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Der Israelit · 1931-12-17 · Heft 51 (17.12.1931) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 51 (17.12.1931)
Date
1931-12-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 51 D e r I s r a eilt 17. Dezember 1331 In jedem jüdischen Geschichtsbuch muß er künftig vermerkt sein, als G'ttes Grohkampft'ag als G'ttes Siegestag erster Ordnung. Jedem Kind, jedem Schüler muß er eingehämmert werden zum Andenken an G'ttes Schabbos! Sind unsere Väter darüber hinweggegangen, als Mordechai die „Dokumente" Hamans, des Judenhassers, in die Hand fielen? Er selbst ging unter die Juden und erhob ein bitteres Klagewemen. Esther ging zum König, und ihr Volk schickte sie zum König der Könige, alt imö1 jung, fastend und weinend. Heute fasten wir noch in Erinnerung an die damalige Zeit. Wo ist heute eine Esther, wo ein Mordechai, der „die Anlässe des Fastens und Betens" verewigt? Gibt es heute einen Mordechai, der Geschichte schreibt, Geschichte erlebt, und ohne den höchsten Namen zu nennen, eine ganze Rolle schreibt, die nichts ist, als eine Verherrlichung G'ttes im Leben? Sie haben gekämpft, aber sie haben auch erlebt die Makkabäer und Mordechai. Die Väter waren vom fiii des rp’K ergriffen, wenn sie des Zuges ins Golus gedachten und gleich drauf sangen sie ]»n nx Sie weinten und lachten, fasteten und beteten und feierten und taten sich gütlich, rissen sich in Trauer die Kleider vom Leib und in Siegesdank legten sie Festgewand an. Sie lebten und erlebten. „Der Realismus hatte ihre Innerlichkeit" ihnen noch nicht geraubt. Ihr Innenleben war ihre Seele. So konnten sie Leid tragen und ließen den Mut nicht sinken. Heute bannt die sachliche Linie in ihrer Steifheit den Geist in Starrkrampf und entzieht dem Hilflosen das Blut des Lebens. Dem Realismus gilt der Kampf, die Innerlichkeit muß wieder erwachen — durch das Leben zu neuem, bessern, schönern, innern Leben. Mochenrundschau. 3«r Frage der Leichenverbrennung. Zwar hat die Judenheit der Welt heute der Lebensfragen genug, die sie im Banne der Sorgen halten. Aber in Wien und Brünn schlagen von neuem K r e m a t o r i u m s f l a mm e n auf. Das Präsidium der Wiener Kultusgemeinde „beruhigt" die Orthodoxie, daß sie entgegen anderslautenden Gerüchten bezüglich relgiö- Verlag des Israeli! u. Hermon G. m. b. H. Frankfurt am Main In unserem Verlage erschien: “ISO 7 w? iü7ft rrw (Responsen Von Prof. Dr. David Hoffmann ^*sr) Teil in 148 Seiten. Steif brosch. MlC. 2.50 in gediegenem Lwdbd. MIC. 3.50 Dermit Spannung erwartete III.(letzte) Teil der Hoffmann'schen Responsen, der die »"INI srn« pi>N by frni2?n sowie außerdem eine große Reihe von Abhandlungen und Bemerkungen zu verschiedenen Teilen des Talmuds erhält, ist von den Söhnen des heimgegangenen Herrn Eli Michael zu dessen ehrendem Angedenken herausgegeben worden und kann infolge dessen zu einem außergewöhnlich billigen Preise angeboten werden- Da die kleine Auflage vermutlich bald vergriffen sein wird, empfehlen wir rascheste Bestellung. Für alle an der praktischen ntnm interressierten rabbinischen Kreise dürfte das Buch unentbehrlich sein. Drucksachenporto pro Exemplar 30 Pfg. Ueberweisung bei Bestellung auf Postscheckkonto 19802 Frankfm. erbeten. Für diejenigen, die die früher erschienenen Teils des Hoffmannschen Responsen-Werkes noch nicht besitzen, haben wir eine Gesamtausgabe der drei Teile gebunden in Leinwand zu Mk. 12..