Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1931)
- Date
- 1931-12-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 50 Seite 11 10. Dezember 1931 Der Israelit beschlossen, noch etwas spazieren zu gehen. Die Nacht war wunderbar schön, -der Himmel tiefdunkelblau. Die Sterne blitzten golden wie Millionen kleiner Chanukahlichtchen, und ein friedliches Schabbosschweigen herrschte im Walde. Voll Begeisterung rief Rabbi Awr'ohom aus: „Mein G'tt, wie schön, wie prachtvoll, wie erhaben ist doch alles, was Du in Deiner Welt geschaffen hast!" Nach einer halben Stunde' kehrten sie ins Zelt zurück, wo ihnen aus Tüchern und Umhängen Lagerstätten bereitet waren. Noch auf ihren .Ruhestätten setzten Rabbi Awrohom und der Greis ihre glühenden 'Gespräche fort. Plötzlich ertönte aus dem Innern des Waldes das Heulen von Wölfen. „Arme Geschöpfe," seufzte Rabbi Awrohom, „fie. scheinen hungrig zu sein und im Winter ist es schwer für sie, Nahrung zu finden, sie sind doch auch das Werk des Weltenschöpfers." „Wahrlich, du hast ein großes, liebevolles Herz, Rabbi Awrohom," rief der Greis, „du bist würdig vor dem Throne der gütlichen Majestät zu stehen und teilzuhaben an ihrem Glanze. Wären hundert gleich dir in Israel, heute noch käme der Moschiach und führte G'ttes Volk aus den Ketten des Goluth." Am frühen Morgenerhoben sich alle. Der Himmel war klar. Die Sonne blitzte. Die Bäume waren mit Reif bedeckt. Alles glänzte und schien geschmückt zu Ehren des Schabbostages. Rabbi Awrohom hatte noch nie den Wald in solch zauberischer Schönheit gesehen, und voll Freude rief er aus: „Wunderbar prächtig ist die Schönheit Deiner Welt, o G'tt! Siehe, an jedem Tage ersteht neu das Schöpfungswerk." Nach dem Schachrith- und Mussafgebet setzte man sich zu Tische, und wieider war der Tisch bestellt mit den allerauserlesensten Genüssen, die man nur an der Tafel der Reichen findet. Wieder vertieften sie sich in Gespräche über Thora, bis die Stunde des Minchagebetes nahte. Hierauf fetzte man sich zur „Seuda Haschlischith" und stimmte die traurigsüßen Melodien an, mit denen man diese Mahlzeit zu begleiten pflegt. Die Sterne standen schon am Himmel, als man sich vom Tische erhob. Man betete Maariw und sprach über einen Becher Wein Hawdalah. Hierauf entzündete man zw-ei Chanukahlichter und verweilte bei ihrem milden Scheine noch fast eine Stunde in angeregten, tiefen Gesprächen und Gesängen. Endlich aber schlug die Stunde der Trennung. Wie schwer fiel doch der Abschied! In einer halben Stunde war alles zusammengepackt. „Wir haben noch viele Eßwaren übrig behalten," sagte . der Greis zu seinem Kutscher Reb Dovid, „laß es hier, damit die Tiere des Waldes davon ihren Hunger stillen können." Wie leuchtete Rabbi Awrohoms Gesicht, als er diese Worte vernahm! — Sie hatten alle ihre Plätze eingenommen. Der Greis aber setzte sich an die Seite Rabbi Awrohoms in den Wagen. Als sie an die Landstraße kamen, befahl der Greis, zu halten und wandte sich an Rabbi Awrohom mit folgenden Worten: „Wir müssen uns jetzt trennen. Ich wollte einen Schabbos in deinem Hause verbringen, deshalb bin ich hierher gereist. G'tt aber hat es gefügt, daß wir uns inmitten des Weges getroffen haben und den Schabbos im Walde verbrachten, anstatt in deinem Hause. Daran liegt aber nichts. Die Hauptsache ist, daß wir uns getroffen haben. Jetzt muß ich an einen anderen Ort eilen. Siehe, ich verabschiede mich von dir. Womit aber soll ich dich segnen? Wahrlich, reicher und glücklicher bist du als alle Könige der Erde, denn du bist zufrieden mit dem Anteile, der dir geworden. Dieses Glückes werden nur reine Menschen teilhaftig. Ich wünsche dir also, daß all deine Nachkommen dir gleichen sollen. Wahrlich, das Geschlecht ist nicht verwaist, dem ein Lehrer beschieden