Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1931)
- Date
- 1931-12-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 51 LOREY Das Fachgeschäft für Haus und Küche Glas und Porzellan Schi!lerftr.16, Gr. Eschenheimer ftr.29 Lands sich befinden. Im Zusammenhang damit halten mir es für richtig, vor allen Versammelten und vor der ganzen moslemischen Welt zu erklären, daß die Juden keinerlei Absichten haben, den Rechten der Moslems auf ihre heiligen Stätten zu nahe zu treten, oder irgend ein Recht auf diese Stätten zu fordern, sowie wir wollen, daß auch andere unseren Rechten auf unsere heiligen Stätten nicht zu nahe treten. Wir weisen insbesondere mit aller Entschiedenheit jeden Verdacht zurück, der uns den Willen zuschreibt, Rechte zu fordern, auf die Euch unter dem Namen Misget el Akfa heilige Stätte und auf die anderen Orte, die sich auf der Fläche des Tempelberges befinden. Was die Kothel Maarowi betrifft, den Ort, von dem die Herrlichkeit G'ttes nie gewichen ist, so ist unser einziger Wunsch, daß wir sowie unsere Väter und Vorväter dort unser Herz im Gebete ausgießen können ohne Störung und in würdiger Form vor dem, der seinen Namen an dieser Stätte thronen ließ. Wir hoffen, daß der Geist des Friedens ausgegossen fein wird über den geehrten Kongreß und das jede Art von Verdächtigung im Herzen eines Teiles der Bewohner des heiligen Landes gegenüber dem zweiten schwinden wird. G'tt möge die Hütte seines Friedens breiten über alle feine Bewohner und möge auch Ihr Werk am Aufbau und am Aufblühen des heiligen Landes zum Glücke Aller gelingen lassen." Beachten Sie meine 3 neuen Schaufenster in der Börse. Die offiziellen Ergebnisse der Volkszählung in PätSftina. Jerusalem, 11. Dez. Soeben wurden die folgenden provisorischen Ergebnisse der vor kurzem in Palästina durchgeführten Volkszählung offiziell bekanntgegeben: Die Gesamtbevölkerung Palästinas besteht aus 1.035.154 Seelen, davon sind 759.952 Moslems, 175.006 Juden, 90.607 Christen und 9.589 Angehörige anderer Konfessionen, unter ihnen etwa rund 8000 Drusen und etwa 1000 Personen, die sich als „Agnostiker" bezeichnen. Unter diesen 1000 „Agnostikern" sind etwa 600 Juden. Die Ziffer 175.006 ist nicht die Gesamtziffer der jüdischen Bevölkerung Palästinas, da sich bekanntlich die Zionisten-Reoisionisten an der Volkszählung nicht beteiligten und auch andere jüdische Bevölkerungskreise davon abhileten, sich in die Volkszählungslisten eintragen zu lassen. Die Revisionisten und ihnen anhängende Kreise ließen die Volkszählungsfunktionäre nicht in ihre Häuser ein. Die Volkszählung i. I. 1922 ergab eine palästinensische Gesamtbevälkerung von 757.182 Seelen, davon waren 590.890 Moslems, 83,794 Juden, 73.024 Christen und 7.028' Drusen. Die Zahl der Juden hat sich also um mehr als 91.000, die der Moslems um über 169.000, die der Christen um über 27.000 erhöht. Sprechsaal. Line ländliche Geschichte von prirnwieller Bedeutung für Stadt und Land. Auf den unter der obigen Ueberschrift in Nr. 49 des „Israelit" erschienenen Wochenrundschau-Artiksl geht uns eine durch Inserat bereits angekündigte Erwiderung der interessierten Metzger zu. Wir können diese Erwiderung deshalb nicht veröffentlichen, weil sie im weientlicyen rein persönlicher Natur ist und kaum irgendwelche sachliche Momente enthält. An sachlichen Berichtigungen ist daraus nur folgendes zu vermerken: 1. Die Schechito erfolgt entgegen dem Verbote des Prooinzialrabbiners nicht außerhalb, sondern innerhalb des Rabbinatsbezirkes, was die Sache gewiß nicht besser macht. 2. Die Metzger haben, bevor sie sich zur Berufung auswärtiger Schochtim entschlossen, dem Provinzialrabbiner erfolglos vorgeschlagen, einen auch von ihm besonders hochgeschätzten und anerkannten Schochet des Bezirks mit der Schechita zu betrauen. Enon^ ist zu berichtigen, daß nicht 7, sondern 11 Schochtim im Rabbinatsbezirke beschäftigt sind. Der Der Israelit übrige Inhalt der Zuschrift ist für den zur Diskussion stehenden Tatbestand belanglos. Wenn von den Interessenten einige Ausdrücke und Redewendungen unseres Aufsatzes beanstandet werden, so sei dazu bemerkt, daß der Artikel keineswegs etwa aus der Feder des Provinzialrabbiners stammt und daß dem Redaktionsmitgliede, das ihn verfaßte, jede Absicht der