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Der Israelit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 1 Der Israelit 1. Januar 1932 SCHLESICKy-SlfflLEIll KAISERSTRASSE 27 steht kein Zweifel, daß die Gerichte die ganze Wahl als ungültig erklären würde n. Andererseits muß man aber bedenken, daß durch eine Wiederholung der Wahl jene Kämpfe, die in dem Expansionsdrang des Wohlfahrtsverbandes ihre tiefere Ursache haben, dadurch nicht unterbunden werden. Sie absorbieren unnötig erhebliche Kräfte, die in heutiger Zeit bestimmt bessere Anwendung finden können. Kommen aber die hinter dem Wohlfahrtsverband stehenden Kreise jetzt zur unumschränkten Herrschaft, so gehört nicht allzuviel Voraussicht dazu, um zu erkennen, daß sie es dahin treiben werden, daß sich innerhalb der Orthodoxie in Hamburg sebr bald eine reinliche Scheidung vollziehen würde. Vielleicht würde man also gerade der Sache der Orthodoxie schaden, wenn man diese wenig erfreulichen Kämpfe innerhalb des Verbandes fortsetzt. 3. Alles in allem hat die Gemeindepartei sicherlich keinen Anlaß, einen Sieg zu feiern, nachdem sie ihr zahlenmäßiges Uebergewicht ausschließlich durch verbandsfremdes reines Stimmmaterial erreicht hat. Noch nicht einmal rein praktisch gesehen vermag sie von einem Erfolg zu reden, denn vor ihrem Haupte schwebt jahrelang das Damoklesschwert der Wahlanfechtung. Der Bestand ihrer Macht ist für längere Zeit in die Hände der von ihr so sehr gehaßten Orthodoxie gelegt. Nur solange diese ihre Herrschaft dulden will, bleibt sie bestehen. Die Orthodoxie hat es nicht nur in der Hand, der Gemeindepartei die Herrschaft im D. K. zu entreißen, sondern als selbstverständliche Konsequenz einer endgültigen Wahl würde sich auch die automatische Nichtigkeit aller Beschlüsse des neuen Delegierten-Kollegiums ergeben. Zu welcher Taktik man sich schließlich bekennen wird, steht im Moment noch dahin. Möge die Entscheidung so ausfallen, daß sie dazu geeignet ist, beizutragen zur Vergrößerung der Ehre G'ttes und seiner Tauroh. Die Paläsiinareise. Frankfurt a. M., 29. Dez. In der Wochenrundschau wurde von kurzem der Vorschlag gemacht, innerhalb der einzelnen Gruppen Sammlungen bei den Mitgliedern für eine oder mehrere Beteiligungen an der Palästinareise der P. Z. zu veranstalten, welche dann v e r l o st werden. Der glückliche Gewinner vertritt die Gruppe bei der Gesellschaftsreise und kann später in seinem Kreise als Sachverständiger, der die Dinge aus eigener Anschauung kennt, bei der Arbeit für Erez Jisroel wirken. Wir freuen uns, daß dieser Vorschlag fruchtbaren Boden gefunden hat. 12^ mV-m nV’sn „Kommet, wir wollen Lose werfen." Unter dieser Losung hat der Vertrieb von Losen bereits in manchen Gruppen eingesetzt. Es können sich auch mehrere Gruppen zu diesem Zwecke zusammentun. Bei Absetzung von 300 Losen a Mk. 2.— ist bereits eine Reise gesichert. Wo eine Gruppe zehn Reisen zur Auslosung bringen kann, wird ihr ein Freibill et, zunächst für die Passage und einen Teil der Verpflegungskosten, zur weiteren Verlosung zugebilligt. Wir sind sicher, daß keiner, der Erez Jisroel liebt, sich die Gelegenheit entgehen läßt, für Mk. 2.—, die für einen Taunusausflug nicht ausreichen, die Chance einer R 'fe über das Mittelmeer nach dem Heiligen Lande zu erwerben, zumal in den Tagen, da goldene Frühlingssonne über Palästinas Höhen strahlt. Wie schon kurz mitgeteilt, ist die Reise, mit Rücksicht auf eben diese Frühlingssonne, um einen Monat verschoben worden. Sie soll Mittwoch '2 -ns rr-n 'a (9. März) in Triest angetreten werden. Weitere Auskunft erteilt die Palästinazentrale der A'gudas Jisroel, Hanauerlandstraße 15. Scheidung der Rassen gilt als fremdrassig derjenige, von dessen Vorfahren einer der Eltern oder zwei der