wurde wie du. Sei es der Wille vor dem allmächtigen G'tte des Himmels, daß auch in den künftigen Geschlechtern deinesgleichen in Israel lebe!" Der Greis umarmte Rabbi Awrohom mit tiefer Innigkeit und bestieg seinen Wagen, der sich im gleichen Augenblick in -entgegengesetzter Richtung entfernte. Als Reb Löb seine. Augen erhob, war von dem Wagen schon keine Spur mehr zu sehen. Er war plötzlich im Dunkel verschwunden. „Wer kann nur dieser Greis gewesen sein?" fragte sich Rabbi Löb immer wieder, bis er endlich zu dem Entschlüsse kam: „es kann nur Elijahu Hanowi gewesen sein.". Und stets am ersten Chanukahab-end erzählte er seinen aufhorchenden Kindern das Chanukahwunder, das er selbst miterlebt hatte. Der Mensch Woher.der Stolz in der Gebärde? Dein Ursprung ist ein Klumpen Erde, Du schwaches, unselbständ'ges Wesen. Nicht warst du, bist und bist gewesen. Und birgt dich wiederum die Erden, Mußt wieder du zu Erde werden. Was ist denn eigentlich dein Eigen? Das Schweigen. F. M. (Ein Kunstkalender.) Der. „Verein der Taubstummen „Jedide Jlmim", der die I s r a e l i t i s ch e T a u b st u mm e n a n st a l t, die einzige für Deutschland, in. Berlin unterhält, verschickt einen Kalender, der sich aus Kunstblättern zusammensetzt, gleich originell und gut gewählt in Bild wie im Spruch. Die Bilder sind Reproduktionen bekannter Künstler nach biblischen oder jüdischen Motiven, auch Porträts bekannter Männer (wie Manage bsn Israel) werden gezeigt. Neben R e m - brandtbrldern und einfachen Photographien von Synagogen und öffentlichen jüdischen Bauten, sieht man auch manches aus alten Hagadablättern, markante Ghettotypen, Bilder aus dem jüdischen Leben (Lichtbenschen). Andere Bilder gewähren einen Einblick in den Lehrbersich der Taubstummenschule. Die die Bilder umrahmenden Worte sind zum Teil biblische Nachbildungen, chassidische Sentenzen in Buber'- scher Bearbeitung, einzelne Talmudsprüche und zuletzt auch Weisheitsworte klassischer und späterer Dichter. Sind auch nicht alle „großen Juden und Jüdinnen", die hier gezeigt werden, Geist von unserem Geiste (Spinoza, Heinrich Heine, Henriette Herz), so ist doch das Positive und das jüdische Herz Erfreuende in diesem Kalender stark überwiegend. Die Israelitische Taubstummenanstalt ist die beste, schon deshalb, weil sie die einzige ist, die aus unglücklichen jüdischen Kindern das letzte herausholt und sie für das Leben ertüchtigt (vor kurzem hat ein Zögling dieser Anstalt die Prüfung an einer Hochschule bestanden und einen akademischen Grad erworben.) Der Vereinsbeitrag beträgt RM. 5.— jährlich. Mit RM. 3000.— erwirbt man sich die immerwährende Mitgliedschaft. Wer den Betrag von RM. 10.000 der Anstalt stiftet, wird als „Wohltäter" in die Bücher eingetragen und hat das Verfügungsrecht über eine Freistelle. Gaben nimmt entgegen das Bankhaus Gebr. Ginsberg, Berlin W 8, Jägerstraße 13. Ainderecke. Ehauükkah in Tel-Awiw. Wißt Ihr eigentlich, daß Tel-Awiw die einzige Stadt in der ganzen Welt ist. in Der nur jüdische Leute, wohnen? Natürlich gibt es in Jerusalem mehr Juden, und auch in Warschau, oder in Berlin und gewiß in- Newyork, aber in Tel- Awiw, da gibt es dafür nur jüdische Einwohner. Nun könnt Ihr Euch wohl vorstellen daß man dort ganz besonders schön jüdische Feste feiern kann. Wer deshalb in Erez Israel nur irgendwie von zu Haufe abkommen kann, von Jerusalem, von Haifa, von den Kolonien, von den Arbeitersiedlungen, fährt zum ersten Abend nsun nach Tel-Awiw, um dort bei der großen Feier 'der fimn rp'nn dabei zu sein. Auch wir sind aus diesem Grunde von Jerusalem nach Tel-Awiw gefahren. Als der Abend herannahte, gingen wir zum tzran bitä' hem hohen und dadurch weit sichtbaren Wasserturm von Tel-Awiw, aus dessen Spitze eine große miaa steht. Als Gäste aus