Herabsetzung einer Berussgruppe, die für die Koscherfleifch-Verforgung der Kehillo von so großer Wichtigkeit ist, vollkommen fern gelegen hat. Wir stehen aber nach wie vor auf dem Standpunkt, daß für eine so wichtige Institution, wie die Schechito einzig der Rabbiner zuständig und verantwortlich ist und bleiben muß, und daß es Ausgabe der orthodoxen Presse ist, in dieser Hinsicht die Autorität des zuständigen orthodoxen Rabbinats mit größter Energie zu verteidigen. Wir hoffen, daß der Hauptzweck des Artikels, die Angelegenheit dorthin zu verweisen, wohin'sie gehört, nämlich in die Hand der gesetzestreuen Rabbinerverbände und nicht in diejenige der Staatsbehörde, daß diese Absicht bald erreicht sein wird. Wir nehmen übrigens als selbstverständlich an, daß damit sowohl der Rabbiner als auch die Metzger vollkommen einverstanden sein werden. ■ Redaktion des „Israelit". Vermischtes Berlin, 13. Dez. Am Dienstag, den 25. November, fand in den Lernräumen der Synagoge mW vrnrr ein Schüler-Sijum der Talmud-Thora ‘nip» unter Leitung von Herrn Rabbiner Fläfcher statt. Ihm fällt in erster Reihe das Verdienst zu, den Verlaus der Feier würdig gestaltet zu haben. Anschließend an anya nian wurde der pna zu Ende gelernt. Sodann hielt der Srbüler Siegfried Geller eine inhaltsreiche, formvollendete Rede, in welcher er auf die Bedeutung des Lernens für unsere Zeit hinwies. Die ständige Vergrößerung unserer Talmud Thora fast er als Beweis für das wachsende Interesse jüdischer Eltern an, ihre Kinder nach dem. Vorbilde ihrer Vorfahren zu erziehen. Anhand einzelner mar-Stellen wies sodann ein Freund des Rabbiners, Herr Schapira, nach, daß der Geist für unsere orn-n stets das Dominierende war und daß dennoch das Individuum ferne Berücksichtigung - findet. Mit der Darbietung von jüdischen Gesängen endete die Veranstaltung, die dem Titel mW nanrr voll und ganz entsprach. Am 6. Dezember fand im Synagogenverein r-ons ra pa - .mW Kl. Auguststr. 10 eine Feier statt, die in ihrer Art zu den Seltenheiten gehört. Anläßlich der Verschmelzung beider obengenannten Vereine würde die feierliche Ueberführung der mm nsb vom Synagogenverein m Gipsstr. 11 nach der Kl. Auguststr. 10 vorgenommen. In der Abschiedsstunde sprach der Rabbiner beider Synagogenvereine ergreifende Worte und betonte, daß die Tatsache der Verschmelzung beider Vereine symbolisch für den Frieden in Israel fein möge. Synagogenvorsteher Herr I a f f e und Vorstandsmitglied Herr Fried mann sprachen ebenfalls zum Abschied. Darauf wurden die mm mtr, mit Gesang vieler Psalmen in Begleitung einer großen, unübersehbaren Menschenmenge nach der Kl. Auguststr.. überführt. Dortselbst empfingen die Vorstände beider Vereine mit Kerzen und Chorgesang unter einem Baldachin die rnso mm. Sämtliche (13) rro des Synagogenvereins man» mW wurden ausgehoben, mit denen, gemeinsam mit den n*o des Synagogenvereins th pa mehrere r-nspn gemacht wurden. Nach dem Einheben hielt der Rabbiner eine halbstündige Ansprache, in der er zuerst die Gäste, ganz besonders das Dozentenkollegium des. Hildesheimer'fchen Rabbinerfeminares, wie auch Herrn Rabbiner Dr. Freimann herzlich willkommen hieß und anhand einer tiefen Betrachtung den Beweis erbrachtes daß beim Judentum der geistige Maßstab allein ausschlaggebend sei. Mit einem Appell zum-mW schloß die Rede. Ganz besondere Verdienste erwarb sich durch künstlerischen Vortrag Herr Oberkantor Auerbach wie auch der Dirigent des Knabenchores, Herr Pappenheim. Berlin, 10. Dez. Der Weltverband Schomre Schabbos lädt seine Berliner Freunde zu einer öffentlichen Veranstaltung ein, die am Sonntag, den 27. Dezember, vorm. 11 Uhr, in den Musiker-Festfälen (Kaiser Wilhelmstr. 