Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1931)
- Date
- 1931-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 51 Seite 5 17. Dezember 1931__.__ und wirtschaftliche Vernichtung wird uns angedroht! Boykott, dieses undeutsche Schlagwort, wird in Groß- und Kleinstädten gegen uns ausgerufen; Gräber werden zerstört, G'tteshäuser geschändet. In Versammlungen und in der Presse wird offen zu Gewalttaten gegen Juden aufgefordert. Das Boxheimer Dokument enthüllt eine , -Gesinnung, die vor keiner Grausamkeit haltmacht. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat seit Jahren aus diese gefährliche Entwicklung in Wort und Schrift hingewiesen. Lauheit, Kurzsichtigkeit, Besserwisserei wollten der unbequemen Wahrheit aus dem Wege gehen. Trotzdem! Keine Minute bangen wir. Unsere gerechte Sache , ist unsere beste Waffe! Millionen Deutscher bekämpfen mit uns Verhetzung und Gewalttat als die Unseligkeit dieser Zeit. Wir sind des Vertrauens unserer Freunde zum Zentralverein nach wie vor sicher. Gerade jetzt erhalten wir aus allen Teilen des Reiches vorbildliche Beispiele von Hilfe und Opferwilligkeit. Wir bemühen uns, dieses Vertrauens würdig zu sein. Bis zum letzten Einsatz unserer letzten Kraft versuchen wir alles, um Unheil vom deutschen Judentum fernzuhalten. Darum: Ruhe und Vertrauen!" Delegiertenwahl im Synagogenverband. H amb ur g, -16. Dez. Am Sonntag fand die Crgänzungswahl zum Dekegiertenkollegium des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes statt. Im Mittelpunkt der Wahlbewegung stand die Frage, ob den aus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde aus Gewissensbedenken ausgeschiedenen Orthodoxen im Synagogenverband trotz ihres Austritts aus der Gemeinde ihre vollen Mitgliedsrechte erhalten bleiben, oder ob sie mit ihrem Austritt aus der Gemeinde im Synagogenverband zu Mitgliedern zweiten Ranges .degradiert werden sollen. Leider hat diese letztere Richtung gesiegt, während die Vertreter der Mittelpartei, die die Entrechtung der aus der Gemeinde geschiedenen Mitglieder wenigstens von einer Entscheidung des Oberrabbiners abhängig machen wollten, unterlagen. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Eine jüdische UnterrichlsnnMlk in Not. ' Köln, 13. Dez. Unter der Ueberfchrift „Vor dem Ende der Talmud Tauroh" bringt das Kölner Jüdische Wochenblatt ein Rundschreiben des Vorstandes dieser Anstalt am Hohenstaufenring an Mitglieder und Eltern, in dem es heißt: „Zu unserm Bedauern sehen wir uns genötigt, ab 1. Januar 1932 unsre seit mehr als 70 Jahre bestehende Anstalt zu schließen. Von diesem Zeitpunkt an können wir Ihren Schülern keinen Unterricht mehr erteilen. Unsre Schulräume werden wir zum nächst zulässigen Termin kündigen. Diese Maßnahmen können dadurch abgewandt werden, daß die Eltern unsrer Schüler, an die wir hiermit den letzten Appell richten, durch eigne Kraft oder durch Werben in Freundeskreisen die uns fehlenden Mittel aufbringen." Dazu wird uns noch aus Köln geschrieben: Die Talmud Tauroh ist im Jahre 1860 als Chswroh gegründet, an der Abends Erwachsene lernen und tagsüber die. Jugend "unterrichtet wird. Sie hat sich im Laufe der Zeit zu einer Lehranstalt ausgewachsen und zählt heute bei 170 jugendlichen Schülern und mehreren hundert erwachsenen Mitgliedern, sechs Dozenten. In den ersten 36 Jahren des Bestehens der Talmud Tauroh lehrte der Gründer Rabbi Wolf sein Rachsolger war Herr Rabbiner Dr. Anton Nobel V-st und seit 1900 steht Rabbiner Dr. .B. Wolf als Leiter an der Spitze. Es wäre ein Jammer, wenn eine Tauroh-Anstalt den Zeitverhältnissen zum Opfer fiele, die über sieben Jahrzehnte segensreich gewirkt und ihre Aufgabe er- . -füllt hat. Wir wollen hoffen, daß sich auch außerhalb Kölns frühere Schüler und Freunde