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Der Israelit · 1931-11-19 · Heft 47 (19.11.1931) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 47 (19.11.1931)
Date
1931-11-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 Nr. 47 Der Israelit 19. November 1931 I Aus Franz Bauer. Wir zeichnen bibl. Geschichten des Alten Testaments (24 Bl. u. Einführung M. 6.40) Verlag Ernst Wunderlich. Leipzig. nukahmännchen mir alles bringen wird? Es wurde Abend. Das Chanukahmännchen kam. es brachte mir sehr, sehr viel, einen ganzen großen Tisch voll. Ich hüpfte vor Freude. Viele Bücher und eine Kette. Aber das schönste darunter war eine Uhr. Ich konnte gar nichts essen vor lauter Aufregung und Freude. Ich legte mich ins Bett. Mit dem Gedanken, daß ich brav war. * W i e Klein-Ilse „Pesach" feierte. Von Hilde Kähn-Hut. 1. Kapitel. Klern-Ilse war die Tochter des nicht sehr reichen Ingenieurs Willert. Sie war eigentlich gar nicht mehr so klein, sondern schon 7 Jahre alt. Ihr Vater, der sich in den letzten Wochen sehr' geplagt hatte, um die extra Ausgaben für „Pesach" bestreiten zu können, saß nun zufrieden bei seiner Familie. Er wußte, daß man in einer halben Stunde mit dem „Seder" beginnen konnte. 2. Kapitel. | Aus dem Willertschen Hause hatte man alles „Chomez" fortgeräumt. Auch Inge hatte dabei geholfen. Die „Mazzaus" waren gekommen, und Mutter hatte „Moraur", Ci und Knochen zurechtgelegt. Jetzt ging sie hinein, um ihre Gäste zu begrüßen. Ihre Dankbarkeit zu bezeigen, traten ihr diese entgegen. Der Erste war ein großer, schlanker Herr, namens Levy. Es war der Freund Herrn Willerts, der, weil er unverheiratet war, bei Familie Willert Pesach feiern wollte. Der zweite Eingeladene dagegen, ein kleinerer, armer und bedauernswerter Mann, war aus Mitleid von Herrn Willert mitgenommen worden. Ich will jetzt einmal erzählen, wie das kam: 3. Kapitel. Ilse hatte sich schon lange auf den Tag gefreut, an dem sie neben der Mutter in der Synagoge sitzen durfte. Nun war er da, der sehnsüchtig herbeigewünschte Tag. Die Synagoge war übervoll. Eng gedrängt standen Ruth Willert und ihre Tochter Ilse zwischen vielen, vielen jüdischen Leuten, die alle zu Ehren des Festes herbeigeströmt waren. Auf dem Täfelchen, welches an dem Sitz Ilses angebracht war, stand die Nummer 33. Unten auf Platz 176 faß ihr Vater. Zwei Bänke weiter hinten faß Herr Herzfeld, der uns schon bekannte Arme. Er war eben im Begriffe, seine Umsitzenden um ein Gebetbuch zu bitten, als Herr Willert auf ihn aufmerksam wurde und ihm das mangelnde Buch hinreichte. Jetzt Drei brennende Säle. Von b: C. Im „Israelit" vom 24. Juli (Lehrerbeilage) befaßt sich Herr Direktor Elias mit der Behauptung eines allgemeinen Lehrerblattes, wonach die jüdischen Schüler in geringerem Maße als die übrigen für die Lesestoffe aus der germanischen Heldensage, insbesondere für das Nibelungenlied und Aehnliches sich interessieren lassen und hält aufgrund seiner Erfahrung diese Behauptung für nicht wahrscheinlich. Diesem Urteil wird sich der Mim dererfahrene fügen müssen, und es spricht im allgemeinen auch für sich, da eine so starke seelische Eigenprägung, der germanische Sagenstoffe völlig widerstreben, wohl selten bei jüdischen Schülern zu finden ist, zumal dann nicht, wenn es sich, wie in Simultanschulen vorwiegend, um assimiliert erzogene Kinder handelt. Ob aber wir uns mit dieser Feststellung zufriedengeben oder gar noch sie für die