31) unter dem Motto: „Nach dem Kampf um die Kalenderreform" stattfinden wird. Es referieren die Herren: Seminardozent Dr. Samuel Grünberg, Rabbiner Dr. Herm. Klein und Kaufmann Alfred Marcus. Wiesbaden» 14. Dez. Die Altisraelitifche Kultusgemeinde beging am Sonntag, den 23. November, nach 3jH jährigem täglichem Studium im schlichten Rahmen eine von allen' Teilnehmern als trefflich gelungen erkannte «yumfeier über mru km ma Nach feierlichem ■nie na des Synagogenchors unter bewährter Leitung des Herrn Berthold Kahn trug der Leiter des Schiur, Herr Rabbiner Dr. Ansbacher, den letzten Teil vor. Anschließend war eine vielköpfige für mm interessierte Schar zu einem gemütlichen Mahl geraden. Der Vorsitzende, Herr Dr. Sulzberger, begrüßte die Anwesenden mit herzlichen Worten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieses Fest Anregung zu immer stärkerer Beteiligung am Tauroh-Studium gebe. Sodann führte Herr Dr. Änsuacher, wie üblich, in geistreichem pw die Bedeutung des Leryens gerade für unsere Zeit aüs, das 17. Dezember 1931 uns wenigstens für einige Stunden in eine andere, licht--' vollere. Welt versetzt. Auch unser altehrwürdiger Rabbiner Dr. Kahn erfreute die Runde mit kräftigen Thoraworten und betonte, daß das Gedeihen einer jüdischen Gemeinde nur auf Pflege des Lernens beruhe. Ebenso brachte Herr" Teig als jugendlicher 70er seine Freude zum Ausdruck, an solch schönem Fest teilnehmen zu können. Lehrer Spier, Schwalbach und S u l z b a ch e r, Biebrich, sprachen schöne Thoraworte und dankten dem Raw für die selbstlose Hingabe, mit der er in allen Kreisen und Altersstufen für Verbreitung jüdischen Wissens sorge. Als einer der dankbarsten Mitlernenden richtete auch Max W r e f ch n e r einen warmen Appell an die Anwesenden, soweit es ihnen die Zeit erlaube, doch an den regelmäßigen Schiurim Erbauung und Belehrung zu holen. Unmöglich ist es, in diesem Rahmen die inhalts? reichen Gedanken wiederzugeben, die aus der Fülle ihres Wiffens die Herren Felix Goldschmidt, Chanachowitz, Tiefenbrunner und Godel darboten. Auch die Jugend kam durch Berthold Goldschmidt, Salo Mayer und Cinnowicz eindrucksvoll zu Wort. Umrahmt war die Feier von Gesängen des Chors und künstlerisch wirkungsvollen Vorträgen des Herrn Kantor Grünbaum, begleitet von Isaak Nuß - bäum auf Mandoline. Für Humor sorgten Herr B. Teig aus seinem poetischen Band eigener Dichtung, eine von Dr. Ansbacher verfaßte, eine Schiurstunde schildernde Selichoh, Heinz Kahn mit einem Gedicht „Zum Sijum" aus der Feder seines Vaters, Josef Ansbacher als Schadchen Jontel Flock. Man schied mit dem Gedanken, eine seltene, geistige Freude miterlebt und Anregungen zu einer zahlreichen Teilnahme an den künftigem Schiurim empfangen zu haben. Veriönalie«. Jacob Strauß Frankfurt a. M.. 16. Dezember. Satt an Tagen, im einundachtzigsten Lebensjahre^ ist am fünften. Tewes - mit Jacob... Strauß .eine Persönlichkeit abberufen worden, deren Wesen.und Mirken von einer allem Repräsentativen, allein Hervortreten Abgeneigten Sprödi'gkeit überschattet war, und die es gerade darum , mehr als viele offizielle: Größen verdient^ daß man ihr num da ein. reiches-Leben abgeschlossen oorliegt, in annähernder Erkenntnis wenigstens gerecht zu werden versucht. Jacob Straub Jacob Strauß war ein Kind des altbayerisch-jüdischen DörsmilieUs, in Bur g p.r e p p ach stand feine Wiege. Das Burgpreppäch jener Tage wird am besten dadurch charakterisier^ daß inmitten eines kräftig pulsierenden Gemeindelebens neben einem Raw von hervorragender Gelehrsamkeit,, wie^ der Heimgegangene, oft erzählte, fünf oder sechs. Baalebatim wirkten, die in ihrer Jugend noch zu Fuß den Weg zu Rabbi Mordechai Baneth Wst, nach Nikolsburg zurückgelegt. hatten, um sich dort zu rechten Talmide Chachomim, heranzubilden. In. diesem Milieu, in dem, sich die. urwüchsige Kraft lebendigen Thorageistes mit der problemlosen Ungebrochenheit dörflicher Naturnähe begegneten, wuchs' dis Seele des Knaben ins Leben hinein: Hier entwickelten sich Charakter und Intellekt zu seltener Harmonie und Gesundheit, und dort ward sicherlich das Fundament gelegt, auf dem sich, in den Wander- und Lehrjahren in Fürth und Karlsruhe gefestigt, die Eigenart der geistig-religiösen Persönlichkeit des Heimgegangenen herausbildete. Das beherrschende Element in diesem Innenleben war die Thora; ein reiches, sicheres Thorawissen, das: der Knabe und Jüngling in sich aufge-, nommen, das der Mann und der Greis unablässig Tag und Nacht gemehrt, es ward von einem glänzenden Gedächtnis bewahrt, und es schuf allmählich einen ge-! rädezu wunderbaren Instinkt für die treffsichere Beurteilung jeder Lebenssituation unter dem Gesichtswinkel der Halacha. Aber das war noch nicht das Besondere, das ihn auszeichnete. Wohl aber darf man als ein Besonderes betrachten die Synthese einer in höchstem