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Der Israelit · 1931-12-10 · Heft 50 (10.12.1931) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 50 (10.12.1931)
Date
1931-12-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 50 Der 3 s r a e.iIJ t 10. Dezember 1931 fahrlosesten Wege zu suchen hat. Für uns -im Westen ist die Frage seit 70 Jahre.n, seitdem ein S. R. Hirsch alles Positive aus dem Kultursehnen -der nachmendelssohnschen Zeit in jüdische Bahnen gezwungen hat, nicht mehr bedrohlich. Weit unsinniger und-kindischer mutet aber heute das Gerassel mit dem imaginären Makkabäersäbet auf der Festtribüne an. Kraftmeier- Ein Haus der hohen Finanzpolitik und der höchsten Menschenliebe. Vor kurzem berichteten wir über die Bauarbeiten an dem alten Rothschild-Bankh a u s e i n F r a n k f u r t a. M. Wir freuen uns, tum und Großsprechen haben zur Selbstzerfleidieses Haus, in dem der letzte „Frankfurter Rothschung, zur Weltoerelendung geführt. Der nächste schild", Baron WillivonRoths ch i l d , auch Krieg — wir hoffen, er bleibt nur Schreckensgespenst für unbelehrbare Kinder jeglichen Alters in allen Landen — wird nicht eine Frage des Mutes und der Muskeln sein, sondern ein chemischer Vernichtungsprozeß für Starke und Schwache, Gerechte und Ungerechte, der alle persönliche Tapferkeit im Nebel giftiger Gase verschwinden läßt. Abrüstung! Nie mehr Krieg! sind heute die Worte der Mutigsten, der wahren Helden. Zeit wäre es, daß auch unsere nationalen Stürmer den selbstkonstruierten Makkabäer-Holzsäbel aus der Hand lassen und unsere Priesterhelden da zeigen, wo ihr wahres Heldentum liegt, im L i ch t e d e s g e r e i na g t e n Heiligtums... Was uns Synagoge und Famt* lienhaus vAn Chanukkah zu erzählen hatten und ha<>en, bleibt; heute mehr denn je zuvor. Daß uns G'tt durch feine Gebote heiligt, daß er Wunder an uns und durch uns erstehen läßt, g i l t. Mag die Welt heute im Schamai'schen Zeichen des -j^im nms' stehen, ob sich auch in Wirtschaft und Währung, in der Volkskraft und des Einzelnen Lebenshaltung alles vermindert und von Tag zu Tag mehr zusammenschrumpft, in Dingen des Lichtes und Lebens und der Heiligkeit halten wir es mit Hillel: »nps ^Vy» Immer höher an dem, was ewig in uns ist, uns emporranken, je tiefer uns das graue Leben herabzuziehen droht. Die Synagoge bleibt und das Haus, und tiefer Sinn liegt auch im kindlichen Spiele des Chanukkah. Bewegt und sturmgejagt, wie das Trendelchen, ein Spiel der Wellen, der Winde, des Schicksals, der Weltströmungen, dreht und windet sich das Rädlein unseres Geschickes durch die Geschichte. Es fällt und ruht, gewinnt oder verliert, einmal alles, einmal nichts, einmal zur Hälfte nur, zumeist aber heißt es: „Stellen!" Die Besten und Edelsten mußten wir stellen seit der Märtyrerzeit bis zum letzten Weltkriege.' Die Welt hat es uns nicht gelohnt. Aber wie sich auch unsere Geschicke im Rundlauf dev Dinge gestalten, immer war es üv '’nbra OJ'i' öüs große Wunder — dort, Und überall — blieb nicht äüs. öj ist eine Fahne, die aus alten Zeiten in die Gegenwart weht. Noch niemals hatte der.,Ruf: „Juden zu den Fahnen!" so tiefen.Sinn '.wie heute. -.