Widerlegung eines Mankos, ansehn sollen? Es hat schon einmal einen bedeutenden Mann gegeben, der sich auf Literatur verstand, nach der Entdeckung der Nibelungenhandschristen sich über deren Inhalt wenig respektvoll äußerte und dennoch keiner „defaitistischen Rasse" angehörte: Friedrich II. von Preußen. Selbst er fand von seiner auf kein Einzelglück rücksichtnehmenden blutigen Strategie und „aufgeklärten Despotie" keinen Weg zum Verständnis für den sinnlosen Vlutrausch, in den Hildebrand- und Nibelungenlied ausklingen. Um so weniger steht es einem Sohne Israels an, sich innerlich für diese Stoffe empfänglich zu zeigen. Wir dürfen uns durch die zur Zeit herrschende Verquickung von Judenfeindschaft und Militarismus nicht dazu aus Angst verleiten lassen, etwa einen „Nachweis" anzutreten, die jüdische Seele sei beileibe nicht blutscheuer als die eines anderen Volkes. Es mag infolge der starren Assimilation leider meist so den Anschein haben; unsere Bestimmung aber dürfte unleugbar, die sein, alle Völker an Menschenliebe und Friedlichkeit zu übertreffen und für die Schreckensmären alter Zeit anderes als sprachliches und geschichtliches Interesse nicht zu haben. Dies zumal deshalb, weil selbst unter den Bejahern der Gewaltpolitik die Vernünftigeren erahnt haben, was die moderne Psychologie gründlich erwiesen hat: Diese Sagen sind nicht einmal gesunder Kämpfer und Helden Werk, sondern entstammen der verkrampften Phantasie mönchischer Kreise. Eine Probe aufs Exempel habe ich oft genug in den verschiedensten Gegenden in der gesetzestreuen Schülerschaft (gelegentlich auch bei anderen Schülern) beim Tenachunterricht anstellen können. Man langt bei IUd. 9, 52 an, wo der Thronaspirant Abimelech einen Turm in Brand stecken will, in den sich seine Gegner mit Frau war die Synagoge aus. Dankend gab Herr Herzfeld das und Kind geflüchtet haben, und man fragt, ob die Schü- Gebetbuch zurück. Die beiden Herren ließen sich in ein Prosanunterrlcht etwasAehnliches .^nmal ~ - -- - ■ - ' " - - — - - 1 gehört haben. Man erhalt die Antwort*: Bel Odysseus Heimkehr und am Ende des Nibelungenliedes. ..Wenn man dann die Schüler frei .ihre Meisising sagen läßt, welcher der drei „brennenden Säle" ihsten. am wenigsten Abscheu verursacht, sck nennen sie immer den Türm des Abimelech, dessen Inbrandsetzung ja gar nicht erst gelang; und die entgegengesetzte Empfindung, «den ausgeprägtesten Widerwillen äußern sie gegenüber den Endszenen der Nibelungensage. Sollten wir darauf nicht stolz sein? Sollten wir nicht frei uns zu dieser jüdischen Jugend bekennen, welche in einem hoffentlich bald anbrechenden friedlicheren Zeitalter die Ehre des jüdischen Gesetzes und den Fortbestand der Kultur überhaupt zu gewährleisten geeignet ist? Es mag ja ein verdienstliches. Unterfangen fein, tälmudisch und wissenschaftlich ckufgründ Jerusch. Schebiith IV, 2 die Bischoff'sche Verleumdung zu widerlegen. als seien der Einzug Iosuas unh das Beseitigen der Sieben Völker Kanaans die „Blutsttzöme des A. T.". Die wirksamste Abwehr all solcher modernen vp ist und bleibt doch ein entschiedenes Bekenntnis der offiziellen jüdischen Pädagogik zum Weltfrieden. Gespräch ein. Zufällig fragte Herr Willert ihn, ob und wo er Pesach feiern wollte. Da antwortete Herr Herzfeld beschämt: „Ich weiß es noch nicht, denn selbst kann ich mir. eine Pesachfeier nicht leisten, und mein einziger Verwandte, ein Vetter, schämt sich meiner Armut, so daß ich mir bei ihm nur überflüssig vorkomme." Da sagte Herr Willert ihm die Hand drückend: „Wenn Sie meinen Seder nicht verschmähen, sind Sie herzlich dazu eingeladen." 