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Der Israelit · 1931-12-10 · Heft 50 (10.12.1931) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 50 (10.12.1931)
Date
1931-12-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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HT Der Jsraclit “iS Bis Schabbosbeginn war noch weit über eine, und kein Lüftchen bewegte die Lichter. Eine der- Stunde. Rabbi Arörohom saß ganz in sein Chumartige Schönheit war wohl nur im Zelte König misch vertieft und las mit wunderbarer Stimme! Salomos zu finden oder gar nur im Zelte des und Betonung. Als er dann auch die Haftorah Heiligtums in der Wüste. Dieser Gedanke kam von Schabbos Chanukah zu lesen begann und Rabbi Awrohom, der sich von seinem Erstaunen mit lauter Stimme rief: „Denn siehe, ich werde gar nicht erholen konnte. Schabbos Chanukah im Walde. (Einer Geschichte von Ben Ami nacherzählt.) Von . . . (Schluß.) Nach ungefähr einer halben Stunde hatten sie den Wald erreicht. Es war ein großer dunkler Eichenwald. Alle Pfade waren mit einem dichten Blätterteppich bedeckt, so daß man den Schmutz gar nicht bemerkte und die Fahrt sehr leicht ging. Der Wagen drang tief in den Wald ein. Die Bäume waren hier besonders groß und noch nicht gänzlich entlaubt. Sie begannen, nun einen guten geschützten Lagerplatz nicht zu weit vom Wege entfernt zu suchen. Sie fanden auch bald eine kleine Lichtung, die von riesenhohen Bäumen umgeben war. Es war ein stiller und geschützter Winkel und dort beschlossen ste, ihr Lager zu errichten. Reb Leib löste schnell die Pferde, reinigte sie, band sie fest und legte ihnen Futter vor. Hierauf erst entfernte er sich, um trockene Blätter zu sammeln, die er neben den Stamm einer besonders mächtigen und belaubten Eiche aufschichtete, dann nahm «er aus dem Wagen alle vorhandenen Tücher uns' Säcke und alles Stroh, bedeckte damit die Blätterhaufen und erreichte so einen weichen Sitz für Rabbi Awrohom, und da der Wald weit war und auf einem Abhang lag, so war dieser Ort ganz trocken, und man fühlte sich behaglich und zuversichtlich. Rabbi Awrohom betrachtete mit großem Genuß diesen schönen Platz, zog seine Pfeife aus der Tasche, stopfte sie und setzte sich auf seinen Blättersitz und begann zu rauchen. So saß er und sog mit Behagen den Rauch aus dem langen Pfeifenrohr und feine Blicke irrten in den finsteren Wald, als sei dort irgendein geheimnisvolles Flüstern zu hören. K Es schien dem Reb Leib beinahe, der Rabbi säße zu Haufe, denn mit dem gleichen Genuß und derselben Ruhe pflegte er auch daheim die letzte Pfeife vor Schabbosbeginn zu rauchen . . . Seine Pfeife liebte Rabbi Awrohom überaus, und er vertiefte sich beim Rauchen mit besonderer Freude in sein» Gedanken. So saß er auch jetzt ungefähr eine Viertelstunde ganz seinen Betrachtungen hingegeben, und es schien dem Reb Leib, daß während dieser Zeit die g'ttliche Majestät über dem Haupte des Zaddik ruhe. Als er fertig geraucht hatte, erhob sich Rabbi Awrohom und wusch sich Gesicht und Hände in einem in der Nähe befindlichen Tümpel reinen Regenwassers. Hieraus zog er aus einem Sack sein Schabbosgewand und feinen Schabboshut hervor — wie Tallis und Tefillin begleiteten ihn diese auf all seinen Reisen — legte seine Schabboskleider an, ganz als ob er sich zu Hause befände. Dann wandte er sich nach Osten und ließ nach seiner persönlichen Gewohnheit dreimal den festlichen Ruf ertönen: „Komme o Schabbos, >du königliche Braut". Und sein Angesicht strahlte, als sähe er in