslowakei Stellung genommen wird. Es wurde eine Resolution angenommen in der erklärt wird, daß die Fortführung und das in die Länge-Ziehen der Verhandlung im Zusammenhang mit dieser phantastischen Anklage einem zivilisierten Staate nicht gemäß ist. In dem Bericht wird auch auf die Not der Staatenlosen in der Tschechoslowakei hingewiesen aber hinzugefügt, die Tschechoslowakei bleibe ungeachtet dieser und anderer Zwischenfälle immer noch ein klassisches Land des Philosemitismus; das Joint Foreign Committee zweifelt nicht, daß ein Staat, dessen Oberhaupt ein so berühmter Vorkämpfer der äußeren und inneren Freiheit wie Professor Masaryk ist, die nötigen Schritte ergreifen wird, um Mißstände abzustellen. In der darauf folgenden Aussprache forderte B o ll o t t o n, daß das Committee nach der Richtung der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses tätig sein solle,da die Lage der Juden in Polen von Tag zu Tag gefahrvoller wird. Chefredakteur Morris, Myer schloß sich dieser Forderung an und regte an, daß man das Joint Foreign Committee nach dieser Richtung mit erweiterten Befugnissen ausstatte. :; " Die Gegenwarlsarbeit der 3ca. London, 22. Dez. Auf der Doppelfeier zum 100. Geburtstage von Baron Hirsch und 40jährigen Bestehen der Jca teilte der Präsident der Jca, Sir Leonard L. Cohen, nach einer Wrdigung der Jca und ihres Begründers über die Gegenwartsarbeiten der Organisation etwa folgendes mit: „In Argentinien werden die von uns geschaffenen Gemeinden, die von allen geachtet und reich an Traditionen sind, einen Markstein der Jca-Arbeit bilden. Noch ein Jahr werden wir diese Gemeinden, wenn auch eingeschränkt, unterstützen müssen, in der Zukunft werden sie unabhängig sein. In der gleichen Weise werden wir in Uruguay, in Brasilien und in Kanada Vorgehen. Eine ählniche Linie verfolgen wir auf dem Gebiete des Fachunterrichts. Wir haben qualifizierte jüdische Arbeiter herangebildet, Techniker, die ihre Kenntnisse der Heranwachsenden Generation vermitteln können. Jetzt haben die von uns geschaffenen Patronate solche Fortschritte gemacht, daß sie in einem gewissen Grade an die Stelle der Fachschulen treten können. Elementarschulen, Anstalten für moralischen und religiösen Unterricht, sind gewiß nützlich und notwendig. zunehmen und ihre Pflicht zu erfüllen. Die jüdischen Gemeinden werden die von uns in ihrer Mitte geschaf jenen Institutionen unterstützen. Als Ergebnis unseres Sparprogramms werden wir unser Werk auf anderem Gebiete fortsühren können - Die Jca, an die aus allen Teilen der Welt appelliert wird, kann sich nicht auf e i n Unternehmen beschränken Wie in Argentinien, so anderswo versuchen wir, Neu ankömmlingen zu helfen, sich auf noch freistehendem Bo den der Jca einzurichten, statt immer nur die gleichen Familien zu begünstigen., Wir müssen mit immer neu sich ergebenden Umständen rechnen. So waren wir in den letzten Jahren in der Lage," Tausende jüdische Fa milien auf Boden in Rußland anzusiedeln. Neuen Bo den erwarben wir in Polen, Beßarabien und in der Bukowina, auf diesem Boden entsteht jetzt eine jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung, die ihn erfolgreich bear beiten."; Ein sonderbarer Vergleich. London, 27. Dez. Die Gattin des bekanntlich von der britischen Regie rung wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum abbe rusenen Generalstaatsanwaltes von Palästina, Mr. Nor man B e n t w i ch, hielt vorige Woche in der jüdisch