Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1931)
- Date
- 1931-11-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 47 Der Israelit 19. November 1931 Ainderecke. Jaakob auf der Wanderung. Einsam und traurig zog Jaakob aus von Beer Sch-ewa. Er hatte es so geliebt, im Zelte zu weilen, er hätte so gerne ein friedliches Leben geführt und nun war grade er ausgestoßen aus dem Haufe, fortgerissen von der Seite seiner Mutter —-— Voll trüber Gedanken ging er seines Weges. Plötzlich erschrak er — eilende Schritte wurden hinter ihm laut; wer mochte ihn auf seiner Flucht verfolgen? Eliphas war es, der sich atemlos näherte, Esavs Sohn, den sein Vater, ausgesandt, um Jaakob zu töten. Aber Eliphas liebte seinen Onkel. Er war ausgewachsen unter der Erziehung seines Großvaters Jizchak, da Esav so viel außerhalb des Hauses sich aufgehalten hatte. Weinend fiel Eliphas Jaakob um den Hals und rief: „Niemals könnte ich dich erschlagen, auch wenn es der Vater befahl! Aber nun — was soll ich tun, wie kann ich zu ihm zurückkehren? Furchtbar ist der Vater im Zorn, wenn man ihm nicht gehorcht!" — Da nahm Jaakob, schmerzlich lächelnd, all seine Habe und gab sie dem Eliphas und sprach: „Nimm alles, was ich noch besitze, mein Sohn, nun bin ich arm wie ein Toter — da hast du den Willen deines Vaters wenigstens zum Teil erfüllt!" Schweren Herzens nahm Eliphas die ganze Habe Jaakobs und traurig trennten sie sich. Lange sah Jaakob noch dem davoneilenden Jüngling nach, der ins Haus der Mutter zurückkehren durfte. Dann riß sich Jaakob los und schritt seine Straße weiter, dem.Norden zu. Da hemmten Berge seinen Weg, einsam und ohne Schutz stand er an ihrem Fuße. Angst erfaßte ihn und bebend wandte er sich zu G'tt und rief: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen — woher kommt mein Beistand?" Und da war es ihm, als käme ihm der Berg entgegen, als lade er ihn ein, auf ihm zu rasten, als wolle er ihn zu wunderbaren Verheißungen führen. Alle Angst fiel ab von Jaakob und jubelnd rief er aus: „Mein Beistand ist von G'tt, der Himmel und Erde schuf, meinen Fuß läßt er nicht wanken — vor allem Bösen hütet er. mich, meinen Auszug schützt er und.auch mein Wiederkommen wird er beschützen!" Festen Schrittes besteigt Jaakob nun den Berg; da neigt sich plötzlich die Sonne und' geht unter. Es ist, als solle für ihn die Nacht so früh beginnen, damit er auf diesem Berge raste. Er bereitet sich zur Ruhe, aber ein öder Boden ist hier, nur Steine findet er. Zwölf Steine nimmt er von den Steinen des Gipfels und legt sie sich zu Häupten als Schutz vor den Gefahren der Nacht. Da beginnen die Steine zu raunen und zu flüstern untereinander: „Auf mir soll sein Haupt ruhen!" — „Nein, auf mich lege er feinen Kopf!" — „Auf mich! Auf mich!" und es stritten die Steine um die Ehre, Ruhestatt für den Frommen fein zu dürfen. Da fügte sie G'tt zu einem Stein zusammen, zu dem einen Stein, der noch heute an dieser Stelle liegt. Und Jaakob schlief. Und dies war fein Traum. Eine Leiter fah er, die bis zum Himmel ragte. Engel -stiegen hinauf, die die Gebete der Menschen vor G'tt trugen, Engel stiegen hinauf, die Jaakob bis hierher geleitet hatten, und es kamen herab' solche, die ihn weiter begleiten sollten. Und es stiegen Engel herab, die Jaakobs Bild am Throne G'ttes eingegraben gesehen hatten und nun den wirklichen Menschen sehen