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Der Israelit · 1931-11-05 · Heft 45 (5.11.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 45 (5.11.1931)
Date
1931-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Israelit Nr. 45 Seite 3 5. November 1931 Für Körper nur DI ALS Lebens in Erez Iisroel gewährleistet sein werde. Es läßt sich denken, daß. dieser Artikel im nationalen Lager wie eine Bombe gewirkt hat, was man angesichts der prekären politischen Situation begreifen kann. Es muh daher in aller Form erklärt werden, daß der Aufsatz durchaus als Privatarbeit eines hö ch st wahrscheinlich ü e m K r e i s e der I u n g a g u d i st e n entst a m m e n d e n M i t a r b e i t e r s gewertetwerden muß, wenn er auch leider nicht mit Namen gezeichnet war. Weder der verehrungswürdige Führer der palästinensischen Agudas Iisroel, Oberrabbiner Sonn e n f e l d, noch die palästinensische Agudo- Leitung und noch viel weniger die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation oder deren Rabbinischer Rat sind mit den Gedankeng ä n g e n de s Ar t i k e l s e i n v e r st a n d e n. Ob die jüdische Bevölkerung Hebräisch oder Jiddisch als ihre Muttersprache deklarieren wird, muß dem Einzelnen überlassen bleiben, denn schließlich handelt es sich dabei um eine Gewissensfrage. Was aber die prinzipielle Stellungnahme der Orthodoxie zur hebräischen Sprache oder gar zur Balfour-Erklärung und zu den politischen Rechten der Judenheit in Erez Iisroel betrifft, so sind die in dem Artikel entwickelten Anschauungen viel zu subjektiv, als daß man sie ernst nehmen dürfte. Mit leidenschaftlichen Exzessen treibt man. keine Politik. Jüdische Richter werden nbgelehnt. Allen höchstmstanzlichen Entscheidungen zum Trotz werden Richter und Schöffen von nationalistischen Angeklagten wegen ihres jüdischen Aussehens oder ihrer angeblichen jüdischen Zugehörigkeit ab gelehnt und es wird die Ablehnung vom Gerichte anerkannt. Ein ganz krasser Fall liegt in D a r m ft a d t vor. Dort hatten sich am 27. Oktober zwei bekannte Nationalsozialisten vor der Großen Strafkammer in Berusungsverhandlung wegen verschiedener Vergehen zu verantworten. Die Verhandlung begann damit, daß Angeklagte und- Verteidiger den Amtsgerichtsrat Dr. Marx wegen Befangenheit ablehnten. Schlimmer als die Ablehnung wirkt ihre Begründung, die etwa folgendermaßen lautet: „Nicht nur nach nationalsozialistischer Auffassung, sondern auch nach den Ergebnissen der modernen Rassenforschung, wie sie durch ihren bekannten, von der Regierung eines deutschen Landes auf den Lehrstuhl einer staatlichen Hochschule berufenen Vertreter Prof. Günther bestätigt wird, kann ein Jude einem Andersrassigen gegenüber niemals eine objektive Haltung einnehmen." Das Gericht hat sich dem Antrag der Verteidigung angeschlossen. Es müßte bei der Beurteilung vom Standpunkte der Angeklagten ausgehen und man könne das, was sich seelisch gegen den Amtsgerichtsra.t Dr. Marx bei den Angeklagten abspielt, ob es berechtigt oder nicht berechtigt erscheint, nicht übergehen. Wenn die Angeklagten von ihrem Recht durch, eine Reihe von äußeren Ereignissen derart felsenfest überzeugt seien, so müsse man annehmen, daß das Mißtrauen gegen einen jüdischen Richter dann soweit begründet ist, daß über den zur Verhandlungstehenden Fall nur ein Gericht urteilen kann, das das volle Vertrauen genießt. Der „Völkische Beobachter" jubelt. Er hat allen Grund dazu. Es scheint doch nun so, daß in den deutschen Landen nicht das Reichsgericht für die Rechtsprechung entscheidend ist, sondern der Herr Professor an der Hochschule des Antisemitismus zu Jena in Thüringen. Agudisten fahren nach Erez Iisroel. Es war an einem regnerischen Montagmorgen im Foyer des Hotel „Britania" in Warschau. Abgehärmt und übernächtig nach langer Nachtfahrt, von Abschiedsstimmung durchweht, saßen wir, achtzehn Mann aus sieben verschiedenen Ländern, nach fast