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Der Israelit · 1931-12-24 · Heft 52 (24.12.1931) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 52 (24.12.1931)
Date
1931-12-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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24. Dezember 1931 D e r. 3,5 t a e I i t BI Stier Nr. 22 Seite 3 keine relative Moral kennt? Oder wenn es die Geschlechtsleidenschaft nicht ganz frei schalten und walten läßt, sondern sie bestimmten Sitttichkeittzregeln unterwirft? Ist es .nicht - höchste „Reaktion", wenndas-Judentum 'Beschränkung der Kinderzahl verbietet? Wenn es den Frauen die Fähigkeit, Zeugin vor Gericht zu sein, und so manches andere abspricht, was ihnen bei den nichtjüdischen Völkern zum Teil schon vor den modernen Bestrebungen ohne' weiteres zustand? Wenn es der Jugend kein'Zeugnis des Besserwissens ausstellt, sondern sie gerade im Gegenteil anweist, sich nach dem Beispiel der Aelteren zu formen?.. Ist das nicht alles „Reaktion" in Reinkultur? Warum also vor dem Urteil der anderen zittern, warum so drehen und deuteln, so erfinderisch und geistreich tun, um diese „Reaktion" vor der Außenwelt und . vor dem eigenen schlagenden Gewissem zu vertuschen oder ihr ein liberales Mäntelchen umzuhängen? Wozu das alles, warum sich.nicht zur „Reaktion", d. h: zur Zurückweisung-der Pläne> jener bekennen, welche die breiten Spuren G'ttes in der Mensckheitsgeschichte verwischen wollen? Warum nicht zu jener Gesinnung zurückkehren, der die Ewigkeit mehr wert ist als alle Zeitgeister zusammengenommen und die auch Erlösungsparolen verwirft, wenn sie. Einflüste^ungMder Sitr,o achro sind?., Wgnn wird^ man ernennen, haß' nur die sogenägnte reak tionäre Gesinnung, d. h. die Bejahung der göttlichen Urforderungen an die menschliche Gesell schuft, die von der Moderne verneint werden, religiöse Gesinnung verbürgt?. Daß dem dunklen Drang ngch Auselnandersetzung mit der Mo derne, ch h. nach verschämtem Anschluß an sie sich hingeben, nicht Teilnahme an einer epochalen Wandlung der Welt, sondern an einer tragiko mischen Episode. ist; daß dieses Nichtruhen des modernen jüdischen Menschen, bis er sich nicht in das.Heer der Tüftler, der Nivellierer, der Schablonierer, der Geschichtskalkulanten einge reiht hat, nichts weniger als ein Ehrentitel ist sondern ein Stigma, das uns bloßstellt? Wann wird Man endlich als Jude dies sagen können ohne von einer durch den Modernismus platt gedrückten Mehrheit mißverstanden und verhöhne zu werden? . Absage an die Moderne tut not. Sie ist die erste Voraussetzung für die gläubige, jüdische Jugend, um sich, ihre Religiosität zu erhalten oder besser zu gewinnen. Sie braucht nicht zu fürchten, daß sie sich-damit hie Verbindung mit der übrigen Kulturwelt.abschneidet. Denn Moderne ist nicht Kultur, 'sondern Kulturauflösung, nicht Vertiefung, sondern Verflachung, nicht etrpäidentisch'hnt,europäischer- Kultstr, Mnhern, innerhalb, dieser' großen MeMchheitlichep.Ärscheinststgj '— 'Mder^.ßebsh,den MeMl^s^!'xoMscherp.,^rch>. gßxma-. nischsn starke; jüdische ' ElemKnie ckehest-. urni >. eine erbärmliche.MxirMng--;diechoWMichrbald Epp sode^eblwbeNjsoin'wird, Me Absage an die Modern^ ist die exste. Voraussetzung für alle, m,öfteren Schritte,, um zur- Religiosität in poller Kraft und Auswirkung zu gelangen. .Mit dieser Absage bekommt man hie weitesten Möglichkeiten in. die Hand, vor allem eine ganz andere Macht zur Beseitigung jener,. Ursachen,, dse außer Moderne und der ihr störochsMendöst 'OüfWM'"..''hü der Verdünnung W,Mlschey'' R'eljmosiM istjtgearbeitet, habest. Denn, däran, sind nicht Ar Mse schuld, sondern auch gewisse tatsächliche Bedingungen des jüdischen Lebens, die das Aufkommen einer irreligiösen Mentalität begünstigt Gerade diese Bedingungen, die einseitige Handelstätigkeit einerseits und die Anarchie in der geistlichen Führung Unseres Volkes andererseits, müßten beseitigt werden. Das läßt, aber die Moderne nicht zu. Gegen eine weitgehende und tatsächliche Verländlichung sttäübt sich der großstadtfreundliche, betriebswütige', tempogierige Geist den Moderne, gegen eine strenge religiöse 'Disziplin die alte, von christlichen Aufklärern übernommene Phrase vom Klerikalismus und Pfaffentum. Fällt die Moderne, sö fallen diese hinderlichen Schlagworte, hinter denen sich im besten Falle unreifer Krakehl gegen NowendigkeiLen; sonst direkte Religionsfeindschast verbirgt. 