— in ganz kleiner Auflage hergestellt, auf die wir ebenfalls Bestellungen erbitten. Postgebühr bei Voreinsendung des Betrages 40 Pfennig. Zu beziehen durch alle besseren Buchhandl. sowie direkt durch den Verlag. fer Funktionen bei Feuerbestattungen keine Verordnungen getroffen habe. Ein Brunner „Rabbinatskollegium" spricht sich für Vornahme der rituellen Handlungen v o r der Verbrennung auf dem Friedhofe oder im Hause aus,-nicht aber im Krematorium selbst. Bei Beisetzung der Urne sei, außer dem Kaddischgebete (?), ebenfalls jede Zeremonie zu vermeiden. Daß die Brünner „Beruhigung" noch wem-- ger als die Wiener her u h i g t, ist verständlich. In einer großen Versammlung in Brünn sprach über dieses Thema der Preßburger Arzt Dr. Ludwig Lieb e n. Lasten wir über den Referenten und sein Referat eine Brünner poMsche Tageszeitung sprechen: Nach begrüßenden Worten des Einberufers erläuterte Rabbinatsasfefsor Glaser den Standpunkt des Brünner Rabbinats. Sodann ergriff Dr. Lieben das Wort. Berufen erscheint er schon aus dem Grunde, weil er, wie alle Angehörigen der Prager Familie Lieben, über ein tiefgründiges Wissen auf dem Gebiet der jüdischen Religionsvorschriften verfügt. Die Prager Familie Lieben gilt seit mehreren Menschenaltern als eine der frömmsten im ehemaligen Oesterreich und der jetzigen Republik. Ihre Angehörigen stehen fast durchweg als Aerzte, Professoren, Kaufleute im beruflichen Leben. Trotzdem achten sie die Gebote und Vorschriften der Religion, ohne jedes Kompromiß. Dr. Lieben behandelte das Thema zwar ebenfalls vom religiösen Standpunkt, indem er das bereits vorgebrachte Beweismaterial für das Gebot der Leichenbeerdigung noch wesentlich erweiterte, verlegte aber das Hauptgewicht auf die Behandlung des Themas vom ärztlichen, hygienischen und ästhetischen Standpunkt. Seine auf einer Fülle einleuchtender Beispiele aus den Gesetzen des Talmuds und den Aussprüchen der berühmtesten Erklärer beruhenden Ausführungen waren in jeder Hinsicht geeignet, denjenigen von der Richtigkeit seiner Behauptungen zu überzeugen, der nicht auf dem entgegengesetzten Standpunkt um jeden Preis stand. Er bekräftigte das Gutachten des Prager Rabbinats, welches die Erdbestattung als Gebot hinstellt. In der Gesetzessammlung von 613 Ge- und Verboten laute das 231. dahin, daß selbst ein durch den Gerichtshof Verurteilter vor Einbruch der Nacht zu begraben fei. Nach dem großen jüdischen Bibelerklärer Maimonides wiederholt die Thora dieses Gebot durch zweimalige Bekräftigung, indem er wörtlich sagt: „Begraben, begraben sollst du ihn". Die Generalversammlung des orthodoxen deutschen Rabbinerverbandes hat im Jahre 1904 eine These veröffentlicht, die 1912 neuerdings bestätigt wurde. In dieser These heißt es: Die Erdbestattung ist eine biblische Vorschrift und nicht bloß eine uralte Sitte. Die Leichenverbrennung ist religionsgesetzlich unzulässig, weil dadurch das Gebot des Erbbegräbnisses unerfüllt bleibt und weil sie nach Anschauung der Propheten eine Barbarei, nach Ansicht des Talmud und der Dezisoren eine Entwürdigung des Toten ist. An Leichen, die eingeäschert werden sollen, haben daher die Mitglieder der Heiligen Beerdigungsbrüderschaft von jeder Funktion Abstand zu nehmen und eben so wenig darf in -solchen Fällen vom Rabbiner irgendwelche Trauerfeier abgehalten werden. Die Leichenreste sollen auf dem Totenacker neben der Feuerhalle und nicht auf dem jüdischen Friedhof begraben werden. Weit interessanter waren die Ausführungen des Redners, mit denen 'er die ins Treffen geführten Gründe i8*k Die „Einheit" Jiscoels. Aus einem Vortrag von Joseph Wohlfarth. b"2T* zur 5. Jahrzeit am 7. Tewes. Midrasch fragt zu dem ersten Satze von nia», mit Hinblick darauf, daß schon in wi (Kap. 46, S. 8) vom Einzug „Jakobs mit seinen Söhnen" in Aegypten erzählt wird, Lwisa^ ixaa? onV i'.n 0'21 v'a' «d>m 0'X2 arn '21 „Waren sie denn eben erst nach Mizrajim eingezogen, war es nicht schon Jahrhunderte lang her?" — Er gibt zunächst die Antwort, daß, solange Josef und seine Brüder lebten, das jüdische Volk vom Golus nichts verspürte, daß so lange keine Knechtung eintrat. Jisroel vermißte also in der Fremde nicht die Heimat; seine Menschen waren am Anfang von niav noch ebenso wrra, als kämen sie erst herein, als hätten sie die Heimat nie entbehrt. Der Ehatam Sofer