Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1931)
- Date
- 1931-12-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 52 Der Israelit geworden sein wird, wenn die wirkliche heutige Wissenschaft, die längst neuen Sinn im alten Wort von der Erschaffung des Menschen durch ein denkendes Wesen gesunden, anstelle der überlebten Monisten- und Evolutionistencliyuen die akademische Halle und von da aus das Volk beherrschen wird, dann wird auch der antimodernistische „Aufstieg" ein Freund des Heute werden. Er wird uns jedoch bei aller Ehrerbietung nicht hindern-, diese Zeiten als durch alle jene Bewegungen des Augenblicks vorbereitet anzusehen, die religiöser sind als sie sich geben. Doch auch wer alle diese Bedenken eines entschiedenen Gegenwarts-Gesetzestreuen nicht überwindet, — die begeisterte und dabei vornehme Art, mit der hier wahre Achtung für unsere Mentalität bei Anderen und vice versa angestrebt wird, ist allein schon der Anlaß, geistig mit den Aulim und ihrem Aufstieg zu leben. tSchiirhten und Tierschutz). Nachdem die Schächtsrage aus dem Bereich wissenschaftlicher Erörterung immer mehr in das Gebiet allgemeinpolitischer Behandlung gedrängt wird, reichen die durch die Reichszentrale für Schächtangelegenhe iten heraugegebenen wissenschaftlichen Abhandlungen zur Abwehr des tagtäglichen sich steigernden Kampfes nicht mehr aus. Infolgedessen verdient eine von hier herausgegebene Broschüre: „Das Schächten vom Standpunkt der Religion und des Tierschutzes" verfaßt von Herrn Rabbiner Dr. ll n n a in Mannheim, die zum ersten Male eine populär gehaltene Gesamtdarstellung der Schächtfragen gibt größte Beachtung. In einem am Ende der Broschüre befindlichen Sachregister sind zur schnelleren Orientierung des Lesers die behandelten Punkte alphabetisch angeordnert. Die Broschüre kostet im Einzelhandel Mk. 0,60. Sie sollte in der Hand keines Juden, der sich selbst orientieren will oder in die Lage kommt, das Schächten zu verteidigen, fehlen. Ainderecke. Joseph und seine Brüder. Langsam stiegen bk zwölf Männer aus der Höhle Machpelah empor. Sie hatten dort ihren Vater begraben, an der Stelle, wo auch seine Väter ruhten und wo auch einst G'tt selbst AÄam und Eva begraben hatte. Langsam und gesenkten Hauptes kamen sie aus der Höhle; ihre Augen waren trübe vom Weinen und das Licht der Sonne blendete sie. Als sie die Blicke hoben, sahen sie um sich all die Vielen stehen, die den Trauerzüg begleitet hatten. Schweigend standen die Diener Pharaos, die mit den Brüdern hinaufgezogen waren, um Jakob zu Grabe zu bringen und es warteten die Könige Kenaans, die sich ihnen auf dem Wege angeschlossen hatten. Still warteten sie und ehrten den Schmerz'der Söhne Jakobs und ließen sie vorausziehen, als sie sich nun zum Gehen wandten. Allen voran schritt Joseph auf dem Wege, den er vor vielen Jahren zum letzten Mal gegangen war. Wie lange war es her? Fast vierzig Jahre mochten es fein. Ein Knabe war er fast noch gewesen damals, als ihn sein Vater ausgeschickt hatte, die Brüder zu suchen, siebzehn Jahre ist er alt gewesen. Und Joseph sieht sich noch im Geiste, wie er stolz war auf seinen bunten Rock und auf den Auftrag seines Vaters und wie er so ahnungslos den Brüdern entgegenlief. In Gedanken versunken geht Joseph weiter. Da stockt sein Fuß — eine Grube ist auf dem Woge. Eine Grube? Das ist ja die Grube, in der er voll Todesangst gekauert hatte! In der er sich so entsetzlich vor den Schlangen gefürchtet hatte und vor den furchtbaren Skorpionen. Von Grauen geschüttelt war er da unten gesessen, bis G'tt dem Getier befohlen, sich in die Löcher zu verkriechen! Erschüttert bleibt Joseph stehen und leise spricht er: „Gelobt seist Du, Herr der Welt, der mir ein Wunder getan an diesem Orte!" Die Brüder sind zurückgeblieben und erschreckt stehen sie von ferne. „An der Grube steht Joseph", flüstert einer dem anderen zu, „nun wird er unsrer Schuld von Neuem gedenken und uns Haffen! Er wird sich 24. Dezember 1931 an uns rächen, jetzt wo der Vater nicht mehr am Leben ist."