4. Kapitel. Beim Essen ausgesordert, erzählte Herr Herzseld seine Lebensgeschichte. Er begann: „Ich war der Sohn des. Schreiners Abraham Herzfeld. Ws mein Vater selig starb, wurde ich von einer alten Tante ausgenommen. Als ich 14 Jahre alt war starb auch diese. Nun wollte sich ein Bekannter meines Vaters meiner annehmen, aber ich lehnte es ab. In der nahen Stadt," so dachte ich mir, „werde ich zu Kaufmann Spiegel gehen, mich bei ihm um eine Laufburschenstelle bewerben, und mir so mein Brot verdienen. Ich wurde angestellt und brachte es bis zum kleinen Krämerladen. Aber die Zeiten sind schlecht und ich verdiene wenig." So schloß er. 5. Kapitel. Alle hatten teilnahmsvoll zugehört. Jetzt hob man die Tafel auf. Ilse verabschiedete sich und ging ins Bett. Sie hat sich aber noch lange an diesen schönen Sederabend mit Freude erinnert. Und noch jemand hat sich des Sederabends lange erinnert, es ist Herr Herzfeld. Er fand an einem der nächsten Morgen einen Hundertmarkschein ohne Absender in seinem Briefkasten. Wir wissen, wer ihm die geschickt. (Fortsetzung folgt.) haben, erhalten den Chower-Titel nicht. Es werden 25jährige, 40jährige Jubiläen gefeiert, man vernimmt aus dem Munde des Raw begeisternde, anerkennende Worte über die großen Verdienste des Jubilars;' der -Titel wird ängstlich vermieden, und er würde doch das kostbarste Geschenk für.,den Jubilar bilden. Nur'die Hoffnung bleibt ihm, daß er nach dem Abschied aus' dem Leben die Würde erhält. Wir Lehrer geizen nicht.nach solchen Auszeichnungen. Wir sind fängst daran gewöhnt, uns bei Verleihung von Titeln und Auszeichnungen bescheiden zurückzuhalten. Aber dessen bin ich überzeugt, daß es nicht im Sinne des Entschlafenen liegt, wenn man ihm eine Ehrung, die ihm im Leben vorenthalten wurde, erst am Grabe verleiht. Warürn ist man denn so vorsichtig, verdienstvollen, frommen Männern den lan-Titel zu verleihen? Wird hierdurch der Abstand zwischen Rabbiner und Lehrer etwa verkleinert? Kann die Verleihung des Chower-Titels am Grabe ein Aequivalent für versäumte Pflicht bilden? Grünewald, Schenklengsfeld. s. Arbeitskonferenz im 1. Pflegschafksbezirk des Vereins jüd. Lehrer in Schlesien. Die 9. Konferenz in unserem Pslegschaftsbezirk fand am 25. Oktober cr. in Dittersbach statt. Der Obmann (Falkenstein-Landeshut) begrüßte den Vorsitzenden des Lehrervereins, M o ö p s, Breslau, 'als Gast und Herrn Rabb. Dr. Koppel aus Hirschberg als neues Mitglied, wie auch den Redner des Tages^ 'Studienreferendar Dr. S k l a r z; alsdann ging er in einem kurzen Bericht näher auf Zeit- und Standesfragen ein und beleuchtete die wirtschaftlichen, geistigen und rechtlichen Nöte der jüdischen Beamten in dieser anormalen Krisis. Nach einer ausgiebigen Debatte über diesen Punkt erhielt Studienreferendar Dr. S k l a r z - Breslau das Wort zu einem großangelegten Korreferat über das Thema: „Der jüdische Moschiach". In gründlichem Quellennachweis zeigte der Redner in einftündiger interessanter Ausführung, daß der Messiasgedanke nach konservativer Auffassung sich nicht erst entwickelt habe, sondern daß die Bibel stets einen persönlichen Moschiach annehme. Gleichzeitig mit der Erlösung Israels durch den Davids Sproß werde auch eine geistige Erlösung der ganzen Menschheit gedacht. Letzten