Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1931)
- Date
- 1931-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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26. November 1931 _■ _ bandes'^st u. a. die wertvolle Arbeit von Dr. Jos. S t e r n über dl^ 5 Tage-Arbeitswoche erschienen, die jetzt, nachdem die! Gefahr der Kalenderreform mit Blankotag einigermaßen beseitigt erscheint, erst ihre aktuelle Bedeutung für diiri'Lösung des Sabbatproblems gewinnen wird: An devMbwehraktion gegen den Blankotag hat der Verband im Rahmen des Jüdischen Komitees für die" 'Kalenderreform eifrig mitgewirkt. Auf dem Gebiete der Bekämpfung der Zwangssonntagsruhe, des Sabbatdisp'enfed in den Schulen ufw. wurden in einzelnen Fällen Erfolge erzielt. Die wirtschaftlichen Einrichtungen, die man sch'äffen wollte, konnten; wie bereits erwähnt, infolge der Wirtschaftskrise nicht zur Durchführung gelangen.! Man mußte sich zunächst daraus beschränken, in Berlin die „Arewuth", Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft für das jüdische Handwerk zu gründen, die den sabbatreuen Handwerker in seinem Existenzkampf unterstützt. Der Verband beabsichtigt, seine Energie jetzt hauptsächlich der Frage der Sonntagsruhe zUzuwenden. Die Palästinareise der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Frankfurts. M., 22. Noo. Die bisher emgelaufenen Anmeldungen für die Gesellschaftsreise nach Palästina lassen die Hoffnung zu, daß die Reise planmäßig durchgeführt wird. Wie wir aus zuständiger Quelle erfahren, wird Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Alter (Gerer Rebbe) in der Zeit, in welcher die Gesellschaftsreise der Palästina-Zentrale der A. I. nach Erez Jisroel stattfindet. sich ebenfalls in Erez Jisroel aufhalten. Warnung! Frankfurt a. M., 24. Nov. Aus dem Büro der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums wird uns geschrieben: Wie wir festgestellt haben,, werden kleinere Städte und besonders Kleingemeinden auf dem Lande von jüngeren und auch älteren Leuten ausgesucht, die Tesillin und speziell auch M e s u s o t h verkaufen wollen und die sich zur Durchsicht und Reparatur von Sifre Thoras anbieten. Sie geben sich in den meisten Fällen als Sofrim, oft als Frankfurter Sofrim aus. Manche legen auf Verlangen auch Atteste über Befähigung und Zuverlässigkeit vor. Wir können das Publikum nicht eindringlich g-enug davor warnen, Mesusoth oder Tefillin von diesen Leuten zu kaufen, da diese heiligen Gegenstände in fast allen Fällen minderwertig oder direkt „possul" sind. Die vorgelegten Rabbinatsatteste sind häufig gefälscht oder sie beweisen durchaus nicht, daß die angebotenen Gegenstände einwandfrei sind. Die Leute sind in den weitaus meisten Fällen nicht berechtigt und befähigt, Reparaturen an Sifre Thoras oder Tefillin vorzunehmen, letztere nicht einmal zu schwärzen. Diese heiligen Gegenstände sollten ausschließlich von zuverlässigen jüdischen Buchhandlungen oder von der „Freien Vereinigung" bezogen werden. Die „Freie Vereinigung" ist bereit, wenn zugeschickt, die von oben bezeichneten Händlern bezogenen Gegenstände durch ihre Sofrim überprüfen zu lassen oder auf Wunsch gegen geringes Entgelt einen ihrer Sofrim, die im Besitze eines Ausweises von uns sind, zur Nachprüfung an kleinere Orte zu entsenden. Tefillin und Mesusoth der „Freien Vereinigung" können jetzt auch von den bekannten jüdischen Buchhandlungen bezogen werden — ohne Preisaufschlag — jedoch bitten wir, dieselben mit dem Siegel der „Freien Vereinigung" zu verlangen. . Breslauer Finanzsorgen. B r e s l a u, 15. Nov. Wie überall, erwartet man auch in Breslau, daß die bisher 14 Proz. der Reichseinkommensteuer betragende Kultussteüer für das nächste Jahr einen katastrophalen Rückgang aufweisen wird. Man rechnet auf die Notwendigkeit eines Zuschusses zu den regulären Einnahmen in Höhe von Mk. 800.000, während Einsparungen im