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Der Israelit · 1931-11-19 · Heft 47 (19.11.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 47 (19.11.1931)
Date
1931-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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19. November 1931 Der Israelit Nr. 47 Seite 5 1 Mcttfs.-, 3 Musk.-, l Vielt.', 6 Zitr.-, 6 Zinit- und Lavendcl-O>.'l, 18,14 Menthol, 400 ffiojj., G00 Spirit. — altb ewä hrt bei Mheuma, Ischias, Kopf«, Nerven« u. Erkaltungsschmer« zen, Ermüdung und Strapazen In NpoHeksn und Drogerien. -etwas jüdische Gesetzeskunde, insgesamt 12 Stunden wöchentlich) verschaffen. Die Lehrerinnen in diesen Schulen werden in einem eigenen Lehrerinnenseminar (begründet 1920 in Krakau) erzogen, das bisher 150 Absolventinnen entlassen hat, von denen ein Teil auch als Religionslehrerinnen in den staatlichen Volksschulen für jüdische Kinder Unterkunft gefunden hat, was einigermaßen zur Hebung dieses völlig verwahrlosten Unterrichts beiträgt. Die Unterrichtssprache in allen Beth-Jakobschulen, wie übrigens auch in der überwiegenden Mehrzahl aller anderen orthodoxen Schulen ist polnisch für die allgemeinen und hebräisch für die jüdischen Fächer. (Schluß folgt.) Mrerponclenre« * Nachrichten. Deutsches Reich. Interterritorialer Zusammenschluß der thoratreuen akademischen Jugend. Berlin, 15. Nov. Das Präsidium des Bundes jüdischer Akademiker lädt zum neunten Bundestage ein, der von Donnerstag, den 24., bis Sonnabend, den 27. Dezember, in Fulda ftattfindet. Im Mittelpunkt stehen grundlegende Referate und Diskussionen über das jüdische Bildungsideal (Referenten: Studiendirektor Dr. Marcus Elias und Studienassessor Max Feuchtwan ger) und die Bedeutung der Mizwaus (Referent: Rabb. Dr. Alexander Altmann). In der geschäftlichen Sitzung wird u. a. über den vielfach gewünschten Zusammenschluß mit den gleichstrebenden akademischen Verbindungen des Auslandes Beschluß gefaßt werden. lieber die Tagungstendenz wird der ITA. vom B.J.A. mitgeteilt: Obwohl die wirtifchaftlichen Gründe, welche im vergangenen Jahre eine Verschiebung des Bundestages veranlaßten, gegenwärtig in erhöhtem Maße gegeben sind, hat sich die Bundesleitung zur Abhaltung der Bundestagung entschlössen, überzeugt, daß die starken Impulse, die erfahrungsgemäß von jedem Bundestage ausgehen, nach einer dreijährigen Tagungspause (der letzte Bundestag fand i. I. 1928 statt) nicht länger entbehrt werden können. Insbesondere war die Ueberlegung bestimmend^ daß in der Not unserer Zeit, die mehr und mehr auf das geistige Leben übergreift und die zumal das religiöse Judentum außerordentlich stark getroffen hat, der Zusammenschluß der thoratreuen akademischen Jugend mehr denn je geboten erscheint. Ein nationalsozialistischer Vorstoß gegen die jüdischen Aerzte. — Mahnung zur Abwehr. Berlin, 13. Nov. Der Verband der Aerzte Deutschlands (Hartmann-Bund) hat am 1. November in Leipzig eine außerordentliche! Hauptversammlung abgehalten, in der zu dem zwischen der Aerzteschaft und den Krankenkassenverbänden zu treffenden Abkommen Stellung genommen wurde. Der seit einiger Zeit bestehende „Nationalsozialistische Aerztebund" nahm die Gelegenheit der Tagung wahr, um sein Parteiprogramm öffentlich zu verkünden. Eines der Hauptpunkte des Programms ist, daß „deutsche Volksgenossen nur von deutschstämmigen Aerzten behandelt werden dürfen". Die Erklärung machte auf die Verbandsleitung und die stimmberechtigten Mitglieder keinen Eindruck, der Abschluß des Abkommens wurde mit einer sehr großen Mehrheit gebilligt. Die „C. V.