1 : Aber, das ist noch nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, daß mit der-Absage an die Moderne der durch sie unterwühlte, in-seiner Entfaltung und Steigerung,, in seiner Auswirkung gestörte, der eingeengte und gefesselte religiöse Geist von seinen Behinderungen und Fesseln frei werden, wieder er selber sein kann. Wenn in den letzten Jahrzehnten die religiös gebliebenen Juden sich zur Behauptung ihrer Weltanschauung und Lebensführung gegen die anstürmenden Gegner zusammenzuschließen be gönnen, ist das ja nicht unerfreulich. Aber wie soll man des Erfolges froh werden angesichts einer Jugend, für die es schon einen Aufschwung bedeutet, daß sie die Zionisten und Sozialisten um ihre „großen", „greifbaren" Ziele beneidet gelegentlich sich sie auch bei ihnen ausborgt und die. damit verrät, daß sie; die angeblich religiöse nicht einmal mehr ahnt, welche Größe und „Greif barkeit", welche gewaltigen Entladüngsmöglichkeiten dem religiösen Ideal; dem Streben nach Heiligung des jüdischen .Volkes im Sinne der Thora innewohnen? " Was nützt aller Zusam menschluß, wenn der religiöse Geist verdampft ist? Was nützt alle Betriebsamkeit, wenn man gleichzeitig dem Götzen Moderne opfert? Absage an, diesen Götzen tut not! Erfolgt sie werden'wir immer mehr uns verlieren Erfolgt sie, dann ist es vielleicht noch nicht zu spät für die große Wende. Dann wird es vielleicht noch einmal eine Jugend geben, die von innigem G'ttgefühl erfüllt ist, die frommes Guttun im Aufträge G'ttes kennt, der mit dem Schön heitssinn auch eine neue Art von inniger G'ttan betung zugewachsen ist; eine Jugend, vor der die faktisch schon so lange als Nebenfigur in die Ecke gedrückte Gestatt des Moschlach in ihrer ganzen achris Hajomim-Herrlichkeit vielleicht wieder erstehen und wirklicher und wirksamer werden wird als der moderne Rummel wichtigtuerischer Nichtigkeiten; eine Äugend, die nicht mehr von dreisten Schlagworten lebt, sondern von G'ttes ewigem Worte. imbni^pn ri-nan betätigten, an der Führung der' AgükaS Jisroel in gleichberechtigter Würde nebeneinander Mitwirken sollen. uJn der Geschichte der Agudas Jisroel wird der Name des Heimgegangenen für alle Zeiten in tiefster Verehrung und Dankbarkeit genannt werden und das S'chus seines reinen, ganz und gar der Sache zugewandten Wirkens wird allen Führern und Trägern des agudistischen Aufbauwerkes schützend und helfend zur Seite stehen. Jacob Strauß Vst. Ejner der Veteraiten der Agudas Jisroel, der vör der Kattowitzer Konferenz an ihrer Wiege gestanden und an der Schaffung der geistigen Grundlagen der Organisation mitgewirkt hat, ist in''Jacob Strauß, dessen Heimgang wir beweinen, dahingegangen. Wenn, die gxoßy Masse der Agudisten in Ost r..j: West vost'Jacob Mrggß, der das 80. Lebenswenig weiß, so liegt':daS' niM Ar. darach.daß erMt 'nahezu 10 Iahten sich yon'Mr öffentlichen Betätigung aus ""^^^^si!Kfch^'zürüchgezoH,n und 'schon nicht . le MMiMeit hättet ast der ersten Kk AedMo in Mien i 1923, ' tMunehmen, so. auch, und vA alkeni, an der Wesensart des Mannes. der allem rednerischen Hervortreten Feind war und der es Zeit seines Lebens vorzog, hinter )en Kulissen seine ausgeprägte geistige Persönichkeit zum Besten,des,.agudistischen Ideals, zur 311 bringest. Äd Eingeweihten wissen, ungeheuren Opfer an Spannkraft , und Zeit, an mät'eriellen Mittelst und an persönlicher Hingabe öt dem Aufbau der Agudas Jisroel gebracht hat; sie