Deutschland hatten wir es ganz besonders fein. Die jüdischen Polizisten, die einen großen freien Platz um den Wasserturm herum für die Schulkinder abgesperrt hielten, ließen uns durch und wir durften auf den Wasserturm hinauffteigen, weil man von dort oben alles noch viel besser sehen kann. Eine lange enge Treppe ging es hinauf, bis wir zu einem kleinen Rondell kamen. Dort war schon ein jüdisches Orchester versammelt und die Musiker stimmten gerade ihre Instrumente. Bevor der Oberrabbrner von Tel- Awiw, der Bürgermeister der Stadt, und noch einige andre wichtige Leute, die oben erwartet wurden, hinauskamen, stiegen wir schnell ganz auf die Spitze des Turmes und beschauten uns die wunderschöne rrvn»' die mit großen elektrischen Birnen entzündet wird. Inzwischen marschierten die.Schulkinder von Tel-Awiw in fabelhafter Ordnung aus den freien Platz, jede Klasse für sich mit ihrer besonderen Fahne. Und dann wurde entzündet. Der Oberrabbiner, Raw Usiel, entzündete feierlich eine kleineund gleichzeitig flammte das elektrische Licht der großen Menorah auf. Das Orchester begann *ra ran zu spielen und Tausende von jüdischen Kindersiimmen fielen ein. Jedes Kind hatte eine kleine Kerze in der Hand — die Größeren trugen Fackeln — die während des Singens angesteckt wurden. Ich kann Euch gar nicht schildern, wie schön das war, die vielen, vielen Lichter zu sehen, die vielen frohen Stimmen zu hören wie groß die Freude war, mit so vielen jüdischen Menschen in einer jüdischen Stadt nvim zu feiern. Nachdem außer .*n:s.ran noch viele Lieder gesungen waren, bildeten die Kinder, jedes mit seinem Licht in der Hand, einen langen Festzug, der durch die Straßen von Tel-Awiw zog. Dann gingen alle Kinder in ihre Klassen und Schulen, um dort noch zu entzünden und weiter Chanukkcch zu feiern. Roch lange aber blieben viele Leute auf der Straße, um all die kleinen Lichtlein an den Häusern aufglimmen zu sehen; über allen Dächern strahlte die große Menorah — und Licht und Freude war in der ganzen jüdischen Stadt! D. Auflösung des «Frag mich was." 1. Mups '7117-11; (n)ivy '7,177-12 (oiv!7, Kap. 26, Vers 7 ob. laiaa Kap. 7, Vers 72.) 2. In niv>7, Kap. 25 Vers 35 steht dreimal: nrm irisai D’3p7l '317. 3. In D'i>’nrv 7>"p, steht das Wort 7>3^aaai. 4. In cn'i"N7i, v, steht das Wort '333n. 5. In 'N'7i7' Kap. 24 heißt es: i'3ix2 1273 paa a$?a "ui H7U2 ni733 niVa laiaa mips 717,1233 ,inri73 Alle fünf Fragen richtig beantwortet haben: Jakob Künstlinger, Essen; Aron Weichselbaum, Frankfurt am Main; Eva Katz, Leipzig: Gottschalk Schlesinger, Wien: Markus Fraenkel, Mainz: Jonas Wolf, Köln: Sally Lewin, Hagen. Drei oder vier Fragen lösten: Salomon Posen, Frankfurt a. M.; S. Blumenthal, Frankfurt a. M.; Chajim Jizchok Jaffa, Memel; I. Ossowsky, Berlin; Erich Gradmann aus Jchenhausen; Moses Mannes, Schwabach; Mirjam Rothenberg, Breslau (wa^üm gleich so hitzig, wenn Dir eine Lösung nicht geling!' Im Uebrigen tust Du dem armen Akiba Pollak Unrecht, er hat nur die erste Frage eingesandt). Den Preis erhielt diesmal G. Schlesinger, auf den das Los fiel; einen kleinen Trostpreis bekommt noch Salomon Posen, weil er trotz seiner sieben Jahre die meisten Aufgaben so fein löste. Für all die eingesandten Rätsel danke ich Euch herzlich; ich hebe sie aus fürs nächste „Frag' mich was". Schwere Rechenaufgabe! Einige Kinder spielten Trendel; Gewannen Nüsse in Masse. Doch am Schluß bekamen sie Händel Bei dem Teilen der Kasse. Beim letzten Spiel kam erst n und dann 3 Dann e> und noch mal v dahinter ' Dann .1 und 3 und p und 3 Und dann mußten aufhör'n die Kinder. Die Nüsse der Kasse man teilen^muß — Die Mutter holt' nochmal so Dann bekam jedes Kind grad' eine Nuß! Wieviel Kinder waren beim Spiel? (Beim Einsatz und bei jt. wurde immer eine Nuß hergegeben.)