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Der Israelit · 1931-11-26 · Heft 48 (26.11.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 48 (26.11.1931)
Date
1931-11-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 48 Der Israelit 26. November 1931 LOREY Das Fachgeschäft für Haus und Küche Glas und Porzellan Schillerffr.16, Gr.Eschenheimerflr.29 „Grotze Juden." Es hat sich nicht allein in der Abwehrpresse der Brauch herausgebildet, alles, was in der Kunst, in der großen Politik, in der Wirtschaft oder Wissenschaft einen jüdischen Namen trägt oder von Trägern eines jüdischen Namens abstammt, für das I u d e n t u m z u r e k l a - mieren. Ein verbreitetes jüdisches Blatt in Deutschland ist geradezu dauernd auf der Jagd nach solchen „großen Juden", die dann in Wort und Bild den Lesern als „ihre prominenten StammesZenossen" präsentiert werden. Berliner und Frankfurter jüdische Literaturvereine ließen dieser Tage von einem berühmten Rezitator „aus Werken jüdischer Dichter" vortragen. Diese „jüdischen Dichter" heißen u. a. Heine, Börne, Peter Altenberg . . . Man ahnt nicht, wie würdelos diese „Judenmächerei" ist, diese alberne Jagd nach N a s e n und N amen... Im Endeffekt kommt diese Hebung auf das Bestreben der rassenantisemitischen Presse hinaus, die in allem, was ihr mißfällt, nach dem Juden schnüffelt. Wehren wir uns mit Recht dagegen, daß uns schlechte Elemente, die zufällig auf einen jüdischen Namen hören, zur Last gelegt werden, so haben wir auch nicht das Recht, um die Weltkultur verdi e n t e Männer, deren Stammbaum vielleicht auf einen jüdischen Namen zurückführt, die im übrigen aber im weitesten Bogen Juden und Judentum aus dem Wege gehen, für uns zu beanspruchen. Wer das Judentum in seinem wahren Gehalte kennt und liebt, wird auch ohne diese „großen Brüder" auskommen. Wo diese Kenntnis und Liebe fehlen, werden auch diese Stützen wenig nützen . . . Einen eklatanten Beweis dafür liefert der Generalgouverneur von Australien, S i r I s a a c I s a a c s , der schon bei seinem Amtsantritt der australischen Judenheit eine schwere Enttäuschung bereitet hatte. In Melbourne haben sie erst vor kurzem den General Monasch, den Höchstkommandierenden der australischen Truppen, einen Mann, der gleich groß als General wie als Jude war, auf dem jüdischen Fried Hofe zu Grabe getragen. Man glaubte im neuen Generalgouverneur, der Glaubensgenosse ist, einen Ersatz für den Heimgegangenen großen Bruder zu finden. Dieser lieh aber die Juden vom ersten Augenblick an in beleidigender Weise fühlen, daß er sich weder rassisch, noch religiös irgendwie mit ihnen verbunden wisse. Man könnte schon beinahe von einer offenen Feindseligkeit gegen Juden und Judentum sprechen, wie man sie bei einem nichtjüdischen hohen Beamten noch nie erlebt hat. Sozialist und Freidenker wie er ist, versäumt doch Sir Jsacs keine öffentliche Feierlichkeit in den verschiedenen Kirchen. Eine Einladung der jüdischen Gemeinde, dem G'ttesdienst in der Synagoge aus Anlaß seines Amtsantrittes beizuwohnen, ließ er unbeantwortet. v Ebenso ließ er unbeachtet eine Einladung des Vorstandes, den JomKippurg'ttesdienst in der Synagoge zu besuchen. Ihren Höhepunkt erreichte die Aufregung der Juden, als der neue Generalgouverneur es vor etwa vierzehn Tagen ablehnte, bei einer Gedenkfeier für General Monasch in der Synagoge anwesend zu sein oder sich vertreten zu lassen. Zur gleichen Zeit nahm er aber führend an einer Feier in der Anglikanischen Kirche teil, die d e m A nteil des Christentums an der nationalen Entwicklung von Australien gewidmet , war, wiewohl es sich hier nicht um einen Staatsakt, sondern um eine rein priv a t e Deranstaltung einer christlichen Kirchengesellschast handelte. So vieler Zurücksetzungen bedurfte es, um