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Der Israelit · 1931-11-12 · Heft 46 (12.11.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 46 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 46 Der Israelit Anlifemikifche Exzesse ■„; : und ihre Ahndung , Studentenexzesse sind längst kein iFrÄrMvort im' akademischen Wörterbuch Europas. Warum sollte Polen vor -Deutschland und' Oesterreich zurückstehen, warum Warschau hinter Wien und Berlin Zurückbleiben? Nur daß in Polen alles seine eigene grobe slavische Note erhält. Man war nicht umsonst jahrhundertelang unter der russischen Knute, man weiß, wie es gemacht wird. Anderswo ist es nur Pöbel, hier sind es gleich „Huligans", anderswo sind es Dummejungenstreiche. die mit einigen Maßregelungen; durch Rektorat abgetan sind, in der polnischen Hauptstadt wächst sich aber sowas gleich zu einem „Pogrome" aus, bei dem Polizei und Militär mit Gummiknüppel und Gewehr eingreife.n müssen. Die akadernischen Raufbolde finden den Weg von der Universitätsrampe in den Sächsischen Garten, wo'es mutige Attasten auf jüdische K im d e rma gen gibt/ unö, von dort ins jüdische;Pie,rtel, die Gaffen öes jüdischen Proletariates, wo. sie — von den jüdischen Kutschern unh Lastträgern einen Denkzettel bekommen,' Lör besser-wirkt, als die Luftschüsse der Polizei. Sie schlagen nicht in die Luft. Warschaus jüdische Arbeiter haben sich noch zu keinem „Abwehroerein" und keinem „Selbstschutz" Grbunden, aber sie fyabetißn schwerer Arbeit gestählte Hände' und; solide Fäuste ... Nicht das ist der springende Punkt in der Warschauer Pogromaffäre. Wichtig und bedeutsam ist, daß die Polizei in den Straßen Warschaus in anerkennenswerter Weife ihre Pflicht getan hat, daß Rektorat und akademischer Senat mit fester Hand durchgreifen und daß in Presse und Parlament die Intellektuellen und besonders die Vertreter der Regierungsparteien von den Radaubrüdern und ihren Drahtziehern abrücken; daß die zuständigen Minister eine exemplarische Bestrafung der Schuldigen ankündi'gen und alle Garantien für die Zukunft geben. Hier könnte Westeuropa, und nicht zuletzt Deutschland, von Polen etwas lernen. Wir denken dabei an die Hakenkreuzritter vom Kurfürstendamm in Berlin, die so erstaurllich milde Richter gefunden haben. Leib und Leben von Juden und Ehre des Judentums (stehe Nürnberger Prozeß) sind nicht sehr teuer, wenn nicht gerade „rückständige" Richter aus der Zeit der „objektiven Rechtsprechung" sich hinein mengen. (Man kann sie ja auch als „besangen" ablehnen). Die proletarischen Exzedenten vom Kurfürstendamm hatten das Unglück, solchen Richtern, in die Hände zu geraten und erhielten jahrelange Gefängnisstrafen. Ihre hochadeligen Führer und Verführer, die intellektuellen und tatsächlichen Urheber und Leiter des „Spazierganges", werden nur für einige Monate die Stätten ihrer edlen Wirksamkeit verlassen müssen, vorausgesetzt, daß sie nicht vom Gnadenstrahl einer Amnestie oder Bewährungsfrist ersaßt werden. „Ihr führt ins Leben uns hinein, Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt ihr ihn, der Pein " Ein schönes Motiv für ein Nazi-Stammbuch zu Eingang des G o e t h e j a h r e s. Der Schlußakt der Kalenderreform. Auf Grund der nunmehr vorliegenden offiziellen Protokolle der Genfer Kalenderreform- Beratungen geben wir im folgenden nach derp französischen Original den Wortlaut der Resolution wieder, welche die Konferenz in ihrer Schlußsitzung am 19. Oktober angenommen , und als Ergebnis ihrer Tätigkeit dem Völkerbunde überreicht