fragt: Wie kam das? — Die Antwort ist unschwer zwischen den Zeilen zu lesen: Es heißt heute: vaai apv' „Jaakauw und seine Söhne" kamen nach Aegypten, und in niaw heißt esbsa iwai cs apsr ns Jaakauw und sein Haus — waren eins, da war keines von seinen Kindern, das sich auf Irrwege verloren hätte. Keines, das er nicht ganz zu seinem Hause hätte rechnen dürfen, anders als bei Abraham und Jsak, die den Abfall eines Jsmael und eines Esau zu beklagen hatten, luai apr' waren eins und dieser innige Zusammenschluß machte ihnen die Fremde zur Heimat. Und was war es, das diese Einheit trotz der wachsenden Volksmenge bewahrte? — Der Anfang des folgenden Abschnittes weist darauf hin: ros*» nbvr min» nai miinS Das erste und wichtigste Geschäft bei ihrem Einzüge war nxmn hx/i nvnv eman 'a ]pnb/ ein Beshamidrafch zu gründen, von welchem aus die Sittenlehre ihren Einfluß auf die Familie, das Volk nehmen sollte. Dieses Beshamidrafch, das sie aus der Heimat in die Fremde begleitete, war der Einigungspunkt des Volkes. So heißt es auch in Maleachi: “mb wi» ntspia di?» bm „jeder Ort ist geeignet, dort die höchste, denkbar größte Annäherung an Meinen Namen zu vollziehen" 'a bmm 'n iVsa an'Vjr ’a« ni»sa nmna O’j?ois,n rrn ii>rr piai' 'n rr 'wm 'Kivb twaai D’n’»j?a „wo Gelehrte zusammen sitzen und die Lehre verbreiten, da schlägt die Schechino ihre Stätte auf, da wandert das Heiligtum gewissermaßen mit, da ist geheiligter Boden na^n bv man '~t xbx n~npnb iV prr, da sind wir daheim, da verliert die Fremde ihre Sck)recken für uns. So war es und so blieb es in Aegypten ein Jahrhundert lang. Erst als das Beshamidrafch seine Anziehungskraft verlor, erst als man rmirr firm rri>ani überall Juden begegnete, in den Vergnügungsstätten der Aegypter sie sich breit machten, da «nn ^a opn wurde ihnen die Fremde fühlbar, sie waren nicht mehr wua, da schlich die Zeit im Schneckengang, wie es die Kommentare zu dem Vers ann wann wwa w'i „es war in diesen langen Zeiten" — obwohl es nur eine verhältnismäßig kurze Zeit war (aber np»-V waH ausführen. R. Bechaje macht darauf aufmerksam, wie nach dem Wortlaut des Verses Jakob selbst zu den ^rrnv' '22 zu den „Kindern" Jisroels gehört, woraus hervorgeht, daß auch Abraham und Jfak auf den Namen 'iw Anspruch haben. In der Tat ist die Zahl 70 ohne Jakob selbst nicht herauszubringen. — (Von diesem Gesichtspunkt aus wird auch Esau als naia i-uiv' bezeichnet; auch das '«nw ’ia awiaiift nur unter dieser Voraussetzung zu verstehen, da die 430- Jahre doch die ganze Zeit seit pa mna nnnan umfassen.) Daß trotz dieser „Einheit des jüdischen Volkes", die als Forderung niemals aufhörte und niemals aufhören wird zu bestehen, ein Sichausleben der verschiedenen individuellen Veranlagungen im Rahmen der Thora sehr wohl möglich war, daß es immer gerade zu den besonderen Zielen der Thora gehört, eine reiche Mannigfaltigkeit der Kräfte mit am Werk zu sehen für den Bau der idealen, verheißenen Zukunft — das findet deutlichen Ausdruck sowohl im Text als auch in den Erläuterungen zu den Segnungen an die aps» »22 in 'wi und an die Stämme in nanan nrni- Etliche Ergänzungen, die in der hier folgenden Namensaufzählung zu finden sind, können in diesem Zusammenhang zunächst unberücksichtigt bleiben. Die Einheitlichkeit, die Raschi zum Schlüsse des Abschnittes den Gliedern des damaligen Jisroel-Hauses zuspricht, hat, wie anfangs bemerkt, die Stammeshäupter nicht lange überdauert. Bald nach deren Tode: Ntf>atn- Qm« p«n hing jeder seinem eigenen Idole nach, und erst am Fuße des Sinai war die Thora selbst die Einheits- und Einigkeits-Stifter: nnn itri — Aber später, im eigenen Land war es wiederum der Besitz und das Wohlergehen, welche Jisroel zersplitterte, so zersplitterte, daß sogar zwei Staaten daraus wurden mit völlig verschiedenen Lebensanschauungen und Religionen.

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