Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1931)
- Date
- 1931-11-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 48 Der Israelit 26. November 1931 und der meisten Parteien, das Echo in der die jleme auf, die Z w ä n g s s o n n t a> g s r u h e, die "-den, sind zu nennen: S o s n o w i c e, L o m z a, P l o ck, Gesinnung der Intellektuellen wiedergebenden geplante K ü n d i gu n g von ta u s e n d e n j üwo studentische Agitatoren aus Warschau und Wilna Presse, das mannhafte Einschreiten der Universitätsbehörden, das rasche Handeln der Gerichte, all das bestätigt eher das von uns gewonnene Bild in all seinen Strichen. Auch das kleine Volk in Polen hat keinen Anteil an diesen beschämenden Ereignissen. Die Seuche, entstanden durch von außen eingeführte „Kulturen", wurde auf ihren Herd beschränkt. Das wahre Kutturstreben derer an der Führung siegte über den „Kultur Antisemitismus unreifer Köpfe von der bekannten Sorte, wie man sie heute in allen Landen findet, die sich national gebärden, um die nationale Ehre ihres eigenen Volkes ln den Kot zu ziehen. Bedürfte es noch eines Beweises für die Richtigkeit der seit Jahren von der polnischen Aguda verfolgten Politik, die letzten Vorkommnisse hätten diesen Beweis bis zur Evidenz erbracht. Daß Regierungspolitik für die orthodoxe Fraktion im übrigen nicht soviel bedeutet, wie „sich ducken", von einer dunklen Ecke im Sejm aus zu allem, was vom Regierungstisch proklamiert oder verschwiegen wird, demutsvoll Ja und Amen zu sagen, beweist zur Genüge die l e tzte h istorische Rede, dieOberrabbinerAron L ew in in der Budgetdebatte im Anschluß an die Interpellation über die Ausschreitungen gehalten hat. Ein solch offenes, stolzes, und zugleich von Glauben und Vertrauen getragenes Wort aus jüdischem Munde hat vielleicht seit den Zeiten M a n a s s e b e n Israels kein europäisches Parlament gehört. Daß die zio nistische Presse wie auf Verabredung (bis auf die ITA.) die Rede fast so gut wie vollkommen verschweigt, ist bezeichnend, gehört aber nicht hierher. Wie klug von diesem politisch und parlamentarisch so ungemein geschulten rabbinischen Führer, daß er die Studentenaffäre gar nickst in den Mittelpunkt seiner Rede stellte! Sollte man über diesen Verfehlungen, die die Regierung selbst scharf mißbilligt, die anderen Fragen und Belange der jüdischen Gemeinschaft vergessen, die der Lösung harren und bei Nichtlösung größere, weil dauernde. Gefahren im Gefolge haben müßten, als jene vorübergehende Störungen? Zionistische Redner taten es und verschossen ihr ganzes Pulver bei diesem Punkte, und es schien beinahe, als stände das polnische Judentum, nachdem volle Bestrafung der Schuldigen zugesagt war, ganz wunschlos da. Oberrabbiner Lewin verlangte ebenfalls vollkommenen Schutz und .Sicherheit von Leib, Leben und Gut, aber er hatte noch etwas anderes zu sagen. Er rollte das ganze große Buch der jüdischen Sorgen, Nöte und- Probdischen Monopolkonzessionen, die katastrophale Lage des jüdischen Schu l - Wesens, die lächerlich geringen Posten f ü r j ü d i s ch e R e l i g i o n s - u n d Kulturzwecke im Etat. Nichts wurde vergessen, und man wußte oben am Regierungstisch wie in den Bänken der Parteien: Wenn den Juden Polens für die Ausschreitungen Genugtuung geworden ist, wenn die Schuldigen alle ihrer verdienten Strafe zugeführt, wenn alle Sicherheitsgarantien für die Zukunft geschaffen sind dann erst beginnt das jüdische Problem. Qp$ muß Stück für Stück, von Etappe zu Etappe, ein Gebot, der Staatskonsvlidierung, gelöst werden — nicht gegen die Regierung, sondern auf Initiative derselben und mit H i I f e d e r R e g i e r u n g s p'a x t e t e n. Dann, das hoffen wir mit allen Freunden Polens, sind dort alle Sümpfe ausgetrocknet, aus denen die fremde Giftpflanze so hoch in die Halme schießen konnte und der Boden geschaffen, aus dem Hell, politische, kulturelle und wirtschasliche Gesundung für Polen in all seinen Bevölkerungsteilen erblühen kann. Nachwirkungen und Proteste. Warschau, 23. November. In Warschau und in allen großen Universitätsstädten