diesem Augenblicke wirklich ein ihm unendlich teueres Wesen. Hierauf setzte er sich wieder, zog sein Chummisch hervor und begann mit lauter Stimme die wöchentliche Sidroh zu lesen. Auch Reb Leib hatte sich inzwischen gewaschen und Schabboskleider angelegt, saß nun an der Seite Rabbi Awrvhoms und hörte ihm mit innigster Freude zu. kommen und in deiner Mitte weilen", in demselben Augenblick vernahm er aus der Todesstille des Waldes Pferdegestampf und das Rollen von Rädern über Baumwurzeln und bald erschien in der Lichtung ein großer Wagen mit vier ausgezeichneten schönen Schimmeln bespannt. Der Wagen hielt an der gleichen Stelle wie das Gefährt Rabbi Awrohoms. Reb Leib erzitterte am ganzen Körper. Er war überzeugt, daß eine Räuberbande sie überfiele. Rabbi Awrohom aber ließ sich im Lesen nicht stören, als habe er nichts gehört und nichts gesehen. Aus dem Wagen stieg ein wunderbar schöner Greis mit langem wallenden weißen Barte und langen weihen Schläfenlocken in einem kostbaren Zobelumhang und Zobelhut. Reb Leib war ganz betroffen und seinem Munde entfuhr ein Schrei: „Rabbi, ein Jude ist hier!" Rabbi Awrohom, der gerade in diesem Augenblicke beendet hatte, erhob sich, schritt dem Greise entgegen und streckte ihm mit dem festlichen Gruße: „Friede mit dir, Rabbi," die Rechte entgegen, und sein Angesicht strahlte vor Freude, als hätte er einen Engel G'ttes erblickt. Und auch der Greis streckte ihm die Hand entgegen und begrüßte ihn festlich: „Friede mit dir, Rabbi Awrohom!" und umarmte den Zaddik. „Wie unerforschlich sind doch die Wege G'ttes. Im Walde ein solches Zusammentreffen, auch du, verehrter Greis, hast dich verspätet und konntest vor Schabbos nicht mehr rechtzeitig die Stadt erreichen?" „Ja, ich habe mich verspätet," antwortete der Fremde, „dafür aber hat G'tt mir diese Begegnung geschenkt." Und nach einigen Augenblicken fuhr der Greis fort: „Wahrlich, groß ist G'tt und groß sind Seine Wundertaten Tag für Tag, gesegnet sei Sein unendlich großer Name!" Darauf entstieg dem Wagen noch ein zweiter Jude; auch er vornehm gekleidet, aber jünger. „Eilt euch und errichtet das Zelt," befahl der Alte. Der jüdische Kutscher schirrte die Pferde los, und ein nichtjüdischer Bedienter, der mit ihm den Kutscherbock teilte, sprang zur Erde, löste von dem Wagen ein großes Zelt, das mit festen Stricken dort befestigt war, und richtete es eilends auf. In dieser Zeit entfernte sich die kleine Gemeinde aus fünf Männern und stellte sich mit zitternder, glühender Andacht zum Minchagebet. Währenddessen begann gerade die Sonne, sich herniederzusenken, und als das Minchagebet vollendet war, war das Zelt bereits aufgestellt; es war von außen mit kostbaren Tierfellen bedeckt, und am Eingänge brannte ein großer Holzhaufen. Als der Zeltvorhang zurückgeschlägen wurde, und die Männer eintraten, entrang sich Rabbi Awrohom ein Schrei des Erstaunens, während Reb Leib festgewurzelt stand und keinen Ton von sich gab. Es war aber auch, als hätten Zauberer irgend einen Feenpalast errichtet. Das ganze Zelt war mit großen Teppichen ausgeschlagen, die mit prächtigen Bildern verziert waren, auch der Boden war mit einem solchen Teppich bedeckt. In der Mitte stand ein kleiner Klapptisch mit einem blendendweißen Tuche bedeckt. Darauf standen zwei Paar Schabbosleuchter und zwei wunderbar schöne Chanukahleuchter, Werke aus Künstlerhand. An den beiden Seiten lagen unter je zwei weißen Deckchen zwei Challoth und neben diesen je eine Kristallflasche mit Wein und einige Becher. In