hat. Die Resolution lautet: Die Konferenz beschließt, den zur Konferenz eingeladenen Regierungen das nachfolgende Expose über die ökonomischen und sozialen Gesichtspunkte für die Vereinfachung des gregorianischen Kalenders zu unterbreiten: „Die Konferenz hat Kenntnis genommen von dem Berichte des vorbereitenden Komitees über die Fragen der ökonomischen und sozialen Gesichtspunkte für die Vereinfachung des gregorianischen Kalenders und hat die Erklärungen der Vertreter der verschiedenen RegstMggen angehört, ebenso die ergänzenden Informationen Diejdvneinigen untKrsthn-en über die Wünsche Her-veAchiedMen NMoyälwmiUes.. gegeben worden siW. Die-ffM einstim- Mkt Meinungl der Delegationen erachtet M gchenwärlitzeft Ästgenbli'ck ttichr fürgeeignet, um in Anbetracht des Standes, der, Meinungen an. eine -Modifikation desgre-' görsanischen Kalenders - heranzutreten. - - ■ :; Gewisse Delegationen haben erklärt, daß ihre Regierungen zur gegenwärtigen Stunde nicht imstande wäre, sich eine feste Meinung über die Frage der Opportunität, einer Vereinfachung des gregorianischen Kalenders unter, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten zu bilden»^,- Die meisten Delegationen haben rückhaltlos' anerkannt,- daß der gegenwärtige Kalender Unbequemlichkeiten darbietet, wie sie in dem Berichte des vorbereitenden Komitees dargelegt sind und erachtet, daß es auf, alle Fälle im Prinzip wünschenswert fern würde, über ein einfaches und den Bedürfnissen des modernen ökonomischen sind sozialen'Lebens genauer angepaßtes Zeitmaß zu verfügen. Eine sehr große Zahl von Delegationen Haben außerdem tzöglaubt, daß jede Reform des Kalenders, sei es auch die bescheidenste, Veränderungen in sich schließt, welche jahrhundertelangen Gewohnheiten widersprechen und daß es daher vorzüziehen sei, keinerlei Reform ins Auge zw fassen, die nicht wenigstens geeignet, fft,' 1 tzen ernstesten Nachteilen Äes gegenwärtiges Kalenders -abHu-' Helsen. Von 35 Delegationen haben soz. B. 11 geglaubt, daß. eine einfache Gleichmachung...der^rKalMherhuartale. nicht Vorteile von genügendem Hewichüt , M Gefolges haben' würde, um die Schwierigkeiten auszugleichen, welche notwendigerweise jede Veränderung der Traditionen und jeder Uebergangszustanü mit sich bringt; vier haben eine entgegengesetzte Meinung kundgegeben. Cs ist außerdem geltend gemacht worden, daß eine so geringfügige.. Veränderung gegenüber dem gegenwärtigen Keilender.,für die kommenden Generationen kdineN^ merkbaren Vorteil bringen würde. Eine sehr große Zahl von Delegationen hat endlich die Meinung ausgedrückt, daß jedwede Reform des Kalenders nur dann praktisch etwas zustande bringen könnte, wenn sie gleichzeitig in der ganzen Welt eingeführt wird, oder wenigstens in der großen Mehrheit der Staaten, und aus diesem Grunde ist das Studium dieser Frage ja unter die Auspizien des Völkerbundes gestellt worden. Die Konferenz hat die verschiedenen Vorteile der Kalender von 12 Monaten und von 13 Monaten geprüft, so wie sie in dem Berichte des vorbereitenden Komitees auseinandergesetzt find. Im Laufe der Diskussionen in der Konferenz hat man festgestellt, daß der 13 Monate-Kalender theoretisch der vollkommenste ist, vorausgesetzt natürlich, daß geeignete Maßnahmen ins Auge gefaßt werden können, zur Wahrung laufender Verträge während der Uebergangsperiode. Dagegen hat der 12 Monate- Kalender den Vorteil, weniger schroff mit den geltenden Gewohnheiten zu brechen. Die Einführung von .Ergänzungstagen, welche keinen Wochentagsnamen tragen, eine