finden mögen, deren gemeinsamer Kraft die Erhaltung der Talmud Tauroh gelingen möge. Tschechoslowakei. Achächtverbot in Außig. Prag, 7. Dez. Die Stadtvertretung von Außig a. E. hat vor kurzem den Beschluß gefaßt, die Schach tun g nach jüdischem Ritus zu verbieten. Obzwar von jüdischer Seite sofort Proteste gegen dieses Verbot erhoben wurden, in denen insbesondere auf die wiederholten Entscheidungen in Deutschland hingewiesen wurde, hat die Landesbehörde von Böhmen diesen Beschluß bestätigt, so daß auf dem städtischen Schlachthof von Außig nicht mehr rituell geschlachtet werden darf. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Außig hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt, in der insbesondere darauf hingewresen wird, daß nach zahlreichen Gutachten tierärztlicher Sachverständiger die rituelle Schlachtung bei entsprechenden Maßnahmen keinerlei Quälerei des Tieres darstellt. Polen. Das Beih Iakauw-Seminar. Krakau, 19. Dez. Der prächtige Bau des Veth Jakauw-Seminars in Krakau, der zum größten Teil schon seit langer Zeit in Betrieb genommen ist, sieht seiner endgültigen Vollendung entgegen. 36 Hörerinnen bekamen am Chanuckoh ihre Diplome, neue sechzig Schülerinnen wurden ausgenommen. Die Einweihung des Hauses ist definitiv auf den 15. Schwat angesetzt. Aus diese Weise werden demnächst 36 neue Schulen in Polen und Galizien eröffnet und von ausgebildeten Lehrerinnen geleitet werden. Die Woche. Berlin. In den letzten Novembertagen wurden, wie die „C. V.-Zeitung" mitteilt, in Lüneburg voy bisher unbekannt gebliebenen Tätern 15 kleine bunte Glasscheiben der Synagoge durch Steinwürse zertrümmert. Auch die Fenster der Synagoge Freystadt (Westpr.) wurden eingeworfen. Mainz. In Groß-Gerau wurde das vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zum Andenken an 44 jüdische Gefallene errichteten Ehrenmal auf dem Israelitischen Friedhof in Anwesenheit vieler Organisations- und Behördenvertreter des Kreises und der Kreisstadt eingeweiht. Posen. Im Keller des Posener Jüdischen Krankenhauses brach ein Brand aus, 8 der die darüberliegenden Krankensäle, in denen 8 sich etwa 700 Patienten befinden, bedrohte. Es wurde sorgfältig vermieden, daß unter den . Kranken eine Panik entsteht, die Evakuierung einiger Säle vollzog sich in Ruhe. Der Brand konnte gelöscht werden. Der Schaden ist bedeutend. London. Im Alter von 68 Jahren verstarb in London Henry Hyman H a l d i n, Kings Council und Anwalt am Obersten Gerichtshof in Buckinghamshire. Als Präsident - des Komitees für juristsiche und Presse-Angelegenheiten des Jewish Board of Dep u t i e s kämpfte er für jüdische Rechte und Interessen in der ganzen Welt. — In einer Mitteilung der jüdischen Wohlfahrtspflege wird gesagt, daß mehr als 7 00 Familien mit über 1000 Seelen von den jüdischen Notstandsküchen diesen Winter Gebrauch machen. Das ist erfreulicherweise keine große Zahl für die größte jüdische Gemeinde Europas. — Eine Gemeinschaft der persischen Juden, die im Norden Londons allein 1000 Seelen zählen und drei Synagogen besitzen, wurde dieser Tage mit dem Zwecke, die Kenntnis des Judentums unter den persischen Juden in England zu verbreiten, gegründet. Rumänien. Die jüdische Partamentsfraktion in Rumänien stimmt gegen das Budget der Regierung. Bukarest, 10. Dez. In der letzten Sitzung des rumänischen Parlaments ergriff der Abgeordnete der Jüdischen Partei, Dr. Josef Fischer, das Wort, um nochmals die Beschwerden der jüdischen Bevölkerung gegen die Mißachtung ihrer Forderungen durch die Regierung vorzubringen. Er erklärte, die Mitglieder des Jüdischen Parlamentsklubs würden im Hinblick darauf, daß die zur Unterstützung des jüdischen Schulwesens und des jüdischen Kultus vorgesehenen Staatssubventionen völlig unzureichend sind, gegen