-Zeitung" richtet unter der Ueberschrift „Achtung, Aerzte!" die folgende Mahnung an'die Aerztefchast und die Oessentlichkeit: „Das Auftreten der Nationalsozialisten ließ über deren Pläne und Zukunftsabfichten keinen Zweifel aufkommen, und die jüdische Aerzteschaft wird gut daran tun, sich aus die kommenden Kämpfe vorzubereiten. Dies gilt aber nicht nur für die jüdische Aerzteschaft, sondern auch für die gesamte jüdische und darüber hinaus die nichtjüdische deutsche Oessentlichkeit, die heute schon Vorbereitungen treffen muß, um zu verhüten, daß das Volkswohl in Abhängigkeit von parteipolitischen Bestrebungen gebracht wird. Der Centralverein ist die geeignete Stelle, alles zu tun, um dem nationalsozialistischen Vorstoß gegenüber gerüstet zu sein." Die Landlagswahlen in Hessen. D arm stad t, 14. Nov. Die Wahlen für den Hessischen Landtag haben, wie nicht anders zu erwarten war, einen vollen Sieg der Nationalsozialisten gebracht. Sie erhielten annähernd 300 000 Stimmen gegen 138 000 im Jahre 1930 und ziehen mit 27 Mandaten in den Landtag ein, wo sie bis jetzt nur mit einem Abgeordneten vertreten waren. Das alles kann nach der wilden Wahlagitation, bei der alles andere hinter dem Hakenkreuz fast vollkommen verschwand, nicht überraschen. Eher überrascht schon, daß sie bei dieser Stimmung ihr letztes Ziel: eine absolute Mehrheit im Parlamente, doch nicht erreicht haben. Zusammen mit den D e u t s ch n a t i o n a l e n, die von ihren drei Mandaten zwei verloren haben, ist die Rechte im Hessischen Landtag erst mit 28 Stimmen bei 70 Abgeordneten vertreten. Das. Zentrum bleibt, wie immer und überall, bei einer kleinen Verschiebung stabil. Die Sozialdemokratie verliert neun Mandate. Diese beiden Parteien, zuzüglich der Staatspartei und der allerdings wenig zuverlässigen Deutschen Volks Partei (je ein Mandat) bieten mit insgesamt 27 Mandaten der Hitlergarde immerhin noch ein kräftiges Gegengewicht. Die Kommuni st en, von denen wir Juden freilich nichts zu erwarten haben, werden bei dieser Konstellation für das Schicksal der Regierung Adelung, deren Verbleiben wir im Interesse des Hessenlandes und seiner Bevölkerung nur wünschen könnten, den Ausschlag geben. Aus der Hamburger Gemeinde. Hamburg, 9. Nov. In der letzten Sitzung des Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde standen, wie überall, die durch die Zeitverhältnisse geforderten Kürzungen der Etatposten zur Debatte. Es wurde ein abgekürztes Verfahren beschlossen, um solche Kürzungen durchzusühren. Zur Einnahmeerhöhung wird beschlossen, von April an für die Volks- und Grundschulklassen der Mädchenschule ein monatliches Schulgeld von Mk. 12.— zu erheben. Der Vorstand beantragte, das Redeverbot für die Ausgetretenen im Gemeindehaus auszuheben und gleichzeitig die Hausordnung des Heimes durch folgende Bestimmung zu ergänzen: „Die Verletzung ' des jüdischen Religionsgesetzes, insbesondere die Entweihung des Sabbats und der Festtage ist streng untersagt. Ferner wird von allen Besuchern des Hauses auf das bestimmteste verlangt, daß sie in Wort und Tat alles unterlassen, was die Gemeinde oder einen Teil der Gemeinde zu verletzen geeignet ist." Hierzu würde zunächst beschlossen, die Frage der Neuordnung der Satzung des Jugendheimes in einer nichtöffentlichen Sitzung zu besprechen. Die Sitzung schloß mit einer Abschiedsfeierlichkeit für den wegen Wegzugs aus Hamburg aus dem Kollegium ausscheidenden bisherigen Vorsitzenden, Herrn Alfred L i f s e r. 7N ittelfränkische Bezirkstagung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Günzenhausen. Gunzenhausen, 8. Nov. Weit über alles Erwarten hinaus war die am Sonntag, den 8. November veranstaltete M i t t'e l f r ä n - kische Bezirkstagung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Gunzenhausen gelungen. Gegen 300 Gäste aus den Gemeinden Mittelfrankens, vor allem aus Gunzenhausen, Ansbach, Altenmuhr, Treuchtlingen, Nördlingen, Berolzheim, Dinkelsbühl, Cronheim, Ellingen, Mönchsroth und Rothenburg u. a. waren erchienen. Der Jugendverein Ansbach und die Schuljugend Gunzenhausens säumten den großen fast nicht ausreichenden Saal. Mit Recht konnte Herr Dr. Ehrmann als Leiter der Versammlung in einer Begrüßungsansprache darauf Hinweisen, daß vieler starke Besuch die beste Antwort auf die kritischen Stimmen darstelle, welche es als unopportun bezeichneten, in dieser wirtschaftlich so schweren Zeit, größere Veranstaltungen zu arrangieren. Das Gegenteil sei der Fall. Jetzt sei es mehr denn je nötig, sich aus die jüdischen unverlierbaren Werte zu besinnen und durch sie Halt und Stütze in allen Miseren des Tages zu finden. In den Begrüßungs-Ansprachen der Herren Neumann, Vorsitzender der Gemeinde Gunzenhausen, Kommerzienrat Dketenhöfer, Vorsitzender der Gemeinde Ansbach, Aron Mayer, Treuchtlingen, Delegierter des Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Bayerns, Dipl.