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Der Israelit · 1931-11-26 · Heft 48 (26.11.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 48 (26.11.1931)
Date
1931-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 Seite 3 26. November 1931 Der Israelit erregen utib bem nach verschiedenen Richtungen eine ganz besondere Bedeutsamkeit inne wohnt. Bereits im M a i v o r i g e n J a h r e s haben wir in einem Leitaufsatz unter der Ueberschrift: „ D^i e liberale Konfess i o n u n d das jüdische Eherecht" ans die verschiedenen Aeußerungen der liberalen geistlichen Führer zum Thema des religiösen Ehegesetzes hingewiesen, die ein Jahr vorher gelegentlich einer Tagung der liberalen Rabbiner in Berlin gefallen waren, die aber erst viel später in Form eines stenographischen Berichtes über die dort gehaltenen Reden der Oeffentlichkeit übergeben worden waren. Aus diesen Erklärungen ging mit EnidenZ hervor, daß ein großer Teil der liberalen Rabbiner heute noch auf dem gleichen Standpunkt steht, den 17 Jahre früher die „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum" gegenüber den Grundlehren des Judentums und gegenüber dem praktischen Religionsgesetz eingenommen haben. Schon damals hatten die gesetzestreuen Rabbiner aus diesen Bekenntnissen des liberalen Judentums pflichtgemäß die Konsequenzen gezogen und öffentlich erklärt, daß re l i g i ö s e Entscheidungen und A u t o r i s a t i o n en von I i b e r a l e n Rabbinern, die sich zu derartigen Grundsatz ende k e n n e n, n i ch t a l s g ü lt t g a n e r k a n n t, und daß insbesondere Eh ef ch e i d u n g e n , die nach der Anordnung liberaler Rabbiner vollzogen.sind, für eine WiederverheiratUng der Geschiedenen als ausreichend n i ch t erachtet werden können. Zum Schutze der Reinheit des jüdischen Familienlebens gegenüber den Willkürakten liberaler Geistlicher wurden schon damals seitens der gefetzestreuen Rabbiner durchgreifende Maßnahmen gefordert. Man hätte glauben sollen, daß die Erfahrungen, die die Liberalen vor nahezu 20 Jahren mit ihren unglückseligen „Richtlimen" machten, insofern eine erzieherische Wirkung auf sie ausgeübt haben sollten, daß sie mindestens auf dem empfindlichen Gebiet der Ehegesetzgebung und der eherechtlichen Akte vorsichtiger geworden wären; daß sie schon um der gerade von ihnen immer so stark unterstrichenen angeblichen „Einheit des Judentums" willen, unbeschadet ihrer eigenen religiösen UnglänbigkeA, doch rein äußerlich von jedem amtierenden liberalen Rabbiner den und e d i n g t e n Respekt vor den z> w i ng e n d e n B o r s ch r i f t e n d e s R e l i g i o n sgesetzes auf ehe rechtlichem Gebiete g e f o r d e r t h ä t t e n. Die liberale Rabbinerversammlung vom Mai 1929 hat gezeigt, daß diese Erwartung 1604 die Söhne schon lebten und alt genug waren, um verheiratet zu sein (wobei man sich an die Ansicht des iv'.i '».die Verheiratung der Söhne habe erst kurz vor dem Mabbul stattgefunden, nach dem oben bemerkten D'Vmn dp keineswegs zu stoßen braucht). Auch steht, nebenbei gesagt, — jedenfalls in der Lubliner Ausgabe — nicht sondern in Worten dv)«?i d'ewi. b) Aber widersprechen diese 52 Jahre nicht den 120 von R. und Midrasch? Einige Herren meinen, daß