-v Unsere Fahne trägt nicht das Emblem, das Zeichen der Liebe fein soll, es trägt nicht das Hakenkreuz des bewußten Haffes, es zeigt nicht den Stern einer willkürlichen Besitzaufteilung. Sie hat nicht die rote Farbe des Blutes und. das Schwarz der Volksbetörung. Ein Löwe auf himmelblauem Felde zeigt das Banner des alten biblischen Juda. Das Auge zum Himmel gerichtet. und mit Löwenmut alles überwinden, was die Erde an Schwere und Gebundenheit uns auf den Weg zum Himmlischen und G'ttlichen stellt. Auf Juda M a k k a b i s Banner prangten nach alter Deutung die Worte '■» 'm -paa ’ö Vielleichtchaben diejenigen Recht, die Makkabi von apa „Hammer" ableiten. Dann aber, das sagen uns Synagoge und Familie, waren sie nicht der Hammer der Vernichtung, sondern die Rufer, die uns und einer Welt die Erkenntnis einhämmerten. jeden Abend nach Beendigung seiner Geschäftstätigkeit sich oft stundenlang damit befaßte, alle aus aller Welt eingegangenen Bittgesuche zu prüfen und zu erledigen, im Bilde zu zeigen. Frau G ud ul a Rothschild, geb. Schnapper, ist die ehrwürdige Matrone aus der Ahnengalerie der Rothschilds, die auch im Mittelpunkte des bekannten Theaterspieles „Die fünf Frankfurter" steht. Im „Notizblatt" Nummer. 27 der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer, Kunstdenkmäler",, das ganz dem von Rothschild-Museum gewidmet ist, ist ein Aufsatz von Julius Goldschmidt, über die Geschichte des Rothschild-Museums ent-' halten, Mn wir hier in den wesentlichen Teilen wiedergeben: Ieremia Nach einer Sr»o.r von Lesser ttry. Im Jahre 1912, nachdem die Firma M. Av. Rothschild u. Söhne erloschen war, wurde von Baronin Edmond de Rothschild das Haus Fahr gaffe 146 der Israelitischen GemeindK, - a. M. gesche^. Me miWrM un^' einiger JaWAerMächkxiWWldsch dischen WMfährcheiNrichchnssefl/: zur. überließ.!? : :'l\l . Als im JMre MMMMDMiyd? das! Haus, für /ihre eigenen ZWL^, verVepÄM^jvdllts, wäri es in einem derartigE^rwahrldsten' ZNstanÄ; daß diese Absicht nicht ohne weiteres ausgeführt werden konnte. Doch wurde , bald, die Renovation dadurch ermöglicht, daß die damalige Seniorin der Familie, Baronin Mathilde v. Rothschild, und. Baronin EdMndjMMothWlidgelm’eintam die Kostendeckung übernahmen. Sie machten aber Zugleich die Bedingung, daß der erste Stock mit den Privatbüros der letzten hiesigen Vertreter des .-Hauses Rothschild,' Baron Mayer Earl v. Rothschild, gestorben 1886, ünd .Paron Wilhelm' Earl v. Rothschild, gestochen 1901, unverändert erhalten bleiben müsse. Außerdem sollte den.Räumen eine Erinnerungsstätte angegliedert webden, die alles, was auf die v. Rothfchild'fche Familie Bezug hat, vereinen sollte. Die restlichen Dürosie als Leihgabe zur Verfügung stellte, übernahm die Einrichtung und deN;''Ausbcju sowohl des v.' Rothschild-Museums als des Museums jüdischer Altertümer. Während dieses vorbereitenden Stadiums wurde die Sammlung jüdischer-Kunstgegenstände durch zahlreiche Geschenke sehr vergrößert, besonders durch eine Reihe hervorragender Stücke, die Baronin Mathilde v. Rothschild dem neugegründeten v. RothsckM-MUseum überließ. So waren wir in der glücklichen Lage, am 6. März 1922, dem 90. Geburtstag der Baronin Mathilde v. Rothschild, das v. Rothschild-Museum und das Museum jüdischer Altertümer in Gegenwart der Behörden und vieler Mitglieder den v. Rothschsld'schen Familie