wollten und prüfen, ob er dem idealen Bilde entsprach. Und sie fanden ihn schlafend — schlafend an dieser Stelle, wo G'ttes Nähe ihn hätte wach hatten muffen. Zornig wollten sie sich auf ihn stürzen. Da aber erschien G'tt und wehrte ihnen. Und G'tt sprach: „Ich bin G'tt, der G'tt deines Vaters Abrahams, der G'tt Jizchoks; das Land, auf dem du schläfst, gebe ich dir und deinen Nachkommen!" Da blickte Jaakob im Traume auf die Stelle unter seinem Lager und stehe, es dünkte ihn, als läge das gange Land Israel zufammengefaltet unter, seinem Haupte. Und G'tt verhieß ihm seinen Segen und seinen Schutz, ihn nicht zu verlassen, bis ein getroffen, was G'tt ihm versprochen. Da erwachte Jaakob aus seinem tiefen Schlafe und er staunte über die Wunder des Ortes, auf dem er geruht. Und er sah im Geiste das Haus G'ttes, das einst an dieser Stelle stehen sollte. Er weihte den Stein, auf dem er geschlafen und richtete ihn als Denkmal auf, den Stein Schetijah, den wunderbaren Felsen, der noch heute auf dem Berge. Morijah liegt. Etwas von den Smirans. Wenn man am Freitag Abend einen würdigen und frommen Gast bei sich sehen darf, ist es nicht schön, wenn man ihn gleich mit Fragen bestürmt, woher er stammt .und wie er zu UNS gelangt ist. Wenn wir unfern feinen iiirr aber schon öfter an unserm Tische hatten und er chon zu Hause ist bei uns, dann dürfen wir uns schon zenau nach seiner Herkunft erkundigen. Seht ihr, so haben wir es mit den Smiraus von Freitag Abend gemacht; wir nahmen sie -am Schabbos Bereschis freudig an unserm Tische aus und haben uns noch gar nicht darum gekümmert, woher sie stammen. Jetzt, aber sind sie schon wieder gut eingewöhnt bei uns, da . wollen wir uns mal ein bißchen mit ihrer Herkunft und der der andern Schabbosgesänge beschäftigen. Zum Teil sind die Lieder schon sehr alt. Die Liebe und die Freude, die die Juden zu allen Zeiten dem Schabbos entgegenbrachten, haben sie auch veranlaßt, ihn zu besingen. Schon im Talmud wird erzählt, daß Rabbi Chanina vor Schabbos ausrief: „Kommet und gehet hinaus, der Königin Sabbath entgegen!" Und Rabbi Janai rief: „Komme Braut, komme Braut!7 i Als im Mittelalter in Spanien auch die jüdische Dichtkunst ausblühte und unsre herrlichsten Lieder und Gedichte entstanden, was lag da näher, -als den Schabbos zu besingen? So finden wir schon einige der uns wohlvertrauten Smiraus in einer der ersten Gebetsammlungen, die wir besitzen, im Machsor Vitry, das von einem Schüler Raschis zusammengestellt wurde: 'vov snp» io und nnncn nnn», deren Verfasser, Raschi Mosche ben Kalonymos um 850 in Rom lebte und vor allem die drei schönen Gesänge des Rabbi Jehüda Halevst um 1100 in Cordova) die leider viel zu wenig verbreitet sind. In dem Gesang -y’aa nw« inan« bv erzählt Jehuda Halevi, wie er sich schon vom ersten Tag nach Schabbos an wieder auf den kommenden Schabbos freut. Ein anderer spanischer Dichter, Rabbi Abraham ibn Esra erzählt uns in einem Gedicht von einem sonderbaren Traum, den er hatte, als er einst im Jahre 1159 aus einer Reise in London bei Beginn des Schabbos eingeschlafen war. Cr träumte, es käme ein Bote des Schabbos zu ihm und überreiche ihm einen Brief, in dem die Schönheiten des Schabbos geschildert werden und in dem er aufgefordert wird, . doch nie an den Schabbos zu vergessen. Von Abraham ibn Esra stammt das bekannte Lied 'vm nx»x. Den Höhepunkt