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Der Israelit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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li Januar 1932 Nr. 1 Seite 9 führte ins Treffen, daß die Abschaffung der jüdischen Polizeimacht von Tel-Awiw, der einzigen in der Welt, deren Kommandosprache hebräisch ist, von der Judenheit als ein Schlag gegen die jüdische Entwicklung in Palästina empfunden werden würde. Frankreich. Ausländische Juden im Konsistorium. Paris, 23. Dez. Die soeben in Paris stattgefundene Jahresversammlung des Confiftoire Juif (Konsistorium der jüdischen Gerneinden Frankreichs) verlief sehr stürmisch. Zum ersten Male in der Geschichte des Konsistoriums standen ausländische Juden zur Wahl als Mitglieder dieser Körperschaft. Eine Anzahl Redner wandte sich gegen die Wahl von Ausländern in die oberste jüdische Behörde Frankreichs, die ihrer Meinung nach einer „Fremden-Jnvasion" gleichkäme. Ein Mitglied des Konsistoriums unterstrich,seinen Protest sogar durch Bekanntgabe seines Rücktritts. Diese. Gruppe blieb aber in der Minderheit, u^er Präsident des Konsistoriums erklärte, die Frage der Nationalität stehe nicht zur Debatte, bei der Wahl käme es einzig und allein auf die Religionszugehörigkeit an. Schließlich wurden vier ausländische Juden, unter ihnen Baron Alfred Ginsbourg und Jizchak Naid i t s ch , zu Mitgliedern des Konsistoriums -gewählt. Italien. :;U , . -'' ' Das neue jüdische Gemelndegeseh. Rom, 25. Dez. Anläßlich des Inkrafttretens des Gesetzes über die territoriale Einteilung der jüdischen Gemeinden Italiens (gemäß diesem Gesetz wird Italien in bestimmte Territorien eingeteilt, von denen jedes eine autonome jüdische Gemeinde erhält) erläßt der Regierungskommissar des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, Adv. Felice Ravenna, einen Aufruf an die italienische Judenheit, in welchem er an die historischen und kulturel- .len Traditionen der verschiedenen Kleingemeinden erinnert, die auf Grund des neuen Gesetzes zu existieren aufhören. In dem Aufruf heißt es u. a.: Wenn auch diese Kleingemeinden nicht mehr ihren einstigen kulturellen Glanz haben, so sind sie doch auch jetzt noch etwas Lebendiges, ein sicherer Hafen für jüdische Geistigkeit. Und wenn nun diese Gemeinden als autonome Körperschaften zu existieren aufgehört haben, so heißt das nicht, daß sie ganz und gar in die Gemeinden der größeren Städte aufgehen sollen, sondern sie werden auch weiterhin eine gewisse lokale Eigenart bewahren. Felice Ravenna weist in seinem Aufruf darauf hin, daß gemäß dem Territorialgesetz auch die orthodoxe jüdische Gemeinde von Fiume ihre bisherige Autonomie verloren hat (leider! Red.) und sich dem Verband der jüdischen Gemeinden Italiens anschließen müsse. In P a l e r m o, wo ungefähr 1000 Juden leben, .wird eine neue jüdische. Gemeinde geschaffen. Der Gemeindebundbegrüßt die. neue Gemeinde der Stadt, aus der die Juden einst: vertrieben wurden- Jede Gemeinde^..ja jeder Jude, könne auf die Unterstützung des Gemeindebund.es, der sich die Renaissance des italienischen Judentums zur Aufgabe gemacht hat, rechnen. Das italienische. Judentum, schließt der Aufrufwird das neue Gemeindegesetz in einer Weise anwenden, daß es zum Glück für das jüdische Volk und für Italien werde. - Spanien. Die neue spanische Verfassung und die Juden. Madrid, 21. Dez. In der Jüdischen Gemeinde zu Madrid herrscht Genugtuung über die Annahme der Verfassung der spanischen Republik durch die Nationalversammlung, da diese Verfassung religiöse Freiheit