Einführung, die praktisch in allen ewigen Kalendern notwendig ist, ist der Opposition gewisser religiöser Gemeinschaften und gewisser sozialer Gruppen begegnet, deren Vertreter von der Konferenz angehört worden sind. Einige Delegationen haben sich im selben Sinne ausgesprochen. Die meisten Delegationen bei der Konferenz haben gemeint, daß mangels einer lebhaften Bewegung der öffentlichen Meinung zu Gunsten der Einführung eines ewigen Kalenders diese Opposition zum mindesten in gewissen Ländern die Einführung des ewigen Kalenders ganz besonders schwierig, wenn nicht unmöglich machen würde. Es ist der Konferenz in diesem Zusammenhang die Anregung gegeben worden, daß wenn diese Situation fortdauere, es möglich fein werde, an dem gegenwärtigen Kälender bemerkenswerte Verbesserungen! vorzunehmen,' ohne die Einführung eines ewigen Kalenders, und zwar durch die. Annahme eines Kalenders von 13 Monaten ohpe Einführung von Blankotagen. Dieser -Kalender würde zwar nicht in demselben Maße wie ein ewiger Kalender die genaue Vergleichung korrespondierender Perioden in verschiedenen Jahren'ermöglichen, aber würde nach Ansicht der Anhänger dieses Gedankens wenigstens den Vorteil bringen, das Jahr rationell einzuteilen und eine exakte Vergleichung zwischen den einzelnen Zeitabschnitten innerhalb desselben Jahres ermöglichen. Er würde außerdem der Unbequemlichkeit von unregelmäßig zwischen zwei Monaten desselben Jahres geteilten Wochen ein Ende machen. Im selben Zusammenhang ist die Aufmerksamkeit der Konferenz besonders auf den Brauch gelenkt worden, der ich in den kommerziellen und industriellen Unternehmungen gewisser Länder verbreitet, einen Hilsskalender herzustellen, der im allgemeinen auf der Teilung des Jahres in 13 Monate beruht. Es ist geltend gemacht worden, daß es Interesse hätte, die in dieser Hinsicht erworbenen Erfahrungen regelmäßig zusammenzustellen. Wenn die Anwendung solcher Hilfskalender unter den kommerziellen und industriellen Organisationen allgemein würde, ebenso unter den statistischen Aemtern, wenn insbesondere die öffentlichen Körperschaften davon Gebrauch machten, o würde allmählich die öffentliche Meinung geneigter werden die Konsequenzen einer Vereinfachung des Kalenders zu erfassen. Es ist ebenso darauf hingewiesen worden, daß -es in diesem Falle nicht, einmal..unmöglich wäre, die Eventualität ins Auge zu,Msen,,daß.gewisse Staaten, in deren Gebiet diese Hilfskalercher zum allgemeinen Gebrauch würden, sich in der Läge fänden, im 12. November 1931 gegebenen Augenblick..diesem /Kalender einen offiziellen Charakter als HilsskälendexM'gebeü^die'dann bei der Ausübung gewisser offizieller öder privater ökonomischer Tätigkeiten wenigstens gleichzeitig,nW dem offiziellen Kalender während einer gewissen' Zeit/cinerkannt werden könnten. ° "• <Jt. - -Die Kommission'gltMbt/H'ä'ß'Vi-ö'Anstre'ngungen, die von ^k^^ratMden.,KoNst-e^jUy^'iWlyirH«nnationalen Komitees hinsichtlich einer Kalenderresorm gemacht worden sind, nicht.vergeblich waren..-Zum. ersten Male hat die öffentliche ^Meinung in^ lWer Mnze gygefangen, ernstchast die Vorteile und...die Schwierigkeiten einer Vereinfachung des gregorianischen Kalenders zu diskutieren. Züm'ersten'Male Hat, sie' bssgtjchHh-.können, Lar zu erkennen, -daß es vön ihr ällein^aHängk7"alle Entscheidungen zu.treffen,. pelche;.sie;i-^Mzug auf diese Vereinfachungfür nützlich halten'solltet Es ist auch zum ersten Male, daß die Gesamtheit der Regierungen dazu gebracht worden ist, kn 'der Vereinfachung des Kalenders eine Frage zu sehen; welche den Diskussionen unter ihnen in offizieller Weise unterliegt. Die im vorstehenden erwähnten vorbereitenden Arbeiten ebenso wie die jDiskussionen nn Schoße der Koüferenz, welche ohne. Zweifel'die Aufmerksamkeit der : Regierungen ' aus sich' lenken werden, cherden den kompetentem Regierungsstellen die unumgänglichen. Unterlagen fü^ eine überlegte Entscheidung bieten. ' .