in der Schabbosbegeisterung erreichte man vielleicht zur Zeit des 16. Jahrhunderts in der Stadt Safed in Palästina. Dort lebte damals eine ganze Gemeinde von großen Gelehrten und Dichtern, an ihrer Spitze Rabbi Joseph Karo) der Verfasser des Schulchan Oruch mit seinen Schülern. Sie hatten die Gewohnheit, am Freitag Mittag auf den Marktplatz zu gehen und ihre jüdischen Brüder darauf aufmerksam zu machen; daß sie sich beeilen sollten, da schon bald Schabbos wäre. Schon vor Schabbos waren sie festlich gekleidet und gingen hinaus aus der Stadt, um dem Schabbos gleichsam wirklich entgegenzukommen und empfingen ihn mit Psalmen und Gesängen. Dieser Zeit (und diesem Brauch) verdanken wir unser schönstes Sabbathlied, ’th roV, das Rabbi Schlomoh Halevi Alkabez, ein Schüler des R. Joseph Karo, verfaßte. Am bekanntesten unter den Safeder Dichtern war Rabbi Jizchok Luria, der „Ari" genannt. Er wurde in Jerusalem i. I. 1634 geboren und starb 1572 in Safed. Von ihm sind uns drei schöne Lieder in aramäischer Sprache erhalten, jedes für eine der Sabbathmahlzeiten. Von ihm stammt wohl auch das bekannteste der Smiraus, i-rr'iN'i' nr biv das hebräisch geschrieben ist. Zu dieser Zeit lebte auch Rabbi Israel ben Joseph Nagara, der uns das Lied ni>y 1121schenkte. Er war Rabbiner in Gaza, weilte aber häufig bei seinen Freunden in Safed, wo auch sein Vater lebte. Wenig wissen wir vom Verfasser des rrwa» — außer, daß er ein großer Feinschmecker gewesen sein muß. Auch vom Dichter des «in vnp na» oy> ist uns nicht mehr bekannt als sein Vorname Jonathan, den die Anfangsbuchstaben der Strophen ergeben. In dieses Lied ind einige schöne Geschichten hineinverflochten, von lenen ich euch eine heute erzählen werde. Der Verfasser von iHb« iV»*a ’Yis' ist uns gleichfalls nicht näher bekannt; er hat in diesem Lied keine eigenen Gedanken verarbeitet, sondern'nur den Inhalt des Benschens in wohlklingende Verse eingekleidet. So, jetzt habe ich euch aber viel von unfern lieben Freitagabendgästen berichtet — ob ihr euch das alles merken könnt? Von den Liedern für Schabbosmittag und für den Ausgang des Schabbos sollt ihr lieber ein andermal Hören. Josef, der Sabbathverehrer. Einst lebte ein frommer Mann namens Joseph, der den Schabbos über alles liebte und ehrte. Obwohl er nur wenig Geld verdiente, war ihm doch nichts zu-teuer, was er zu Ehren des Schabbos kaufen konnte. Er hungerte mit seiner Familie häufig während der ganzen Woche, damit er nur na» loaieinen schönen Fisch, eine seltene Frucht erwerben konnte. Wenn er aus dem Markte irgend etwas besonders Gutes sah, so kaufte er es sofort und bestimmte es für den lieben Schabbos. Run hatte Josef einen Nachbarn neben sich wohnen, der war sehr reich, aber auch recht geizig und hätte nie so viel Geld zu Ehren des Schabbos ausgegeben. Oftmals verspottete er den armen Joseph und sagte zu ihm: „Was nützt dich das,: daß du den Sabbath so ehrst, du bleibst so arm. wie du gewesen bist! Ich über feiere den Sabbath nie so großartig und bin doch ein reicher Mann." Aber Josef kümmerte sich nicht um diese Reden und vertraute weiter darauf, daß ihm G'tt das bescheren würde, was er für seinen heiligen Schabbos brauchte. -In derselben Stadt lebte damals auch ein weiser Sterndeuter, der sagte eines Tages zu dem reichen Mann: „Mein lieber Freund,: was hilft es dir, daß du 0 reich bist? Du