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Der Israelit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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> Seite 4 Nr. 1 Der Israelit 1. Januar 1932 Nähmaschinen Bequeme Zahlungsweise Martin Decker Gr. Friedbergerstr. 18/20 staatlichen Gemeinschaft anerkannte Religion anerkennen dürfte sich auf Gruilö dieser durch nichts verscherzten Air erkennung veranlagt, ja verpflichtet halten, die in unver brüchlicher Treue zu dieser anerkannten alten Religion vor handenen Bekenner in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten und in der Verwirklichung ihres religiösen Gemeinwesens zu schützen, sie namentlich auch in dieser ihnen gewährleisteten Gewissensfreiheit der gesetzverwerfenden Neologie gegenüber schützen, daß sie nicht gezwungen werden dürften, religiöse Lehr- und Kuktusanstalken anzuerkennen und sich an ihnen zu beteiligen, die in schneidendem Geigensatz zu den Ueberzeugungen ihres religiösen Gewissens stehen, deren Anerkennung und mitbeteilgende Förderung ihnen ihr religiöses Gewissen verbietet und die sie in Erfüllung ihrer religiösen Pflicht hindern. Allein ebensowenig dürfte der Staat als solcher einen Zwang irgendwelcher Art gegen die das Gesetz verwerfend« Neologie ausüben wollen. Mag er immerhin als Staat, sobald er das Glaubensbekenntnis der Neologie, wie ja gar nicht anders zu erwarten, seinen Zwecken nicht entgegen findet, auch ihr die ungehinderte, selbstständige Entwicklung gestatten, wie er sie den verschiedenen kow fef'ionellen GeskaI1ir.'lgen innerhalb snner Kirche einräumt Mag er die Neologie, von der Orthodoxie getrennt, auf eigene Füße stellen. Nicht von einem 'staatsseitig erzwungenen äußeren Verharren 'der Neologie in dem Verbände des gesetzestreuen Judentums hat dieses sein Heil zu erwarten. Vielmehr krankt es eben nur durch das unausgeschiedene Verharren der Elemente der Willkür innerhalb seines der ernsten Gesetzlichkeit zugewandten Wesens. Man erkenne die Trennung, wie sie innerlich längst vollzogen, auch äußerlich an, man lasse diese Elemente scheiden — und das gesetzestreue Judentum wird aus eigener Kraft, ohne äußere Beihilfe gesunden. So geiwiß wie dieses gesetzestreue Judentum auf jener alten g'ttgelegten Basis ruht, die die Mutter aller Erleuchtung und Gesittung auf Erden geworden und noch die Heiles zukunft _ der Gesamtmenschheit in ihrem Schloße trägt, so gewiß wird dieses alte G'ttesvermächtnis, das seine Träger wie auf Adlersflügeln über alle die Schatten g'ttlob vergangener Jahrhunderte lebensfrisch hinübergetragen, . auch in diesen Tagen mehr innerlicher Prüfungen die alte G'tteskraft bewähren, die jeder Wahrheit im Kampfe mit der Lüge und dem Wahne gewiß ist. Und so gewiß die von diesem - alten G'ttesver mächtnis abgewandte Neologie an dem aus sich selbst gesponnenen Spinnfaden der Flachheit und Willkür halt — und prinziplos zwischen Himmel und Erde schwebt, so gewiß wird sie, auf eigene Füße gestellt, zu Grunde gehen und der eigenen Hohlheit inne werden, wie alles zu Schanden wird und keine Zukunft hat. was des inneren Kerns der Wahrheit und des Lebenbedingenden Ernstes entbehrt. Das vorausgesetzte Heilbringende einer zwei so dis parate Elemente ineinander und miteinander zusammenhaltenden zentralen Oberbehörde dürfte somit mehr als zweifelhaft erscheinen. Sollten wir aber diese Frage rein vom Standpunkte des Interesses des gesetzestreuen Judentums beantworten, so müßten wir uns nur mit noch größerer Entschiedenheit gegen jeden Versuch, eine religiöse Oberbehörde zu schaffen, erklären. Ist einmal eine solche Oberbehörde staats seitig geschaffen, so gibt es durchaus sticht die geringste Gewähr für die künftige Richtung derselben. Nehmen wir auch einmal an, sie würde gegenwärtig auf die Basis des gesetzestreuen