Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1931)
- Date
- 1931-11-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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aqc ztim„osrae E.D-Gi. -es Kun-es gesttzrsttrorr Wischer Kehrer Deulschüm-s. Aufsähchen in der Wischen Schule. Von L. Freimark in Mainz. Fertige Schüler- oder Klassenleistungen begegnen im allgemeinen mehr oder weniger großem Mißtrauen. Man fragt sich, was ist davon Schüler- und was ist davon— Lehrerarbeit. Das gleiche Mißtrauen findet man gegenüber Darstellungen angewandter Unterrichtsmethoden und -verlaufen. Wie arbeitet der Lehrer wirklich? Wie verläuft die Stunde tatsächlich? Zeigen Lehrer und Schüler nur das, was erreicht wurde oder das, was erreicht werden sollte? Solche Fragen hört man. Und sie werden mit Recht gestellt, denn ->?'$? nawnnn rri-rr Es ist mir erst kürzlich passiert, daß eine Mutter, die von ihrem Kinde nur leichtsinniges, schmieriges Arbeiten kennt, beim Anblick eines Heftes, das ich nicht nach Haufe mitgebe, ausrief: Hat das mein Junge geschrieben! Sie wollte ihrem Buben nicht mal die Schrift glauben. Gar oft sind Eltern erstaunt über das, was ein Kind, ihr Kind, zu Wege bringt. Warum auch nicht? Ahnen viele doch kaum, welche Fülle von Sorgfalt, Ausdauer und Hingabe nötig ist, bis es die Früchte seines eigenen Schaffens genußreif servieren kann, — ohne Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. .Verwundert sind wir — auch wir Lehrer — um so mehr, als wir von einem schöpferischen Kinde in unserer Jugendzeit kaum etwas wußten; ja, wir betrachteten sogar die Begriffe „schöpferisch" und „Kind" als sich einander ausschließend. So will es uns nur schwer in den Kopf, daß Kinder, ihrem Alter entsprechend, schon selbstschaffende Menschen, Künstler sein können und sind. Ich sage von meinen Kindern im. 3. und 4. Schuljahr, also acht- bis 10 jährigen Schülern, . daß sie es sind. Aber nun so, wie ein Künstler eben nur Künstler in seinem Fache ist; also der Maler in der Kunst des Malens, der Musiker in der Kunst des Musizierens usf. So ists mit den Kindern. Da gibt es in der Grundschule schon Künstler im Malen, Denken, Rechnen, Erzählen, Darstellen. Und wenn nun jemand die Aufsätzchen aus meiner Klaffe liest und mit großer Weisheit feststellt: „Das sind aber nur die besten!", dann sage ich: „Selbstverständlich!" Oder sollen wir von Kindern mehr verlangen als von uns, den Erwachsenen, selbst? Ein guter Rechner ist eben mal kein Erzähler und der Maler muß kein Denker sein. Noch weiter! Sogar die besten Auffatzschreiber von heute müssen nicht die von morgen sein, einfach deshalb, weil heute eine Erzählaufgabe und morgen eine Phantasieaufgabe gestellt ist: Der eine ist einfach ein Erzähler, Beobachter, Schilderer, ein anderer Phantasiebegabter, Denker, Techniker. Und wenn ich so feststelle, daß eine Klasse eine Summe von Typen ist, eine Summe allerdings, deren Summanden nie ihren Eigencharakter aufgeben, dann muß unbedingt bei freier Arbeit, denn diese müßte sich ja folgerichtig jetzt ergeben, ein großes Maß guter und bester Leistungen. gezeitigt werden. Dieses Resultat muß ich erreichen bei typenmäßiger Aufgabenstellung und typenmäßiger Beurteilung. Das ist irm ’s Vy ^ian- Gerade, wie ich das schreibe, kommt ein alter Mann — er ist schon über 80 — an meinen Tisch, liest die Stichworte „Aufsatz, Lehrverfahren". Da deutet er mit dem Zeigefinger an die Stirne und sagt: „Dadrin ist das Lehrverfahren für jeden Menschen vorgeschrieben. Jedem Kinde nach seinem Verstände, Der muß mir sagen, wie und was ich lehren soll. Ob so oder so, — es muß mich nur verstehen. Und," setzt er hinzu, „deshalb sind unsere Großen, a’nan, als solche anerkannt worden, weil sie mundgerecht gesprochen und von der Menge, von jedem verstanden wurden." Und wenn die Kinder nun zeigen dürfen und zeigen sollen, — leider werden sie noch zu oft von uns Lehrern und noch viel mehr von den Eltern, die den übernommenen falschen Respekt vor der Schule auch ihren Kindern nicht nehmen oder ihn geben wollen, daran gehindert vom „Zeitzen-diirfen" Gebrauch zu machen —, dann frage ich: welches Gebiet könnte für Lehrer und Schüler, ja ausdrücklich für diese, mehr erwünscht sein, als die aufgenommenen in und aus der Seele projizierten Bilder aus jüdischem Milieu, aus ihrem, unserem Milieu, zum Gegenstand der Schularbeit zu machen? Gerade wenn wir sagen, daß auch, eigentlich selbstverständlich, im Aussatzunterricht das psychologische Moment im Vordergrund