sammelst Schätze an und gönnst dir keinen Genuß. Aber dein großer Geiz nützt dich nichts, du wirst doch deinen Besitz nicht behalten. Joseph, dem Sabbathverehrer, wird all dein Reichtum zugeteilt werden." Da erschrak der reiche Mann ganz furchtbar und rief: „Nein, er soll meinen Besitz nicht bekommen, ich werde außer Landes gehen mit all meinem Geld; dann kann deine schreckliche Prophezeiung auch nicht eintrefen!" So tat denn der Reiche. Er verkaufte all seinen Besitz, sein Haus und sein Gut und -erwarb dafür nur eine einzige wunderbare Perle. Diese steckte er in die schützenden Falten seines Turbans, damit sie ihm niemand rauben konnte und verließ die Stadt. Run konnte der arme Joseph seinen Reichtum bestimmt nicht erhalten! Der reiche Mann bestieg froh das Schiff, das ihn mit seinem großen Schatz ins Ausland bringen sollte. Doch unterwegs erhob sich plötzlich ein furchtbarer Sturm und ehe der reiche Mann sich dessen versah, war ihm der Turban vom Kopfe gerissen. Schreiend bückte er sich über das Wasser, wo der Turban noch auf den Wellen trieb, da schoß schnell ein großer Fisch herbei, verschlang den Turban und tauchte unter. Alles Jammern und Klagen des reichen Mannes war umsonst, der Turban mit seinem kostbaren Schatz war verschwunden! Der arme Joseph war inzwischen seiner alten Sitte treu geblieben und suchte noch immer, die schönsten Leckerbissen dem Schabbos zu Ehren zu kaufen- Da ging er an einem Freitag wieder auf den Markt und sah dort einen großen, herrlichen Fisch, wie geschaffen, den Schabbostisch zu zieren. Joseph trat herzu und wollte ihn kaufen. Aber der Händler verlangte sehr viel Geld für den seltenen und feinen Fisch, deshalb hatte ihn bis jetzt auch keiner der Marktbesucher nehmen wollen. Auch Joseph zögerte einen Augenblick, aber dann ries er: „Rein, es ist mir nichts zu teuer für den lieben Schabbos!" und er kaufte den Fisch. Glücklich brachte er ihn nach Hause und freute sich schon sehr auf den Abend. Mit solch herrlicher Speise hatte er den Schabbos doch noch niemals ehren können! Zu Hause trug er den kostbaren Fisch in die Küche, wo seine Frau sich sogleich daran machte, ihn zu öffnen. Doch siehe, was glänzte ihr da entgegen? Einen lauten Freudenschrei stieß sie aus: eine wunderbare Perle war im Innern des Fisches. Voll Glück und Dankbarkeit beging Joseph mit seiner Familie diesen Schabbos. In der Woche darauf verkaufte er die wertvolle Perle und von ihrem Erlös konnte er nun . für immer ohne Sorgen leben. Den Schabbos aber ehrte er weiterhin mit den schönsten Dingen und ganz besonderen Gerichten; auch seine Kinder leitete er an, gleich ihm den Schabbos von Herzen zu lieben und lehrte schon die Kleinsten das Sprüchlein: Deck' dein' Schabbostisch in Ehren, je mehr als du draufstellst: je mehr wird dir G'tt bescheren. Frag mich was! 1. Wo steht in der mm , eine Zahl, die sich um eins vermehrt, wenn man eins (1 Buchstaben) wegnimmt.?*) 2. Wo kommen in der . 0110 fünf aufeinanderfolgende Wörter dreimal nacheinander vor? 3. Wo steht in van ein Wort, in dem drei hin- . tereinander Vorkommen? 4. Wo kommen 3 nacheinander in einem Wort! vor? 5. Wo stehen in Tan 12 mit "3" beginnende Wörter I nacheinander? Wer drei und mehr Antworten findet, dessen Name wird verkündet, doch wer sie alle richtig weiß, verdient wahrhaftig einen Preis! *) Eingesandt v. Akiba Pollak, Wien.