feierlich zu eröffnen. In den nun folgenden Jahren wurden die Sammlungen zusehends durch Ankäufe. Geschenke und Leihgaben vergrößert. Der bauliche Zustand des Hauses hat sich in Yen. letzten zwei bis drei Jahren so sehr verschlechtert, daß es nur nach einer gründlichen- Renovation für die vorgesehenen Zwecke weiter dienen kcmni Dazu reichten aber die Finanzen der Gemeinde nicht aus, und sie wäre fast gezwungen gewesen, das Gebäude zu verkaufen, um sich mit dem Erlös andere Räume zu beschaffen. Dadurch war zugleich auch der Bestand der historischen Erinnerungsstätte der v. Rothschild'schen Familie gefährdet. Rur der Güte der Baronin Edmond de Rothschild ist es zu verdanken, daß diese drohende Gefahr abgewendet wurde. Um das Andenken ihrer verstorbenen Eltern zu erhalten, überwies sie der Gemeinde eine größere Geldsumme zur Renovation des historischen Gebäudes, dessen Bestand auf diese Weise wieder für eine Reihe von Jahren gesichert ist. Einen weiteren größeren Betrag fügte sie der Schenkung hinzu, damit das v. Rothschild-Museum -in den von Baronin Mathilde v. Rothschild dafür bestimmten Räumen bleiben und weiter ausgebaut werden kann. Mit diesen nunmehr zur Brefügung stehenden Mitteln sind bereits eine Reihe interessanter Neuerwerbungen gemacht wor> den, und bis zur Eröffnung der neu hergerichteten Räume werden wir etwas Einzigartiges zeigen können. Außer Kunstgegenständen wird alles gesammelt, was sich auf die Geschichte desHauses «.Rothschild bezieht. Wir hoffen, daß sich im Laufe der Zeit die weitverzweigten Mitglieder der Familie, die heute noch nichts von der Existenz des Familienmuseums wissen, an.'iseiner Erhaltung und Förderung/be- , teiligen^werden, so daß die Stadt Frankfurt'Und . i^Dei Israelische Gemeindeium eine historisch bedeutsame Stätte bereichert wird. - i|;■■■■■ i Unsere Bilder. , 1, 2, Die hier gezeigten''dlei Cch än ü k ahl eüchter sind aus der Kunstwerkstätte „Bezalel" in Jerusalem hervorgegangen und befinden sich in dem dortigen Bezalel-Museüm. 4, 5. Siehe Artikel „Lesser Ury und sein Werk" in dieser Nummer. , 6, 7. -Siehe Artikel „Ein Haus der Hochfinanz un!» der höchsten Menschenliebe" in dieser Nummer. 8. Ein schönes Bild: der greise Rabbi Chajim S o nyenfeld, und ihm gegenüber das seinen Segen empfangende Brautpaar. Des Bräutigams Auge ist ans Gesicht des Rabbi gebannt, als wollte er diesen Lichtanblick mit in sein Eheglücke für alle Zeiten mit hineinnehmen. Der Rabbi selbst steht aber mit geschlossenem Auge da wie von einem inneren Gesicht durchzuckt. 9. Das Bild stammt aus einer litauischen Rahbinerversammlung im Jahre 5690 (Chanuka 1929) her, hat . r. r~L « r 7C 1 jpuiu' aber gerade beute, ba das jübiidje Sitauen einen neuen raume des ersten Stockes sollten von der Jsrae- . Anlauf zur Sammlung aller jüdischen Kräfte nimmt/ litischen Gemeinde zu einem Museum jüdischer lebendige Aktualität. Wir sehen in der Mitte Ob errab- Altertümer ausgebaut werden. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, die selbst schon einen reichen Besitz an jüdischen Kunstgegenständen hatte, die biner Schapiro aus Kowno, und hinter,dem Rednerpulte Rabbi Jizcho Bloch, der derzeitige Telscher Raw und Nosch Jeschiwa.

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