! Angstvoll näherten sie sich ihrem Bruder Joseph und sprachen: „Vergib uns doch, was wir dir angetan! Auch dein Vater befahl es uns vor seinem' Tode, wir sollen dich um Verzeihung bitten — vergib uns unser Verbrechen, um unsres Vaters willen!" Aber Joseph dachte nicht an Rache. Die Tränen strömten ihm aus den Augen, als sie so zu ihm rodeten. Er war so erfüllt von Dankbarkeit darüber, daß G'tt sein Geschick zum Guten gefügt Hatte, er beruhigte sie und sprach voll Liebe zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, meine Brüder, ich trage keinen Haß gegen euch in meinem Herzen. Lagern wir uns hier zur Rast; ein Gleichnis will ich euch erzählen: Es war einmal sin König, der befaß einen herrlichen Ring. Es war ein kostbares Kleinod, mit den prachtvollsten Edelsteinen geschmückt und der König erfreute sich täglich am Besitz des wunderschönen Ringes. Er zeigte ihn mit Stolz all den fremden Fürsten, die ihn besuchten und alle bewunderten ihn; doch eines Tages entdeckte jemand eine kleine häßliche Scharte an dem goldenen Reif! Bestürzt sah der König den Fehler. Er ließ sogleich seinen ersten Goldschmied kommen, daß er die Scharte glätte. „Aber da muß ich von dem Golde wegfeilen", sagt der Goldschmied. „Nein, das sollst du nicht," ruft der König, „es darf nichts abgefeilt werden. Ruft einen andern Goldschmieds" Auch dieser kommt, beschaut das Kleinod und sagt: „Ich kann die Scharte wohl beseitigen, aber ich muh den Ring ein wenig verkleinern." Aber auch das erlaubte der König nicht und ließ einen dritten Goldschmied rufen und einen vierten, aber niemand fand eine Lösung, wie man die Scharte wegbringen kann, ohne den Wert des Ringes um ein Stäubchen Gold zu vermindern. Endlich beruft der König don größten Künstler seines Reiches. Auch er betrachtet den Ring aufmerksam von allen Seiten und spricht dann: „Ein herrliches Stück, wert, eines Königs Hand zu schmücken. Wie glitzern die Steine und wie prächtig sind sie im Golde gefaxt! Einen Fehler nur hat der Ring — eines Königs Ring ist er doch und trägt nicht die Zeichen des Königs eingraviert! Dock halt, da sehe ich etwas, hier mit dieser Scharte ist schon der Beginn des königlichen Namens eingeritzt in den Reif. Laß mich das Monogramm vollenden, o König und nichts fehlt mehr an Deinem herrlichen Ringe." So benützte der Künstler die häßliche Scharte und machte daraus das Beste, was dem Ringe gerade noch gefehlt hatte. Mit großer Belohnung dankte es ihm der König. Habt ihr das Gleichnis verstanden, meine Brüder? Der große Künstler verstand es, aus dem Fehler des Ringes einen Vorzug für ihn zu machen — so wandelte G'tt all das Böse, das ihr mir einst angetan, zum Guten und zum Segen für uns und für ein ganzes Volk, das ich am Leben erhalten konnte. Und ich sollte euch noch zürnen? Fürchtet nichts, meine Brüder. Ich liebe euch und werde immer für euch sorgen!" Und getrost zogen die Brüder nun mit Joseph nach Aegypten zurück. „Von Jakob natürlich; als Menasche und Ephraim an sein Lager traten fragte er plötzlich: „wer sind diese"! Das ist doch merkwürdig!" „Das ist doch nicht sonderbar," sagte Ruth „es steht doch von Jakob gleich dabei, daß seine Augen schwer waren vom Alter, da hat er sie eben nicht erkannt!" „Ach, aber der Ephraim war doch so oft bei ihm und hat bei .ihm gelernt. Und seine Söhne hat er doch später auch alle auseinander gekannt!" „Gekannt wird Jakob seine Enkel schon haben," sagte jetzt Martin, der sich mittlerweile doch auch entschlossen hätte, seine Hände verschwinden zu lassen, „aber er konnte sie nicht segnen, weil er