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Der Israelit · 1931-11-12 · Heft 46 (12.11.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 46 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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12. November 1931 _ - Für gute Unterbringung und rituelle Verköstigung, je nach der Klasse ist weitgehendst Sorge getragen. Das Programm während des -Landaufenthaltes ist für alle drei Klassen einheitlich geregelt. Die Fahrt findet auf einem Dampfer., der neuen direkten Palästina-Linie des Lloyd Trieftino, „Adria", statt. Die Preise verstehen sich vom Triest bis, Triest. Der Aussthigeort für die Hinfahrt ist Jaffa, der Einsteigeort für die Rückreise ist Haifa. . Mitreisende, die selbst für ihre Unterkunft und Verpflegung sorgen und die Veranstaltungen nicht alle mitmachen, haben nur den Fahrpreis von Triest bis Triest zu zahlen, und zwar: I. Kl. Mk. 925.—, II. Kl. Mk. 595.—, HI. Kl. Mk. 210.—. Den Zeitpunkt der Rückreise kann sich jeder nach Belieben wählen. Da die geplante Zeit für die Gesellschaftsreise ein Zanz besonders günstiges Klimaverhältnis sowohl für die Fahrt als auch für den Aufenthalt aufweist, teilt uns die Direktion des Lloyd Trieftino mit, daß die Schiffsplätze im allgemeinen schon frühzeitig besetzt sind. Es ist also nötig, daß die Sicherung der Plätze bis zum 15. Dezember 1931 durchgeführt ist. Für Teilnehmer, die auch Aegypten besuchen wollen, wird zur Zeit ein Sonderprogramm vorbereitet werden. Anmeldungen zur Teilnahme unter Einzahlung von Goldmark 200.— f. d. III. Klasse, Goldmark 300.— f. b. II. Klasse und Goldmärk 400.— f. d. I. Klasse sind bis Ende November 1931 erforderlich. Restzahlung 14 Tage vor der Abreise. Bezirkstagung der Freien Vereinigung in Günzenhausen. Frankfurt a. M., 10. Noo. Die Mittelfränkische Bezirkstagung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Gunzenhausen war ein großes Erlebnis für Stadt und Umgegend. Die Referate der Herren Rabbiner Dr. Munk, Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Dr. S. Ehrmann und Hauptlehrer Lewite wurden mit großer Begeisterung ausgenommen, ebenso eine Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Mannes, Schwabach. - Ausführlicher Bericht erfolgt in nächster Nummer. Die Haffklne-Stiftung. B e r l i n, 1. Nov. In der letzten Sitzung des Hilf so er eins erstattete nach einer Ansprache Dr. James Simons Dr. Wischnitzer den Bericht der Kommission für die Haffkine - Stistung. Im Aufträge derselben hatte Är. Wischnitzer drei längere Informationsreisen unternommen, zuerst, im Mai, nach Litauen, Ende Mai und Anfang Juni nach Polen, und im August abermals nach Polen und von dort nach Karpathorußland, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei. Im ganzen besuchte er dreißig Anstalten und zwar: in Polen die Jeschiwas Messiwta, Emek Halacha, Tomche Tmimim, Torat Chajim und Beth Joseph in Warschau, das Rabbinerseminar des Tachkemoni (Warschau), sodann.die- Jeschiwas in Baranowicze, Mir, Klezk, Bialystok, Grodno, Radun (Ehofez Chajim), Wilna, Pinsk, Kamieniec, Brest Litowsk, Lublin und Rowno; in Karpathorußland die Jeschiwas in Mukacevo und Huszt, in Rumänien die Jeschiwas in Marmaros Sziget, Oberwischo (Biseul de sus) und Jclod; in Ungarn die Jeschiwas in Debrecen und Papa und in der Tschechoslowakei die Jeschiwas in Bratislava und Surany Belki. ' Er berichtige der Kommission ausführlich, als sie am 22. Juni 1931 unter dem Vorsitz von Dr. James Simon tagte. Die Kommission bewilligte aus den Erträgnissen der Stiftung, die bis zum Monat September zu erwarten waren, folgende Summen: Mk. 19.200.