Großeltern fremdrassig gewesen sind. Als fremdrassig gelten dabei alle farbigen Rassen, die vorderasiatische und orientalische Rasse einschließlich der Juden. Falsche Angaben über Rasseabstammung werden mit Zuchthaus und Einziehung des Vermögens bestraft. Die als fremdrassig Festgestellten haben sich künftig als fremdrassige (Juden, Reg r, Mongolen, Orientalen) deutscher Staatsangehörigkeit (Juden aus Deutschland usw.) zu bezeichnen. In dem Gesetz zur Reinerhaltung der Rasse sind Ehen zwischen Deutschen und fremden Rassen verboten. Außerehelicher Geschlechtverkehr zwischen Deutschen und Fremdrassigen wird mit Zuchthaus des fremdraffigen, mit Gefängnis des deutschen Teiles bestraft. Prostituierte fallen nicht unter das Gesetz. In dem Referat des Apothekers Bruger wurde gefordert, daß Apotheker-Konzessionen nur an Staatsbürger im nationalsozialistischen Sinne, nicht aber an Juden, vergeben werden dürfen. Deutsches Bei*fr* Bezirkstagung der Freien Vereinigung in Schlüchtern. Frankfurt a. M., 29. Dez. Vom Büro der „Freien Vereinigung für die Interessen des' orthodoxen Judentums" wird noch einmal auf die am Sonntag den 10. Januar in Schlüchtern stattfindende B e z i r k s t a g u n g hingewiesen. Die Veranstaltung wird mehr als eine bloße Versammlung der F. V. sein, sie soll sich zu einer imposanten Kundgebung für das thoratreue Judentum gestalten, in einer alten Kehilla, die heute noch den Mittel¬ und Kleingemeinden als Muster dienen kann. Die Referate, die hochwichtige Themen behandeln („Chaliza", „Hanau zur Zeit von Rabbi Mosche Tuwje" usw.) und für die bewährte Redner gewonnen wurden, werden dazu beitragen, daß auch außerhalb des Rabbinatsbezirkes Hanau, der gewiß stark vertreten sein wird, nicht zuletzt aus Frankfurt und Umgegend, sich Viele an diesem Ausflüge in höherem Sinne beteiligen. Aus diesem Grunde bietet die F. V. die Gelegenheit zu einer gemeinsamen Autobusfahrt zu dem billigen Preis vo.n Mk. 3.50 hin und zurück. Anmeldungen zur Mitfahrt müssen bis spätestens Montag, den 4. Januar, an das Büro, Rechneigrabenstraße 10, evtl, auch telefonisch (45 570) erfolgen. Jüdische Aerztekonferenz. Berlin, 23. Dez. Der Landesverband Groß-Berlin des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete am 17. Dezember eine A e r z t e k 0 n f e r e n z, die von mehr als 400 Aerzten besucht war. Der Vorsitzende des Landesverbandes, Dr. Bruno Glaserfeld, referierte über „Nationalsozialismus, Aerztestand und Judenfrage" und gab zum ersten Male einen systematischen Ueberblick über die antisemitischen Ziele der nationalsozialistischen Aerzte, über ihre grotesken Vorschläge zur Rassen- und sogenannten Judenfrage, über die Vorgänge in der letzten Tagung des Hartmann-Bundes und über den Stand der Boykottbewegung. Das Referat weckte eine außerordentlich lebhafte Diskussion. Eine Anzahl von Anregungen zur Bekämpfung des Boykotts usw. wurde der ärztlichen Kommission des Landesverbandes Groß-Berlin gegeben. Notverordnung und Burgfriede. Berlin, 27. Dez. In der „C. V.-Zeitung" befaßt sich L. H. mit den Vorschriften der Vierten Notverordnung über den Schutz des inneren Friedens und schreibt zum Schlüsse: „Die Notverordnung schreibt Burgfrieden bis zum 3. Januar vor; aber leider wird das weder tatsächlich, noch dem Geiste nach eingehalten. Gerade wir deutschen Juden haben das Recht, dies festzustellen, denn die Flut der schwersten, völlig unbegründeten Angriffe gegen uns ist immer mehr im Steigen. Eine Rettung aus diesem Wirrwarr kann nur, entstehen, wenn die Reichsregierung, den Worten Brünings getreu, mit schärfstem Nachdruck und letzter Energie gegen den Radikalismus eintritt; wenn sie die Frist des Burgfriedens benutzt, um sich über die inneren und äußeren Probleme unseres Vaterlandes bis ins