* 7 , ■ , ' j Die Könfe'ces.;'' hät' 'in Berücksichtigung der oben geschilderten Lagei.es nicht sür'öpstörtun erachtet; sich auch ^nur über das Prinztz der ^Kalenderresorm aüszusprechen. .Aber, die beratende uH. technische Kommission für Verkehr und Transit wird n'rcht verfehlen, sich weiter auf dem Laufenden zu halten über die Anstrengungen, welche ohne. Zweifel weiter verfolgt werden, um die öffentliche Meinung über die Vorteile und über die Nachteile einer Reform allfzuklär en. Sie. w ir'r nicht verfehlen, die Regterung'eN regelmäßig über diesen Gegenstand informiert zu halten. Sie wird also bei.ihrerAufga.be b l» i b e n, die immer darin bestanden hat, nicht btwa sich irgend welcher Propaganda auszuliefern, sondern unparteiisch die öffentliche Meinung über ein. ökonomisches, und soziales Problem aui;u?lären, das, wie die Erfahrung gezeigt hat, welche Ideen man auch für oder gegen die Kckenderreform anwenden möge, ein lebhaftes Interesse . ii einer großen Zahl der Länder der ganzen Welt erweck hat." Wie sich aus dieser Resolution ergibt, rechnet das Verkehrskomitee des Völkerbundes damit, daß in den einzelnen Ländern, wobet zwar wohl in erster Reihe, aber keineswegs ausfä/ießlich, an Amerika gedacht wird, die. Bemühungei um Gewinnung der öffentlichen Meinung für eine Re'- form des gregorianischen Kalenders fort - d a uern werden. Sie will diese Benegungen im Auge behalten und alsdann zu einen geeigneten Zeitpunkte an die Beratung des Problems erneut Herangehen. Nötig ist es daher auf alle Fälle, daß in jedem Lande die Entwicklung der Dinge im Auge behalten und' einer einseitigen Darstellung der angeblichen Vorteile des Tlantotages in der Oeffentlichkeit und vor den Behörden rechtzeitig entgegengetreten wird. Die Lende sorganifatronen der „Agudas Jisroel" follter also nicht aufhören, den Gang der Dinge im Auce zu behalten, wenn auch eine zentrale Stelle für die Zusammenfassung dieser Veobachtungs- und Abwehrtätigkeit vorerst wohl. kaum mehr vonnöten fein dürfte. - Korrespondenzen « nacbricbten Deutsches Reich. ' 12 je,n Pr h al lich fer. Trst Trre Ja' l pftemad ZU i 595, reist •gart. Fah die plät ist 15. i wir! Gol II. End vor der f eu hau «eg« Rat Har aufc ner stati Wi Ha, Dr. .von Auf Pol Ung er i Mef jim nar in \ m tow fchir schir und Pa; li'slc aus fitz Gesellschaftsreise der P. E. der Agudas Jisroel nach Palästina. V Frankfurt a. M., 9. Nom Zu dem in den „Blättern" veröffentlichten Programm der Reise sei noch folgendes bemerkt: Als Termin für die Reise ist die Zeit vom . 3. Adar I 5692 (10. Februar 1932) bis 22. Adar I 5692 (29. Februar 1932) ge plan i. Die Abfahrt von Triest erfolgt Mittwoch, 3; Adar ][, nachmittags 1 Uhr. Die Kosten dieser Reise werden ssth einschließlich Landaufenthalt, H o t e Verpflegung, außerdem Fahrten zu al^ len Ausflügen, Führungen durch fach kundige Führer unter besonderer Berücksichtigung aller Sehenswürdigkeiten wie folgt stellen: III. Klasse Goldmark 600.—, II: Klasse Goldmark 825.—, I. Klasse Goldrnar? 1100.—. will M0! men schir in k Mk. natc Mk. Zög lant Vor den und Ans bieb

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