dreiwöchiger gemeinsamer Fahrt durch die östlichen Lande, nach einem gemeinsamen tiefen Erleben, beim letzten Morgentee. Nach einer Stunde schieden sich unsere Wege; die einen fuhren über Berlin, die anderen über Wien nach Hause. Es kamen keine Reden, keine frohen Worte in dieser Nöiilastunde zustande. Das Herz war zu voll, um die Worte geordnet über die Lippen zu senden. Aber ein letzter Händedruck' war von e i n e m Worte, eine m Wunsche, begleitet: „Auf Wiedersehen bei gemeinsamer Fahrt nach Erez Iisroel!" Keren Hathora besuchte die Thora, die Zentren und das Volk der Thora im O st e n , und wir waren uns darüber klar, daß der Besuch beim Volke der Thora im Lande der Thora, im Lande der Väter dem Keren Hajischuw, der Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel Vorbehalten bleiben müsse. Nunmehr ruft die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel zu einer Gesellschaftsreise n a ch E r e z I i s r o e l auf. Was wir uns an jenem trüben Morgen in der dunklen Warschauer Bahnhofshalle wünschten, geht in Erfüllung. Wer will, wer kann, wer soll mit? Die erste Frage könnte man richtiger negativ formulieren: Wer von uns wollte es nicht? Die Jugend will Erez Iisroel in der Ideologie und im Programme der Aguda nicht missen, will es sogar im Zentrum der Arbeit wissen. Das Interesse für Palästina ist in der gesamten jüdischen Welt, weit über den Zionismus und auch über die Agudg hinaus, heute so wach, wie kaum st zuvor. Die Erez Jisroel-Arbeitsgemeinschasten finden größte Beteiligung. Im Unterbewußtsein eines jeden von uns schlummert der Wunsch und die Hoffnung, einmal den heiligen Boden betreten und die. jüdischen Höhen darauf, im wörtlichen wie im geistigen Sinne, mit eigenen Augen sehen zu können. Allein, wollen ist in dieser kritischen Zeit leider nicht gleichbedeutend mit könne n. Wer kann mit? Einzelne gibt es auch noch in Deutschland, die sich den stark ermäßigten Betrag leisten können, in den anderen Ländern Europas, die von der Krisis in dem Maße nicht erfaßt sind, ganz gewiß. Wer Zeit und Geld für eine Ferienreise zur Verfügung hat, sollte sich die Gelegenheit zu diesem seltenen Ausflug ins Geistige unter dem blauen Frühlingshimmel Palästinas nicht entgehen lassen. Organisationen, Vereine und Gruppen könnten kleine Beträge zu diesem Zweck sammeln und durch Auslosung eines oder zwei ihrer Mitglieder zur Teilnahme an der Gesellschaftsreise bestimmen, um so für die Palästinabelange Sachverständige, die die Dinge aus eigener Anschauung kennen, zu gewinnen. Die Reisegesellschaft der Palästina-Zentrale will, wie aus dem Programm ersichtlich, die heiligen Stätten des alten Jischuw besichtigen, an den Schöpfungen des neuen und neuesten Jischuw in den Kolonien und in Tel-Awiw aber nicht vörübergehen. Man wird Gelegenheit haben, an den Vätergräbern wie an den heiligen Quadern der Westmauer zu beten und ebenso an den Stätten jüdischen Fleißes und jüdischer Arbeit sein Urteil über Palästina an den Tatsachen nachzuprüfen. Mögen recht viele von denen, die wollen und können, dem Rufe der Palästina-Zentrale folgen. (Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland.) Aus dem soeben erschienenen Doppelheft fei zunächst eine Studie van Dr. Julius Brutzkus erwähtn, die sich mit den noch wenig bekannten Handelsbeziehungen zwischen Süddeutschland und dem Osten beschäftigt. Die interessanten Ausführungen, in denen u. a. die verschiedenen Handelswege und Handelsbräuche näher beschrieben werden, geben auch Hinweise auf die Entstehung der jüdischen Gemeinden längs der großen Handelsstraße durch Süddeutschland (Augsburg, Regensburg, Prag). In ein ganz anderes Gebiet gehört — sachlich und zeitlich — die umfangreiche Arbeit über „Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus", deren beide erste Teile in der vorliegenden Doppelnummer abgedruckt sind. Der Verfasser, Dr. Otto Kluge (Berlin), hat es sich zur Aufgabe