das vorgelegte Budget stimmen. Das Budget des Kultusministeriums für das neue Finanzjahr sieht eine Subventton des jüdischen Kultus in Höhe von 8,606.255 Lei vor. Wie sehr der jüdische Kultus auch in dem neuen Budget benachteiligt wird, ist daraus zu ersehen, daß nach den jetzt festgesetzten Summen auf die verschiedenen Konfessionen in Rumä- DIABETIKER-BROT NACH DR. SEN FT NE R Bekommt ausgezeichnet - Schmeckt vorziiglidh Bewirkt günstiges Absinken des Zucker-Gehaltes I Machen Sie noch heute einen Versuch. Laib nur 50 Pfennig. DINGES-B.ROTFABRIK (j-M-B-H nim folgende Staatsbeiträge pro Kopf und Jahr entfallen: Griechisch-Orthodoxe 34, Katholiken 30, Lutheraner 32, Reformisten 21, Juden 9 Lei! Palästina. Der Moslem-Kongreß. Jerusalem, 8. Dez. In der zweiten Sitzung des Islam-Kongresses ließ der Großmusti von Jerusalem unter die Delegierten und Gäste zwei Photographien zirkulieren, die die Aufschrift trugen: „Die Engländer bewaffnen die Juden in Palästina und unterweisen sie in dem Umgang mit Feuerwaffen." Die eine Photographie ist echt und zeigt eine Uebung der Arbeiter in den Athlit-Steinbrüchen ohne Waffen, die andere Photographie, die angeblich bewaffnete Juden zeigt, ist zweifellos eine Fälschung. Es verlautet, daß die Exekutive der Jewish Agency bei der Palästina-Regierung gegen diese von dem Mufti bettiebene antijüdische Hetze energische Vorstellungen erhob und auf die Gefahren hinwies, die den Juden..in Palästina und in den andeern arabisch-moslemitischen Ländern aus einer solchen Hetze drohen. An dem Moslem-Kongreß nehmen insgesamt 150 Moslems, und zwar 80 aus Palästina und Transjordanien und 70 aus anderen Ländern, teil. Der Kongreß wählte den Großmusti Haj Amin el Husseini zum Präsidenten und je einen Vertreter aus Pemen, Persien, Aegypten und Sirqbal (Indien) zu Vizepräsidenten. Es wurden Kommissionen für Heilige Stätten, für Kultur und für Propaganda eingesetzt. Es wurde weiter beschlossen, in allen moslemitischen Ländern Vereinigungen moslemitischer junger Männer nach dem Muster der Pmca Pmha (Palästina-Vereinigung moslemitischer junger Männer) zu gründen. Nach einer einen ganzen Tag lang andauernden Debatte wurde beschlossen, die Rückgabe der für die Mekka- Pilger erbauten Hedschas-Eisenbahn an die Moslems zu verlangen. Sollte die Rückgabe nicht binnen sechs Monaten erfolgen, so solle an den Völkerbund appelliert werden. Bleibt dieser Appell erfolglos, so wird die Welt der Moslems aufgefordert werden, alle englischen und ftanzösischen Waren, sowie Waren aus den anderen europäischen Ländern zu boykottieren. König Jbn Saud vom Hedschas und König Feisal vom Irak haben den Kongreß durch kurze Telegramm« begrüßt und ihm Erfolg zu seinen Arbeiten gewünscht. Nach einer Ansprache über die Heiligkeit des Buraq (Klagemauer, so benannt nach Mohammeds Schimmel, der hier angebunden worden sein soll) leisteten die Delegierten den Schwur, alle heiligen Stätten des Moslems mit ihrer ganzen Kraft zu verteidigen. Agudas Jisroel begrüßt den Moslem-Kongreß in Jerusalem. Jerusalem, 7. Dez. Die Palästina-Organisation der Agudas Jisroel sandte an das Präsidium des Moslem-Kongresses eine Begrüßungskundgebung, in der es heißt: „Das orthodoxe Judentum in Erez Jisroel, das innerhalb der Weltorganisation Agudas Jisroel organisiert ist, beehrt sich, den geehrten moslemischen Kongreß in der heiligen Stadt Jerusalem zu begrüßen. Möge es der Wille G'ttes sein, daß diese Zusammenkunft religiöser Führer der moslemischen Welt, der Stadt und dem Lande Segen bringt, die G'tt erwählt hat und daß die Zusammenkunft dazu beittagen möge, den Frieden unter allen Bewohnern des heiligen Landes zu fördern. Der geehrte Kongreß wird sich mit der Frage ber heiligen Stätten des Moslems befassen, die im heiligen