besten Falle Mk. 100.000 bringen können und. die Reserven der Gemeinden ausgebraucht sind. Man erwägt daher aufs neue innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der drei hiesigen Religionsgesellschasten den gesetzlich zulässigen Zuschlag zur Vermögens st e u e r einzuführen. Man geht davon aus, daß bei der jetzigen Der Israelit Wirtschaftslage gerade recht vermögende Kreise mangels einer Einkommensteuer Kirchensteuer überhaupt nicht zahlen, jedoch entsprechend ihrem nicht sehr mäßigen Verbrauch eine entsprechende Kirchensteuer aufbringen könnten. Es wäre sozial ungerecht, wenn diese. Kreise überhaupt keinerlei Kirchensteuer zahlten, während z. B. ihre zahlreichen gewiß nicht allzu hoch besoldeten Angestellten ihr Scherflein zu den kirchlichen Ausgaben in Form der Zuschläge zur Lohnsteuer aufbringen müssen. Wenn auch das Erträgnis einer Vermögenssteuer natürlich dadurch sehr beeinträchtigt wird, daß sie aus den etwaigen Zuschlag zur Reichseinkommensteuer anzurechnen ist, so ^daß praktisch nur eine von beiden Steuerarten, nämlich die höhere, zur Erhebung gelangt, so dürfte in einer Zeit wie der unsrigen von der Erfassung dieser Einnahmequelle doch nicht abgesehen werden. Freilich stehen erhebliche finanztechnische Schwierigkeiten entgegen und es wäre dringend zu wünschen, daß diesen Schwierigkeiten durch eine generelle Verfügung des Finanzministers im Interesse der Kirchengemeinden abgeholfen werden würde. Der Halbersiädter Verband! und das Judengefeh. Kassel, 23. Noo. Am 18. November fand in Kassel eine gut besuchte Sitzung des Vorstandes und Ausschusses des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden, Die Woche. Berlin. In der Nacht zum 6. November d. I. wurden in der Synagoge in Freystadt (Ostpreußen), wie dem Zentralverein mitgeteilt wird, neun Fensterscheiben, eingeworfen. Die Polizei ist um die Ermittlung der Täter bemüht. Paris. Auf der Internationalen Abrüstungskonferenz, die am 26. und 27. November in Paris stattfindet, ist auch der Zentralverein, und zwar durch Herrn Dr. Bruno Weil vertreten. — Im Boulevard St. Michele im lateinischen —ertel von Paris überfielen Nationaldemokraten jüdische Studenten, die sich zur Wehr setzten. Es kam zu einer schweren Schlägerei, der die Polizei ein Ende machte. Der Student Gras Stanislaw Tysckiewicz wurde verhaftet. Die jüdischen Studenten beschwerten sich beim polnischen Gesandten in Paris. London. Am Sonntag, den 15. November, verstarb in London im Alter von 71 Jahren der bekannte jüdische Publizist und zionistische Politiker Leopold Greenberg, Chefredakteur des „Jewifh Chronicle". Theodor H e r z l gehörte früher zu den treuesten Mitarbeitern Rom. Im jüdischen Tempel zu Rom wurde eine Gedenktafel für die jüdischen Kriegsgef a l l e n e n der Gemeinde Rom enthüllt, die weit über 100 Namen von im Kriege gefallenen Gemeindemitgliedern enthält. Von der faschistischen Partei wurde ein großer Blumenkranz vor der Gedenktafel niedergelegt. , Eine Abteilung faschistischer Miliz hielt bis zum Einbruch der Dunkelheit vor der Gedenktafel die Ehrenwache. Sitz Halberstadt, statt. Es wurden zunächst die Beschlüsse der Frankfurter Verbandstagungen vom 26. und 27. August geprüft und ihre Durchführung veranlaßt. Eine eingehende Beratung fand der Entwurf des zuständigen Referenten im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für ein neues Judengesetz. Bekanntlich hatten beide preußischen Landesverbände, ihren Anschauungen entsprechend, schon vor zwei Jahren Gesetzentwürfe eingereicht. Durch die langwierigen Verhandlungen im Ministerium und im preußischen Landtag über das katholische und evangelische Konkordat waren die Beratungen über ein Gesetz für die jüdischen Gemeinden dort noch nicht zum Abschluß gekommen. Der neue Referentenentwurf berücksichtigt vielfach die Wünsche des gesetzestreuen Landesverbandes, gab aber trotzdem Anlaß zu eingehender