— für kranke, erholungsbedürftige Jeschiwazöglinge in den verschiedenen Ländern des Ostens, in Polen, Litauen, Rumänien und der Tschechoslowakei; Mk. 13.000 für. den Vau von Lehrhäusern und Internaten bezw. Instandsetzung von alten Baulichkeiten; Mk. 5000 für die Ueberführung einer größeren Zahl von Zöglingen aus polnischen Städten nach. Dünaburg (Lettland). Am 1. Oktober 1931 trat die Kommission unter Vorsitz von Dr. James Simon abermals zusammen, um den Bericht über, die Jeschiwas in Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei entgegenzunehmen. In zwei Anstalten in Rumänien'(in ehemaligen ungarischen Gebieten), in Marmaros Sziget und in Jclod bei Klausen- D e r I s r a e I t t bürg wurde vor einigen Jahren gewerblicher Unterricht eingeführt. In Marmaros Sziget besteht eine Webereiwerkstatt, in Jclod eine Tischlerei. Bei genügender materieller Förderung dieser Anstalten kann mit der Zeit erreicht werden, daß eine größere Zahl von Handwerkern ausgebildet wird, die zugleich ein Thorastudium im Rahmen des. Jeschiwaprogramms absolviert haben. Es. besteht, auch; in anderen Jeschiwas in Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei lebhaftes Interesse für die Einrichtung von Werkstätten. Die fürchterliche Wirtschaftslage in den Ländern zwingt die jüdische Bevölkerung, die hauptsächlich orthodox ist, zu einer beruflichen Umschichtung. Im Einklang mit .dem Vermächtnis von Prof. Haffkine werden außer den Jeschiwas, in denen ausschließlich Talmudstudium in der traditionellen Weise gepflegt wird, solche Jeschiwas gefördert, in denen die Zöglinge , auch im Handwerk und in der Maschinenarbeit unterrichtet wreden, damit sie den Kampf ums Dasein besser bestehen können. Die Kommission beschloß, für das Schuljahr 1931/32 eine Anzahl von Subventionen an verschiedene Jeschiwas in Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei in einer Gesamthöhe von Mk. 30.000 zu bewilligen. Das Urteilim Lurfürstendammprozetz. Berlin, 9. Noo. Am Samstag wurde vom Schöffengericht das Urteil verkündet. Das Gericht nimmt bei H e l l d o r f, Ernst und B r a n d t einfachen Landfriedensbruch an und verurteilte sie zu je sechs Monaten Gefängnis. Schultz und Damerow erhalten je drei Monate Gefängnis. Alle anderen werden freiges p r o ch e n. Alle wurden aus freien Fuß gesetzt. Bei den vorangegangenen Plaidoyers ergeht' sich der Verteidiger, Rechtsanwalt Frank II., in wüsten Beschimpfungen der Juden. Es sei nicht schlimm, wenn „ein paar Semiten geohrfeigt würden". Der Staatsanwalt hielt schweren Landsriedensbruch für gegeben und beantragte für die drei genannten Haupträdelsführer je drei Jahre Gefängnis. In der Urteilsbegründung wird gesagt, es sei nicht festgestellt, daß der Plan schon vorher bestanden hätte, obwohl das planmäßige Vorgehen während der Krawalle nicht zu bestreiten sei. Graf Helldorf könne nicht mit Sicherheit als der Führer der Ausschreitungen bezeichnet werden. Er und seine Freunde müssen aber verurteilt werden, weil sie mit ihren Autos dabei waren und sich somit des einfachen Landsriedensbruches schuldig machten. Die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen die Urteile eingelegt. Oesterreich. Erfreuliches aus Oesterreich, Baden bei Wien, 9. Nov. Dank dem auf orthodoxer Basis stehenden Vorstande, der bis' vor kurzem zwölf Jahre lang die Gemeindegeschäfte besorgte, dank dem tiefen Verständnisse für das religiöse Judentum des vor zwei Jahren verstorbenen Badener Oberrabbiners Wolf Reich eines Bruders dks^inzwischen auch verstorbenen Oberrabbiners der orthodoxen'Budapester Gemeinde, Koppel Reich b~xu und n-£na 'nV dem Dajan der Badener. Gemeinde,. Rabbiner S.; Friedmann '"2, dem der Oberrabbiner infolge seines' hohen Alters in seiner Vertretung die Kaschruth-Angelegenheiten überantwortete, hat die Badener Iudengemeinde mustergültige jüdische Einrichtungen, die den Ansprüchen des orthodoxesten 'Tirr> genügen. Mit der Berufung des neuen Oberrabbiners, Dr. Hartwig Carleb ach, erlebt die jüdische Gemeinde neuen Aufschwung. Kaum angekommen, eröffnete der n eine naoj? rum und lernte während der Ferien täglich mit den Kindern. Mit Liebe hängen die Kinder an ihrem Rebben. Die Vorträge und Predigten des Raw sind jedesmal von neuem ein Erlebnis. Besonders die „En Jaakow"-Vorträge, die jeden Sonntag.stattfinden, finden ein begeistertes Publikum. Auch der Gmoro-Schiur hat eine Teilnehmerzahl, wie man es sonst auch in größeren Gemeinden nicht findet. Wir sehen hier alte Baale Batim und junge Menschen, Männer mit großem jüdischen Wissen und solche, die noch wenig gelernt haben. So konnte man am Hoschano Rabbo beim Lernen