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Der Israelit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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1. Januar 1932 Der Israelit Nr. 1 Seite 7 Gu sten der Jeschiwoth einige Sätze wörtlich mitzuteilen, die ehrenvolles Zeugnis für die edle jüdische Gesinnung des großen Gelehrten ablegen. Sie sind in einem Briefe enthalten, den Haffkin am 18. März 1929 an den Vorsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden gerichtet hat und lauten: „Die Banque Cantonale Vaudoise in Lausanne ist beauftragt, Ihnen eine Liste von Wertpapieren mit Zinserträgnissen zu übermitteln, die ich bei dieser Bank deponiert, und einen Brief, den ich unter heutigem Datum an sie geschrieben habe . . . Das Erträgnis des Kapitals soll jüdisches traditionelles Studium fördern, und falls der Hilfsverein mit meinen Intentionen sympathisiert und eine Mitwirkung zu deren Ausführung akzeptiert, sollen die Einkünfte' zur Verfügung des Hilfsvereins der Deutschen Juden, gesetzlich vertreten durch seinen jeweiligen Präsidenten, gestellt werden. Das Uebereinkommen hängt Davon ab, daß der Hilfsverein einwilligt, die Einkünfte zu verwenden oder ihre Verwendung, zu kontrollieren für Gewährung von Subsidien an Jeschiwoth oder kombinierte Talmud-Thoras und Jeschiwoth in Polen, Galizien, Litauen, Rumänien, Ungarn oder anderen Ländern Osteuropas ... Ich halte es für wichtig, daß die Bewilligung von Subsidien nicht als Mittel dienen soll, den Jeschiwoth irgend eine Aenderung in ihren Programmen und Lehrmethoden aufzuzwingen. So z. B. bin ich persönlich der Ansicht, daß Unterricht in Naturwissenschaften — Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Kosmographie — wo er gegeben wird, eine nützliche Ergänzung der hauptsächlichen Jeschiwah-Programme bildet, damit die Studenten nicht, wie es manchmal der Fall ist, nachdem sie die Schule verlassen, von dem Glanze dieser Wissenschaften betört und dazu verführt werden, die ungeheure Wichtigkeit der in den Jeschiwoth erworbenen Kenntnisse zu unterschätzen. Des weiteren kann man die Meinung hegen, daß die Schüler der Jeschiwoth in einem Handwerk unterrichtet werden sollten, wie es unsere alten Weisen waren, und daß sie z. B. unterrichtet werden könnten in Uhrmacherei. Silber- und Goldschmiedearbeit oder anderen Gewerbezweigen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dadurch würde erreicht werden können, daß diejenigen Studenten, die später keine Möglichkeit finden, ihr Leben zu fristen, nicht der Not und dem Elend verfallen. Wie berechtigt solche Meinung jedoch erscheinen mag, so weiß ich, daß die Leiter einiger Jeschiwoth Pläne dieser Art mißbilligen, und ich bin gegen jeden Versuch, sie dazu 3 u veranlassen, wegen m a - terieller Erwägungen na ch z u g e b e n. Andererseits kann Rat in solchen Dingen, wie Hauseinrichtung, Hygiene und allgemeine Reinlichkeit, Kleidung, Nahrung usw. gegeben und Hilfe in Verbindung damit erwiesen werden, und wo solcher Rat und solche Hilfe akzeptiert werden, kann Kontrolle über die Verwendung der Subventionen, die für solche Zwecke bewilligt sind, ausgeübt werden. . . . Der entscheidende Faktor für die Erhaltung jüdischer Gemeinden ist zu allen Zeiten gewesen, wie er es ganz besonders gegenwärtig ist, daß in ihnen geistige Führer vorhanden sind, die wegen ihres Wissens Ansehen genießen. Die Schulen, die allein die Führer und Lehrer und Rabbiner heranbilden, die Gehör bei den Millionen inmitten zerrütteter Verhältnisse in Osteuropa lebenden Juden finden, sind diese traditionellen Erzieh.ungszentren, die bereits seit Generationen das intellektuelle und moralische Leben unseres Volkes aufrechterhalten. Die großen Schwierigkeiten und Entbehrungen, unter denen diese Schulen ihre Arbeit fortführen, sind für jeden Besucher sichtbar. Daher die Bestimmungen, die ich hier treffe. Ich kann nur wünschen, daß diese durch andere Glaubensgenossen ergänzt und vervollkommnet werden. Ich unterzeichne als Ihr und des Hilfsvereins aufrichtiger Freund (gezeichnet) W. M. Haffkine." Es ist charakteristisch, mit welcher Feinfühligkeit Haffkin alles vermeidet, auf dem Wege geldlicher Vorteile