N. den Vau vom Beginn der 120 Jahre an mit dem von erwähnten Pflanzen und- Fällen der Zedern vorbereitet und in den letzten 52 Jahren ausgeführt habe, was übrigens schon, wie Herr L. Lewisohn-Hannover mitteilt, der zu ama (den ich nicht besitze) und auch, wie ich sehe, der nnnnno gurrt Jahre sra-m 'tu entsprechend für die 5 Jahre des) nr?'n 'o vorschlägt. Denn der Baubefehl kam erst — daran ist ohne bündigen Gegenbeweis nicht zu rütteln — als N.'s Söhne schon verheiratet waren, und ein vorheriges Vorbereiten des Bauholzes hätte keinen Sinn. Solange diese Schwierigkeit nicht behoben ist, und es hat ja leider keiner der verehrt. Einsender einen Ausweg aus diesem Dilemma gezeigt, bleibt' doch, wie unangenehm es much ist, kaum was anderes übrig, als für eben i'i zu lesen (was übrigens, wie bereits betont, abschroibetechnisch durchaus plausibel wäre). Gewiß muß man vorsichtig fein. Daher ja auch die Fragezeichen am Anfang und Ende meiner Vermutung. Aber wie anders ist R. mit dem von ihm selber doch gewiß aufs Höchste geschätzten v«?v in Einklang zu bringen?! Auch ist es wohl harmloser, als «pin mb zu nehmen (etwa: im Laufe der 120 Jahre betrieb N. die Verwarnung auch durch Zedernschnitt), als ihn im Gegensatz zum klaren ««?-- der min zu lassen. Und alle übrigen Stellen bieten keinerlei Schwierigkeit. täuschte. Die Erfahrungen des Nichtlinien- Sturmes sind der jüngeren Generation nicht mehr gegenwärtig. Die Orthodoxie hat, soweit sie innerhalb der sogenannten Einheitsgemeinden organisiert war, die praktischen Konsequenzen aus der durch die Richtlinien gewonnenen Erkenntnis nicht gezogen; sie ist in einheitlichen Gemeindeverbänden mit den liberalen Geistlichen verblieben und hat sich trotz Richtlimen weiter damit abgefunden, daß jüdische Gemeinden zwei von Grund aus verschiedene Religionssysteme organisatorisch vereinigen. Was Wunder, daß der rabbinische Nachwuchs des Liberalismus, durch -die friedliche Einheit der gemeindlichen Zusamniengehörigkeit in ein falsches Sicherheitsgefühl eingewiegt, es nicht nur als gewissenmäßiges Bedürfnis, sondern als auch ein r i s i k o l o s e s Unternehmen empfand, sich offen zur L e u g n u n g der Autorität des R e l i g i o n s g e f e tz -e s auch auf e h e r e chtl ich >e in Gebiete zu bekenn e n. Das ist in der Rabbinerversammlung vom Mai 1929 geschehen und wenn es nun über zwei Jahre gedauert hat, bis die Antwort aus dem Lager der orthodoxen Rabbiner erscheint, so spricht das jedenfalls für eine äußerst gründliche und vorsichtige Bearbeitung der Materie durch die geistigen Führer des orthodoxen Judentums. Die gefetzestreuen Rabbiner Deutschlands find, wie man weiß, in zwei verschiedenen Verbänden organisiert. Trotz der unbeschreiblichen Erregung, die vor 17 Jahren die Richtlinien in allen religiösen Kreisen des deutschen Judentums hervorriefen, gelang es damals nicht, die beiden gesetzestreuen Rabbinerverbände auf eine gemeinsame Abwehrerklärung zu einigen. Die Veröffentlichungen der beiden Rabbinerverbände waren zwar der Tendenz nach gleich, aber sie unterschieden sich doch durch die größere oder geringere Schärfe der Formulierung. Diesmal liegt die für die gesetzestreue Judenheit besonders erfreuliche