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Der Israelit · 1931-11-26 · Heft 48 (26.11.1931) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 48 (26.11.1931)
Date
1931-11-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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26.1 November" 1931 D e r I kt,a e I ft Blatter .. Nr. 21 Seite 3 Sie verwechselt Vorsicht mit Energielosigkeit; abgeklärtes, schrittweises Handeln Ml sie Passivität, das Rechnen mit den Verhältnissen Lavieren. Jugendliche Entschließung fkistzt aus''dem Entweder—Oder. Sie will alles oder nichts. Aus dieser Seelenhaltung der Jugend heraus müssen Sie ihr Handeln, ihr Schreiben und oft auch ihr Schreien verstehen. Und wenn irgendwo, so gilt hier das alte Sprichwort:-daß Begreifen und Verzeihen eines ist. Die Frankfurter Jugend entwirft ein neues Programm. Sie sieht richtig: daß nämlich das agudistische Programm/ in den sieben Punkten des § 2 der agudistischen Verfassung niedergelegt, noch nicht verwirklicht ist. Aber sie folgert falsch. Sie meint, daß dies an der Unzulänglichkeit des Programmes liege. Ein neues Programm anstelle des alten — und alle Mängel werden behoben fein. Ihr, fehlt die agudistische Erfahrung zweier Jahrzehüte; 'd'ie sie dahin belehrt hätte, daßder Mangel nicht-im Programm liegt, sondern in den Menschen, die sich zu ihm bekennen sollten; aber auch — und das darf zur Entschuldigung der Menschen, die Agudas Jisroel verwirklichen sollen, gesagt werden, — in den ganz außerordentlich schweren Verhältnissen, die über die Welt und uns hereinbrachen, da Agudas Jisroel eben werden sollte. Was i ch zu diesem Programm sage? Sie sind doch ein ausgezeichneter Kenner des Kommentars von Samson Raphael Hirsch zum Chumesch. Lesen Sie nach, was dieser zu Sch'maus, Kap. 34 Vers 1 auch unserer Zeit zu sagen hat. Nicht die Umkrempelung des agudistifchen Programms, die Umkrempelung des agudistifchen Menschen, das ist was uns nottut. II. Wenn ich auf Ihre Frage hinsichtlich des L o e w e n t h a l's ch e n Aufsatzes in diesem auch zur Veröffentlichung bestimmten Brief eingehe, so. geschieht das hier nicht meiner Person willen. Als Schriftleiter der „Blätter" muß ich mich Angriffen aussetzen; aber dieser Aufsatz ist symptomatisch. Wenn ich, in voller Uebereinstimmung mit allen Führern der Agudas Jisroel, auch denen die nicht mehr sind, auch in voller Uebereinstimmung mit dem erste n Rabbinischen Rat der deutschen Agudas Jisroel, feststelle, daß innerhalb der deutschen Agudas Jisroel alle Gesetzestreuen Anspruch auf Eintritt in ihre leitenden Organe, also gewiß Anspruch auf ungehindertes Ausfprechen ihrer Hoffnungen und ihrer Wünsche haben, feststelle, daß Jeder, der an Tauroh min Haschomajim glaubt. Recht und Raum innerhalb der deutschen Agudo hat, dann wird Herrn Loewenthal die weltweite Agudas Jisroel dadurch zum „Kegelklub"! Ihm geht es nur um den Agudismus, — seiner jugendlichen Einseitigkeit ist alles andere fremd und fern, — mir auch UM Agudas Jisroel. Ihm liegt anscheinend — und das ist wiederum Vorzug und Mangel feiner Jugendlichkeit — an der Idee um der Idee willen, mir an der Idee um der Menschen willen. (Was der Unterschied zwischen seiner und meiner Auffassung