den Chanukahleuchtern brannten schon die beiden „Schamaschim", „Schnell, schnell, es ist Zeit zum Anzünden," unterbrach der Greis das Schweigen, und er nötigte Rabbi Awrohom, als erster das Chanukahlicht anzuzünden. Mit bebender Stimme dankte Rabbi Awrohom G'tt, der einst unseren Vätern Wunder getan, und der auch ihn dieses wunderbare Cbanukahfest erleben ließ. Hierauf entzündete auch der Fremde das Licht an dem zweiten Leuchter, und als dann auch die Schabboskerzen ihr friedliches Licht leuchten ließen, da war die Königin Schabbos wirklich in das Zelt emgezogen. Hierauf begannen sie mit den Schabbosgebeten, und es herrschte tiefes Schweigen im Zelt. Der Greis hatte eine wunderbar schöne Stimme, und seine süßen Melodien rührten alle Seelen auf. Und ringsum das festliche Schweigen des Waldes, der im tiefen Dunkel lag, erfüllt von taufend Geheimnissen. Es schien, als schwiege die ganze Natur und lausche nur auf diese wunderbaren Gesänge, die drinnen im Zelte der königlichen Braut, dem Schabbos, der feine Fittiche jetzt über die Erde breitete, und dem Schöpser des Alls entgegenklangen. Länger als eine Stunde zogen sich die Gebete vor dem Kiddusch hin. Nach dem Kiddusch holte Reb Dovid, der Kutscher des Greises, aus einer Kiste in der Ecke des Zeltes einen großen Teller Fische, stellte ihn auf den Tisch und legte jedem einen Teller und Bestcke auf den Platz. Hierauf wuschen sich alle die Hände aus einem Kruge am Eingänge des Zeltes und setzten sich an den Tisch. Alle waren hungrig, doch schenkten sie dem Essen kaum Aufmerksamkeit, so sehr waren sie in ihre Gespräche vertieft. Nach dem Fische trug man gebratenes Huhn auf und dann noch Früchte. Inzwischen erzählte der Greis, daß er gereist sei, um diesen Schabbos mit Rabbi Awrohom zu verbringen. Der Kutscher aber, der die Gegend nicht kannte, habe sich verirrt und sei in diesen Wald gekommen. Da sie befürchteten, nicht mehr vor Schabbosanfang zur Stadt zu gelangen, habe er beschlossen, im Walde Rast zu machen, und da habe ihm G'tt dieses unerwartete Begegnis vergönnt. Des weiteren erklärte der Greis, daß er gewohnt sei, auf all seinen Reisen sämtliche Geräte mitzusühren, um unterwegs alles für Schabbos Notwendige zur Hand zu haben. Bis heute aber habe er es nie benötigt. „Diesen Schabbos aber," so schloß der Greis, „habe ich einen reichlichen Lohn erhalten für alle die Male, die ich umsonst mir die Mühe machte, die für Schabbos nötigen Dinge mitzunehmen." Darauf kam das Gespräch in Fluß. Jeder der Anwesenden erzählte irgend eine Geschichte, von einem Thoragroßen, der den Schabbos besonders geliebt und geehrt hätte, oder wie G'tt diesem oder jenem Zaddik auf wunderbare Weife beigestanden. Darauf mischten sich alle Stimmen im Gesänge des „Moaus Zur" und der üblichen Schabboslieder, und die Stimme des Greifes und seiner Begleiter übertönten die der anderen mit ihrer zu Herzen gehenden Lieblichkeit. Rabbi Löb war ganz hingerissen vor Erstaunen. Er glaubte zu träumen und seine Augen füllten sich wiederholt mit Tränen vor Glückseligkeit. Nach den Semiroth begannen wieder die Gespräche. Diesmal redeten sie über tiefe Thorafragen. Der Greis erstaunte alle durch sein wunderbares Wissen. Sogar Rabbi Awrohom hatte poch keinen Gelehrten wie ihn gesehen. Lange nach Mitternacht, als die Leuchter schon heruntergebranntwaren, verliehen sie das Zelt, nur Reb Dovid blieb zurück, alles zu ordnen. Der Greis und sein Begleiter sowie Rabbi Awrohom

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