für alle garantiert. Es herrscht jedoch Enttäuschung über die Bestimmung in der Verfassung, die es. dem Staate verbietet, den Konfessionen finanzielle Unterstützung zu gewähren. Die junge jüdische Gemeinde, die finanziell sehr zu kämpfen hat, wird nun die ihr bisher geleistete Subfidie zur Erhaltung der vor kurzem erbauten Synagoge nicht mehr bekommen. Die in der Verfassung enthaltenen Bestimmungen, daß die Friedhöfe in Zukunft der zivilen Jurisdiktion unterworfen sind, und daß keiner Religion gestattet ist, gesonderte Friedhöfe zu unterhalten, wird zur Folge haben, daß der noch unter der Negierung des Königs Alfonfo mit großen Kosten angelegte jüdische Friedhof wird aufgelassen werden müssen. (ITA.) .Der Israelit Familiennachrichlen. Geburten: Ein Sohn. (Marlin) 24. 12. 31. Berlin- Neinickendorf, Bernerstr. 44. Lippmann Tännchen u. Frau, Rosel geb. Elias. Geburtstag: Sal. Schulmann, Mönchsroth, 87 I. Barmizwoh: Sally, Sohn des Herrn I. Ossowsii und F-au. Berlin, Schreinerstr. 23.. 9. 1. 32. Synagoge Rigaerstr. 3. a"xm rrnrri ncia enp niv- Verlobte: Hanna Goldschmidt, Hamburg, Grindelallee 162. mit Josef Dodeles, Leipzig. G e st o r b e n :'Frau Abraham Zimmer geh. Marx, Hanauer Landstraße 44. Briefkasten. H. in Strasöourg, ffs. 25 für Abonnement eingegangen. ■ ' . Vermischtes. Berlin, 30. Dezember. Aus Anlaß der Sonderkonferenz der deutschen Landesorganisation, die sich mit Zcitproblemen der ostjüdischen Jugend beschäftigt, findet am Montag, den 4. Januar 1932 — 25. Tewes 5692, eine öff ent liche Versammlung in der Aula' des Realgymnasium der Adaß - Jisroel - Schule, Siegmundshof 11, abends 8.30 Uhr, statt. lieber das Thema: „Aufgaben der Agudas- Jisroel in heutiger Zeit" werden sprechen: die Herren Jacob Nosenheim, Frankfurt a. M., Dr. Leo Deutschländer, Wien und Wolf S. Jacobson, Hamburg. Vurgpreppach, 15. Dezember. Am Sonntag, den 6. Dezemb er abends 7.30 Uhr, fand hi:r eine C h a n u k a h - F e i e r der Jsraeti.i.'chen Handels- und Bürgerschule Talmud - Tora statt. Die ganze hiesige Gemeinde sowie viele Mitglieder der Nachbargemeinden Hofhcim, Ermershausen, Königshofen und Haßfurt nahmen an der Feier teil, die einen sehr schönen Verlauf nahm. Nach einem von dem derzeitigen Lehrer der Handelsschule verfaßten Prolog folgte dir Begrüßungsansprache des Bezirksrabbiners Dr. Ephraim, der den Gästen für ihr Erscheinen und besonders den Damen und Herren den Dank aussprach, die sich in aufopfernder Weise an den Vorbereitungen für den Abend beteiligt hatten. Nach einem Turner-Aufma sch der Talmud-Tora-JugeNd ging die Ausführung der Ehanukah-Spiele „Chanukah-Männchen", „Der kleine Held" sowie des Schwabschen Dramas „Der Sabbathzauber" über die Bühne. Zwischendurch erfreute die Rezitation lustiger Gedichte und der Vortrag von Couplets unter jeweilig passender Veränderung der Bühne die Zuschauer. Auch der Talmud-Vortrag eines Schülers über Chanukah paßte sich harmonisch dem Rahmen des Programmes an, das nicht weniger als 14 Punkte aufwies. Die Kulissen waren von einem Schüler der Talmud-Tora nach eigenen Ideen angefertigt worden, und die Aufführenden setzten sich fast sämtlich aus Schülern der hiesigen Talmud Tora und Jüdischen Volksschule zusammen. In der Pause war für körperliche Erfrischung in jeder Weise Sorge getragen, und legten hierbei sämtliche Damen der hiesigen jüdischen Gemeinde Zeugnis ihrer selbstlosen Gebefreudigkcit für unsere gute Sache ab. Alle Anwesenden waren voll des Lobes über die hervorragenden Darbietungen der Schüler und die eindrucksvolle Mimik derselben und konnten die in schweren Rollen vielfach gezeigte Intelligenz der Schüler nicht genug bewundern. Man streunte sich spät abends hochbefnedigt und' mit Dank auf den Lippen für die Regieleiter und Festordner . Herrn und' Frau Rabbiner. Dr. Ephraim, Herrn Lehrer Rosenfrlder, Herrn Lehrer Seih,s Frau Lina und Fräulein- Mirjam Adler 'und Frau Meta Berney. - f. -u Aus vielseitigen Wunsch wurde.die Feier iam Samstag,' den 12. 