Letzte klar zu werden und Wege zum Wiederaufstieg zu finden, bevor der Haß Deutschland zu einem Trümmerhaufen macht. Wir deutschen Juden ersehnen den inneren Frieden auch über den 3. Januar hinaus." Die Rassengesetze des dritten Reiches. Berlin, 27. Dez. Auf der am 5. und 6. Dezember in Leipzig stattgeündenen Reichstagung des Nationalsozialistischen Aerzteverbandes hat bekanntlich Prof. S t a e m m l e r in seinem Referat „Rassenhygiene im Dritten Reich" die Sterelisierung des dritten Teils des deutschen Volkes als rassisch verdorben vorgeschlagen. Gleichzeitig schlug er ein Gesetz zur Scheidung der Rassen und ein Gesetz zur Reinerhaltung der Rasse vor. Gemäß dem Gesetz zur Elternabend der Adaß-Schulen. Berlin, 22. Dez. Am Mittwoch, den 16. Dez., fand im Diergartenhof eine stark besuchte Elternversammlung statt, in der das Thema „W ie erhalten wir unseren Kindern r h re Schule?" zur Diskussion gestellt worden war. Nachdem in einer vor einigen Wochen stattgefundenen Versammlung die Elternschaft von dem Vorsitzenden des Schulrats, Herrn Dr. E. Biberfeld und vornehmlich von Herrn Rabbiner Dr. E. Munk über die Not der Schule infolge der allgemeinen katastrophalen wirtschaftlichen Lage orientiert worden war, hatte sich aus der Elternschaft ein Komitee mit dem Ziele gebildet, das Schulwerk in unveränderter Gestalt zu erhalten. Der Referent des Elternabends, Herr Emil David, berichtete, daß sich das Komitee mit maßgebenden Herren der Gemeindeverwaltung und des Schulrats in der Zwischenzeit in Verbindung gesetzt hatte, um das Material für die Aktion zur Behebung der Not zu beschaffen und die Wege zu prüfen, die zur Sicherung des Schulwerks führen sollen. Der Referent erörterte in bewegten, aus dem Herzen dringenden Worten die Gründe, die die Erhaltung des Schulwerks zur heiligsten Pflicht der Eltern machen. Er legte dann dar, daß die Hauptlasten bisher von der verhältnismäßig kleinen Gemeinde getragen worden sind. In 12 Jahren sind von ihr üben 1 Million Goldmark aufgebracht worden, im letzten Etatsjahr noch Mk. 120.000. Jetzt aber ergeht der dringende Appell an die Elternschaft, selbst bis an die äußerste Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen. Wenn auch mtt einem Schulgeld von ca. Mk. 100.000 und einem Gemeindezuschuß von ca. Mk. 75.000 gerechnet wird, so bleibt noch bei Berücksichtigung aller Ersparnismöglichkeiten ein Defizit von ca. Mk. 50.000 im Etatsjahr 1932 zu decken. Bevor aber das Komitee sich an die Oeffentlichkeit um Hilfe wendet, muß es Nachweisen können, daß die Elternschaft in vollstem Maße ihre Pflicht getan hat. Mit einem warmen Appell an die Väter und Mütter schließt der Referent seine Ausführungen. Brausender Beifall bezeugt die Zustimmung der Anwesenden. In der Diskussion wurden beachtenswerte Anregungen zur Propaganda- und Sammelarbeit für die Schule gemacht. Herr Dr. Barth macht darauf aufmerksam, daß die Elternschaft sich innerhalb 14 Tagen über ihren Sonderbeitrag entscheiden müsse, damit das Komitee der Verwaltung Bericht erstatten könne. Der Schulrat muß Anfang Januar im Interesse der Kinder und Lehrer seine Beschlüsse fassen. Herr David regt in seinem Schlußwort an, daß die wohlhabenden Eltern der ärmeren gedenken sollen, damit alle Schüler die Schule weiter besuchen können und die Z'dokoh wie bisher in unserer Schule eine Stätte finde. Herr Jakob L e v y , der die Versammlung vorbildlich geleitet hat, schließt mit einem Dank an den Referenten, die Diskussionsredner, wie auch an die Eltern und bittet, den Worten Taten folgen zu lassen. Oesterreich. Das Haffkin-Teslament. Wien, 27. Dez. Die Jüdische Presse ist in der Lage, aus dem denkwürdigen Testament des verstorbenen Prof. Haffkin zu

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