an der gesteigerten Teilnehmerzahl den neuen Geist beobachten. Der Raw hielt bei dieser Gelegenheit eine aus tiefstem Herzen kommende Mahnrede an seine Gemeinde, die auf alle, auch Nr. 46 Seite 3 auf die kältesten Naturen, einen gewaltigen Eindruck machte. Simchas Thora vereinte die ganze Gemeinde im großen Gemeindesaal um den mm inn, Herrn Dr. Carlebach, an einer großen gedeckten Tafel. Nach einer großangelegten Rede des Raw sprach der Badener Arzt Dr. Samuel Deutsch, der einst Schüler von Rabbiner Breuer an der Frankfurter Jeschiwa war, und dankte dem neuen Führer in herzlichen Worten, insbesondere dafür, daß er sich der Jugend in einer Weise annimmt, die ihresgleichen sucht. Die chassidische Kolonie Badens, die den Raw in ganz besonderem Maße verehrt, brachte durch ihren Bethaus-Borsteher, Schabse Rappaport, ihren Dank zum Ausdruck. Kaum war der tr» vorbei, da zog schon neue Freude ein in die Badener Gemeinde. Seit 30 Jahren war keine mm nsö eingeweiht worden. Das Beth Hamidrasch hatte nun ein ivv schreiben lassen und hatte alle Anstalten getroffen, um die Einweihung zu einer großen, echtj irdischen nnvr? auszugestalten. Möge das jüdische Leben in der Gemeinde unter ihrem neuen Führer weiter blühen und gedeihen. Schweiz. Der Schuh der religiösen Minderheiten im Irak. Genf, 3. Nov. Die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes befaßte sich heute mit dem Jahresbericht des Mandatars für den Irak. Sir Francis Humphrys, der britische High Eommissioner für den Irak, ging auch auf den englischen Antrag betreffend Aufhebung des Jrakmandats und Umwandlung des Irak in einen unabhängigen Staat, der Mitglied des Völkerbundes sein wird, ein und erklärte u. a.: „Im Irak gibt es keine religiöse Verfolgung, die Geschichte des Landes ist eine Geschichte religiöser Toleranz. Moslems, Juden und Christen leben feit Jahrhunderten freundschaftlich zusammen. Weshalb sollte man annehmen, daß eine Wendung zum Schlechteren kommen könnte? Ich vertraue darauf, daß, wenn der Völkerbund jetzt Vertrauen in den guten Glauben der Irak-Regierung setzt und von ihr hinsichtlich des Schutzes der Minderheiten keine anderen Garantien verlangtals wie sie von souveränen und unabhängigen Staaten übernommen werden können, er dieses Vertrauen nicht getäuscht sehen wird." Wie man in der Schweiz die Hitlerei abwehrt. Zürich, 9. Nov. Eine Gruppe Hakenkreuzler, die sich den Namen „Schweizerische Arbeiterpartei" beilegt, hatte zu einem Vortrag über „Judentum und Marxismus,, ins Volkshaus in Zürich eingeladen. Als die Volkshausverwaltung erfuhr, mtt wem sie es zu tun hatte, machte sie die Saylbewilligung rückgängig. Die Zeitungen erklären, daß die Hakenkreuzler mit diesem Ausgange zufrieden sein können, denn neben einer kleinen Zahl Hitleranhänger hatten sich vor dem verschlossenen Tore des Volkshauses zahlreiche Arbeiter eingefunden, die, über den Mißbrauch des Namens „Schweizerische Arbeiterpartei" empört, mit den Hitleragenten abrechnen wollten. Aber auch die bürgerlichen Parteien sind mit der Abwehr hakenkreuzlerischer Umtriebe in der Schweiz voll einverstanden. Als Führer der neuen Hakenkreuzlergruppe zeichnet .ein gewisser A. Strupler. Die Zei? tung „Volksrecht" weist därüuf hin,.. daß.4n Zürich noch eine weitere Hakenkreuzzentrale unter der Führung eines gewissen „Oberleutnant" Gilfert-Heyroth besteht. Dieser Herr ist im Aufträge Hitlers von der Hamburger Ausländsabteilung der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands mit der Leitung der Bewegung in Zürich betraut worden. Er steht auch hinter der Gründung der „Schweizerischen Arbeiterpartei". Polen. Das Martyrium der jüdischen Studenten Warschaus. Warschau, 7. Noo. Die Ueberfälle und Kämpfe innerhalb und außerhalb der Universität, von denen wir bereits mitgeteilt, trugen sich folgendermaßen zu: 30 Hörer des Judaistischen Instituts wurden im Universitätshof von einer Uebermacht nationaldemokratischer Studenten umringt und fürchterlich mißhandelt. Prof. M. B a l a b a n vom Judaistischen Institut intervenierte beim Dekan der humanistischen

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