'Dezember, abends wiederholt, wobei die hiesige nichtjüdische Oeffentlichkeit' sowie "die jüdische Gemeinde^ Kleinsteinach .gut vertreten war. ' Die Anwesenden ließen es sich nicht nehmen, die Talmud Tora durch reiche Spenden zu erfreuen. Neben dem materiellen ist der ideelle propagandistische Erfolg der Veranstaltung nicht hoch genug einzuschätzen. Baden bei Wien, 12. Dez. Mittwoch, den 29. Kislew, fand im großen Lehrsaale des Jüdischen Waisenhauses eine C h a n u k a f e i e r statt, zu welcher der ganze Vorstand des Waisenhauses, an deren Spihe der Präsident Herr Isaak I. Thumim, aus Wien herbeigeeilt. war. Nach einem Chanukaiichtzünden durch einen Waisenknaben, begrüßte Herr. Direktor Philipp Friedmann die Gäste, ein Zögling des Waisenhauses hielt dann einen halbstündigen Charifusoortrag, worauf Herr Oberrabbiner Dr. Car leb ach das Wort ergriff, um in einer schönen Festrede die Bedeutung des Chanuka und die große Leistung des Waisenhauses, klar zu legen, Herr Anton Stern, Präsiöent der Israelitischen Kultusgemeinde Baden, hielt eine herzinnige Ansprache an die Waisenkinder, Herr Prästeent Isaak I. Thumim spornte die Festversammlung an, in dieser großen Not mitzuhelfen, das schöne Kinderheim zu erhalten, Herr Dr. L. Deutschländer erstellte die Gäste mit einem kurzen, aber sehr geistreichen Vortrag. Herr Karl Beer, Wien, beschenkte die Waisenkinder mit neuen Schuhen. Zum Schluß sangen die Kinder unter Leitung des jugenvlichen Oberkantor Abraham Reich das „Adon Olam", worauf sie ein ausgiebiges Festessen bekamen. Personalien. Albrrt Wolff Hamburg, 29. Dez. Plötzlich und unerwartet wurde Albert Wolfs am 12. Tewrth in seinem 75. Lebensjahr seiner Familie und einer großen, innig um ihn trauernden Gemeinschaft entrissen. Ein echter, wurzelfester Jehudi, ein Wohltäter ganz großen Formals, ein pan -vp» von großer Treue und Hingebung, ein bis vor wenigen Jahren dem Dienst der jüdischen Oeffentlichkeit rastlos hingegebener Mann ist mit ihm von uns gegangen. Inhaber des großen, angesehenen Banthauses Louis Wolff, betrachtete sich Albert Wolff allezeit nur als Verwalter, niemals als Eigentümer seines Vermögens; als ein Mann großen Einflußes und Ansehens, als Mitglied zahlloser Verwaltungen, als Vorstandsmitglied vieler Vereine und Organisationen nutzte er seine vielfachen Beziehungen niemals im eigenen Interesse, immer nur für die Gesamtheit aus. Jahrzehnte gehörte er dem Vorstand des Deutsch- Israeli ischen Synagogenverbandes an, ihm diente er mit dem ganzen Einsatz seiner Kräfte; zum großen Teil seiner Jnitiailve ist die Errichtung unserer herrlichen Bornplatzsynagoge zu danken. Er war aber nickst nur gebefreudig und hilfsbereit, wenn es sich um große Anliegenheiten und Bedürfnisse der Allgemeinheit handelte, er war ein non bvn in des Wortes vollendetstem Sinn, sein Herz war bei allem beteiligt, was seine Hand spendete. Ein kleiner Zug, der aber für seine Art charakteristisch ist, sei hier verzeichnet, nachdem man erst nach seinem Tode davon erfahren: Der Oberküster unserer Synagoge hatte von ihm ein für alle Mal den Auftrag, alle unversorgten Armen über . Schabbos im jüdischen Restaurant für seine Rechnung unterzubringen, ganz gleich wie groß ihre Zahl auch war. Der großen und tiefen Trauer, die alle, welche Albert Wolff gekannt, bei der Nachricht von seinem Hinscheiden ergriffen hatte, gab unser Naw 'P, den innigste Freundschaft mit dem Dahingeschiedenen eng verknüpfte, in seinem Hesped erschütternden Ausdruck. Ihr lieh Hermann Gumpertz, der jahrzehntelang mit dem Verstorbenen den Deu sch-Jsrae'.i i chen Synagogenverband zusammen geführt. warme Worte; sie bezeugt der Nachruf Wolf Jacobsohns, der von Albert Wolff als dem v'vLnv'N seltener Prägung sprach. Möge E'tt seine. Frau, edlem Frankfurter Geschlecht entstammend, und -seine 'Kinder trösten; möge die Erinnerung an Albert Wolff ihnen und uns allen Wegweiser auf dem Weg von vovvi npux sein, den er, ein echter Abraham, uns vorangegangen in vorbildlicher Art. Sprechsaal. Notfchrci einer Schule. Ein Notschrei stiller Verzweiflung ging durch die letzte Nr. dieser Zeitung. Die Talmud Tora Köln schließt ihre Pforten. Mancher Leser wird die Notiz gelesen haben. und hat bei sich gedacht: Wieder ein Opfer der schrecklichen Krise. Und doch lohnt es sich, und doch ist es notwendig, der Sache ein Wort zu widmen; ein Wort der Kriiik und ein Wort der Betrachtung. Ein Wort der Kritik: Viel zu spät erscheint dir Notiz in der Zeitung, viel zu spät erfährt die intere'sierte und mitverantwortliche jüdische Welt von dieser Taisache. Düse Kritik möge für die Zukunft allen ähnlichen Institutionen eine-Warnung sein, nicht in hilflosen Beratungen Heil zu suchen, sondern rechtzeitig sich an die Oeffentlichkeit zu wenden. Die jüdische Welt, muß wissen,'daß die Beitragsleistung für Anstalten wie .dip Kölner Talmud Tora Pflicht ist, und daß sie unter dir Bedingung fällt, dir,.die Gemoroh aufzählt als Maß, das am Raufch-Haschono bestimmt wird. Gibst Du viel, erhälst Du viel, gibst 'Du. wenig, ist es ,Dein — auch Dein materieller- — Schaden. Es wird viel gelernt und zu wenig getan. Auch an der Talmud Tora Köln. Seit Jahren ist es alte Tradition: man schickt sein Kind zur Talmud Tora, aber man kümmert sich nicht darum, woher die Anstalt das Geld nimmt zur Besoldung der Lehrkräfte; man vergißt, daß keine Tora wo kein Mehl. Seit Jahrzehnten bedeutet die Talmud Tora für Westdeutschland, was die Frankfurter Jeschiwa, die Hi.sch'sche Realschule für den Süden, was das Rabbiner-Seminar und die Adaßschulen für den Norden: den Pnlsschlag jüdischen Lebens, die Heranziehung von Generationen auf den Knien der Tora, und alle diese Anstalten kennen nur die, die gerade ihre Kinder auf dieselben entsenden, — und nicht einmal die; die Talmud Tora stand — wie stets das jüdische Volk — auf 28lindern. ist ein beliebter Ausspruch ihres Leiters; das Wunder muß in 12. Stünde geschehen: 2liie Eltern haben die Pflicht, das Judentum in Köln zu retten, in Würzburg. in Frankfurt, in Berlin, alle jüdischen Ellern, in der Staot und aus dein Lande. Schließt Eure Herzen aus, und Euern — ich weiß, geschundenen — Geldbeutel; schaut nach Rußland, wir dürfen G. s. D. noch lernen, wer weiß, wie lange noch; aber so lange gebt, gebt, gebt, es ist der einzige bleibende Wert und der Maßstab dafür, ob wir würdig sind, von G'tt erlöst zu werden, auch aus der wirtschaftlichen Not. Möge eine schwache Zeit ein starkes Geschlecht finden! Die Talmud Tora Köln darf nicht untergehen, der Satz muß sich bewahrheiten: Schön ist 2lrmut für Israel. Für Israel, d. i. für Streiter für G'tt. Dr. I.

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