literarischen Gesellschaft einen vielbemerkten Vortrag über die Lage der Juden in'Sowjetrußland. Mrs. Bentwich hat sich einige Monate in Rußland aufgehalten und zog nun, was psychologisch ja einigermaßen begreiflich ist einen Vergleich zwischen der Lage der Juden in Ruß land und in — Palästina. Dieser Vergleich fiel nun merkwürdigerweise im wesentlichen zu Gunsten Sowjet rußlands aus. Die Rednerin erklärte, daß die Lage der Juden in Rußland politisch besser sei als irgendwo sonst in der Welt, die wirtschaftlichen Verhältnisse seien ärmlich, besserten sich aber jeden Tag, während man nicht bestreiten könne, daß geistig der Jude in Rußland in sehr chlechter Lage sei. In Palästina ist die Situation der Juden nach der Ansicht von Mrs. Bentwich geistig vor züglich, materiell furchtbar und politisch — ärmlich. Das Erstaunlichste an dem Vortrag ist aber die Art und Weise, in der die Vortragende über das Martyrium der Deklassierten in Rußland hinwegging Sie begeisterte sich dafür, daß gegenüber den 40.000 palästinensischen Juden in Sowjetrußland schon 250.000 in der Landwirtschaft untergebracht seien. Aber von den Deklassierten,. denen man, wie sie selber zugab, alle bürgerlichen Rechte geraubt hat und die gezwungen sind, märchenhafte Wucher preise für die primitivsten Lebensmittel zu bezahlen, bemerkt Mrs. Bentwich kaltblütig, es feien das ja „nur " 700.000 Juden, also nur ein Viertel oder ein Fünftel der Gesamtzahl! Die Verfolgung der praktischen Religionsausübung unter den Juden gehe von den jungen Juden und Jüdinnen selber aus. Aber selbst für/diese Entarteten hat Mrs. Betztwi.ch'Iln. tieöevplles' Mort, das sie gegen über..-den Deklassiertem nicht gefunden hat. Diese jungen Juden seien sogar „zärtlich" und „tolerant" gegen ihre Eltern, solange diese d ar a u f v e rzichten, as Iu d e n tu mw e i fe.r! z usil-ech.r § rr!,j. SHfp auch das Martyrium des-i'^ m Rußland! kennt Mrs. Bentwich, will es aber nicht kennen. Der ganze Vortrag, der sich tatsächlich nur aus dem Gefühle der begreiflichen Verärgerung erklären läßt, hat nicht verfehlt, auf die Oeffentlichkeit einen recht peinlichen Eindruck zu machen. - u Rumänien. Die Zweihundertjahrfeier der Bukarester fephardifchen Gemeinde. Bukarest, 23. Dez, Die am 20. Dezember im sephardischen Haupttempel abgehaltene Feier des 200jährigen Bestandes der sephardischen Gemeinde Bukarest nahm einen erhebenden Verlauf. An dem von Oberrabbiner Sabetay I. Djaen unter Assistenz aller sephardischen Rabbiner Rumäniens geleiteten Festg'ttesdienst nahmen etwa 2000 Personen teil. In Vertretung des Königs war Marschall Jlasiein Begleitung anderer Würdenträger erschienen. i c i Der Präsident der Gemeinde, Josif G. C o h e n, gab einen Ueberblick über die Geschichte der Sephardim in Rumänien, der Generalsekretär im Kultusministerium, Aurel Craciunescu, verlas eine Botschaft des Ministerpräsidenten Jorga, in der die Vaterlandsliebe und die kulturellen Leistungen der rumänischen Sephardim hervorgehoben werden, als Vertreter des griechisch-orthodoxen Patriarchen Miron Christea sprach Archimandrit Fklaret, der Bürgermeister der Stadt Bukarest, bezeichnete die Juden als wertvolle Mitbürger, auf die die Stadt mit Recht stolz sein könne. Weitere Ansprachen hielten der Vertreter des jüdischen Kultus im rumänischen Senat, der Aschkenasisch-Jüdischen Gemeinde und des sephardischen Gemeindebundes» An die Feier schloß sich ein Festempfang der Vertreter der