zu stehen hat, daß das naive Erleben des Kindes feinen Ausdruck finden, daß seine Erfahrung und Einbildungskraft auf dem Papier Niederschlag haben, seinem Gestaltungstrieb freier Lauf werden soll, dann muß man zu dem Ergebnis kommen, daß eine bessere £ Aus Franz Dauer, Wir zeichnen bibl. Geschichten d. Alten Testaments (24 Dl. u. Einführung Alk. 6.40) Verlag Ernst Wunderlich, Leipzig. Kraftquelle zur Erzeugung jüdischen Lichtes unter gleichzeitiger Pflege all dieser Seelen- und Geistesregungen gar nicht gefunden werden kann, als das jüdische Milieu. Wo ein solches ist, arbeiten die Kinder mit größtem Eifer an Aufgaben jüdischen Inhaltes, weil sie ja hier berichten, nachschaffen dürfen aus ihrer Welt und ihrer Umgebung. Es zeigt sich dieses „Dabeisein" schon äußerlich an Länge und selbst gebrachter Einteilung ihrer Arbeit in Kapitel. Die Triebfeder ihrer Arbeitslust ist das Bewußtsein, etwas leisten zu können, ihre Welt aber auch als eine brauchbare, wertvolle eröffnen zu dürfen. Noch eines aber will ich zum Schluß beifügen. Man braucht gar nicht erst die größere Zahl von Religionsstunden, die Möglichkeit, einen richtigen nav zu haben, hervorzuheben, wenn man jüdische Schulen empfiehlt. Man muß sich nur einmal Klarheit verschaffen und sich vor Äugen stellen, wieviel unenöuu) reiches und tiefes jüdisches Gedankengut vorenthalten wird, wieviele Teile des Seelenfeldes brach liegen bleiben, wenn das jüdische Innenleben mit seinen wertvollen Kräften erstickt und nicht nach außen gekehrt werden darf, wenn man, wie es mir in der nichtjüdischen Schule erging, als Ersatz für ein Gesinnungsthema, das die Mitschüler bearbeiten, eine Aufgabe aus der Naturgeschichte oder Geschichte bekommt. Daß aber in der jüdischen Schule sämtliche Disziplinen beeinflußt und veredelt werden können durch unser Gedankengut, getragen vom Geiste der min, das braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Die Aussätzchen zeigen es zu einem Teil. Chanukkah. Von Bernd Steiermann. Morgen ist Chanukkah. Hei, die Kinder springen lustig herum. Die Zeit vergeht so schnell, daß sie garnicht mehr daran denken. Es wird Abend, es ist 8 Uhr ich komme ins Bett. In der Nacht träumte ich einen kleinen Chanukkahtraum. Die Männchen wären durch das Schlüsselloch geschlüpft und hätten Spielsachen, Bonbons und Schockolade u. f. w. abgeladen. Ich bekam am Chanukkahabend von meinen Eltern jedes Jahr schöne Geschenke und dieses Jahr auch wieder. Früher sagte meine Mutti immer zu mir, das Chanukkah- Männchen. habe die schönen Sachen gebracht, jetzt aber bin ich groß und weiß daß es gar kein Chanukkahmännchen gibt. Das Anzünden der Lichter ist die. größte Freude für die Kinder. Jede männliche Person zündet am ersten Abend ein Licht, an jedem folgenden Abend eins mehr an, bis zum achten Abend. Hierzu sagt man die Vrocho, am ersten Abend drei Stück und an den andern sieben Tagen sagt man blos zwei Brochaus. Nachher singt man: Moaus zur. Dieses Jahr veranstaltete die Bondi-Schule eine Chanukkahfeier. Alle Schüler und Schülerinnen spielten'mit. Die ganze Gemeinde wurde hierzu eingeladen. Es waren viel mehr Zuschauer erschienen, als wir dachten. Manche von ihnen bekamen sogar keinen Sitzplatz mehr. Das Spiel hat allen Zuschauern sehr gut gefallen. Wir bekamen riesig viel geklatscht. Das machte uns Kindern viel Freude. So haben wir das diesjährige Chanukkahfest in angenehmer Weise verbracht. * Mein Chanukahträum. Von Margot Heimann. 1. Kapittel Ich legte mich voller Freude ins Bett. Ich schlief schon feßte. Als mich auf einmal ein Traum überfiel. Ich träumte vom Spazierengehen u. s. w. aber auf einmal fiel mir auch im Traume ein daß ja morgen Chanukah ist. Und das Chanukahmännchen kommt auch. Ach meine Mutti sagte doch als zu mir, das Chanukahmännchen würde nur braven Kindern etwas bringen. Bin ich brav oder nicht? ich weiß es nicht, ich glaube daß ich manchmal brav aber auch bös oder so gar sehr bös bin, wird das Chanukahmännchen mir etwas bringen — oder nicht? Ich will schnell G'tt drum bitten daß das Chanukahmännchen mir recht viel bringen soll. 2. Kapittel. Derweile war es Morgen geworden. Der Chanukahtag brach an. Ich ging ins Zimmer um zu sehen ob das Chanukahmännchen mir recht viel gebracht hat. Ich sah aber gar nichts. Fragte meine Mutter, das Chanukahmännchen hat mir ja gar nichts gebracht. Meine Mutti lachte und sagte, aber Kind das Chanukahmännchen kommt doch erst heute Abend. So verbrachte ich den ganzen Tag voller Neugierde, was wohl das Cha-