wissen, wie er in Entscheidenden und schicksalsschweren Augenblicken durch sein entchiedenes Eingreifen für die Festhaltüng der Iyustdltigen gewirkt hat, auf denen sich nach einer Ueberzeugung eine allumfassende Agudas Jisroel aufbauen mußte. In diesem Punkte' hat er sogar die Scheu vor der Oeffentlichkeit überwunden und noch in den letzten Jahren aus seiner Zurückgezogenheit heraus, sein Wort an den ägudistischen Nachwuchs gerichtet. Für ihn war es eine Grundvoraussetzung dev gesunden Entwicklung des Agudo-Gedankens, daß auf dem Boden der Agudas Jisroel alle orthodoxen Juden, allerdings nur solche, die in aufrichtiger religiöser Treue in Gesinnung- und TäbcnvJN niwrr Weshalb eine Aklivlfkevgruppe? Bon Ch<im Jisrocl Eitz in Zürich. Nicht etwa weil wir ein Endziel erreichen wollen oder neue programmatische Ideen haben, bezwecken wir die Organisierung, oder besser gesagt, die Zentralisierung aller Aktivisten in der Agudas Jisroel. Die A. I. kann kein Ednziel haben und hat auch kein solches, denn A. I. hat kein Programm wie alle Länderen Organisationen. Ä. I. kann zufolge ihrem Programm kein Ziel erreichen, weil sie das organisierte jüdische Volk umfaßt, welches die tagtäglichen Fragen im Geiste der Tauroh lösen will. Deswegen muß A. I. solange existieren, solange das jüdische Volk existieren wird, 'denn es werden immer infolge der Volksexistenz neue Fragen zu lösen sein. Betrachtet man das heutige organisatorische Gebilde der A. I., so wird man festftellen, daß infolge von Fehlern an der Organisationsmaschine, im Organisationsgetriebe etwas nicht klappt. Vor allem fehlt uns ein Nachrichtendienst, welcher über die Vorgänge innerhalb der A. I. orientieren soll. Unsere Zentralverwaltung hat ein viel zu bescheidenes Budget, weshalb es begreiflich erscheint, daß unsexe Führer öfters sich nicht mehr bewußt sind, daß trotz allen diesen Kalamitäten, die große orthodoxe Masse hinter ihnen steht und welche Kräfte A. I. besitzt und werden sie deswegen hie und da bewogen, Kompromisse einzugehen. Um alle diese Organisationsmängel-zu beheben, müssen sich alle aktiven oder aktiv sein wollenden Elemestte innerhalb der A. I. zusammenschließen, um eine bewußte „Front" der „Arbeiter" zu bilden. Wir sind davon überzeugt, daß an jedem Orte, an welchem eine A. J.-Gruppe existiert, einige „Aktivisten" vorhanden sind. Jeder einzelne für sich besitzt aber keine Stoßkraft. Vereinigen und zentralisieren sich die vielen Einzelkräfte aber in das „Aguda-Arbeiter-Regiment", so daß man in Zukunft wissen wird, an. wen Instruktionen zu erteiley, .'schd,:' Lcnm. wird M. I. ist;H, besser jh're-ÄsifgAe Erfüllen können. . Wenn Er. Hr. .W., G! Jacobson, in der letzter). Nummer der, „Blätter": schreibt, daß ejn jeder' , der für. A? I. arbeitet, vstn selbst ein Aktivist, 0 muß ich hierzu bersterkest: Gewiß, wenn nicht.' *0 solche für A, /Ä.' tätige Menschen vörhanden wqren. dastn hätten wir. gar nicht probiert,eine t -Gruppe zu gründen, weil man Aktivisten nicht „schaffen" kann. Aber auch die Frage von Herrn Jacobson, ob etwa die Züricher Agudagruppen schon in so hoher, vorbildlicher Blüte eien, daß man die dort gewonnenen Erkenntnisse andern Gruppen als Maßstab bieten könnte",ist mir nicht ganz verständlich. Haben denn die Führer der A. I. in Hamburg ihre Gruppen schön, auf eine solche Höhe gebracht, daß sie es unternehmen können, A. I. weiter verbreiten zu wollen und in anderen Ländern Gruppen zu grünlen?' Eben weil rpir, sehen, daß wir die Aguda- ^)^gemonie nicht durchführen konnten, wollen wir uns mit allen anderen Aktivisten vereinigen, damit wir, gemeinsam unsere Aufgabe, erfüllen und so stärken, daß unsere Führer auf keinerlei Kompromisse eingehen müssen. Unsere Bestrebung geht dahin, daß A. I. anerkannt wird, als das „organisierte Judentum", wie es schon d-er Name Agudas Jisroel sagt; der Bund von Klall Jisroel."

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