die Gewissensfreiheit der Jeschiwoh-Leiter zu beeinträchtigen. Belgien. Jüdische Leichen werden nach Holland überführt. ... An t w e r p e n, 27. Dez. Im Hinblick darauf, daß die Stadtverwaltung von Autwerpen beschlossen hat, den Friedhof Antwerpen-Kiel, der auch eine jüdische Abteilung enthält, aufzulassen, hat sich aus Vertretern der jüdischen Gemeinde, des Rabbinats und der Chewra Kadischah von Antwerpen ein Komitee gebildet, dessen Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, daß die Gebeine der auf dem Antwerpener Friedhof bestatteten jüdischen Toten nach dem jüdischen Friedhof in Putte (Holland) überführt werden, da die belgische Regierung die Anlegung spezieller jüdischer Friedhöfe nicht erlaubt. Das Komitee wendet sich mit einem Aufruf an alle Juden in Belgien und im Auslande, deren Verwandte auf dem Antwerpener Friedhofe ruhen, mit dem Ersuchen, sich mit dem Komitee wegen der -.eberführung der Toten in Verbindung zu setzen. Polen. Wie die Wilnaer Gerichte den Pogrom ahnden. — Bisher nur Juden verurteilt. Wilna, 27. Dez. Die ersten Prozesse in Wilna im Zusammenhang mit den schweren antisemitischen Unruhen am 10. November endeten, wie schon mitgeteilt, mit der Verurteilung von Juden, denen man nachsagte, sie hätten am Tage des Pogroms Vergeltungsmaßnahmen gegen Huligans angekündigt, während ein Huligan, dem man nachgewiesen hat, daß er die Fensterscheiben in einem jüdischen Laden eingeschlagen hatte, freigesprochen wurde. Am vergangenen Freitag verhandelte das Wilnaer Kreisgericht gegen den 17jährigen Juden Israel Dworkin, der beschuldigt war, am erwähnten Pogromtage einen Soldaten und eine christliche Frau geschlagen zu haben. Obwohl der Angeklagte die Tat leugnete und sich bisher weder der Soldat noch die Frau als Beschädigte gemeldet hatten, verurteilte das Gericht Dworkin auf Grund vager Zeugenaussagen zu sechs Monaten Gefängnis. Das Urteil hat in der Wilnaer jüdischen Oeffentlichkeit Bestürzung hervorgerufen. Das Gericht sprach den jüdischen Studenten Taubenhaus, der beschuldigt war, während der antisemitischen Studentenexzesse in Wilna die Scheiben in einem.christlichen Laden eingeschlagen zu haben, wegen Mangels an Beweisen frei. Der akademische Senat der Wilnaer Universität hat alle akademischen Organisationen, die die in den Straßen, den Theatern und Kinos verbreiteten antisemitischen Hetz- und Boykottaufrufe unterzeichnet haben, in ihrer Tätigkeit bis auf weiteres 'suspendiert. Die antisemitischen Exzesse vor dem Warschauer Stadkrak. Warschau,. 21. Dez. Nachdem die nationaldemokratischen Stadträte eine Behandlung der antisemitischen Exzesse in Warschau vor dem Stadtrat lange Zeit zu verhindern gewußt haben, konnten in der letzten Sitzung die diesbezüglichen Interpellationen jüdischer Stadträte zur Behandlung gelangen. Der Zionist Dr. M. H i n d e s verurteilte in schärfsten Ausdrücken die hetzerische Tätigkeit der Nationaldemokraten, die den Juden das Recht auf Arbeit und auf Bildung nehmen wollen, und unterbreitete eine entsprechende Resolution. Der Sozialdemokrat Artis z e w s k i unterbreitete eine Resolution seiner Partei und des „Bund". Lew unterbreitete eine Resolution der Poale Zion. Der Nationaldemokrat Prof. Staniszk i s hielt eine antisemitische Hetzrede und forderte, daß über die Resolutionen zur Tagesordnung übergegangen werde. Ihm traten die Stadträte Ehrlich (Bund), Szypiansky (Regierungspartei) und Trockenh e i m (Aguda) entgegen. Der Vorsitzende erklärte, er nehme die Resolutionen der einzelnen Klubs zur Kenntnis, stelle sie aber nicht zur Abstimmung. Die Stadträte der sinken protestierten gegen das nach ihrer Meinung rechtswidrige Vorgehen des Vorsitzenden. Es kam zu einem Tumult, in den nationaldemokratische Galeriebesucher, die „Es lebe Polen, Tod den Juden!" riefen, eingriffen. Polizei räumte die Galerie. Der antisemitische Terror in Posen, Pomerellen und Oberschlesien. Posen, 27. Dez. Der von nationalistischen Polen in den Woiwodschaften Posen, Pomerellen und Oberschlesien organisierte antisemitische Boykott-Terror wird insbesondere von den jüdischen Klein- und Wanderhändlern als unerträglich empfunden. Vor einigen Wochen überfielen