Beratung über einzureichende Abänderungsvorschläge. * Eingehende Beratung fand auch der Vorschlag einer stärkeren Aktivität des Reichsbundes gesetzestreuer Synagogengemeinden und damit im Zusammenhang die Behandlung sozialer Fragen in der deutschen Judenheit. Das sehr wertvolle Material für den letzten Punkt wird in kleinem Kreise geprüft und ausgewertet werden. Nr. 48 Seite 5 Holland Keine Zwangsfonntagsruhe für die Amsterdamer Juden. A m st e r d a m, 16. Nov. ^Der Stadtrat von Amsterdam hat eine neue Verordnung betreffend die Sonntagsruhe angenommen, laut welcher den jüdischen Geschäftsleuten, die an den Sonnabenden ihre Läden geschlossen halten, gestattet: wird, an Sonnlagen von 5 Uhr morgens bns 8 Uhr abends ihreLäden offen zu halten. Tschechoslowakei. Tfchechoflovakifche Regierung erzwingt Streichung des Arierparagraphen. Prag, 8. Nov. Die tschechoslowakische Regierung hat den Verband der deutschen Handels- und Jndustrieangestellten in Aussig aufgefordert, den in seinen Satzungen enthaltenen Arierparagraphen zu st reichen. Der Paragraph hatte den folgenden Wortlaut: „Juden und im bewußten Gegensatz zum Deutschtum'stehende Angehörige anderer Rassen oder Nationen können keinerlei Mitgliedsrechte erwerben." Die politische Landesverwaltung hat in einer Zuschrift an die Organisation diesen Passus beanstandet und von seiner Abschaffung die weitere Zahlung des Staatsbeitrages zu den Arbeitslosenunterstützungen an die Stellenlosen des Verbandes abhängig gemacht. Da der Verband ohne diesen Beitrag seinen statutenmäßigen Verpflichtungen nicht Nachkommen konnte, wurde der antijüdische und antitschechische Absatz gestrichen. (ITA.). Eine slowakische Gemeinde unter Regierungsverwaltung. Bratislava, 5. Noo. Die bekannte orthodoxe Gemeinde Duna-Szerdahely (jetzt Dun. Streda), die seit einer langen Reihe von Jahren, insbesondere im Zusammenhang mit der Neuwahl eines Oberrabbiners, in wilde innere Kämpfe verwickelt war, hat sich bekanntlich vor etwa Jahresfrist dazu bequemen müssen, ihre Streitigkeiten dem obligatorischen konfessionellen Schiedsgericht zu unterbreiten. Dieses erließ ein Urteil, das beiden Parteien gerecht zu werden versuchte und über das im „Israelit" seinerzeit berichtet wurde. Leider stellte es sich aber als unmöglich heraus, das Urteil restlos durchzuführen und damit wieder gesetzliche Zustände herzustellen. Infolgedessen hat die Regierung die Gemeindeverwaltung aufgelöst und den Advokaten Dr. S. R o t t e r in Bratislava als Regierungskommissar bestellt. Der Regierungskommissar hat am Montag sein Amt angetreten, indem er sich der Unterstützung des Oberrabbiners Hillel Weinberger und des Rosch-Besdin, Rabbiner Katz — die als die. Führer der beiden Parteien gelten — versicherte. Palästina. Vereidigung des neuen High Eommifsioners in Jerusalem. Jerusalem, 22. Nov. Bei Anwesenheit von etwa 300 Personen, den Leitern der einzelenn Verwaltungs-Departements der Regierung und den Repräsentanten der religiösen und zivilen Körperschaften des Landes, wurde der .neue High Commissioner für Palästina, General Srr Arthur Grenfell Wauchope, am 19. November vormittags im Regierungshause, vor Antritt seines Amtes, vereidigt. Nach der Vereidigungs-Zeremonie hielt der neue High Commissioner eine Ansprache, in der er unter Berufung auf Aussprüche des zweiten High Eommifsioners für Palästina, Lord Plumer, erklärte: „Erstes Grundprinzip derVerwaltung sind Gesetz und Ordnung; Wohlstand und Frieden, guter Wille und Verständnisbereitschaft sind das zweite Grundprinzip; gegenseitiges Vertrauen, Glaube und Zuversicht zwischen der Regierung und der Bevölkerung sind die dritte Grundbedingung." Personalien. Plauen, 21. Nov. In der Nacht vom Freitag auf Sonnabend, den 14. November, verstarb plötzlich und unerwartet an Herzschlag der Prediger und Lehrer unserer Israelitischen Neligionsgemeinde, Emanuel H e i - mann, Plauen.