Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1931)
- Date
- 1931-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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24. Dezember 1931 Nr. 52 Frankfurt a. M., Len u. xm ssss Ein Centralorgan fQr das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann ln Mainz. Ausland: Biertel- -.Ber- Sutt flävten SS Din.; 'Lttäüen 7J50 Lit.; Rumänien 'ab i. 7. 27.’ 15ÖJiei; Polen 4 deutsche G^ldmark zum Tageskurs öbtt 7 Zloty» Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen: Ungar» . Pengö 5 ab 1. Juli 1837; Dänemark 3.8V Krön.; Norwegen 3.80 Krön.; Schweden 3.8VKro«., . ■ Einzelnummer vierzig Goldpfennige. ' Der Israelit erscheint Nonpareille-Zeile. ' Die 75 mm breite_„_ _,_ _, _ _,__ _. Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende« Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jeder,. Vorbehalt. Inferatenannahme durch de» ., Berlag des Israelit G.m.b. tz - Frankfurt a, l.i Rechneigrabenftratze 7, Tel. Hansa S1V84 . > sow. durch sämtl. Annoneen-Erped. d. In» und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinstraße 38 Tel. 48866. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. Zahlungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt sMain) Nr. 18843. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 78603.—Postsparkassen imt Budapest Nr. 18434. — Postscheckkonto Warschau Nr. 180757. - Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7354. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34868 - Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl- Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Zum neuen Jahrgang! Wir haben neben einer großen Reihe von Ausläßen aus allen Gebieten des jüdischen Wissens und Lebens -für den beginnenden Jahrgang auch mehrere wertvolle größere und kleinere belletristische Arbeiten erworben, die in schöner Form unsere Leser mit der jüdischen Innenwelt in all ihren von Land und Milieu bedingten Schattierungen bekanntmachen. Die Kinder ecke, die seit ihrer Reorganisierung, von fachmännischer Hand geleitet, jede zweite Woche unseren kleinen Lesern und Leserinnen so viel Belehrung und Unterhaltung bringt und sie zur Selbstarbeit anregt, wird aus der gleichen Basis fortgesetzt und noch wesentlich ausgebaut. Außerdem rmrd in den nächsten Alonaten ein neuer Roman von S. Schachnowitz beginnen, der unter dem Titel Ghettodämmerung alles, was, inersten Hälfte des neunzehnten Iahrhuyderts ini jüdischen Leben von Bedeistung war, ersaßt und in einer dichterischen Komposition zusammenstelltz hie die Leser ist Spannung hält und dabei ihnen ein einprägsames Bild der Zeit vorführt, der ein Rabbi Wosche Soser in Preßburg und Rabbi Akiba Eger in Posen das Gesicht gaben. Die von mancher Seite bei uns angeregte Ermäßigung unsrer niedrigen Abonnemenksgebühr ist uns vorerst leider unmöglich, soll nicht die Existenzgrundlage des „Israelit" gefährdet werden. Die eingetretene Senkung der Papier- und Wateriahireise wird durch die Erhöhung der Umsatzsteuer und die fast völlige Lahmlegung des Anzejgengeschäftes leider mehr als wettgemacht. Ueberschüsse hat der Betrieb des „Israelit" auch disher nicht erzielt und eine Dividende an die Anteilseigner ist nicht verteilt worden. Wr erwarten daher, daß unsre Leser diese Tatsachen würdigen und , uns nicht nur die Treue wahren, sondern um die., G.e w i n n u ng neu er.. Leser bemüht sein werden. . Verlag utzd Schristleitung des „Israelit", Kaschrukh-Anifikalion inBudapest? Von Oberrabbiner PH. Aifcher in Äarospakak. Den ganzen Sommer über rauschte und brauste es im ungarisch-jüdischen Blätterwald von einer angeblich bevorstehenden Unifizierung der rituellen Fleischbeschassungsinstttuttonen der orthodoxen und der neologen Gemeinde in Pest. In den weitesten Kreisen der hierländischen Orthodoxie fühlte man sich vor den Kopf gestoßen. Als dann in den konfessionellen Blättern ein dunkel gehaltenes Communique erschien über den Beschluß des fünfgliedrigen orthodoxen rabbinischen