Endes freilich bewirke G'tt und Israels Würdigkeit die Erlösung. Zum Schluß übersetzte der Referent das umstrittene Kapitel 53 aus Jesajas in neuartiger aber meisterhafter Auslegung. — In der anregenden Diskussion, an der sich die Kollegen Brock, Block, Dr. Koppel, Moops, Falkenstein und Wiefer beteiligten, wurde der' Wunsch laut, in weiteren Konferenzen die Einzelthemen aus dem Stoffkreise des Mefsiach zu verarbeiten. Der Obmann versprach, dies in Abwechslung mit praktisch pädagogischen Themen durchzuführen. Als nächstes Thema ist vorgesehen: „Wie erteile ich einen erfolgreichen Barmizwa-Unterricht?" Mit herzlichen Worten dankte der Vorsitzende dem Referenten für seine mühevolle Leistung und schloß nach vierstündiger Arbeit die Sitzung. H. W. Vücherbesprechungen. ' Der Chower-Titel am Grabe. Man liest häufig in den jüdischen Blättern, daß verdienstvollen Männern, namentlich Lehrern, der i^n- Titel am Grabe erteilt worden sei: Die Verleihung der reichlich verspäteten Chower-Würde mutet eigenartig an. Weil der amtierende Raw doch schließlich zur UeberzeugUng gekommen ist> daß der Verstorbene diese Würde längst verdient hatte, soll die versäumte Pflicht noch schnell nachgeholt werden und man gibt ihm den Titel mit in das Grab. Männer, deren Verdienste wiederholt anerkannt worden, die Hervorragendes in ihrer Schule und in ihrer Gemeinde geleistet, das Judentum erhalten Der Verlag Ernst Wunderlich, Leipzig, legt uns eine Mappe vor: Franz Bauer: Wir zeichnen biblische Geschichten des Alten Testaments (24 Blätter und Einführung Mk. 6.40). Diese Blätter sind zwar im nichtjüdischen Religionsunterricht entstanden, aber wir dürfen sie trotzdem mit Freude begrüßen. Sie weisen dem kindlichen Gestaltungsdrang Wege, die auch wir recht eifrig beschreiten ollten. Die Darstellungen der biblischen Erzählungen sind in einfachster Strichmannmanier gezeichnet. Auch der; Lehrer, der die Technik des Wandtafelzeichnens nicht vollkommen beherrscht, findet hier Anleitung zum Zeichnen und Selbstentwerfen lebendiger Szenen. Die Vorbilder sind durchaus kindertümlich und man merkt es ihnen an. daß sie unter Mithilfe begeisterter Kinder aus dem Unterricht erwachsen sind. Sie sind nicht nur anschaulich und leicht nachzuzeichnen, sie regen auch die Phantasie bozw. das anschauliche Denken an. Allerdings sollte man nicht jede Geschichte zeichnerisch darstellen, so z. B. Kain und Abel, Isaaks Opferung, weil'deren Inhalt ohnehin schon die Kinder zutiefst erregt. ' - . Eine wesentliche Frage: Soll man überhaupt die biblischen Geschichten illustxieren, oder könnte das zu einer Verflachung oder ProfanifierüNg ihres Gehaltes führen? wird immer noch umstritten fein.. Uns scheint, daß gerade aus der Unterstufe, wo das gegenständliche Denken von so außerordentlicher Bedeutung ist, und besonders in der jüdischen' Schule, in der die biblische Erzählung meist im Mittelpunkt des gemeinsamen religiösen Erlebens steht, diese Gefahr des Profanisiertwerdens nicht vorhanden ist, um so weniger, je lebendiger die« Geschichte miterlebt wird.! Dieses Miterleben noch zu vertiefen und die schönen biblischen Geschichtsstunden noch lebendiger und frucht-1 barer zu machen, dazu wird das zeichnerische Gestalten nach Bauers Vorbildern beitragen, und darüber hinaus wird es den Kindern bis in Mittel- und Oberstufe hinauf vielfältige Anregung zum Selbstdarstellen geben. I.

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