beiden führenden Kreisen der australischen Judenheit den Entschluß reifen lassen, den „großen Bruder" im Regierungspalast mit jüdischen Angelegenheiten nicht mehr zu beunruhigen und in Zukunft alles zu vermeiden, was die unangenehme Erinnerung an seine jüdische Abstammung bei ihm wecken könnte ... Wir vermuten, daß manch einer — nicht alle — in der „Galerie der Unsterblichen", die uns jüdische Zeitungen in Wort und Bild als die neuen Mitglieder von Parlament und Regierung in England zeigen, von ähnlicher Einstellung ist wie der „große Bruder" auf dem australischen Generalgouverneurposten. Jüdisch-amerikanische Zeitungen wußten neulich zu berichten, Sir Jsaac Jsacs sei d e r S o h n e -in e s aus Polen nach England e i n - g e w a n d e r t e n jüdischen Schnei d e rs. Das kann der Bedeutung des Generalgouverneurs keinen Abbruch tun. Aber etwas vom Schneiderhandwerk scheint er doch in sein hohes Amt mit hineingenommen zu haben: er verstand es, alle Fäden, die ihn mit der jüdischen Gemeinschaft verbanden, restlos zu zerschneiden . . Das jüdische Schulwesen in polen. (Schluß.) Ein viel weiter gehender Versuch, das Schulwesen bei Beibehaltung der religiösen Grundeinstellung an moderne Erziehungsformen anzupassen, wurde seitens der polnischen Misrachibewegung durch Gründung einer eigenen Schulorganisation „Jabne" (1927) gemacht, die gegenwärtig 65 Schulen (darunter 4 Mittelschulen) mit 5686 Schülern und 334 Lehrern umfaßt. Das Lehrprogramm dieser Schule ist im allgemeinen ziemlich getreu dem Lehrplan der entsprechenden staatlichen Anstalten (Volksbezrv. Mittelschulen) nachgebildet und unterscheidet sich von diesem bloß durch eine allerdings sehr weitgehende (22—23 Stunden wöchentlichen Unterricht) Berücksichtigung der jüdischen (in der Hauptsache der religiösen) Fächer. Es wird hier somit eine Kombinierung des allgemeinen mit dem religiösen Unterricht angestrebt, die beide als gleichwertig angesehen werden sollen. Auch hier wurde ein besonderes Lehrerseminar begründet und darüber hinaus auch der Versuch gemacht, eine rabbinische Lehranstalt mit umfangreichem Lehrprogramm für allgemeine Fächer ins Leben zu rufen (Rabbiflerseminar „Tachkemoni", begründet in Warschau 1920 mit dem Lehrprogramm eines humanistischen Gymnasiums). Auch hier ist die Unterrichtssprache polnisch für die allgemeinen und hebräisch für die jüdischen . Fächer."; Tartakower wendet sich alsdann dem von ihm besonders geschätzten hebräisch-nationalen Schulwesen zu, das sich insbesondere um die Schulorganisation Tarbut mit 75 Kindergärten, 149 Volksschulen, 12 Mittelschulen, 4 Lehrerseminaren, 2 pädagogischen Kursen mit einer Gesamtzahl von 25 516 Schülern und 1000 Lehrern gruppiert. Er ist objektiv genug, von diesen Schulen, die man in. Polen vielfach als „frömmer" im Vergleich mit den Zifcho-Schulen anzusehen pflegt, folgendes zu sagen: „Der Zusammenhang mit den alten jüdischen Kulturgütern (in erster Reihe mit dem Bibelschrifttum) wird hier allerdings auch sorgfältig gepflegt, doch nur vom kulturgeschichtlichen und erzieherischen, keineswegs vom religiösen Standpunkt aus; die Mehrzahl der Schulen betont vielmehr ihren weltlichen Charakter." Hebräisch-national sind auch diejenigen Unterrichtsanstalten, die der Verfasser als zweisprachig bezeichnet, weil sie statt des Hebräischen, die polnische und die jiddische Sprache als Unterrichtssprache benutzen. Sie umfassen 31 Schulen mit 6000 Schülern. Ueber die Sprachenfrage in den orthodoxen Schulen sagt der Verfasser im Zusammenhang damit ganz richtig folgendes: \ „Daß wir lediglich diese Schulen und nicht auch das Schulwesen der Orthodoxie als utraquistisch bezeichnen, hat seinen guten Grund darin, daß es lediglich diese Schule sind, denen ihre Zweisprachigkeit-als' ein