Tatsache vor, daß eine gemeinsame Erklärung des Frankfurter und Berliner gesetzestreuen Rabbinerverbandes erfolgt, so daß der Oeffentlichkeit und insbesondere den liberalen Kreisen nicht mehr eingeredet werden kann, es beständen innerhalb der Orthodoxie selbst, insbesondere zwischen den Vertretern der selbständigen Orthodoxie und der Gemeindeorthodoxie irgendwelche Meinungsverschiedenheiten, über die Bewertung des religiösen Abfalls, der sich in den liberalen Bekenntnissen zur Ehegesetzgebung äußert. Die gesetzestreuen Rabbiner Deutschlands, einerlei wie sie zur Frage der Gemeindeeinheit, Vielleicht ist aber folgendes nicht zu gewagt: Bekanntlich mußten die a-rfa-, oft die ihnen von G'tt eingegebene Rede durch entsprechende sinnfällige Handlungen bekräftigen, so z. B. Jer. c. 13 und 32, Zech. c. 12. Nun sagt 'i k'V folgendes: c=mx v'p'i pni> nai« mn ^i2i «?2' f-?> o'in.ie?»i vn-irr nai«? ii>ip«?w pn'w« Der nnn» z. St. denkt dabei an-'2i«?2'fsi,c>'inn«?vic-'inrrn2l«?^!?ip'Das würde also daraus hindeuten, daß N. feine stolzen Zeitgenossen, unter Hinweis aus G'ttes Zedern (d. h. Riesen) schassende und fällende Allmacht zur mi«?n aufrief, und da kann man wohl annehmen, daß er sogleich mit Beginn der 120 Jahre diese nrri2r,ganz so, wie die späteren vwi durch die entsprechende Handlung eines wirklichen Psianzens und Füllens von Zedern bekräftigte, ohne daß er dabei an eine' I. dachte. Fragte man ihn: Wozu dies Pflanzen und Fällen? so war wohl seine Antwort: G'ttes Regen und Segen hat. euch zederngleich riesenhaft gedeihen lassen. Er wird den Regen zum Mabbul, den Segen zum Fluch, die stolze Pflanzung zur Vernichtung kehren. Tut ni«?n! Aber siehe, nach 68 Jahren solcher fruchtlosen Mahnung befiehlt ihm G'tt aus eben diesen Zedern eine T. zu bauen. G'ttes Vorsehung hatte es also so bestimmt, daß das, was er als «'22 nur zur Ermahnung seiner Zeitgenossen tat, ihm selber, ohne daß er es wußte, das Material für die T. lieferte. Und man kann begreifen, daß es auf die Sünder einen besonderen Eindruck hätte machen dürfen, aus den gefällten Zedern, die ihre eigene Vernichtung bedeuteten, des Frommen Rettungsschiff erwachsen zu sehen und so gewissermaßen die ganze erschütternde Tragik des Kulturdüngerwerdensnnixn in*n vor Augen gestellt zu bekommen. Wie ja in Wahrheit ihr Schicksal zur Erziehungsgrundlage , einer neuen Menschheit (nsv »»), ihre aufgelösten Leiber zum Humus einer neuen Menschenerde wurden, gleichwie das Preisliste, auch anderer guter Nährmittel frei Df. Fromm, Kötzschenbroda Frankfurt. Niederlagen Hirsch-Apotheke Ze.il 111 Reformhaus Boermel-Ernst, Schillerstraße 27 also zu den Fragen der Organisation der jüdischen Körperschaften stehen, erklären einmütig, daß sie die Vollziehung von religionsgesetzlichen Akten, wie Ehescheidung, Chalizo und Aufnahme ins Judentum durch liberale Rabbiner nicht anerkennen können. Wir sind begierig, ob auch diesmal wieder die liberalen Gemeindevorstände von Berlin und Frankfurt es wagen werden, „ihre" orthodoxen Rabbiner für diese mannhafte Erklärung öffentlich zur Ordnung zu rufen und ihnen einzuschärfen, daß innerhalb der jüdischen „Einheitsgemeinde" jede Richtung die andere als religiös gleichberechtigt a n z