Zentralrates, wonach diese Körperschaft keine Gefahr darin erblicke, daß eine orthodoxe Gemeinde „die Koscherfleisch-Versorgung für die am gleichen Orte befindliche neologe Gemeinde übernimmt," wobei die Feststellung der nötigen Modalitäten dem zuständigen orthodoxen Rabbmat überlassen bleiben müsse — stand man erst recht vor einem Rätsel. Aber auch aus dem neologen Lager Ertönte manche kräftige oppositionelle Stimme gegen eine derartige „Uebergabe" ritueller Gememdeinstitutionen der Neologie an die Orthodoxie. Ganz anders die zwei f ü h re n de n Blätter ijej; neologen. Presse.. Sie begrüßten in. ekstatisches!Tön?N die,hier bevorstehende und von ihnen erhoffte Teilunstizierung. Ja der aus pölnisch-chäffidischern -. Milieu hervorgegangene Redakteur des einen Organes feierte in dieser angeblich bevorstehenden Teilunifikation den Anfang der Erlösung. Wer die pragmatische Entwicklungsgeschichte und die Organisationskämpfe der ungarischen Orthodoxie kennt, wußte von vornherein, daß man dem Genius der Geschichte vertrauen durfte und daß ein Projekt, wie das hier geschilderte, nicht zur Tat werden konnte. Der rauschende Jubel verstummte denn auch bald und mau durste aus dem schon einige Monate hindurch dauernden Schweigen schließen, daß die Anreger des Projektes ein Fiasko erlitten hatten. Da man aber jetzt immerhin wieder davon munkeln hört, daß trotzdem in zuständigen Kreisen über den Gedanken gesprochen oder verhandelt wird, und da auch das Ausland nicht ohne Kenntnis dieser Vorgänge geMehenist, so fühle ich mich verpflichtet, schon mit ^Rücksicht auf die Solidarität der Orthodoxie der ganzen Welt zu dieser Angelegenheit das Wort zu exgreifen. . Dazu vor allem eine persönliche Bemerkung. Ich habe schon in meinem an dieser Stelle früher erschienenen Aufsatz: „Gemeindeorthodoxie in Ungarn?" darauf hingewiesen, daß, wie enge verwandtschaftliche und freundschaftliche Bande mich auch mit dem konservativen Gemelnderabbiner der Rombach-Synagoge in Budapest verbinden und wie sehr ich auch von dem tiefen religiösen Ernste seiner Bestrebungen, mit denen er in den Spuren seines ehemaligen Meisters, des sel. Rabbiner Dr. Marcus Horovitz ^"27 zu wandeln sich bestrebt, überzeugt bin — ich mich dennoch auf einem diametral entgegengesetzten Standpunkt befinde. Und nun zur Sache. Vor dem Amtsantritt des erwähnten konservativen Gemeinderabbiners im Jahre 1926 lag das Kaschruthwesen der Gemeinde von Budapest sehr im Argen. Es war ein offenes Geheimnis, daß der Rabbiner, dem früher die Ueberwachung des Koscher-Fleisches übergeben war, Jahre hindurch seinen eigenen Fleischbedarf nur aus den orthodoxen Fleischbänken bezog, sowie denn auch tatsächlich Hunderte von jüdischen Familien, die wohl der neologen Gemeinde angehörten, aber dennoch auf echt koscheres Fleisch reflektierten, ihren Bedarf allein .aus den,.-Fleischbänken^ der orthodoxen Gemeinde! 'bezogen. Das bedeutete gber« infolge des Gahssta-Zufchlags eine beträchtliche Nebeneinnahme für die orthodoxe Gemeinde. Mit dem Amtsantritt des neuen konservativen Gemeinderabbiners änderte sich diese Sachlage. Dieser kämpfte mit ganzer Selbstemfetzung gegen den gewaltigen Widerstand des Vorstandes und des Rabbinats an;'* Er entließ unzuverlässige Schochtim und Maschgichim, lieh neue, fromme, mit orthodoxer Autorisation versehene Beamte anstellen, vermehrte auch bedeutend den Personalstand derselben, was der Gemeinde große Kosten verursachte. So entstanden allmählich starke Erbitterungen. Der Vorstand verargte es dem neuen Rabbiner, daß er sich mit dem bisherigen Schein-Kaschruth nicht abspeisen ließ, sondern bitter Ernst mit der Sache machte und dadurch bedeutend - mehr Ausgaben verursachte. Das Rabbinat, ganz: aus ehemaligen Zöglingen des Pester neologen Seminars bestehend, fühlte sich durch das energische Eingreifen des neuen Mitgliedes-in seinem Prestige verletzt. Aber auch die orthodoxe Gemeinde, sah sich geschädigt im Hinblick aus.hie Verminderung ihrer finanziellen Einkünfte. "■"> " ,