stauten die Unruhen ab. Die Bekanntgabe, daß hundert Studenten ihres Studentenrechtes verlustig und in die Kaserne geschickt wurden, verfehlte ihre Wirkung nicht. In Wilna begannen neue Ausschreitungen im Anschluß an eine „Trauerseier" für den aus unaufgeklärte Weise getöteten antisemitischen Studenten Waszl a w s k i. Die Polizei soll hier nicht in dem Maße eingegriffen haben, wie in Warschau. Untersuchung ist eingeleitet. Die Zahl der an Leib oder Eigentum zu Schaden gekommenen Juden beträgt in Wilna 250. In Krakau gewann die Hetze neue Nahrung dadurch, daß während einer antisemitischen. Demonstration am Bernhardiner-Kloster einige Fensterscheiben eingeschlagen worden. Sofort verbreitete sich das Gerücht, Juden hätten die Steine nach dem Kloster geworfen. Der Erzbischof, Fürst S a p i h a, erließ einen Aufruf, in welchem er zwar von „Feinden der katholischen Religion" spricht, aber die Bevölkerung auffordert, Ruhe zu bewahren und die' Untersuchung der Polizei zu überlassen. Die Universitäten in Warschau, Lemberg und Krakau wurden wieder geöffnet. Die Studentenexzesse in Posen dauern fort. Bon den Provinzstädten, die mehr oder weniger schwer unter den Unruhen gelitten haben oder noch leidie Jugend verhetzen. In Wlozlawek und Bend in konnten die Unruhen im Keime erstickt werden, dagegen kam es in Lowicz zu Plünderungen und blutigen Ueberfällen, ebenso in Polnisch Teschen. Zu Unruhen in kleinerem Maßstabe kam es in Lida und Tro k bei Wilna, in letzterer Stadt wurden in der Synagoge sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen: Im Warschauer Stadtrate verhinderten die Nationaldemokraten die Verlesung einer Interpellation über die Unruhen. . In einer gemeinsamen Sitzung der Repräsentanz und des Vorstand?? der Jüdischen Gemeinde zu Warschau unter Vorsitz des Agudaführers Trockenheim erkannten die Agudadeputierten I. M. L e w i n und Ecker mann an, daß die Regierung vollauf ihre Pflicht tat und forderten sie zu weiterem energischem Durchgreifen auf. Die zionistischen Redner stimmten eine schärfere Tonart an und hoben die tapfere Abwehr dev Lastträger hervor. 200 jüdische Studierende hätten sich heldenhaft gegen 4000 Angreifer verteidigt. Mit allen gegen die eine Stimme des Vertreters der „Poals Zion", dem die Forderungen nicht genügten, wurde eine Protestresolution angenommen. Das Echo im Auslände. In Newyork fand, wie von dort'gemeldet toirbr eine Massenprotest Versammlung statt, die von vielen Tausenden besucht war. Es sprachen die Senatoren C o p e l a r und Wagner, Kongreßmitglied D i ck st e i n und Reverend Dr. Stephen. S. W i s e. Eine Protsstresolution ' wurde einstimmig angenommen. Wie aus London berichtet wird, wurde dort am Sonntag die Lage in Polen in der Sitzung des Jewisst Board of Depüties besprochen. Einem Antrag, beim polnischen Gesandten in London zu intervenieren, wurde entgegengehalten, daß von den Juden Polens eine solche Aktion nicht gefordert und wahrscheinlich auch nicht gewünscht wird. Wochenrundschau. Die Rabbinererklärung. An der Spitze unserer vorrvöchent'lichen Nummer haben wir einen gemeinschaftlichen Aufruf der beiden gesetzestveuen Rubbmerverbände Deutschlands veröffentlicht, der nicht verfehlen wird, in der jüdischen Oeffentlichkeit Aufsehen zu l ' Mi. ■■■in.» ii i ..um» ll —■■■■' 1 Nochmals: Ein Schreibfehler in '"vn zu na? Tina '» i'-ivrr— Rührend spricht aus einer großen Reihe zu obiger Vermutung in Nr. 43 eingelaufener Entgegnungen der treuentschlossene Wille, kein Wort, keinen Buchstaben von Raschi ohne Kampf preiszugeben Aber das wollen wir doch alle. Und wenn ich darum manchem gut gemeinten Wort nicht böse sein kann, glaube ich doch, daß Raschi selber, könnte er zu uns sprechen, einen jeden, der sich ernsthast bemüht, in seinen, des größten iBips, des klarsten Erklärers Worten Klarheit zu finden, mit dankbarer Ermunterung belohnen würde und pS3 2'3v '2' Die meisten Aeußerungen möchten durch Hinweis auf R. zu V. 6, 3 bezw. auf 't 'b i-:und den gleichlautenden Jalkut sowie rus i~mr> Fragen beantworten, die ich gar nicht gestellt