gemacht, die „mehrlinige und . mehrdimensionale" Entwicklung der hebräischen Studien in Deutschland während der Zeit von 1480 bis 1550 darzustellen. Die auf langjährigem gründlichem Quellenstudium beruhende Abhandlung stellt einen wertvollen Beitrag zur allgemeinen Sprach- und Vkldungsgeschichte des 16. Jahrhunderts und ein wichriges Kapitel der Beeinflussung deutscher Kultur durch Juden dar. Drei weitere Aufsätze führen in das 19. Jahrhundert. Der eine betrisst die Frage der Einrichtung einer „Oberbehörde für Religionsangelegenheiten der. Israeliten"; Rabbiner Dr. A. Eckstein (Bamberg), veröffentlicht: aus den Jahren 1861/62 stammende „unbekannte Gutachten von Dr. Meyer Feuchtwang. und Sam so n Ra p h a et H i r s ch ",*) die damals auf Verlangen der bayerischen *) Wir werden das sehr interessante Gutachten demnächst, wiedergeben. Red. Regierung erstattet wurden. Aus Aktenstücken „Zur ostjüdischen Einwanderung in Preußen" berichtet Professor Dr. Salo Baron von der Columbia Universität in Newyork. Aus der Fülle des noch unveröffentlichten Materials werden zwei Vorgänge (aus der Zeit von 1813—17) herausgegriffen, die in interessanter Weise die feindselige Stimmung der Kaufmannschaft einzelner Grenzstädte wie Memel und Königsberg sowie die Haltung der preußischen Regierung widerspiegeln. Neben den ausgezeichneten und wegen ihrer Reichhaltigkeit so geschätzten „Bibliographischen Notizen" von Professor Dr. Heinrich Loewe (Berlin), die diesmal weit über 400 Angaben aus allen Gebieten nicht nur der engeren Geschichte der Juden in Deutschland umfassen, enthält das Heft eine Uebersicht über die „Dissertationenliteratur zur Geschichte der Juden aus den Jahren 1922 bis 1928" von Pros. Dr. Guido Kisch (Halle). An den beiden umfassenden Literaturteilen haben auch diesmal wieder zahlreiche namhafte jüdische und nichtjüdische Gelehrte als Rezensenten mitgearbeitet. Die Leitung des Literaturteils der in jedem zweiten Heft erscheinen soll, hat jetzt Professor Dr. Kisch (Halle) übernommen. Mit diesem stattlichen, inhaltsreichen Doppelheft hat die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" wiederum die Notwendigkeit ihrer Existenz bewiesen: alle Gebiete der Geschichtsforschung wurden behandelt, alle großen Epochen berücksichtigt. Die Zeitschrift erscheint im P h i l o - V e r l a g, Berlin W 15 und kostet Mk. 10.— jährlich. (Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Ungarn.) Wie aus einer vor kurzem vom Vudapester Rabbinat veröffentlichten Statistik hervorgeht, find im Jahre 1930 in Budapest 392 Personen aus dem Judentum ausgetreten: Der Glaubenswechsel erfolgte in der Mehrzahl der Fälle anläßlich von Eheschließungen mit Andersgläubigen. Die Zahl der Austritte entspricht schon seit einigen Jahren einem Prozentsatz von ungefähr 0,4 Proz. der jüdischen Bevölkerung. In den Provinzstädten und in den Dörfern ist der Prozentsatz etwas geringer. Zum Rückgang der jüdischen Bevölkerung Ungarns trägt neben der Austrittsbewegung auch das Ueberwiegen der Sterbefälle über die Geburtenziffer bei. Die Zahl der Todesfälle war im Jahre 1927 um 1067, im Jahre 1928 um 771, 1929 um 1185 und 1930 um 973 höher als die Zahl der Geburten. Die immer mehr um sich greifende religiöse Gleichgültigkeit kommt . darin zum Ausdruck, daß 30 Proz. der jüdischen Geburten beim Rabbinat überhaupt nicht angemeldet werden, 30 Proz. der rein jüdischen Ehen werden nicht rituell geschlossen und in mindestens 10 Proz. der Fälle wird die Beschneidung nicht vollzogen. Mindestens 30 000 Mitglieder der neoloaen Kultusgemeinde besuchen nicht einmal am Versöhnungstage die Synagoge. AwHenrmender. *]i Samstag Okt. 7 pvnnv 27 v vnnn i'3N3v mw "N Dienst.'früh 11U.4V/sM. Sonntag 8 28 »v Montag 9 29 3V ■>3» N'3»N Dienstag 10 30 30 vnn wrn 's Mittwoch 11 1703 1 TO V1N VS1T '3 Donnerstag 12 2 TO Freitag 13 3 10 Samstag H 4 TO ninHn

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