ist, hat mein Freund Jacob Landau in seinem Aufsatz in den letzten Blättern „Weg und Ziel der Agudas Jisroel" in treffendster Form dargestellt.) Die agudistische Jugend ruft nach „Klarheit". Als wir ihr darauf antworteten, („Blätter" vom 13. Jjar 5691), was der allweltliche Rabbinische Rat der Agudas Jisroel unter „Klarheit in der Einstellung zur jüdischen Gemeinschaft" und unter „Klarheit in der politischen Führung" verstünde, feine Entscheidung wiederholten, die, oberflächlich betrachtet, wie ein Kompromiß anmutet, da waren Loewenthal und seine Freunde aufs höchste unbefriedigt. Ihr jugendlicher Radikalismus verlangte das Entweder—Oder, hatte kein Verständnis für das aus den tiefsten Quellen der Halacha geschöpfte, verbindliche und verbindende Einerseits—Andererseits. Das schändet sie nicht. Gewiß aber würde es sie mehr ehren, wenn sie das Wort “p:pi etwas mehr beherzigen und nicht so verstehen würde, daß das Älter die Jur tzend zu frageü und ihren Ruf zu hörest hahe. Denn solche Tendenz liegt' im Geiste det" Zeit, und Agudas Jisroel ist jch vor allem lebendiger Protest gegen diesen Geist' der Zeit. in. Zur Gründung der A k t i v i st e n g r u p p e in der Agudas Jisroel möchte ich Folgendes bemerken: > Die Namen der Gründer, deren einer in vorbildlicher Selbstaufopferungan der Durchführung der politischen Ziele der Agudas Jisroel unermüdlich arbeitet, deren anderer von Gründung der Agudas Jisroel an unablässig und unermüdlich feine Feder für sie führt, deren dritter schließlich im Werben; unter der agudistifchen Jugend sich schon manch Verdienst um Agudas Jisroel erworben hat, bürgen dafür, auch wenn die Herren es nicht ausdrücklich in ihrem Aufruf unterstreichen würden, daß es sich hier ausschließlich um eine d i e Leit u n g d er Agudas Jisroel f ö r d e r n d e u n d ft ü tz e n d e A b f i ch t handelt., Ob aber, etwas Praktisches und Positives herauskommen wird: so sehr ich es wünsche, so sehr bezweifle ich es. Die Herren wollen nichts, was nicht jeder Einzelne von uns genau fo heiß möchte wie sie, was nicht jeder Einzelne von uns nach Maßgabe feiner Mittel und Kräfte ebenso anstreben möchte. Nehmen Sie den ersten Programmpunkt: Durchgreifende Reorganisierung der Orts- und Jugendgruppen. Wer wollte das nicht? Aber sind etwa die Züricher Agudogruppen der Agudas Jisroel schon in so hoher, vorbildlicher Blüte, daß man etwa die dort gewonnenen Erkenntnisse andern Gruppen als Maßstab bieten könnte? Ist die „ausgleichslose Wiedergewinnung der Oberherrschaft in allen jüdischen Belangen" für die in der Agudas Jisroel-Weltorganisation organisierten Taurohtreuen dort schon so sehr verwirklicht, daß man nunmehr vor die ganze orthodoxe Welt treten kann mit dem Ruf: „Wir gehen voran, folgt UNS nur!? Charity begins at homeHl Ied er, der in seinem Kreis fürAgudasJisro ei w i r k t u n d w i r b t, ist Aktivi st. Jeder, der nur den Namen Agudist trägt, ohne in sich die Verpflichtung zu verspüren. Andere zu gewinnen, der ist überhaupt kein rechter Agudist. Sehen Sie die großen Werke der Agudas Jisroel an: Veth Jakob, Keren Haiorah, Schulwerk in Palästina; Schritt für Schritt mußte man gehen, Stein auf Stein legen. Ich glaube also nicht, daß man durch Aufruf und