u erkennen Hab e. Wir nehmen an, daß in dieser schweren Zeit der Not die liberalen Gemeindevorstände größere Sorgen haben werden, als diejenige um die prinzipielle Rettung des in sich widersinnigen Gemeind eeinheits-PrinziTsi Ein weiterer Gesichtspunkt soll schließlich noch mit Nachdruck unterstrichen werden. In den unvermeidlichen Kämpfen, die um die Organisationsprobleme der jüdischen Gemeinschaft zwischen der Gemeindeorthödoxie und der sogenannten Austrittsorthodoxie geführt werden) kommt es sehr leicht dazu, daß man über diesen trennenden Momenten die alles andere überragende weltanschauliche Ge m e infam k e it vergißt, die denn doch über alle jene Kämpfe hinweg alle ca’raKB '12. O’raNö in brüderlicher Einheit verknüpft. Die gemeinschaftliche Erklärung der Rabbiner, die uns die gemeinsame Abmehrsront der sonst einander gegnerisch gegenüberstehenden rabbimschen Führer aus beidenLagern gegenüber dem Abfall des Liberalismus zeigt, ist auch in diesem Sinne ein Lichtstrahl in trüber Zeit. Sie bildet eine stetige Mahnung an alle Kreise der Orthodoxie, über den nun einmal unvermeibVafyen geistigen Auseinandersetzungen die brüderliche Einheit nicht zu vergessen und mit allen Kräften dahin zu streben, daß diese ideale Gemeinsamkeit, sobald es die Zeitverhältnisse n-ur irgend gestatten, auch den gebührenden organisatorischen Ausdruck finde. Das ist ebensosehr eine Forderung der religiösen Wahrhaftigkeit wie der politischen Zweckmäßigkeit. rasch welkende Grün, das faulende Fallholz des Waldes den überdauernden Bäumen den Nährboden schafft, (s. '^nn). — So war alles in allem eine 120jährige nn^in vom Zedernmufsar. Mit dieser Annahme liehen sich alle Stellen (s. a. n~> *i"s 3i'8i> '"rni vi>vi'« -rnp) in annehmbaren Einklang bringen. Die Teilung der 120 Jahre in zwei Abschnitte (Verwarnung sulcht Vorbereitung!s und Bau) bei Midr. Tauch, springt direkt in die Augen. Gut erklärt wäre auch in Ta, daß N. vom Bau der T. nicht spricht. Natürlich, der war ja in der ersten größeren Hälfte der 120 Jahre noch gar nicht geboten. Und so wäre vielleicht auch R. zu verstehen, nämlich: Warum bemüht G'tt den N. gerade mit diesem Bau? Damit seine Zeitgenossen ihn mit dieser Sache (na. nicht mit dem Bau, sondern „damit", d. h. mit dem gleichen Thema) 120 Jahre lang beschäftigt sähen! d. h. gerade der Bau der T. führte die vorausgegangene Mahnhandlung des Zedernpflanzens und -Füllens zu so wuchtig gesteigerter Eindringlichkeit fort! So bestünde — vielleicht — doch alles zu Recht. Der -ra: Zu Beginn der 120jährigen Frist setzte die anschauliche Zedernpredigt der onrar ein. Der «PS von 6, 13fs.: Der Befehl zmp Bau der T. erging an N. erst, als seine Söhne fckj-m geboren und sogar beweibt waren, nämlich, nach rr-Ts. 52 Jahre vor dem Mabbul. Und schließlich: kein Schreibfehler in '"«?n zu na* Fürth i. B. Rabb. Dr. Breslauer. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton T. Schachnowitz. fsrankfurt a. SR.; Inserate i. 93.: S. Schach» nowitz. ebenda. — Lür die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlas des Israelit und tzermon G> nt. b. tz.» Frankfurt a. SR. —' Druck: tzermon-Druckeret, Frankfurta. SR.

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