staatlichen und kirchlichen Behörden. (ITA.) Türkei. Sabbat-Schulzwang in der Türkei aufgehoben. Konstantinopel, 23. Dez. Die vor einigen Tagen erschienene Regierungsverordnung, wonach die Minderheitenschulen 'und 'so auchdie jüdischen Schulen in der Türkei Nur am Freitag, dem' mohammedanischen Wochenfeiertag, frei haben, aber an Sabbattagen und Sonntagen normalen Unterricht haben müssen, hat besonders unter den Juden Bestürzung hervorgerufen. Nunmehr erklärt der Unterrichtsminister> daß er die Verordnung, die ohne sein Wissen ausgegeben wurde, a u f h e b t. (ITA.) Palästina. Dorr der Moslem-Konferenz. ’ Jerusalem, 22. Dez. Das Begrüßungsschreiben, das Agudas Jisroel am den Kongreß richtete und das dort zur Verlesung gelangte, hat zwar auf die politischen Hetzer naturgemäße keinen Eindruck gemacht, wohl aber auf die gemäßigten Elemente, die ohnedies von der Taktik des Mufti abgestoßen sind. Auch innerhalb des jüdischen Kreises war man weit über die Reihen der Agudas Jisroel hinausvon dem politischen Takt, der in dem Begrüßungsschreiben zum Ausdruck kommt, sehr befriedigt, und der" „Haarez" gibt dieser Befriedigung einen bei ihm sonst: ziemlich ungewohnten sympathischen Ausdruck. Der überwiegende Teil der Bevölkerung Jerusalems ist jüdisch. I e r u s a l e m, 26. Dez. Die offiziellen Ziffern der letzten palästinensischem Volkszählung betreffend Jerusalem sind noch nicht bekanntgegeben worden. . Aus zuverlässiger Quelle wirdder ITA. über das Ergebnis der Volkszählung in Jerusalem folgendes mitgeteilt: Die Gesamtbevölkerung der"; Stadt Jerusalem macht 90.526 Seelen aus, davon sind 51.300 Juden, 19.850 Moslems und rund 19.000 Christen. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung gegenüber der". Volkszählung im Jahre 1922 betrifft rund 17.500 Seelen, der Zuwachs der Moslem-Bevölkerung seit 1922 beträgt 6500, der der christlichen Bevölkerung etwas weniger: als 4500 Seelen. Die christliche Bevölkerung, diej 1922 mit 14.699' Seelen an''zweiter Stelle rangierte (Moslems gab es damals 13:413), ist jetzt an die dritte " Stelle gerückt. Die jüdische Bevölkerung'Jerusalems ist ', um 12.450 Seelen größer' als Moslems und Christen . zusammen genommen. Im Jahre 1922 betrug die ab-" olute Majorität der Juden nur 5859 Seelen. Die Geamtziffer der jüdischen Bevölkerung Jerusalems schließt nicht einige Stadtviertel ein, die der Jerusalemer Stadt-' gemeinde nicht unterstehen. Unter Einschluß der Bevölkerung dieser neuen Stadtviertel erhöht, sich die-Zaht der Jerusalemer Juden auf rund 60.000. Obgleich die Juden in Jerusalem die;: überwiegende' Mehrheit der Bevölkerung bilden, hoben sie bis jetzt darn auf verzichtet, einen Bürgermeister aus ihrer Mitte zw: wählen; der jetzige Bürgermeister von Jerusalem ist der" Moslem Ragheb Bey Nashashibi. Nashashibi: war nach den Palästina-Unruhen im Herbst 1929 mit einer palästinensischen Araberdelegation nach London gekommen, um dort die arabische Version über die Unruhen gegenüber der der Juden zu vertreten. Der Bürgermeister der jüdischen Stadt Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, besuchte den neuen Oberkommissar von Jerusalem, General Sir Arthur Grenfell Wauchope unkmerhob ihm gegenüber Beschwerd gegen den Beschluß der'- obersten Polizeibehörde Palästinas, die bis jetzt auto-' ome Polizei von Tel-Awiw mit der allgemeinen palästinensischen Polizei zu verschmelzen. Dizengoff

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