Kundgebung etwas erreicht. ' Aber ob Sie eintreten sollen? Wenn Sie Stärkung Ihres agudistischen Pslichtbewußtseins erhoffen, dann gewiß und sogleich. Denn, wie ichschon einleitend sagte, den Grundakkord wollen wir recht verstehen: es ist die Liebe zur Agudas Jisroel. Und nun zum Schluß: Ich bin jetzt nach Deutschland zurückgekehrt. Ich kann Ihnen von der deutschen Arbeit im Augenblick nicht viel Rühmliches erzählen. Aber wie ich Ihnen schon bei unserer letzten Unterhaltung dort sagte: der Gedanke, dessen Vater der Wunsch ist, der Gedanke, der von mancher Seite gedacht und in unüberlegten Augenblicken auch ausgesprochen wird, die deutsche Agudas Jisroel werde an ihrer eigenen Passivität zugrn7-.de gehen, er ist absurd und lächerlich, tstäue die Landesorganisation mehr Geld, könnte sie besser die Werbetrommel rühren, Kundgebung auf Kundgebung, Gruppenversammlung auf Gruppenversammlung folgen lassen, — die im letzten Ellulmonat durchgeführten Eruppenversammlungen waren in der Tat sehr, sehr schön, — dann würde auch der Draußenstehende wissen, was der empfindet, der mitten in j der Arbeit steht. „Agudas Jisroel lebt, und darum j stirbt sie nicht". Ich will Ihnen ein Beispiel geben. Ich war^ dieser Tage in Leipzig. Haben Sie schon einj mal etwas von der Leipziger Agudo, ihrer hmgebungsvollen Jugend,/der männlichen wie der! weiblichen, gehört? Vermutlich nicht. Und doch konnte ich mich persönlich -davon überzeugen, daß ein großer Kreis junger Menschen und ein gezählter auch von älteren dort die agudistische Fahne fest in der Hand hält. Und wie in Leipzig, so ist es bei uns an vielen Orten. Darum wollen wir mit rechtem G'ttvertrauen, würdige Kinder echter Makkabäer, dem Chanukafest entgegensehen und auch in diesen schweren Zeiten versuchen, unfern Mann zu stehen, so wie der Chanüka-Prophet es von uns fordert: „Nicht mit Tamtam und nicht Mit Trara, sondern getragen vom Geiste G'ttes", erfüllt von Hingebung zur Tauroh und ihrer Organisation: unserer Agudas Jisroel. Empfangen Sie freundschaftlichste Grüße Ihres W. S. I. Aus der Bewegung. Darmstadt. Die bestehende wirtschaftliche Not, das aufreibende Leben des Alltags hindert in starkem Maße das jüdisch-geistige Aufwärtsstreben. Daher erwächst uns heute doppelt die Aufgabe, der jüdischen Seele Nahrung und damit durch neu gewonnenes G'ttvertrauen ein Gegengewicht gegen die Schwere der Zeit zu geben. Wir haben uns deshalb entschlossen, ein reichhaltiges Winterprogramm zusammenzustellen, das neben einem Vortragszyklus des Herrn Rabb. Dr. Merzbach über „Erziehung als Aufgabe des Judentums" verschiedene zeitgemäße und interessierende Vorträge hiesiger und auswärtiger Redner bietet. Ort der Vorträge: Hotel Stadt Frankfurt, Bleichste. 22. Zeit der Vorträge: 20.15 Uhr. 1. Dez.: Die volkserzieherische Bedeutung des Minhag. Rabb. Dr. Merzbach. 15. Dez.: Mesfianifche Sehnsucht in der Wandlung der Geschichte. Red. S. Schachnowik, Frankfurt a. M. 27. Dez.: Dir. Rotschild, Eisenach: Lichtbildervortrag über Erez Jisroel. 5. Jan.: Die Gesetze der Thora in ihrer erzieherischen Wirkung. Rabb. Dr. Merzbach. 19. Jan.: Die Seelenkämpfe unserer Jugendlichen. Lehrer L. Wahrhaftig. 2. Febr.: Lehre und Gesetz-Erziehungsmethoden. Rabb. Dr. Merzbach. 