-Jng. Heinemann, Fürth, als Vertreter des Verbandes gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine Bayerns (Agudas Jisroel), kam in spontaner Weise die Befriedigung zum Ausdruck, daß die Freie Vereinigung zum ersten Male auf mittelfränkischem Boden durch diese Tagung Gelegenheit gegeben habe, die altjüdischen Traditionen Bayerns, die in dieser Gegend ganz besonders heimisch waren, wieder ins Bewußtsein der Gegenwart zurückzurufen. Die Reihe von Referaten wurde durch ein in Form und Inhalt vorzügliches Referat von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Munk, Ansbach, über das Thema „Schicksal und Hoffnung der jüdischen Landbevölkerung" eröffnet. Im Mittelpunkt stand eine eingehende Stellungnahme zu drei Problemkreisen: die wirtschaftliche, die politische und die g e i st i g e Rot der Landbevölkerung.. Anfgebaut auf statistischem Material (an Hand der jünrften Veröffentlichung von Silbergleit und Marcus) wurden Fragen der Berufsumschichtung, der Arbeitsspezialis'erung, der Kredithilfe für einzelne Berufe und auch die Aussichten für den Rückstrom der jüdischen Stadtbewohner in die Landgemeinden eingehend besprochen. Die politische Einstellung der Nichtjuden mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen, der Verinnerlichung des jüdischen Lebens und der gegenseitigen Förderung der jüdischen Berufstätigen wurde ausführlich besprochen. Es ist unmöglich, im Rahmen eines kurzen Berichtes die Gedankenfülle des Referates auch nur annähernd wiederzugeben. Wir hoffen zuversichtlich, daß der verehrte Referent dem Wunsche nach Drucklegung Folge leisten wird. Es folgte ein von Herrn Hauptlehrer L e v i t e, Gunzenhausen, eingeübte und allseitig begeistert aufgenommene symbolische Darstellung durch die jüdische Schuljugend Gunzenhausens, welche in Gesängen, Neigen und symbolischen Darstellungen das jüdische Jahr in seinen gehobenen Momenten eindrucksvoll vorführten. In Konsequenz des daraufhin von Herrn Dr. Ehr - mann erstatteten Berichtes-über Wesen und Tätigkeit der Freien Vereinigung zeichneten sich sofort eine ungewöhnlich große Zahl der Anwesenden in die Mitgliedsliste der Freien Vereinigung ein. Nach kurzer Pause wurde wiederum eine vorzügliche, weit über das Niveau ähnlicher Veranstaltungen stehende Darstellung einzelner Szenen aus dem Leben Josephs und seiner Brüder, (auch von Herrn Hauptlehrer L e v i t e inszeniert) vorgeführt. Vielfacher Dank wurde dem Leiter und den Darstellenden zum Ausdruck gebracht. „Der Stand der Schächtfrage" wurde von Herrn Lehrer Marx, Rothenburg (Tauber) (von dem bekannten Vorkämpfer in dem Gelnhausener Schächtprozeß gegen den dortigen antisemitischen Schlachthausdirektor Klein) behandelt. Er richtete zum Schluß einen Appell an die Juden Bayerns, jetzt, ganz unabhängig von ihrer sonstigen Einstellung, an der Aufhebung des Schächtgefetzes dadurch mitzuarbeiten, daß sie die Treue den religiösen Gesetzen wahren und den Schechitagegnern nicht den Vorwand liefern, als würden die Juden selbst, wenn es sein muß, auf rituell geschlachtetes Fleisch leicht verzichten. Unter dem Eindruck des Referates wurden einstimmig folgende Resolutionen zur Weiterleitung an die zuständigen Stellen angenommen: „Fast zwei Jahre sind seit dem Erlaß des „bayrischen Gesetzes über das Schlachten von Tieren" verflossen, das in Wirklichkeit ein Schächtverbot bedeutet. Mehr als ein Jahr ist das Schächtverbot bereits in Kraft. Schwer lastet auf der jüdischen Bevölkerung die Gewissensbedrückung und die wirtschaftliche Last, die das Gesetz brachte. Ein Gesetz, dessen Zustandekommen von judenfeindlicher Seite betrieben, nur durch tierschützlerische Behauptung gelungen ist, deren Unwirklichkeit und Nichtigkeit von in- und ausländischen Kapazitäten der Veterinärkunde nachgewiesen ist.

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