Bestandteil der Problematik ihres Wesens fühlbar geworden .ist. Die. Zweisprachigkeit der orthodoxen Erziehungsanstalten ist dagegen etwas ganz Zufälliges und gewissermaßen bereits durch ibren religiösen Charakter bedingt. Die Orthodoxie ist nämlich weit davon entfernt, die hebräische Sprache als eine lebendige Sprache anzuerkennen, sie sieht in ihr umgekehrt die heilige Sprache des religiösen Lebens, die durch den alltäglichen.Gebrauch nicht entweiht werden darf. Die Wahl der polnischen Sprache als Unterrichtssprache war für sie also etwas ganz natürliches, durch dis fundamentale Scheidung zwischen Alltag und Sabbat gegeben, während sie bei den nationalen utraquistischen Schulen nur aus der tatsächlichen Zwiespältigkeit ihres Wesens zu erklären ist." Der letzte Teil der Ausführungen ist den jiddischistifchen, den sogenannten Zischo-Schulen gewidmet (eine Abkürzung der Worte „Zentrale jiddische Schulorganisation). Diese radikal-antireligiöse, von. der Ideenwelt des alten russischen „Bundes" unseligen Ang.eden.kens beherrschten Schulen haben in Polen heute 215 Anstalten einschließlich der Abendkurse und der Kindergärten und erziehen 23000 Zöglinge durch 754 Lehrer. Dort kennt man keinen religiösen Unterricht, som dern im Gegenteil nur das Streben, den Wert der Religion in den Augen der Schüler durch rationalistische Erklärungen der religiösen Vorschriften und Bräuche herabzusetzen. Der Verfasser nennt diese Einstellung „krankhaft" und glaubt hervorheben zu dürfen,, daß man im Gegensatz hierzu in den hebräischen Schulen trotz der Weltlichkeit doch weit davon entfernt sei, die religiösen» Gefühle der Schulkinder unterdrücken zu wollen, daß man sogar die Ethik des Judentums ziemlich weit berücksichtige. Hierbei ist u. E. vergessen, daß der antireligiöse Radikalismus oft im Endeffekt gegen seinen Willen günstiger wirkt, als eine die religiösen Momente in freundschaftlicher Uuarmung gewissermaßen auflösende Erziehungsmethode im hebräischen Sprachgewandt Das jüdische Schulwesen in Polen ist materiell fast ganz aus die eigenen Kräfte der Bevölkerung angewiesen, nachdem der Geldstrom aus Amerika immer mehr abgenommen hat und fast ganz versiegt ist. Bei der traurigen Lage der polnischen Juden kann man sich daher vorstellen, wie furchtbar der Existenzkampf der allermeisten jüdischen Schulen zur Zeit ist. Man darf hoffen, daß insbesondere das orthodoxe Schulwesen dank der inneren moralischen Stärke und dem unendlichen Idealismus der Volksmassen in Polen aus dieser Krise unversehrt hervorgehen wird. Kormpottdenzeii lUcbricbjen. Deutsches Reich. Weltverband für Sabbalfchutz Schomre Schabbos. Berlin, 5. Nov. Der vor zwei Jahren gegründete Weltverband für Sabbatschutz erstattet seinen Tätigkeitsbericht, der von dem Sabbatwettkongreß im August 1930 ausgeht, die organisatorischen Maßnahmen des Verbandes in den verschiedenen Ländern registriert und die lähmenden Einflüsse feststellt, die von der immer mehr sich verschlechternden Wirtschaftslage auf die ganze Arbeit des Verbandes, insbesondere auf praktischem Gebiete, ausgegangen ist. Immerhin gelang es, das Netz der Ortsgruppen, insbesondere in Deutschland, zu erweitern, in verschiedenen Ländern wie in Lettland, England durch persönliches Eingreifen von Mitgliedern des Zentralrates Stützpunkte zu schaffen und insbesondere einen Nachrichtendienst zu organisieren, der auf alle Fälle das Verdienst hat, daß die Bedeutung einer befriedigenden Lösung des Sabbatproblems für die ganze^ Judenheit und damit mittelbar auch für die Menschheit mehr als bisher in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gestellt wurde. Im Rahmen der Schriftenreihe des Ver- Beachten Sie meine 3 neuen Schaufenster in der Börse.

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