jm. Geiste sah, daß Jerobeam und Achab und Jehu von ihnen abstammen werden. Und, er fragte ganz entsetzt: „wer sind denn diese, die des Segens nicht würdig sind". Aber Joses beruhigte ihn und sprach: „es sind meine Kinder, du darfst sie ruhig segnen." Aber Ernst war immer noch nicht ganz zufrieden. „Wißt Ihr, wie cs vielleicht gewesen ist," sprach nun endlich der Vater. „Es war vielleicht so, daß Ephraim und Menäsche in ihren ägyptischen Prinzenkleidern zu Jakob kamen, weil sie so schnell gerufen wurden und ihr Gewand nicht mehr wechseln konnten. Deshalb erkannte sie Jakob schwer und fragte: „Was soll denn das bedeuten?" Darauf erklärte ihm Joseph, daß sie doch in Aegypten geboren seien und dort auch nicht anderes gehen könnten und daß sie doch gute Vtnizr na seien. Darum sagte dann auch Jakob, so solle man später alle Knaben segnen, damit auch sie mal richtige na bleiben, wenn sie auch im fremden Lande leben." Jetzt war Ernst! befriedigt, aber nun fing Ruth an: „Wie mag es dem Menasche zu mute gewesen sein, als er so zurückgesetzt wurde! War er eigentlich nicht neidisch auf den jüngeren Bruder?" „Ja," rief Ernst! „hat er ihn nicht niedergeschlagen und gebort? Er war doch so stark, das haben wir doch gelernt, wie er den Simon so gehauen hat, daß er sich gleich fesseln ließ?" „Nein Kinder, Menasche war nicht neidisch und nicht böse auf Ephraim, sie hielten stets friedlich zusammen der starke Menasche, den sein Vater Joseph schon mit manchem Amt und Auftrag im Mizraim betraut hatte und Ephraim, dem dafür der Großvater all das Wissen gelehrt, das er selbst bei Schem und Ewer gelernt hatte. Sie hielten brüderlich zusammen — auch ihre Stämme trugen nebeneinander ihre Fahne — und stritten nicht um ihr Vorrecht — drum segnet man doch auch heute noch alle Jungens damit, daß sie wie Ephraim und Menasche werden sollen." Bei diesen Worten warf Martin einen verstohlenen Blick zum Vater hin, ob er vielleicht an etwas Bestimmtes denke dabei — denn Martin vertrug sich nicht immer so gut mit dem jüngeren Bruder. Aber der Vater schien sich gar nicht daran zu erinnern, er hatte sich schon erhoben, um Ernstl zu benschen und erleichtert und mit manchen guten Vorsätzen ließ sich nun auch Martin benschen, zu werden wie Ephraim und Menasche. Liebe Kinder, so war es an diesem Freitagabend bei Martin, Ruth Ernstl. Wie ist es bei Euch und was treibt Ihr denn alles an so einem schönen langen Freitagabend? Wollt Ihr mal etwas davon erzählen, ja? Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Januar Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit Frankfurt a.M. BBnBnnBBHIHHHnHH Freitagabend. Es war an einem langen Freitagabend im Winter, da saßen alle gemütlich im Wohnzimmer beisammen und lasen (nur Mutter brachte noch das kleine Jaköble zu Bett). Niemand durste dazwischen schwätzen, nur. wenn einer eine richtige Frage stellen wollte, durfte er immer unterbrechen.— Martin las in einem seiner neuen n"n Bücher. Die Ellenbogen aufgestützt und mit den Händen die Ohren zuhaltend, damit ihn ja kein Geräusch in seiner spannenden Geschichte störe. Ruth las eifrig in einem geliehenen Buch, das sie am Sonntag zurückgeben mußte und Ernstl, der Sertaner, schaute sich die Sidro des morgigen Tages an. Plötzlich sagte er: „Vater, das.ist doch aber komisch, hast du schon mal gehört, daß ein Großvater seine Enkel nicht erkennt, wenn er sie schon vielleicht hundert Mal gesehen hat"? „Von wem sprichst Du denn?" rief Ruth, die mit ihren Gedanken noch wo ganz anders war. Wochenkalender. vom 28. Dez. bis 2. Jan. 1881 ' vom 16. - 23. Debet 6682 ’PV sp V'NVS Samstag 26 16 n 'N'l Sonntag 27 17 i Montag Dez- 22 nao 18 T Dienstag 29 19 n Mittwoch 30 20 v Donnerstag Jan. 31 21 ' Freitag 1 22 snfin raian riivv Samstag 2 23 a» Mauled: Freitag nachm. 1 Uhr Iv Min.