habe. Worum es sich hier handelt, ist folgendes: Wer die 9 Verse 6, 13—21 nach dem einfachen vva im Zusammenhang liest, muß wyb zugeben, 1. daß sie zusammen eine Rede sind, 2. daß V. 18 die zur Zeit der Rebe bereits -existierenden Söhne und deren Frauen im Auge hat und 3. daß also der Befehl zum Bau der nun zu einer Zeit gegeben wurde, als die Söhne N.'s bereits -geboren und sogar verheiratet waren. Ferner spricht (solange kein Anlaß vorliegt, die Regel rinpia anzuwenden) auch die Reihenfolge der nvens 6, 9—12 und 13 ff. dafür, daß die Rede 13—21 erst nach der Geburt der Söhne N.'s gesprochen worden ist. Das ^ia»n in v. 17 mit dem «w’Tn 'n weist auch deutlich genug darauf hin, daß hier auf eine bereits früher zurückliegende Mabbul-Androhung zurückgewiesen wird, diese Rede also nach der die 120jährige Schonfrist einleitenden mna des Jahres 1536 n. C. d. W. gesprochen worden ist. Hat aber N in diesem Jahre noch keinen Befehl zum Bau der T. erhalten, dann hat er natürlich auch noch nicht an das Bauholz gedacht, und dann hat überhaupt der Bau keine 120 Jahre gedauert. Aus R. zu 6, 14 geht jedoch offenbar hervor, daß N. 120 Jahre mit dem Bau beschäftigt war. Das ist die Frage. Und sie erstreckt sich natürlich auch auf -r2, wenn man diesen als sachliche Quelle für R. betrachtet. Nun zur Antwort. Eine wortgetreue Quelle für R. habe ich bislang nicht finden können; leider auch keiner der verehrt. Einsender. Zur Sache selbst wollen einige Herren mit dem bbs von mpia prr annehmen, der von den Söhnen und Frauen sprechende B. 18 sei wirklich , erst später, als die' übrigen Verse der Rede gesagt worden. Das scheint aber kaum angängig zu sein. Abgesehen davon, daß die Anwendung dieser Deutungsregel 102 «un überhaupt besonders triftig begründet sein muß ('2 'i tj’noa 'oin)» ist zu bedenken, daß es sich hier nicht nur um mehrere Verse, sondern um eine Versreihe handelt, die sich deutlich als eine Rede kundgibt. Und nun 'oll V. 13—17 im Jahre 1536 und V. 18 viele Jahre .päter (und V. 19 ff. offenbar wieder im Jahre 1536?) gesprochen worden sein! Gibt es noch einen Fall, wo die Anwendung der Regel 'i3i mpi» r« eine Rede derart dischronisiert? Uebrigens sind ja auch die einzelnen Absätze der Rede alle durch i miteinander verbunden. Und vor allem: dann hätte doch R. selber es gewiß nicht versäunlt, es an dieser Stelle, wie an so vielen anderen auch, zu bemerken. Damit fällt aber auch das von einem Herrn - zur Stütze dieser Dischronisierungstheorie herangezogene ni'Viv 2ivy aus rr r"p p"3 weg, das ja ein Spezialfall von mpia rs ist und ohnehin schon nach seiner ganzen Anführung strrv unu.v"?) sicher nicht willkürlich angewandt werden darf. Eine andere Annahme, daß in Vers 18 sozusagen der zukünftige Besitz von Söhnen und Schwiegertöchtern vorausgesagt wird, stimmt ebenfalls mit dem einfachen Wortsinn nicht zusammen. Demnach bleibt nur die Möglichkeit, daß R. gar nicht meint, der Bau der T. sei gleich bei Beginn der 120 Jahre befohlen worden. Dann ist aber folgendes zu klären: a) wann erging nun der Baubefehl an N.? b) was bedeuten in R. die 120 Jahre im Zusammenhang mit dem Bau der T.? a) Bezüglich des Datums des Bauauftrages sind mir nur 2 präzise Angaben bekannt: 1. rn?» der von 92jähriger, und 2. -<wn '0 (die Herren M. Kut-Berlin und R. Felsenstein, Fürth, haben es gesehen), das von nur 5jähriger Baudauer spricht. Es scheint für den vvv wenig von Belang, was man wählt. Solange man aber nicht weiß, wie man beide Zahlen miteinander ausgleichen soll, wird man nach dem, was der D~yn a^nan av '»ms über nun 7o bringt, den »'-na wohl bevorzugen. Warum gerade 52 Jahre, erklärt «~na nicht. Biest leicht spricht eine rr'ivva dafür; auch wäre auf die Bef deutuna der f"2 *iB.oa bei den naxn ■ar’- (vgl. auch Malbim zu v. 6, 15) hinzuweisen. Jedenfalls müssen wir annehmen, daß R. Tanchumo eine diesbezügliche Ueberlieferung bewahrte. Aber diese Zahl als Fehlschreibung ür p-3 zu erklären — wie Rabb. Dr. K.-H. und L. L.-H. für möglich erachten — liegt absolut kein Anlaß vor. Sie paßt durchaus zum vva der nun, da im Jahre