16. Febr.: Einzelmensch und Gemeinschaft km Judentum. Rabb.-Afs. Schwab. 1. März: Selbsterziehung durch Mussar. Rabb. Dr. Merzbach. 15. März: Aus dem Leben der Juden in Frankreich. Hellmuth Cederbaum. 26. März: Generalversammlung. — Außerdem verweisen wir auf den noch bekanntzugebenden Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Munk-Ansbock über „Jugendbewegung". Ein gemütliches Chanukoh-Züsammensein ist vorgesehen. Um' zahlreichen'Besuch bittet Agudas Jisroel Darmstadt. fejpzig. Am Montag, den 9. November, hielt auf Veranlassung unserer hiesigen Jugendgruppe Herr Wolf S. Jacobson vor sehr zahlreich erschienenem Auditorium in der Aula unserer jüdischen Schule einen Vortrag über die derzeitige Lage der Agudas Jisroel. Ausgehend von dem geistigen Gegensatz zwischen Jizchok und Jischmoel, grenzte der verehrte Referent den agudistischen' Standpunkt gegenüber den andern Auffassungen vom Judentum scharf ab, um auf Grundlage er Ideologie die Besonderheiten der aaudistischen Organisationssorm und die eigene Note agudistischer Aufgaben zu kennzeichnen. Die Lage der Agudas Jisroel im gegenwärtigen Zeitpunkt wurde in klarer, nichts beschönigender Offenheit bargestellt. Sie rechtfertige ebenso, wenig einen Hurra- Dptimismus wie jenen Pessimismus, durch den man l-iderin manchen Kreisen die agudistische Ärbeitsfreudigkeit, von innen heraus unterwühlen möchte. Der Redner schloß seine If^stündigen Ausführungen mit einem Hinweis auf die bevorstehende Chanukazeit. Auch die trjiawi b»»v aus die das Chanukalicht nach Beth Hillel hinweist, die bisherige Geschichte und Wirksamkeit der Agudas Jisroel rechtfertigen den starken Glauben an die ewige, unbesiegbare Zukunft unserer Organisation. Im Anschluß an den Vortrag fand eine Aussprache im engeren Kreise statt. Ein Reorganisierungs-Komitee, für das sich aktive Persönlichkeiten aus Orts-, Jugend- und Mädchengruppe zur Verfügung gestellt haben, wurde geschaffen. Es wird seine hoffentlich erfolgreichen Arbeiten sofort aufnehmen. Hamburg. Die im November 1928 gegründete Frauengruppe Hamburg-Altona kann nunmehr aus ein dreijähriges Bestehen zurückblicken und auf eine erfreusicherweise von Jahr zu Jahr aufsteigende Entwicklung. Ihr gehören z. Zt. 150 Frauen an, deren größter Teil sich an unfern Veranstaltungen lebhaft beteiligt. Im Arbeitsjahr 5691 fanden vier größere Versammlungen unserer Gruppe stall, und zwar: am 19. Okt. 1930 im Hause der Frau Regina Vacharach „Der jüdische Sommer 1930", Referentin Frl. Studienrat Lilli Freimann: am 29. Nov. 1930 im Agudoheim „Erziehung zur jüdischen Franenpersönlichkeit".' Nefereritin: Frau Elfe Pels: am 10. Jan. 1931 im Agudoheim „Berufswahl unserer Mädchen". Referentin: Frl. Studienrat Lilli Freimann; am 25. Febr. 1931 im Hause von Frau Oberrabbiner Dr. Spitzer „Schwererziehbarkeit und nervöse Reizbarkeit im Klndesaller". Referentin: Frl. Dr. med. Erna Lion. Außerdem fanden folgende regelmäßige, zum Teil sehr stark besuchte Veranstaltungen statt: Tefillo (Leitung: Herr V. S. Jacobson). Einführung in die moderne hebräische Fibel (Leitung: Frau Malle Flörsheim). Die wöchentliche Sidro (Arbeitsgemeinschaft). Handarbeits-

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