Judentums gestellt und die gegenwärtigen Leiter des Staates verfügten die Zusammensetzung einer solchen Stelle aus den Männern der jü dischen Orthodoxie.; Die leitenden Anschauungen und Grundsätze in den maßgebenden Staatsgewalten — Ew. Erzellenz verzeihen bei dicsem ernsten Anlaß meine Offenherzigkeit — sind selbst wie die Personen dem Wechsel unterworfen. Was heute in bestgemeintem Interesse der jüdischen Orthodoxie gegründet worden,. wird morgen gegen dieselbe gewandt, und nach dem ganzen Wurf der Zeiten ist Zehn gegen Eins zü erwarten, daß, welche Kautelen auch für Wahl und Zusammensetzung einer solchen Ober« behörde getroffen werden mögen, sie sofort oder doch sehr bald im Dienst der Neologie stehen werden. Nun ist aber die Orthodoxie weit mehr auch nur durch die Möglichkeit unter einem neologischen Regime zu stehen gefährdet, als die Neologie bei einer orthodoxen Leitung des religiösen Gemeinwesens. Es kann der neologische Jude ganz ohne die gangste Gewissensbelästigung in Mitte eines orthodoxen jüdischen Gemeinwesens leben, kann sem Haus und sein Familienleben ganz nach feinen Anschauungen ungehindert entfalten. Allein auch nur die rndfviduellste Existenz, schon das bloße Essen und Trinken ist dem orthodoxen Juden bei der allereinfachsten Gesetzestreue unmöglich, wenn die religiösen Anstalten seiner Gemeinde der Leitung eines Neologen verfallen und ihm nicht mehr die Zuverlässigkeit gewähren, daß sie gewissenhaft nach Vorschrift des Gesetzes gehandhabt werden, und müßte er den Wanderstab ergreifen, wenn die Neologie, einen gestaltenden Einfluß auf Synagoge und die übrigen Anstalten seiner Gemeinde gewönne. Statt daher ein Mittel der Einigung zu sein, würde die Creierung einer Oberbehörde für die Religionsangqlegenheiten, der l Israeliten nur einer Quelle unabsehbarer Zerwürfnisse und Steitigkeiten werden und ohne Gewissenszwang nach der einen oder der anderen Seite abseiten des Staates gar nicht, ausführbar sein. Von welcher. Seite ich daher auch die vorgelegte Frage über eine von Staatswegen zu errichtende Oberbehörde bertrachten möge, vom Standpunkte des Rechts, der Gewissensfreiheit, der jüdischen Orthodoxie, der Zweckmäßigkeit, immer müßte ich mich nach meiner tiefsten Ileberzeugung aufs Entschiedenste gegen eine solche Maßregel erklären und darf somit mich des Eingehens auf die für den Fall der Bejahung gestellte Frage der Modalikät der Zusammensetzung etc. einer solchen Stelle überhoben erachten. Schließlich gestatten mir Ew. Exzellenz die Aeußerung des aufrichtigen Dankes für das ehrende Vertrauen, dessen mich das verehrliche Schreiben Ew.; Erzellenz za würdigen geneigte, sowie den Ausdruck ehrerbietigster Hochachtung, mit der zu verharren die Ehre hat Ew. Exzellenz gehorsamster ■ Rabbi n e r Hirs ch. Frankfurt a. M., 7. Februar 1862. Der Herausgeber schließt seine Veröffentlichung, mit der Bemerkung, «daß im Verfolge dieses Gutachtens sowie auch der beiden anderen von liberaler und konservativer Seite erstatteten der Plan einer bayerischen israelitischen Kirchenverfassung mit oberbehördlicher Spitze endgültig in aller Stille begraben wurde. Oberrabb. Dr. Samuel Spitzer '"i, Hamburg. Am morgigen Schabbos vollendet Oberrabbiner Dr. Samuel Spitzer •»"i«, Hamburg sein 60. Lebensjahr. Ein willkommener Anlaß, vor dem weiten Kreis der jüdischen Oeffentlichkeit aus Pankbarstem Schülerherzen Worte der Huldigung zu sprechen; in dieser Zeitung, die dem gleichen Ziele dient, welchem auch sein Leben und seine Leistung gehört: S i ch e r u n g u n d Festigung der Orthodoxie. V'rr - - ositp' — das sind Voraussetzungen, deren jede für sich Autorität gewährt, so sagt der Malbim in der morgigen Sidro zu n. 14. In Oberrabbiner Dr. Spitzer sind diese drei Voraussetzungen in besonderer Weise vereinigt — und dieser Zusammenklang