organisierte Huligans jüdische Händler auf dem Jahrmarkt in G r 0 d z i s k - P 0 z n a n s k i, wobei 162 jüdische Markthändler Schaden an Gesundheit und Eigentum erlitten haben, einigen von ihnen fügten die Huligans schwere Verletzungen zu. In N 0 w 0 - M j a st a (Pomerellen) hetzt die lokale polnische Presse in unerhörter Weise zum Boykott gegen die Juden. In Obe rs ch l e s i e n sind die jüdischen Klein- und Wanderhändler grausamen Verfolgungen, zum Teil auch durch die Behörde selbst, ausgesetzt. Der Magistrat von N 0 m 0 - W e s z verbot speziell jüdischen Kleinhändlern den Besuch der Märkte. Jeder jüdische Händler muß sich einen christlichen Kompagnon nehmen, dem er für den Markttag 15 Zloty zahlt. In: Städtchen Szwentochlow i c e darf ein jüdischer Händler den Markt überhaupt nicht betreten. Auch darf ein Jude keinen Laden im Orte eröffnen. Zum Teil stützen sich die Behörden in den erwähnten und den anderen Städten bei der Anwendung von Schikanen gegen die jüdischen Kleinhändler auf frühere deutsche Gesetze und Verordnungen, wobei diese in einer Weise ausgelegt werden, daß nichtjüdischen Kleinhändlern Gelegenheit gegeben wird, durch die Maschen der Gesetze zu schlüpfen, jüdische Händler aber an ihnen hängen bleiben. So wurde es erreicht, daß allein in Oberschlesien Hunderte jüdische Kleinhändlerfamilien an den Bettel st ab gebracht wurden. All dieses und anderes Material wurde zu einem Memorandum zusammengefaßt und durch eine Abordnung dem politischen Departeinent des Innenministeriums überreicht. In dem Memorandum wiroCgefordert: 1. strenge Bestrafung der Schuldigen an dem Ueberfall in Grodzisk-Poznanski; 2. Erlaß von Instruktionen an die Polizeiämter, daß den jüdischen Kleinhändlern Schutz gewährt wird; 3. Befreiung der jüdischen Bevölkerung vom Boykott-Terror; 4. Verwarnung der zu Boykott und Ueberfällen hetzenden Zeitungen und Bestrafung der schuldigen Redakteure; 5. Die Stadtverwaltungen sollen angewisen werden, bei Bewilligung von Marktlizenzen keinen Unterschied nach Religion und Abstammung zu machen. Nach längeren Verhandlungen erklärte der Direktor des politischen Departements: 1. Das Innenministerium wird mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Huligan-Ueberfälle und den Terror gegen die jüdische Bevölkerung unterdrücken. Ueber die bisherigen Terror- Akte wurde eine Untersuchung eingeleitet. 2. Die Fälle von Judenverfolgungen in Oberschlesien werden untersucht; es muß aber in Betracht gezogen werden, daß die oberschlesische Wojwodschaft eine Autonomie besitzt. Das Innenministerium wird sich mit der Wojwodschaft in Verbindung setzen und zu der Frage der Judenverfolgungen Stellung nehmen. England. Rabbi Abramski Oberrabbiner der Londoner Wachfike Hadafz. Synagoge. London, 22. Dez. Rabbi Jecheskiel Abramski aus Sluzk, der vor mehr als einem Jahre mit anderen Rabbinern Weißrußlands unter der Beschuldigung, ausländische Verbindungen zu unterhalten, von der politischen Somjetpolizei verhaftet, zum Tode verurteilt, dann begnadigt und nach Sibirien verbannt worden war (die Affäre hatte seinerzeit in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen erregt), konnte vor einiger Zeit Rußland verlassen. Er kam nach London und wurde hier zum Oberabbiner der großen Synagoge der M a ch s i k e 5) a d a ß in London-Spitalfields gewählt. In diesen Tagen fand die feierliche Einführung von Rabbi Abrmnski in fein neues Amt statt. An der Londoner Machsike Hadaß-Synagoge hat einst der jetzige aschkenasische Oberrabbiner von Palästina, Rabbi Kuk, gewirkt. Sir John Hope Simpson nnd das Paßfield- Weißbuch. London, 27. Dez. Der in Shanghai ercheinende „Jsrael's Messenger" veröffentlicht ein Interview seines Herausgebers mit dem zur Zeit in China weilenden bekannten Perfasser des Simpson-Berichtes. Simpson stellte sich in warmen Worten auf den Boden der Balfour-Erklärung, führte aber aus, daß man sich von vornherein nicht ganz im klaren gewesen sei über die landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse im heiligen Lande und über die Wirkungen einer neuen Bodenpolitik auf die arabische Bevölkerung. Er habe von

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