macht ihn zu einem unserer Tnn V' rr bedeutet wohl den durch Stellung und Amt hervorragenden Mann, weist aber doch wohl vor allem hin auf den Charakter, die Persönlichkeit. Höchstes Glück der Erdenkinder nennt ie der deutsche Dichter, jüdische Auffassung preist sie als höchste Tugend. Das Glück fällt dem Menschen zu, ist Gnade, zur Tugend gelangt man durch eigene Kraft und unablässiges Streben, ie ist Verdienst. Der großen Persönlichkeit, wurzelest, treu und unbeirrbar, dem großen Charakter, rein, eindeutig und kristallklar, dem msrn bv w'X' dem Führer über der Gemeinde, dem Mann, der über ihren Parteien, über ihren wechselnden Majoritäten steht, dem Mann des festen Kurses, dessen Blick geradeaus und nie zur Seite geht, ihm gilt zuerst unser Gruß. Einer seiner großen Amtsvorgänger, der Chacham Bernays, übersetzt: npjpr. ün V'X „und Jakob war ein e i n f ä l t, t g e r Mann" in der Hohen Deutung:/Jakobs Gewand hatte nur e im e Falte, denn er wollte es nicht nach dem Winde tragen können, cm stk in diesem erhabenen Sinn — Person l i ch k e i t a u s einem Guß — das ist der Hamburger Raw! Jüdischer Charakter bildet sich nicht im Strom der Welt, er formt und gestaltet sich an dem, woran wir alle Dinge messen: an der .aam- Jakob war dieser cm V'rr weil er d.:atzn war, aus der wurde ihm Weg und Ziel. Aus der .min und an der ,aam wuchs auch Oberrabbiner Dr. Spitzer! Großartige Begabung und Liebe zum „Lernen", die schon in dem Zwölfjährigen unbezwingbar stark war, machen schon den Jüngling zum Vorzugsschüler des aaio Ditf' lassen ihn zu jenem van reifen, der ein Jahrzehnt später den jungen Raw, trotz des Doktortitels, vertrauten Freund und Genossen werden läßt den Großen seiner Heimat — wir nennen nur den alten Hunsdorfer Raw und den Waizener Raw ‘rs*. Mir steht gewiß nicht das Recht und die Fähigkeit des Urteils zu, obgleich sich gerade seinen Schülern und im „Lernen" Oberrabbiner Dr. Spitzers wahres Wesen am eindringlichsten erschließt, — irvnrmy ln^m aipön — aber die Großen Polens, Litauens und der Slowakei, Männer, mit denen er in Wort und Schrift Gedanken der Thora austauschte — aus dem Munde dieser Berufensten und allein Berufenen habe ich es wieder und wieder gehört, daß der Hamburger Raw das ist, was als ein Zweites Autorität sichert: ai? ein Fürst höchster Art: nrn bw. -w« Fürst im Reiche unseres nam-Geistes, in ihren weiten und tiefen Bezirken. Und eben mir, bw nna*?« deren Erfassung er unermüdlich und restlos hingegeben, diese absolute Wahrheit allein, sie ist für ihn das Maß aller m mmmm m WM Üfll y , ■>* VMTVSUWK : *' * si'-, .''' y ’/x y? Dinge und gewiß das Maß, an dem er sich selber mißt uttd prüft. Denn Persönlichkeit und G'tteslehre, sie gehören bei uns untrennbar zusammen: , |; *Dn3 2>ö;31 0 H1 aN2p *]ia3 :y' Und weil seine Persönlichkeit /in/ der Lehre wurzelt, und weil in seiner Lehre und seinem Lehren die Persönlichkeit sich spiegelt, darum ist er auch das Vorbild des rechten, in unseren Tagen .selten ^gewordenen dessen Aufgabe es ist, die Forderungen des Gesetzes cvuszusprechen. Darum weiß die Welt, daß sein pva« gleich, ob er dem Einzelnen, seiner Gemeinde oder der Gesamtheit gilt, nnx iriBK^ ist, wahr bis ins Letzte, niemandem zu Liebe und niemandem zu Leide! Ueber den Moschiach weissagt der Prophet: „Er wird nicht richten nach dem, was seine „Augen sehen, nicht zurechtweisen nach dem, was seine Ohren hören, höhere Begabung wird ihn eignen. Unsere Zeiten sind nicht Moschiächs Zeiten; es sind Zeiten furchtbarster moralischer Verwilderung. Da bedeutet es für uns Sicherheit und innere Ruhe, wenn unsere Führer Recht sprechen nach dem, was i h r Auge sieht, i h r Ohr hört, wenn sie sich nicht zum Werkzeug, zum gefügigen Organ fremden Gesichts, fremden Ge-

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